Rezension zu "Vive l'empereur, weil's sein muss: Geschichte in Quellen und Zeitzeugenberichten" von Alfred Plischnak
Bellis-PerennisAlfred Plischnack, im Zivilleben Richter und Historiker, lässt in seinem Buch Augen- und Ohrenzeugen aufmarschieren. Viele Anekdoten säumen den Weg prominenter Zeitzeugen wie Goethes Mutter, Franz Grillparzer (der im Studentencorps gekämpft hat) oder etwa Henry Beyle, bevor er sich Stendhal nannte.
Neben den Berühmtheiten kommen auch einfache Soldaten der verschiedenen Heere und Wiener Bürger zu Wort.
Der Historiker Plischnack legt strenge Maßstäbe, was das Quellenstudium betrifft, an.
Der Autor vermeidet unnötige Heldenverehrung. Der eine oder andere Hinweis auf einen späteren Diktator, der ebenfalls an Russland gescheitert ist, zeigt die Parallelen und die Unterschiede.
Die zögerliche Haltung des österreichischen Kaisers Franz I. wird ebenfalls thematisiert. Der Wiener Hof war tief gespalten in der Frage Napoleon. Die einen taten sich als Kriegstreiber (unterstützt durch die Kaiserin Maria Ludovica) hervor, die anderen als mögliche Friedensstifter.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen, lebe ich doch in Wien-Eßling, direkt auf den ehemaligen Schlachtfeldern. Auf Schritt und Tritt begegne ich der Geschichte. Aus der Distanz von mehr als 200 Jahren ist es inzwischen möglich, die Figuren dieser Epoche mit Abstand und neutral zu betrachten.
Ein für historisch interessierte Leser in jeder Hinsicht lesenswertes Buch. Für eine Vertiefung in die Thematik steht ein ausführliches Literaturregister im Anhang zur Verfügung.


