Rezension zu "Fahrtenerlebnisse und Philosophische Gespräche mit Max Himmelheber" von Alfred R. Steinhardt
Kurt_E__BeckerWas für ein schönes Buch! Was für interessante Einblicke, Einsichten und Perspektiven! Alfred R. Steinhardt hat ein Erinnerungsbuch der außeralltäglichen Art geschrieben, vieldimensional Erlebnisse, Erfahrungen, Gedanken und Gespräche bündelnd, unterlegt durch eindrucksvolles Bild- und Fotomaterial, das Ganze bibliophil hochwertig aufbereitet.
Protagonist dieses Erinnerungsbuchs ist Max Himmelheber, eine deutsche Ausnahmepersönlichkeit des 20. Jahrhunderts: Pfadfinder, bündisch bewegt, Techniker, Erfinder, Unternehmer, Jagdflieger im Zweiten Weltkrieg, über England abgeschossen, nach dem Krieg wieder Unternehmer, praktizierender Kreislaufwirtschaftler, Philosoph, Ökosoph und Publizist, Mitbegründer und Mitherausgeber der „Scheidewege“, einer Zeitschrift für skeptisches Denken, ein literarisches Kompendium in insgesamt 50 Bänden. In „Scheidewege“ hatte Himmelheber zusammen mit zahlreichen Ko-Autoren wie Ernst und Friedrich Georg Jünger, Nobelpreisträgern wie George Wald und Schriftstellern wie Michael Ende das Nachhaltigkeitsdenken philosophisch tiefschürfend auf den Weg gebracht, inspiriert nicht zuletzt durch Himmelhebers Erfindung der Spanplatte, Grundlage zahlreicher Patente und einem darauf wiederum basierenden weltweiten Unternehmensimperium der Kreislaufwirtschaft.
Steinhardts Buch hat wesentlich zwei Teile: eine inspirierende Beschreibung seiner vielfältigen Erlebnisse als Mitglied der Himmelheberschen „Bubengruppe“ auf großen Abenteuer-Fahrten und ein intellektuelles Protokoll seiner philosophischen Gespräche und Briefwechsel mit Himmelheber über Themen wir „Physik und Kosmologie“, „Abstraktion und Vorstellung“, oder „Ökologie“. Als „Logbuch“ bezeichnet Steinhardt das Buch im Untertitel. Und genau das beschreibt den Charakter dieses Buchs denn auch auf das Trefflichste. Der Seefahrt entlehnt erweitert Steinhardt die Bedeutung des Begriffs über die Dokumentation der Segeltörns zu Wasser durch die Elemente Land, Luft und intellektuelle Sphären. Abenteuerliche Wanderungen in der wilden Natur Korsikas, Flüge über dem Schwarzwald und Fahrten mit dem Land Rover durch die Wüsten Nordafrikas. Elementare Bereicherungen und prägende Herausforderungen für jeden der jugendlichen Teilnehmer an den Himmelheber-Touren, eine Art vieldimensioniertes Überlebenstraining, das jeden auf das Äußerste zu fordern wusste, physisch und psychisch. Das alles beschreibt der Autor in einer vielschichtigen Sprache: als Tagebuch aus der Erinnerung heraus, dokumentierend und kommentierend mit dem dynamischen Erzählfluss einer besonderen Form der Essayistik. Besonderes Profil gewinnt der essayistische Charakter dieses Erinnerungsbuchs im zweiten Teil, in dem sich Steinhardt als privilegierter Gesprächspartner seines pädagogischen Mentors auszuzeichnen vermag.
Das überaus gelungene schöpferische Amalgam aus persönlichem Erleben und intellektueller Weltschau formiert sich zu einem großartigen Panorama nicht zuletzt einer vorbildlich zukunftsweisenden Pädagogik im besten Wortsinn. Wie schreibt Steinhardt: „Die Zeit mit Max hat ohne Zweifel sowohl mein Denken als auch meinen weiteren Werdegang geprägt.“
Mehr Vorbilder der Himmelheberschen Art in dieser schwierigen Gegenwart! Alfred Steinhardt ist aus dem persönlichen Erleben heraus die Hommage auf eine Ausnahmepersönlichkeit zu danken.

