„Alle“ wollen irgendwie weg, weg von eingegangenen Verpflichtungen, weg von berechtigten Ängsten, weg von der Partei (den Roten), aber vor allem weg aus dem Einflussbereich der neuen Machthaber: „den Anderen“. Fluchtpunkt ist das betuliche Ostseestädtchen Rerik, als Sinnbild von Enge und daraus entstehendem Wunsch dieser Enge zu entfliehen. Drei Gründe sind es, die zumindest einen der Protagonisten („Der Junge“) der 1937 spielenden und 1957 erschienenen Geschichte in die Ferne treibt – allein schon, weil es diesen Begriff, diese Örtlichkeit gibt: Sansibar: „Man mußte sich etwas Neues ausdenken, damit man nicht so wurde. Aber um es ausdenken zu können, mußte man erst einmal weg von ihnen.“
Während hier die Flucht aus der Enge, aus der gefühlten Bedrängnis geplant und gesucht wird, treibt auf der anderen Seite der Überlebensinstinkt eine junge Jüdin zu verzweifeltem Verhalten. Aber es geht auch um eine „übergeordnete Instanz“ als Gegenpol zur neuen Zeit, um die Rettung einer religiösen Figur („Lesende Klosterschüler) vor dem Zugriff „der Anderen“. Zurück allerdings bleibt das Hadern angesichts der Vorgänge, die hier aber, bis auf eine (brutale) Ausnahme explizit nicht zum Thema gemacht wird. Auf der einen Seite der Parteigänger (Kommunist): „Was aber treibt ihn an, das Richtige zu tun? […] Das Nichts treibt ihn an, das Bewußtsein in einem Nichts zu leben, und der wilde Aufstand gegen das leere, kalte Nichts, der wütende Versuch, die Tatsache des Nichts, dessen Bestätigung die Anderen sind, wenigstens für Augenblicke aufzuheben." Auf der anderen Seite der „Gottesmann“: „Irgendein verrückter Eigensinn läßt mich noch an jenen Herrn glauben, der sich in Honolulu oder auf dem Orion befindet, ich glaube an die Ferne Gottes, aber nicht an das Nichts.“
Dieses Karussell von Ängsten, Befürchtungen und Grollen wird in dystopischen Farben geschildert, Schilderungen, die unter die Haut kriechen und förmlich nach Rettung schreien. Kann diese gelingen?
(13.10.2021)






















