Alfred Andersch

 3,5 Sterne bei 568 Bewertungen
Autorenbild von Alfred Andersch (©)

Lebenslauf

Der Autor Alfred Andersch ist heute vor allem bekannt für seine zeitkritische Nachkriegliteratur, in der er über Ausnahmesituationen schrieb und auch politische Diskussionen mit einband. Er lebte von 1914 (München) bis 1980 (Berzona), machte eine Buchhändlerausbildung und wurde später - aufgrund seiner politischen Kritik - ins Konzentrationslager in Dachau gesteckt. Danach hatte er zu große Angst, weiterhin politisch aktiv zu sein und deshalb nochmal inhaftiert zu werden. Deshalb arbeitete er dann bei einer Verlagsbuchhandlung. Nach dem Krieg konnte er sich dann in seiner Literatur mit all jenen politischen Themen und seinen Erinnerungen an diese Zeit auseinander setzen.

Neue Bücher

Cover des Buches Der Vater eines Mörders (ISBN: 9783257073614)

Der Vater eines Mörders

(70)
Neu erschienen am 22.04.2026 als Gebundenes Buch bei Diogenes.

Alle Bücher von Alfred Andersch

Cover des Buches Sansibar oder der letzte Grund (ISBN: 9783257600551)

Sansibar oder der letzte Grund

(333)
Erschienen am 22.05.2012
Cover des Buches Der Vater eines Mörders (ISBN: 9783257073614)

Der Vater eines Mörders

(70)
Erschienen am 22.04.2026
Cover des Buches Die Rote (ISBN: 9783257600797)

Die Rote

(31)
Erschienen am 23.10.2012
Cover des Buches Die Kirschen der Freiheit (ISBN: 9783257600780)

Die Kirschen der Freiheit

(18)
Erschienen am 22.05.2012
Cover des Buches Winterspelt (ISBN: 9783257600810)

Winterspelt

(12)
Erschienen am 28.05.2013
Cover des Buches Hohe Breitengrade (ISBN: 9783257014273)

Hohe Breitengrade

(8)
Erschienen am 01.11.1991
Cover des Buches Efraim (ISBN: 9783257236033)

Efraim

(7)
Erschienen am 26.09.2006
Cover des Buches Mein Verschwinden in Providence (ISBN: 9783257236071)

Mein Verschwinden in Providence

(7)
Erschienen am 26.09.2006

Neue Rezensionen zu Alfred Andersch

Cover des Buches Sansibar oder der letzte Grund (ISBN: 9783257600551)
Hubertus_Feldmanns avatar

Rezension zu "Sansibar oder der letzte Grund" von Alfred Andersch

Hubertus_Feldmann
Nur weg!

„Alle“ wollen irgendwie weg, weg von eingegangenen Verpflichtungen, weg von berechtigten Ängsten, weg von der Partei (den Roten), aber vor allem weg aus dem Einflussbereich der neuen Machthaber: „den Anderen“. Fluchtpunkt ist das betuliche Ostseestädtchen Rerik, als Sinnbild von Enge und daraus entstehendem Wunsch dieser Enge zu entfliehen. Drei Gründe sind es, die zumindest einen der Protagonisten („Der Junge“) der 1937 spielenden und 1957 erschienenen Geschichte in die Ferne treibt – allein schon, weil es diesen Begriff, diese Örtlichkeit gibt: Sansibar: „Man mußte sich etwas Neues ausdenken, damit man nicht so wurde. Aber um es ausdenken zu können, mußte man erst einmal weg von ihnen.“

Während hier die Flucht aus der Enge, aus der gefühlten Bedrängnis geplant und gesucht wird, treibt auf der anderen Seite der Überlebensinstinkt eine junge Jüdin zu verzweifeltem Verhalten. Aber es geht auch um eine „übergeordnete Instanz“ als Gegenpol zur neuen Zeit, um die Rettung einer religiösen Figur („Lesende Klosterschüler) vor dem Zugriff „der Anderen“. Zurück allerdings bleibt das Hadern angesichts der Vorgänge, die hier aber, bis auf eine (brutale) Ausnahme explizit nicht zum Thema gemacht wird. Auf der einen Seite der Parteigänger (Kommunist): „Was aber treibt ihn an, das Richtige zu tun? […] Das Nichts treibt ihn an, das Bewußtsein in einem Nichts zu leben, und der wilde Aufstand gegen das leere, kalte Nichts, der wütende Versuch, die Tatsache des Nichts, dessen Bestätigung die Anderen sind, wenigstens für Augenblicke aufzuheben." Auf der anderen Seite der „Gottesmann“: „Irgendein verrückter Eigensinn läßt mich noch an jenen Herrn glauben, der sich in Honolulu oder auf dem Orion befindet, ich glaube an die Ferne Gottes, aber nicht an das Nichts.“

Dieses Karussell von Ängsten, Befürchtungen und Grollen wird in dystopischen Farben geschildert, Schilderungen, die unter die Haut kriechen und förmlich nach Rettung schreien. Kann diese gelingen?

(13.10.2021)

Cover des Buches Sansibar oder der letzte Grund (ISBN: 9783257600551)
vanessablns avatar

Rezension zu "Sansibar oder der letzte Grund" von Alfred Andersch

vanessabln
Trotz Höhen insgesamt kein Lesegenuss

Es war dies mein erstes Buch von Alfred Andersch, das ich vor 30 Jahren einmal empfohlen bekommen hatte. An die Begeisterung des Lesers kann ich mich noch gut erinnnern... Jetzt habe ich mich endlich vorsichtig herangetraut, zumal die Seitenanzahl gering ist. Insgesamt hatte ich (alleine schon hinsichtlich der Handlung) etwas anderes erwartet, kann aber trotzdem verstehen, was manche Leser daran begeistert. 

Die Personen sind gut gewählt und an sich interessant. Dass sie für verschiedenen Menschentypen stehen, ist einem hinterher klar. Auch die Perspektivwechsel haben mir gut gefallen. Davon abgesehen, dass nicht viel, wenn auch (letztendlich, wenn man es nicht mehr erwartet) Entscheidendes passiert (der Zeitausschnitt des Buches ist ohnehin klein), hat mich der Schreibstil gelangweilt. Dass Andersch schreiben konnte, blitzt aber immer mal wieder auf. Besonders die Szenen zwischen den zwei Personen, aus denen meiner Meinung nach ein interessantes Paar hätte werden können, sind kleine Highlights. Auch die Zweifel und der Pessimismus der Figuren sind oft gut ausgedrückt. Dass eher das Innenleben der Figuren als ihr Tun eine Rolle spielt, hätte mich nicht gestört. Die vielen Naturbeschreibungen hätten aber kürzer ausfallen können. Es ist eher das Undurchschaubare, was mich bis zur Hälfte irritierte. Der Autor hätte manchmal besser auf den Punkt kommen können. Ich weiß nicht, ob man das Buch, als es erstmals erschien, besser verstanden hat als heute ... "Die Partei" und "die Anderen" werden zwar klar, aber die Begriffe irgendwann penetrant. Warum gleich zwei Personen als Parteimitglieder vorkommen, hat sich mir nicht erschlossen. Anders wären die Personen schon anfangs klarer gewesen. Leider hat man den Eindruck, dass sie Personen eher aus ideologischen Gründen gewählt wurden. Mich haben trotzdem zwei Figuren besonders interessiert, die sozusagen für mein Lesedurchhalten sorgten. Ein Miteinander der Personen (worauf die Inhaltsangabe für mich hindeutet und worau ich wartete) findet außerdem nicht statt (wäre vielleicht spannender gewesen), wenn sie einander auch beeinflussen und streifen. Ich bin froh, das Buch nicht im Schulunterricht gehabt zu haben. Denn als Pflichtlektüre ist es sicher eine Qual.    

Ich werde sicher dazu noch Besprechungen und mehr Interpretationen lesen. Die philosophischen Fragen, die das Buch aufwirft, sind sicher Überlegungen wert. Letztendlich befinden sich alle Personen in einer Zwangslage (außer der noch naive Junge) aufgrund äußerer Verhältnisse (in der Nachkriegszeit sicher ein großes Thema). Ihre finalen Entscheidungen treffen sie aufgrund ihres Charakters und somit auch ihrer eigenen Moral. Während einige kaum eine Wahl haben, hätten andere theoretisch eine gehabt. Oder hat der Mensch doch in jeder Situation eine Wahl?   

Cover des Buches Der Vater eines Mörders (ISBN: 9783257261110)
walli007s avatar

Rezension zu "Der Vater eines Mörders" von Alfred Andersch

walli007
Nur eine Stunde

Der vierzehnjährige Schüler Franz Kien hat im Mai 1928 nicht viel Lust auf den Unterricht. Warum weiß er nicht so genau. Wahrscheinlich könnte er, wenn er wollte. Er weiß allerdings nicht, was er will. Schriftsteller werden will er, das weiß er dann doch. Als der Schuldirektor Himmler eine Griechischstunde inspiziert, betrifft das Franz erst nicht sehr. Der Rektor scheint das häufiger zu machen. Zuerst nimmt er sich den Lehrer vor, der vornehmlich um seine Stelle besorgt scheint. Irgendwann kommt einer der besten Schüler dran, der es sich leisten kann Widerworte zu geben. Meint er. Als Franz meint, der Kelch ist so eben an ihm vorbeigegangen, muss er sein Nichtwissen doch noch zeigen. 


Der Schriftsteller Alfred Andersch kehrt in die Zeit seiner Jugend zurück. Sein alter ego Franz Kien erlebt eine Unterrichtsstunde, die wohl kein Schüler so erleben möchte. Er meint zu verstehen, wieso Jung-Himmler sich mit Alt-Himmler überworfen hat. Aber ist aus Jung-Himmler deshalb ein Vernichter vieler Menschen geworden? Franz Kien bekommt jedenfalls mit, wie der Rektor einen Schüler von der Schule verbannt, wie er sich aufführt, wie ein Herrscher über sein kleines Schulreich. Als Kien dann selbst noch drankommt, von Himmler bloßgestellt, ist er fast schon froh, von der Schule zu fliegen. Nur um seinen Vater sorgt er sich. 


Man empfindet schon Beklemmungen, wenn man sich diesen Unterricht vorstellt, wenn man sich diesen Rektor vorstellt. Natürlich weiß man heute, was aus Jung-Himmler wurde. Das führt schon irgendwie zu der Frage, wenn der Vater menschen- oder schülerfreundlicher gewesen wäre, ob dann aus seinem Sohn etwas anderes geworden wäre. Dieser Schuldirektor löst Widerwillen aus. Er nutzt seine Machtposition perfide aus. Er scheint nicht zum Wohle der Schüler tätig zu sein, sondern eher, um seine eigenen wie auch immer gearteten Bedürfnisse zu befriedigen und Menschen gegeneinander auszuspielen. Keine angenehme Lektüre, aber eine, die sehr nachdenklich stimmt. 

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Zusätzliche Informationen

Alfred Andersch wurde am 03. Februar 1914 in München (Deutschland) geboren.

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