Hastings Zwei ist ein solider Politthriller, wenn er auch (nach meinem Empfinden) nicht das Niveau von Der Drache aus dem Jahr 1977 erreicht. Die Schilderung der politischen Nervenzentralen in Washington und Moskau ist hier weniger komplex, die handelnden Personen wirken etwas schematischer. Fast erscheint die oberflächliche Abhandlung in diesem 3 Jahre später erschienenen Buch als leichte Ermüdungserscheinung, denn viele Gesichtspunkte des Buches scheinen durchaus ausbaubar, etwa der Bergarbeiterstreik der NUM gegen die Thatcher-Regierung als Quasi-Vorlauf, der NATO-Doppelbeschluß oder die britische Wehrunwilligkeit der 1980er. Die Figur des US-Oberst Brede bleibt leider etwas blässlich, ebenso seine Liaison mit der Russin Larissa. Auch Hobbs und der Premierminister gerieten etwas schablonenhaft. Leider wartet man auf Plot-Twists vergebens, so dass man das Buch am Ende wenig überrascht aus der Hand legt. Sicher nicht Coppels bestes Werk, aber für einen regnerischen Nachmittag reichen die 272 Seiten allemal.
Alfred Coppel
Lebenslauf
Alle Bücher von Alfred Coppel
Helden werfen keine Schatten
Die spanische Heirat
Flug 17 entführt
Der Drache
Finale in der Wüste
Hastings Zwei (5176 786)
Neue Rezensionen zu Alfred Coppel
Alfred Coppel bietet dem Leser erneut einen brisanten Politthriller mit ausreichender historischer Tiefe, spannend und flüssig präsentiert. Wobei der Konflikt zwischen den USA, Russland und einem Rotchina, das militärisch aufgeholt hat, auch in der Gegenwart wieder aktuell geworden ist. Kurz, aber treffend schildert der Autor die politischen Hintergründe in den USA, der UdSSR und der VR China und die ideologische Rivalität zwischen letzteren. Verzichtbar scheint mir die (ohnehin nur in den ersten Ansätzen befindliche) Liebesgeschichte, da sie zur Storyentwicklung nichts Wesentliches beiträgt.
Zeitlich wird man das (1977 erschienene) Buch wohl Mitte der fiktiven 1980er einordnen können. Zum einen wird die Regierungszeit Breschnjew als „vor langer Zeit“ beschrieben (sie endete 1982), zum anderen wird die UNO-Konferenz 1945 in San Francisco als „seit 40 Jahre vergangen“ bezeichnet.
Wie häufig bei Coppel werden die „checks and balances“ der US-Verfassung am konkreten Beispiel deutlich gemacht, im Buch „Der Drache“ besticht vor allem seine sorgfältige Nachzeichnung der „Post-Watergate-Atmosphäre“ bei Politik und Medien im politischen Washington. Individuelle Schicksale sind im Roman stimmig in den politisch-historischen Kontext eingewoben, vor allem die Parallelen zwischen den Machtapparaten in Washington und Moskau frappieren. So wird der US-Vizepräsident Harold Cassius Hood - ebenso wie vorher die einschlägigen sowjetischen Politfunktionäre – vor allem als politischer Überlebenskünstler ohne eigene Ansichten und Überzeugung gezeigt, wie in Moskau dominieren auch in Washington persönliche Karriere-Interessen, beiderseits verbrämt als „Dienst für Partei und Nation", vom Autor übrigens identisch angeführt. Satirische Seitenhiebe auf die westeuropäische Mentalität der 1970er fehlen auch nicht, so der skurrile gallische Stolz auf die völlig überholte „Force de frappe“ und die Abhängigkeit der Niederlande bei NATO-Konsultationen vom Plazet der hiesigen „Rekruten-Gewerkschaft“.
Reizvoll ist zudem die Spekulation Coppels über einen Sowjetmarschall, der gleichsam „gegen die Parteibürokratie" putschen will. Er greift hierfür auf ein Netzwerk seiner ehemaligen Schüler an der Frunse-Akademie zurück, die sich mittlerweile in relevanten Stellungen befinden. Fiktiv sicherlich lohnend, wenn auch in der sowjetischen Realität genau solcher „Bonapartismus" seit den 1930ern und der sog. "Tuchatschewski-Affäre" von der Partei sehr sorgfältig bereits im Ansatz verhindert wurde. Die literarische Figur des Marschall Leonow scheint am historischen Vorbild von Marschall Tuchatschewski orientiert, auch der hatte „Schlag bei den Frauen“ und galt als militärisches Genie.
Die Titulatur in den beiden kommunistischen Systemen irritiert etwas, so hieß etwa der Parteichef der KPdSU nur von 1952 bis 1966 „Erster Sekretär" und nicht 1977, dem Erscheinungsjahr des Romans. Da führte er, wie vorher und nachher auch, die Bezeichnung „Generalsekretär“. Die KPCh hingegen wurde von 1943 bis 1982 von einem Vorsitzenden geführt, erst 1980 wurde zusätzlich die Position des „Generalsekretärs“ geschaffen, welche Coppel also bereits im Buch 1977 quasi vorweg nahm. Nach der Abschaffung des Amtes des Vorsitzenden 1982 war der Generalsekretär der faktische Parteiführer der KPCh.
Abgesehen von diese Kleinigkeiten ein rundum spannendes Lesevergnügen für den historisch beschlagenen Leser.
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Alfred Coppel wurde am 09. November 1921 in Oakland (Kalifornien) (Vereinigte Staaten von Amerika) geboren.
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