Alfred Döblin Schicksalsreise

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Inhaltsangabe zu „Schicksalsreise“ von Alfred Döblin

Döblins bewegendes Zeugnis aus dem Exil

Frankreich, Spanien, Portugal, Amerika – mit großer erzählerischer Kraft schreitet Döblins ›Schicksalsreise‹ die Orte des Exils ab und gibt uns eine Vorstellung von Verfolgung, Ungewissheit und Verlust. Exil – das ist die Erfahrung radikaler Kontingenz. Mit seinem autobiographischen ›Bericht und Bekenntnis‹ setzt Döblin dieser Erfahrung ein beeindruckendes Denkmal der Literatur.

Mit einem Nachwort von Susanne Komfort-Hein (Quelle:'Flexibler Einband/27.11.2014')

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  • Abschreiten des Verlustes

    Schicksalsreise

    michael_lehmann-pape

    04. December 2014 um 13:10

    Abschreiten des Verlustes Das Exil, der gezwungene Verlust der Heimat, das Leben in der Fremde, vielen Künstlern in und unter dem dritten Reich war dies Schicksal und nicht nur Döblin, auch manch andere schritten dabei teils abenteuerliche Wege ab. In seiner „Schicksalsreise“ fasst der Schriftsteller von Weltruhm diesen teils auch „Irrweg“ durch die Fremde unter oft immensem Druck stehend in reflektierende, breit angelegt Worte. „Ich blieb noch in Paris. Wir erfuhren aus den Zeitungen, der Deutsche richte jetzt seine Wut auf uns“. Seit der Machtergreifung Hitlers bereits lebt Döblin in Frankreich, doch nun steht der Krieg vor der Tür, die Kapitulation Frankreichs zeichnet sich rasend schneller ab als je gedacht und trifft den in Paris weilenden Autor mit Wucht. „Abwarten und einfach hier bleiben fiel sofort weg. Alles handelte und glaubte, handeln zu müssen und ich benahm mich als reiner Herdenmensch“. So führt der zunächst geplant von statten gehende „Abmarsch“ mehr und mehr in eine gewisse Heillosigkeit, in Druck, Eile und Hektik, auch ein Lager bleibt nicht erspart. „Schwer waren im Lager die Nächte“, Leid und Elend treten fassbar vor Augen und immer wieder gelingt es Döblin, einzelne Gestalten (die alte Frau mit ihrem Emphysem, den „Kojen-Nachbar“) zumindest kurz und sehr, sehr treffend zu beschreiben ins Licht zu rücken. Wobei im Buch von Beginn an mitschwingt, dass Döblin nicht nur äußere Geschichten erzählt, nicht nur Flucht, Ankunft, Einrichten, neues Aufbrechen zum Thema macht, sondern den Verlust der inneren Heimat, das Abhandenkommen auch der Selbstgewissheit reflektiert, schildert, anschaulich vermittelt. „Soll ich mich hinsetzten….und auf altgewohnte Art schreiben, - für wen Deutsch schreiben?“ In Zeiten, in denen es schwierig ist, Freund und Feind zu unterscheiden, in denen eine Reise von A nach B unter Erschwernissen und Ungewissheiten nur stattfinden kann, in der Döblin zunächst vor allem bemüht ist, sich mit seiner Familie wieder zusammenzubringen. Und doch erlebt Döblin auch, wie ein Beobachter seiner selbst, Entwicklungen. Neues an der eigenen Person. Gefordert zu werden nun noch einmal mitten im Leben, auf sich selbst zurückgeworfen sich zu finden ohne all das, was er bis dato sich an Leben, an Kontakten, auch an materiellem aufgebaut hatte. Intensiv liest sich, wie Döblin an einem Flüsschen dabei die „Urmacht“ (wieder) entdeckt, wie er sich auch, mit Distanz, dem christlichen Glauben anders wieder nähert. „Man gab uns Katechismen an die Hand“. „Ich nahm Kenntnis, zunehmend mehr Kenntnis in den Dingen. Aber was bedeutet Kenntnis in diesen Dingen?“. Nach Amerika wird der Weg führen, später, nach dem Krieg zurück in das, was ehemals Heimat war und einiges an Fährnissen wird auf Döblin und die Seinen noch warten und zukommen, gefahrvolle Momente und Hilfe, wo nicht damit gerechnet wurde. Prägnant und präzise erzählt, in keiner Sekunde langweilig, nicht abschweifend sondern immer den genauen Ausdruck und Punkt suchen zeigt sich auch in diesen autobiographischen Erinnerungen und Reflexionen die Meisterschaft des Schriftstellers. Wie das Buch ebenso gerade durch seine Genauigkeit der Beschreibung dem Leser das „Exil“, innerlich wie äußerlich, nachhallend nahe zu bringen versteht.

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