Berlin Alexanderplatz

von Alfred Döblin 
3,3 Sterne bei263 Bewertungen
Berlin Alexanderplatz
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Neue Kurzmeinungen

Positiv (130):
Dorfwolfs avatar

Verwirrend aber toll.

Kritisch (67):
maggiterrines avatar

Es ist nicht das schlechteste Buch, dass ich jemals gelesen habe aber weiterlesen wollte ich es auch nicht...

Alle 263 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Berlin Alexanderplatz"

Ein Klassiker der literarischen Moderne

'Berlin Alexanderplatz' gehört neben dem 'Ulysses' von James Joyce und 'Manhattan Transfer' von John Dos Passos zu den bedeutendsten Großstadtromanen der Weltliteratur. Erstmals 1929 im S. Fischer Verlag erschienen, erzählt der Roman die bewegende Geschichte des Franz Biberkopf, der nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis in einen Strudel aus Verrat und Verbrechen gerät. Darüber hinaus aber erzählt der Roman auch vom Berlin der zwanziger Jahre und findet zum ersten Mal in der deutschen Literatur eine eigene, ganz neue Sprache für das Tempo der Stadt.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783596521494
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:736 Seiten
Verlag:FISCHER Taschenbuch
Erscheinungsdatum:21.09.2017
Das aktuelle Hörbuch ist am 08.10.2009 bei Patmos erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    Dorfwolfs avatar
    Dorfwolfvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Verwirrend aber toll.
    Verwirrend aber toll.

    Um Döbins "Berlin Alexanderplatz" richtig lesen zu können, ist es zu spät. Zu viele Jahre sind seit der Publikation verstrichen und zu viel hat sich die Welt, Berlin und seine Bewohner verändert.
    Dennoch ist es ein tolles, wenn auch schwieriges Buch.


    Die Kerngeschichte welche erzählte  wird, ist durchschnitt. Sie ist spannend, aber nicht außergewöhnlich. Wie sie aber erzählt wird, macht das Buch so besonders.
    Das Buch ist chaotisch. Mit allen Formen der Schrift schreitet man in der Geschichte fort, man erfährt über Sachen, die überhaupt nichts mit der Geschichte zusammenhängen und so viel wird beschrieben, dass man zu leicht den Faden verliert.
    Diese Informationenflut spiegelt auch den Geist der Zeit wieder. Jedoch verliert man sich dadurch schnell und weitere Begebenheiten sind meist sehr verwirrend.


    Dennoch ist es ein gutes Buch, wenn man es versteht. Wenn man sich jedoch mehr auseinandersetzt und die Hintergründe bzw. Anspielungen versteht, wird es noch besser.

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    Wordmicroscopevor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Dreckig, trist und asozial. Das ist das wahre Gesicht Berlins.
    Alfred Döblin: Berlin Alexanderplatz - Die Geschichte von Franz Biberkopf

    Dreckig, trist und asozial. Das ist das wahre Gesicht Berlins. Es ist schwer auszumachen, ob es sich um einen Gegenwartsroman handelt - haben sich die Gepflogenheiten der Berliner seit der Weimarer Zeit kaum geändert. Der Autor Döblin schaut mikroskopisch auf das Schicksal eines Bürgers, dem das Glück bis zu seinem Lebensende nicht vergönnt wurde. Der Bürger Franz, frisch aus dem Gefängnis entlassen, da er seine Freundin umbrachte, möchte nun endlich anständig werden. Doch nach und nach versinkt auch er wieder in kriminellen Machenschaften und wird letzlich in einen weiteren Mord an seiner neuen Freundin verwickelt. Franz, mit seiner naiv-ängstlichen Art, tritt an gegen Sarkasmus, Betrug und Respektlosigkeit, nur keinen Berliner interessiert's. / Dirty, depressing, unsocial. This is the true face of Berlin. It's hard to say, if this story is a contemporary one - because the habits of Berlin citizens haven't changed. The author Döblin looks microscopically at the destiny of one citizen, whose life is out of luck. This citizen, called Franz, recently discharged from prison, due to the reason he killed his girlfriend, finally wants to be good. But after a while he is again involved into criminal activities and suspects by the police of killing his new girlfriend. Franz, with his naiv-anxious character threats, lines up against sarcasm, fraud and disrespect - unfortunately no one cares. (wordmicroscope)

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    Looooras avatar
    Looooravor 2 Jahren
    Kurzmeinung: ein Klassiker der deutschen Literatur, und vor allem kein leichter.
    harte Kost.

    Ein Buch, das zu den Klassikern der deutschen Literatur gehört. Einfach ist dieses Buch aber nicht. Im Gegenteil.
     Gerade der Schreibstil Döblins lässt viele Leser zurückschrecken. Die komplizierten Sätze, der Berliner Dialekt und die manchmal verwirrende Geschichte lässt viele Leser das Buch zuklappen und im Regal verschwinden. Ich musste mich zwischendurch auch immer wieder Fragen, was diese Handlung denn jetzt mit der Geschichte an sich zu tun hat.


    Nun denn, das Buch handelt von Franz Biberkopf, ein Verbrecher, der im Berliner Gefängnis Tegel saß, weil er seine Freundin so schwer verprügelt hat, dass diese an den Folgen starb. 
    Die Geschichte setzt an dem Tag ein, als Biberkopf das Gefängnis verlässt und sich geschworen hat anständig zu bleiben. 
    Dies gelingt ihm aber nur am Anfang und er versinkt auf Grund falscher Freunde, dem Alkohol und der Tatsache, dass dies gar nicht so einfach ist wie gedacht,  wieder in alte Muster, die sich am Ende des Buches mit einem verlorenen Arm, einer toten Frau und einem Aufenthalt in einem Irrenhaus, das ihm beinahe den Tod kostet, gipfelt. Franz Biberkopf erlebt einiges in der Zeit und den Weg dorthin beschreibt Döblin ganz genau und unverblümt, manchmal brutal, manchmal verwirrend und vor allem schonungslos, dass man gegenüber Biberkopf eigentlich keine Sympathien entwickeln möchte und hofft, dass er endlich wieder ins Gefängnis kommt. 


    Die Geschichte an sich spielt in Berlin der 20er Jahre. Aber anstatt die goldenen Zwanziger zu beleuchten, wird das dreckige und ungemütliche Berlin gezeigt. Das Berlin, was einem alles nimmt, was man besitzt, wo Diebstahl, Mord und Prostitution an der Tagesordnung stehen.


    Das Buch ist wie gesagt nicht einfach zu lesen, die Handlung und der Versuch ihr zu folgen ist manchmal nicht einfach,Personen sind einem nicht immer sympathisch und es definitiv keines der Bücher, die man in ein so verschlingt oder das man jedem empfehlen könnte. Muss es aber nicht und will es auch gar nicht. Es soll das graue Berlin der Zwanzigerjahre zeigen, Zeiten des Umbruchs und den Versuch, dass es nicht ganz einfach ist, anständig zu bleiben, wenn man es vorher nicht war und man beschließt es zu werden und auch zu bleiben. 

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    MyriamErichs avatar
    MyriamErichvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Ganz gut, aber anstrengend...
    Die Strafe beginnt...

    Er stand vor dem Tor des Tegeler Gefängnisses und war frei. (...) Die schwarzen eisernen Torflügel, die er seit Jahren mit wachsendem Widerwillen betrachtet hatte (Widerwillen, warum Widerwillen?), waren hinter ihm geschlossen. Man setzte ihn wieder aus. (...) Die Strafe beginnt."

    Nach seiner Entlassung aus dem Tegeler Gefängnis, gerät Franz Biberkopf mitten hinein in die fruchtbare Unübersehbarkeit Berlins der 20er Jahre. Mit Müh und Not kämpft er sich durch die Stadt mit ihren schwebenden Dächern und stolpert von einer Unannehmlichkeit in die nächste. Was jedoch auf dem Alexanderplatz zunächst mit kleinen kriminellen Akten beginnt, wird schließlich zu immer schlimmeren Vergehen, die nicht nur kleine Diebstähle, sondern auch Frauenhandel nicht ausschließen. Biberkopf gerät so in einen Strudel aus Verrat und Verbrechen und steht am Ende wieder am Anfang. Doch welchen Weg wird er diesmal wählen?

    "Berlin Alexanderplatz gehört neben dem "Ulysses" von James und "Manhatten Tranfer" von John Dos Passos  zu den bedeutendsten Großstadtromanen der Weltliteratur."

    Döblin beschreibt in seinem Werk die Ohnmacht und Orientierungslosigkeit der Individuen, die sich mit den Wirren der Großstadt konfrontiert sahen. Die Großstadt, dargestellt als "die Hure Babylon", wird zur Existenzbedrohung eines jeden Individuums. Die Darstellung der Großstadt vermittelt dem Leser ein komplexes und chaotisches Bild einer durcheinandergeratenen, bunten und hektischen Stadt. Durch die detailreiche Beschreibung fühlt man sich in eine frühere Zeit zurückversetzt, die Bilder ziehen am geistigen Auge vorbei, Wort- und Gesprächsfetzten, die der Autor in seinem Werk geschickt integriert, erhalten die Illusion aufrecht, man stünde selbst am Alexanderplatz. Dieses ganze bunte Chaos stürzt auf den Leser ein, zieht ihn mit sich und entlässt ihn erst nach Beendigung des Buches.

    Die Großstadt als Existenzbedrohung: Sicherheit ist hier keineswegs garantiert, wer überleben will, muss skrupellos sein, sich anpassen. Das Leben in der Großstadt wird zum alltäglichen Überlebenskampf!

    "Die fliegenden Dächer" stellen ein Sinnbild für die Unsicherheit dar. Franz Biberkopf sieht sie überall, hat Angst, dass sie auf ihn hinabstürzen könnten. Seine Situation ist äußerst prekär: Nachdem er seine Ehefrau erschlagen hat, muss er ins Gefängnis. Nach seiner Entlassung schwört er sich, anständig zu sein und zu bleiben. Doch prompt schließt er sich der kriminellen Gruppe "Pums" an und stolpert in das Geschäft der Verbrechen ein.

    Zu Beginn des Romans fühlt sich Franz Biberkopf hin- und hergerissen. Äußerlich erscheint er frei, doch seine innerliche Situation erscheint als genaues Gegenteil: Die Entlassung aus dem Gefängnis, in der sein ganzes Leben nach einem Masterplan ablief, ist nun durcheinandergeraten. In der Großstadt gibt es keine klar erkennbaren Strukturen, keine Routine, das Leben ist ein einziger Kampf ums Überleben und Franz Biberkopf vermag sich nicht anzupassen. Innerlich zerrissen, unsicher, besorgt und hilflos, sehnt er sich zurück nach den schützenden Mauern des Gefängnisses. Seine Entlassung erachtet er als wahre Strafe.

    Ist Franz Biberkopf im Gefängnis wirklich freier ist, als in der Großstadt?

    Im Gefängnis war Biberkopf äußerlich gefangen, innerlich (Gedanken) jedoch frei. Sein Leben war routiniert, es gab festgesetzte Maßstäbe und Regelungen, an die man sich zu halten hatte. In der Großstadt jedoch, muss sich Franz Biberkopf seine moralische Instanz selbst aufbauen, dadurch schränkt er sich selbst ein. Er braucht eine Richtungsinstanz. Da diese in der Großstadt aber fehlt und er sich ausgesetzt fühlt, wird er orientierungslos. Als Konsequenz daraus, fürchtet er sie Freiheit der Gesellschaft und fühlt sich dadurch unfrei, schränkt sich selbst ein.

    Seine neu gewonnene Freiheit sieht Franz Biberkopf also als Strafe an. Die wiedererlangte Freiheit (in der Großstadt) erscheint ihm ohne Richtungsinstanz zu weitläufig. Seine Orientierungslosigkeit und Ohnmacht lassen ihn schließlich an der Freiheit zweifeln. Stattdessen sehnt sich das Individuum nach Sicherheit denn Freiheit.

    Doch die Rückschläge und Konsequenzen, die Biberkopfs Handeln nach sich zieht, lassen ihn nicht vollkommen zerstört am Boden liegen. Vielmehr steht er immer wieder auf, beginnt von vorne und kommt schließlich wieder zu Fall.

    Doch macht nicht gerade diese Tatsache einen Helden aus? Dass er immer wieder aufsteht, Rückschläge klaglos wegsteckt?

    Biberkopf: Held oder Antiheld?

    Über diese Frage lässt sich endlos lange diskutieren, dennoch: Biberkopf kann als Held bezeichnet werden. Einerseits lässt sich sagen, dass er über keine klar erkennbare Persönlichkeit und Eigenschaften verfügt. Seine Persönlichkeit ist gespalten, sein Handeln fremdbestimmt und unmoralisch, wodurch er sich letztlich isoliert. Auf der anderen Seite jedoch zeigt sich, dass er Moralvorstellungen erkennt und den Willen hat, sich menschlich zu verhalten. Über den gesamten Roman hinweg macht er Fehler, lernt zwar nicht aus diesen, macht aber dennoch eine Entwicklung durch.

    In Döblins Werk lassen sich zahlreiche Motive und gesellschaftlich Konflikte der damaligen Zeit verzeichnen. So wird hier die Massengesellschaft (Überfülle an Menschen auf dem Alexanderplatz) mit der einhergehenden Anonymität beschrieben. Es kommt zur Entfremdung des Einzelnen, das Individuum wird entmenschlicht. Die Orientierungslosigkeit aufgrund einer fehlenden Richtungsinstanz folgt auf den Werteverlust. Die daraus resultierende Verunsicherung und existenzielle Bedrohung des modernen Subjektes führt zu einem unbändigen Gefühl der Ohnmacht beim Individuum. Die Überforderung durch Reizüberflutungen lässt das Individuum Emotionen abstumpfen. Der Mensch verroht.

    Abschließend lässt sich sagen: Ein großer Roman, ein wahres Meisterwerk. An einigen Stellen sehr anstrengend, dennoch sehr interessant besonders durch die verschiedensten Interpretationsansätze.

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    MyriamErichs avatar
    MyriamErichvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Danach fühlt man sich erstmal ganz gerädert. Als ob man grad selbst aus der Stadt vom Shoppen käme.
    Die Strafe beginnt...

    "Er stand vor dem Tor des Tegeler Gefängnisses und war frei. (...) Die schwarzen eisernen Torflügel, die er seit Jahren mit wachsendem Widerwillen betrachtet hatte (Widerwillen, warum Widerwillen?), waren hinter ihm geschlossen. Man setzte ihn wieder aus. (...) Die Strafe beginnt."

    Nach seiner Entlassung aus dem Tegeler Gefängnis, gerät Franz Biberkopf mitten hinein in die fruchtbare Unübersehbarkeit Berlins der 20er Jahre. Mit Müh und Not kämpft er sich durch die Stadt mit ihren schwebenden Dächern und stolpert von einer Unannehmlichkeit in die nächste. Was jedoch auf dem Alexanderplatz zunächst mit kleinen kriminellen Akten beginnt, wird schließlich zu immer schlimmeren Vergehen, die nicht nur kleine Diebstähle, sondern auch Frauenhandel nicht ausschließen. Biberkopf gerät so in einen Strudel aus Verrat und Verbrechen und steht am Ende wieder am Anfang. Doch welchen Weg wird er diesmal wählen?

    "Berlin Alexanderplatz gehört neben dem "Ulysses" von James und "Manhatten Tranfer" von John Dos Passos  zu den bedeutendsten Großstadtromanen der Weltliteratur."

    Döblin beschreibt in seinem Werk die Ohnmacht und Orientierungslosigkeit der Individuen, die sich mit den Wirren der Großstadt konfrontiert sahen. Die Großstadt, dargestellt als "die Hure Babylon", wird zur Existenzbedrohung eines jeden Individuums. Die Darstellung der Großstadt vermittelt dem Leser ein komplexes und chaotisches Bild einer durcheinandergeratenen, bunten und hektischen Stadt. Durch die detailreiche Beschreibung fühlt man sich in eine frühere Zeit zurückversetzt, die Bilder ziehen am geistigen Auge vorbei, Wort- und Gesprächsfetzten, die der Autor in seinem Werk geschickt integriert, erhalten die Illusion aufrecht, man stünde selbst am Alexanderplatz. Dieses ganze bunte Chaos stürzt auf den Leser ein, zieht ihn mit sich und entlässt ihn erst nach Beendigung des Buches.

    Die Großstadt als Existenzbedrohung: Sicherheit ist hier keineswegs garantiert, wer überleben will, muss skrupellos sein, sich anpassen. Das Leben in der Großstadt wird zum alltäglichen Überlebenskampf!

    "Die fliegenden Dächer" stellen ein Sinnbild für die Unsicherheit dar. Franz Biberkopf sieht sie überall, hat Angst, dass sie auf ihn hinabstürzen könnten. Seine Situation ist äußerst prekär: Nachdem er seine Ehefrau erschlagen hat, muss er ins Gefängnis. Nach seiner Entlassung schwört er sich, anständig zu sein und zu bleiben. Doch prompt schließt er sich der kriminellen Gruppe "Pums" an und stolpert in das Geschäft der Verbrechen ein.

    Zu Beginn des Romans fühlt sich Franz Biberkopf hin- und hergerissen. Äußerlich erscheint er frei, doch seine innerliche Situation erscheint als genaues Gegenteil: Die Entlassung aus dem Gefängnis, in der sein ganzes Leben nach einem Masterplan ablief, ist nun durcheinandergeraten. In der Großstadt gibt es keine klar erkennbaren Strukturen, keine Routine, das Leben ist ein einziger Kampf ums Überleben und Franz Biberkopf vermag sich nicht anzupassen. Innerlich zerrissen, unsicher, besorgt und hilflos, sehnt er sich zurück nach den schützenden Mauern des Gefängnisses. Seine Entlassung erachtet er als wahre Strafe.

    Ist Franz Biberkopf im Gefängnis wirklich freier ist, als in der Großstadt?

    Im Gefängnis war Biberkopf äußerlich gefangen, innerlich (Gedanken) jedoch frei. Sein Leben war routiniert, es gab festgesetzte Maßstäbe und Regelungen, an die man sich zu halten hatte. In der Großstadt jedoch, muss sich Franz Biberkopf seine moralische Instanz selbst aufbauen, dadurch schränkt er sich selbst ein. Er braucht eine Richtungsinstanz. Da diese in der Großstadt aber fehlt und er sich ausgesetzt fühlt, wird er orientierungslos. Als Konsequenz daraus, fürchtet er sie Freiheit der Gesellschaft und fühlt sich dadurch unfrei, schränkt sich selbst ein.

    Seine neu gewonnene Freiheit sieht Franz Biberkopf also als Strafe an. Die wiedererlangte Freiheit (in der Großstadt) erscheint ihm ohne Richtungsinstanz zu weitläufig. Seine Orientierungslosigkeit und Ohnmacht lassen ihn schließlich an der Freiheit zweifeln. Stattdessen sehnt sich das Individuum nach Sicherheit denn Freiheit.

    Doch die Rückschläge und Konsequenzen, die Biberkopfs Handeln nach sich zieht, lassen ihn nicht vollkommen zerstört am Boden liegen. Vielmehr steht er immer wieder auf, beginnt von vorne und kommt schließlich wieder zu Fall.

    Doch macht nicht gerade diese Tatsache einen Helden aus? Dass er immer wieder aufsteht, Rückschläge klaglos wegsteckt?

    Biberkopf: Held oder Antiheld?

    Über diese Frage lässt sich endlos lange diskutieren, dennoch: Biberkopf kann als Held bezeichnet werden. Einerseits lässt sich sagen, dass er über keine klar erkennbare Persönlichkeit und Eigenschaften verfügt. Seine Persönlichkeit ist gespalten, sein Handeln fremdbestimmt und unmoralisch, wodurch er sich letztlich isoliert. Auf der anderen Seite jedoch zeigt sich, dass er Moralvorstellungen erkennt und den Willen hat, sich menschlich zu verhalten. Über den gesamten Roman hinweg macht er Fehler, lernt zwar nicht aus diesen, macht aber dennoch eine Entwicklung durch.

    In Döblins Werk lassen sich zahlreiche Motive und gesellschaftlich Konflikte der damaligen Zeit verzeichnen. So wird hier die Massengesellschaft (Überfülle an Menschen auf dem Alexanderplatz) mit der einhergehenden Anonymität beschrieben. Es kommt zur Entfremdung des Einzelnen, das Individuum wird entmenschlicht. Die Orientierungslosigkeit aufgrund einer fehlenden Richtungsinstanz folgt auf den Werteverlust. Die daraus resultierende Verunsicherung und existenzielle Bedrohung des modernen Subjektes führt zu einem unbändigen Gefühl der Ohnmacht beim Individuum. Die Überforderung durch Reizüberflutungen lässt das Individuum Emotionen abstumpfen. Der Mensch verroht.

    Abschließend lässt sich sagen: Ein großer Roman, ein wahres Meisterwerk. An einigen Stellen sehr anstrengend, dennoch sehr interessant besonders durch die verschiedensten Interpretationsansätze.

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    ANATALs avatar
    ANATALvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Schwieriges Buch!
    Berlin Alexanderplatz

    Nach langer Überlegung, auch schon während des Lesens, kann ich nur zwei Sterne vergeben. Dieses Buch ist einfach ein Brocken in jeglicher Hinsicht. Die Geschichte des Franz Biberkopf an sich, wäre ja gar nicht so übel. Aber was das Buch sonst noch alles enthält, war mir einfach zu viel und mich hat auch Vieles davon nicht interessiert. Den Spass am Lesen könnte ich mir mit solchen Büchern abgewöhnen. 

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    gsts avatar
    gstvor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Eine sehr anstrengende Lektüre, deren Stil nicht mehr so gut in unsere heutige Zeit passt.
    Keine einfache Lektüre

    „Dies Buch berichtet von einem ehemaligen Zement- und Transportarbeiter Franz Biberkopf in Berlin. Er ist aus dem Gefängnis, wo er wegen älterer Vorfälle saß, entlassen und steht nun wieder in Berlin und will anständig sein.
    Das gelingt ihm auch anfangs. Dann aber wird er, obwohl es ihm wirtschaftlich leidlich geht, in einen regelrechten Kampf verwickelt mit etwas, das von außen kommt, das unberechenbar ist und wie ein Schicksal aussieht.“


    Alfred Döblin hat seinen 1929 entstandenen Roman vom Untergang des Franz Biberkopf in neun Bücher und die wiederum in mehrere Kapitel aufgeteilt. Im Anhang erzählt er: „Mein ärztlicher Beruf hat mich viel mit Kriminellen zusammengebracht.“ Döblin war im Berliner Osten aufgewachsen und ging dort zu Schule. Später hatte er hier seine kassenärztliche Praxis und beobachtete mit wachen Augen die Menschen. Seine Romanfiguren sprechen mit dem typisch berlinerischen Zungenschlag der einfachen Bevölkerung.

    "Dieser Roman war Döblins einziger großer Erfolg", schreibt der Herausgeber im Nachwort. "In den Jahren, die bis zur Katastrophe noch blieben, wurden davon gegen 50 000 Exemplare verkauft. Er wurde verfilmt (mit Heinrich George als Biberkopf) und übersetzt: 1930 erschienen eine italienische und eine dänische, 1931 eine englische und eine amerikanische, 1932 eine spanische, 1933 eine französische, 1934 eine schwedische, 1935 eine russische und eine tschechische, 1958 noch eine ungarische Ausgabe. Berlin Alexanderplatz war der erste bedeutende Großstadtroman der deutschen Literatur. Berlin, dessen unbändiges Wachstum Döblin miterlebt hatte, erhielt hier ein einzigartiges Denkmal."

    Ich fand ich das Buch sehr schwer lesbar. Denn anders als in den meisten mir bekannten Romanen enthält es wenig realistische Beschreibungen. Alles wird in Handlung aufgelöst und die wiederum in der Gegenwart erzählt. Als Leser befindet man sich oft im Kopf des Protagonisten, betrachtet die Häuserfronten durch seine Augen, denkt in seiner Sprache. Der allwissende Erzähler lässt das Bild Berlins durch Montage und Collage zahlloser zufälliger Wirklichkeitsfetzen entstehen.

    Zu Beginn jeden Buches und jeden Kapitels steht eine kurze Zusammenfassung dessen, was den Leser erwartet. So war es mir möglich, mich fast ein Jahr lang mit diesem Buch zu beschäftigen, ohne den Anschluss an das bereits gelesene zu verlieren. Des öfteren war ich versucht, das Buch zuzuschlagen und, wie damals in meiner Schulzeit, als das Buch zur Pflichtlektüre gehörte, ungelesen zur Seite zu legen. Hin und her gerissen nahm ich es nach längeren und kürzeren Pausen wieder zu Hand, war vorübergehend begeistert vom Schreibstil des Autors und ermüdete dann wieder ob des für mich schwer zugänglichen Stoffes. Ich glaube, ich habe mir noch kein Buch so hart erarbeitet wie diesen „Berlin Alexanderplatz“.

    Wie soll ich ihn nun bewerten? Ich fand das Buch nicht schlecht, würde es aber keinem modernen Leser mit gutem Gewissen ans Herz legen. Für mich war es einfach nur anstrengend.

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    berensteins avatar
    berensteinvor 5 Jahren
    Berlin, Berlin

    "Berlin Alexanderplatz" ist ein großer Roman, weil er etwas wagt. Er hat eine eigene Erzählstimme und eine ganz eigene Erzählhaltung. In dem Umfeld und der Zeit, in denen er erschien, war er etwas Besonderes und das ist er auch heute noch.

    Manchmal kommt er einem wild und ungeordnet vor, die Geschichte wird mit Abschweifungen und Unterbrechungen erzählt, "Fremdtexte" finden massenweise Einzug usw. Das aber - insofern man sich daran gewöhnt und daran Gefallen gefunden hat - ist seine Stärke.

    Das Buch erzählt aus dem Leben des einfachen Arbeiters und gelegentlichen Kleinkriminellen Franz Biberkopf, der versucht, im Berlin der 20er Jahre nicht nur zu überleben, sondern auch gut zu leben. Er schlägt sich so gut es eben geht durch, trifft auf halbseidene Gestalten, Gangster und Prostituierte. Zwar will er sauber bleiben, aber es gelingt ihm nicht wirklich. Die Verlockungen und Nöte der Großstadt sind einfach zu groß.

    Die wirkliche Stärke dieses Buches ist nicht seine Story, sondern die Art, wie es mit den erzählerischen Mitteln spielt. Döblin verwendet verschiedenste Technkicken, die Montage, den inneren Monolog, den Wechsel des Jargons und der Sprachebenen. Dadurch wird das Buch lebendig, so lebendig, wie die große, menschenverschlingende Stadt es eben ist.

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    HBCityGirl89s avatar
    HBCityGirl89vor 5 Jahren
    Rezension zu Berlin Alexanderplatz

    Dieses Buch ist so schlecht, dass es eigentlich nicht mal eine Rezension verdient. Ich muss sagen ich habe es nicht ganz bis zum Ende durchgelesen und ziehe meinen Hut vor denen die das schaffen.
    Ich habe noch nie ein Buch gelesen, das so anstrengend zu lesen ist. Die Hauptfiguren des Romans finde ich alle komplett unsymphatisch und ansonsten ist es so, dass man das Gefühl hat, man liest ein Buch in einer Fremdsprache die man nicht beherrscht, denn das Buch ist einfach in einer furchtbaren Schriftweise geschrieben.
    Ich empfehle dieses Buch denjenigen, die unter Schlafproblemen leiden, denn ein zu schlafen ist beim lesen dieses Buches kinderleicht. Allen anderen würde ich raten: Finger weg!!!

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    S
    SchobelsJohannesvor 6 Jahren
    Rezension zu "Berlin, Alexanderplatz" von Alfred Döblin

    endlich fertig! sehr anstrengend zu lesen. bis auf den bärliner akzent und manche nämen fand ich wenig reizendes daran...

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    Hallorins avatar
    Im Juli 2015 möchten wir uns im Rahmen unserer Gruppe "Wir lesen Klassiker der Weltliteratur" den deutschen Roman vornehmen:

    "Berlin Alexanderplatz" von Alfred Döblin, erschienen 1929.

    Wikipedia sagt:
    "Das erfolgreichste Buch Döblins zählt zu den Hauptwerken der deutschen Moderne und zeichnet sich durch einen innovativen Aufbau, eine expressive Sprache und poetische Erzähltechnik aus. Der Großstadtroman ist daneben ein wichtiges Zeitzeugnis des frühen 20. Jahrhunderts, besonders der Weimarer Republik. Als Äquivalent gelten die experimentellen Werke Ulysses und Manhattan Transfer."

    Das klingt doch eigentlich ganz vielversprechend, oder? Das Leben Alfred Döblins war sehr ereignisreich und auch von etlichen Schicksalsschlägen geprägt, z.B. ist der einigermaßen vermögende Vater mit einer Geliebten nach Amerika durchgebrannt und hat seine Frau mit 5 Kindern nahezu mittellos zurückgelassen. Sehr edel...

    Am 1. Juli geht es offiziell los, wie immer bitte ich darum, alle Einträge in den Leseabschnitten in Spoilertags zu packen und generell jeden Eintrag in einer Kategorie zu posten :)
    Zur Leserunde
    L
    Eine Freundin fährt nach Berlin, um dort zu studieren. Ich will ihr gerne ien Buch schenken, wo Belin vorkommt, das in Berlin spielt, wo man ein bisschen was über die Stadt erfährt (außer Döblins Alexanderplatz). Was fällt euch dazu ein?
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