Alfred Dürr

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Rezension zu "Das Spiel ist aus" von Jean-Paul Sartre

"Das Spiel ist aus" von Jean-Paul Sartre
dotvor 5 Jahren

Das Drama "Das Spiel ist aus" von Jean-Paul Sartre beschreibt das Leben der Aristokratin Ève Charlier und des Revolutionär Pierre Dumaine, die zu gleicher Stunde ermordet werden, sich als Geister erstmals begegnen und ineinander verlieben. Da sie füreinander bestimmt waren, haben sie die Chance innerhalb von 24 Stunden ihre Liebe zu verwirklichen. [...]


"Das Spiel ist aus" von Jean-Paul Sartre ist ein kurzweiliger Klassiker, der unterhaltsam sowie philosophisch zum Umdenken auffordert.

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Cover des Buches Das Spiel ist aus (ISBN: 9783499100598)Ophiuchuss avatar

Rezension zu "Das Spiel ist aus" von Jean-Paul Sartre

Der Lauf der Kugel kann man nicht aufhalten
Ophiuchusvor 5 Jahren

"'Falls es Ihnen innerhalb von vierundzwanzig Stunden gelingt, sich in vollem Vertrauen und mit allen Kräften zu lieben, haben sie ein Anrecht auf ein vollständiges menschliches Leben.'" (Seite 70).

In einem imaginären Staat sterben zur selben Zeit die Aristokratin Ève Charlier und der Revolutionär Pierre Dumaine. Sie treffen sich in Jenseits wieder und sie verlieben sich ineinander. Aufgrund einer Verordnung haben sie das Anrecht, zu den Lebenden zurückzukehren. Aber sie haben nur 24 Stunden Zeit, ihre Liebe und ihr Vertrauen wahrhaft zu beweisen.

Ob es ihnen gelingen wird, ihr neues Leben nach ihrer Liebe auszurichten?

Das Buch ist wie ein Drehbuch geschrieben, deshalb ist das Werk schnell gelesen. Die Umgebung wird mit knappen Worten beschrieben, denn das Zentrum dieser Geschichte ist der Dialog.

Interessant fand ich, dass die Verstorbenen nicht mehr in der realen Welt agieren können und sie nehmen die Welt nur als Beobachter teil.

Das Werk erschafft seine eigene Philosophie und genau das gefällt mir sehr. Da die Handlung nach dem Tod fortsetzt, orientiert sich das Werk nicht am Existenzialismus sondern am Determinismus. Das Schicksal von Ève und Pierre ist schon festgelegt. Heisst es dann, dass unser Leben auch vorherbestimmt ist? Können wir in unser Leben entscheiden? Sind wir eigentlich frei?

Das Werk ist sehr spannend. Da will man erfahren, ob Ève und Pierre sich wirklich gegenseitig lieben und vertrauen, obwohl das Spiel, deterministisch gesehen, aus ist.

Fazit

Ein wunderbares Werk, das uns anregt, über unser Dasein zum Nachdenken zu bringen.

'"Ève steht immer noch am Telefon. 'Nein, Pierre...Tu's nicht...Du hast mich belogen...Du lässt mich im Stich...Du hast mich nie geliebt...' 'Doch, doch, ich liebe dich, Ève', erwiderte Pierre. 'Ich liebe dich. Aber ich habe nicht das Recht, die Genossen zu verlassen.' Er sieht Lucien Derjeu nicht, der von dem kleinen Oberlicht aus mit seinem Revolver sorgfältig auf Pierre zielt. Voller Angst ruft Pierre:' Ève...Ève...' (Seite 133). 

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Cover des Buches Das Spiel ist aus (ISBN: 9783499100598)Farbwirbels avatar

Rezension zu "Das Spiel ist aus" von Jean-Paul Sartre

Verwirkte zweite Chance?
Farbwirbelvor 6 Jahren

Ève und Pierre kannten sich nicht, als sie noch lebten, doch lernen sie sich im Tode kennen.

Ève ist eine Aristokratin, dessen Familienname stadtbekannt ist. Sie liegt zu Beginn der Erzählung seit langer Zeit krank im Bett. Ihr Mann André, der sich als Widerling entpuppt, tötet Ève mit Gift, um an ihre Schwester Lucette heranzukommen.

Pierre plant seit vielen Jahren einen Aufstand gegen den Regenten. Er kommt aus der Arbeiterschicht und ist bei seinen Mitstreitern hoch angesehen. Am Tag vor der geplanten Revolte stirbt er durch einen Steinschlag.

Beide stellen fest, dass niemand sie sehen oder hören kann. Sie sind zwar irritiert, erkennen aber beide nicht, dass sie verstorben sind. Erst als sie zum Amt für Todeserklärungen kommen, in dem sie einer Dame durch ihre Unterschrift den eigenen Tod bestätigen müssen, verstehen sie.

„Ärgern sie sich darüber, da? sie tot sind?“ „Ja, es gibt so griesgrämige Naturen...“ „Wissen Sie“; erklärt Pierre, „ich lasse niemanden zurück, ich kann ganz ruhig sein.“ Er fängt an, lebhaft im Zimmer umherzugehen, und fährt fort: „Und schließlich, das entscheidende ist, daß man getan hat, was man tun mußte.“ Er wendet sich wieder der alten Dame zu, die ihn durch ihre Lorgnette skeptisch ansieht. „Oder sind Sie anderer Meinung?“ fragt er. „Ach, wissen Sie“, sagt sie, „ich bin nur eine einfache Angestellte...“ Dann drehte sie das Hauptbuch Pierre zu: „...Ich bitte Sie noch um Ihre Unterschrift...“ Eine Sekunde lang gerät Pierre aus der Fassung. Schließlich kommt er zum Tisch zurück, nimmt den Federhalter und unterschreibt. „So...“ erklärt die Dame. „Nun sind Sie richtig tot.“ - S. 31

Auf der anderen Seite laufen abertausende Tote herum, die aus den verschiedensten Jahrhunderten stammen. Pierre lernt sogleich ein paar Leute kennen und geht mit ihnen zum Regentensitz. Dort stellt Pierre zwar fest, dass seine Abneigung völlig zurecht war, doch gleichwohl erfährt er, dass der Regent längst von der Revolte weiß. Würden seine Mitstreiter marschieren, würde es in einem Massaker enden.

Ève besucht auch ihr Zuhause und erkennt, dass Lucette sich André willig hingibt. Sie verzweifelt an ihrer armen Schwester, weiß sie doch, welch grauenvoller Mann André ist.

Pierre und Ève begegnen sich schließlich und stellen fest, dass sie einander lieben könnten. Aus diesem Grund kommt er zu seiner Retour. Es wurde nämlich festgestellt, die beiden seien füreinander bestimmt.

Als sie wieder in der Welt der Lebenden ankommen, versuchen sie gemeinschaftlich Lucette von André wegzuholen, retten ein Kind und machen sich die Stadtsociety zum Fein. Dabei wird Pierre von seinen Kameraden beobachtet, die sein Verhalten für ungebührlich und verräterisch halten. Sie werfen ihn raus. Auch Ève konnte ihre Schwester nicht umstimmen. Sie finden in Pierres Wohnung zueinander und lernen sich lieben. Die Liebe ist nämlich die Bedingung für ihr Leben auf der Erde. Sollten sich nicht ineinander verlieben, so würden sie wieder sterben. Kurz vor dem Ende ihrer Probezeit erkennen die beiden, dass sie sich zwar lieben, doch ihre persönlichen Probleme größeren Wert haben.

Müde wendete sich Pierre an seine Begleiter: „Das ist eine schöne Schweinerei, tot zu sein!“ „Ja... Aber es gibt immerhin kleine Entschädigungen...“ „Sie sind nicht sehr anspruchsvoll!“ „Keine Verantwortung. Keine materiellen Sorgen. Totale Freiheit. Zerstreuungen.“ Pierre lacht bitter: „Der Regent zum Beispiel...“ „Sie stellen sich immer auf den Standpunkt der Erde. Aber Sie werden sicher auch noch vernünftig werden.“ „Hoffentlich nicht! Die Weisheit der Toten macht mich ganz irre.“ -S. 57

Pierre versucht seine Kameraden von der Gefahr der Revolte zu warnen und schafft dies auch. Gleichsam versucht Ève mit geladener Pistole, Lucette zu zeigen, wer André wirklich ist. Beiden gelingt ihr Vorhaben bedingt, doch finden sie zum Ende der Probezeit nicht zueinander und sterben wiederholt.

Wieder im Reich der Toten trennen sich ihre Wege, denn sie erkennen, dass sie sich hätten lieben können, doch dass ihre privaten Probleme wichtiger waren.

Das Werk ist sehr schnell gelesen. Die Perspektive wechselt zu Beginn sehr schnell zwischen Pierre und Ève, später wird dies nicht mehr der Fall sein. Die Schreibart erinnert mich stark an Brecht, was vielleicht dem Zeitcharakter geschuldet ist. Als Drehbuch oder auch Drama in epischer Form ist es sehr schnelllebig und reduziert geschrieben. Besonders die Beamte, die für die Todeserklärungen verantwortlich ist, gefiel mir.

Pierre und Ève wirken wie das oft besprochene, verlorene Liebespaar, aber gleichzeitig haben sie einen anderen Anstrich. Sie sind dabei aber unrealistisch skizziert. Die Selbstlosigkeit, die Satre hier entwirft, wäre zwar wünschenswert, doch ist sie, meiner Meinung nach, so nicht vorhanden.

Jean-Paul Satre entwirft in seinem Drehbuch eine Art zweite Chance für Ève und Pierre. Was fängt der Mensch an, wenn er noch einmal zurück darf? Lernt er daraus? Kann ein ruhiges, aber liebevolles Leben der Plan sein?

Womöglich kann es Charaktere geben, die einander bedingungslos lieben und die sich voll auf sich konzentrieren. Pierre und Ève sind aber beide Menschen, die sich für andere hingeben. Pierre würde für seine Kameraden auch dutzende Male sterben. Ève ist geprägt durch die Verantwortung gegenüber ihrer kleinen Schwester. Zwar bekamen sie eine weitere Chance aufs Leben, doch nahmen sie diese nicht wahr? Ich würde sagen, sie nahmen sie auf die Weise wahr, wie sie wahrgenommen werden sollte. Sie versuchten ihre Liebsten vor dem Unheil zu warnen und vergaßen sich selbst dabei. Obwohl das eigene Leben daran hing, weiterhin so selbstlos zu sein, zeigt die Stärke der beiden. Sie sind nicht dafür zu verurteilen, dass sie ihre Chance verwirkten. Sie sind dafür zu loben, dass sie sich selbstlos in den Hintergrund stellten.

Nach ihrem zweiten Tod sind sie nun wieder dazu verdammt, zu zusehen und die Menschen machen zu lassen, ohne darauf einwirken zu können. Diese Vorstellung ist so ungerecht und erklärt wohl zusätzlich, dass Ève und Pierre keine andere Handlungsoption hatten.

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Alfred Dürr wurde am 03. März 1918 in Berlin (Deutschland) geboren.

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