Algernon Blackwood Die gefiederte Seele

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Inhaltsangabe zu „Die gefiederte Seele“ von Algernon Blackwood

Subtiles Grauen, erzählt in passender, leicht altertümlicher Sprache. Wie alle Bücher von Algernon Blackwood Grusel für Genießer!

— mercurial_mind
mercurial_mind
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    Die gefiederte Seele
    Stefan83

    Stefan83

    30. June 2013 um 22:17

    Zu Beginn meiner Besprechung von „Die gefiederte Seele“ möchte ich erst einmal meine Behauptung in der Rezension zu „Der Tanz in den Tod“ revidieren, dass im Suhrkamp-Verlag nur drei Anthologien des englischen Autors Algernon Blackwood veröffentlicht wurden. So sind in Wirklichkeit sogar deren sechs innerhalb der Reihe „Phantastische Bibliothek“ erschienen, die, inzwischen allesamt vergriffen, einen beeindruckenden Querschnitt durch das Werk dieses Schriftstellers darstellen, den man neben H.P. Lovecraft und Shirley Jackson immer noch zu den Schwergewichten des psychologischen Schauerromans im frühen 20. Jahrhundert zählt. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass sein Name schon seit längerer Zeit aus den Regalen der Buchhandlungen verschwunden und heute zumeist nur noch Genre-Kennern sowie bibliophilen Sammlern ein Begriff ist. Ein Umstand, den wohl selbst die besten seiner Geschichten kaum ändern können, hat doch bluttriefender Splatter dem fein ziselierten Grusel längst den Rang abgelaufen. Und nach der Lektüre von „Die gefiederte Seele“ drängt sich zudem die Vermutung auf, dass eben diese besten Geschichten bereits in den zuvor veröffentlichten Sammlungen enthalten sind. Fakt ist jedenfalls: Wäre dies mein erstes Blackwood-Buch gewesen – es hätte wohl auch keine weiteren mehr für mich gegeben. Während besonders „Das leere Haus“ und „Besuch von Drüben“ mit stimmungsvollen Geister- und Gruselgeschichten aufwarten, welche an den Urängsten des Menschen rühren und mit eindringlicher Unruhe unter die Haut des Lesers gehen, konzentriert sich dieser Band in erster Linie auf die Schattenbereiche der menschlichen Seele – und damit auf eine schmale Grenze zwischen Herz und Verstand, die wissenschaftlich nicht zu erklären und psychologisch kaum besser zu verstehen ist. Dieser Schritt weg vom klassischen Horror (z.B. eine knarzende Tür oder das Rauschen in den Weiden) hin zu einer eher esoterischen Ebene ist gleichzeitig einer auf dünnes Eis. Blackwoods neues Themenfeld verschließt sich dem rein betrachtenden Leser, zwingt ihn zu einer weit sensibleren Herangehensweise. Eine Tür knarzt hier nicht mehr allein aufgrund des Windes, auch haben keine Gespenster ihre Hand im Spiel – stattdessen erweist sich die Welt von Naturmächten durchdrungen, die ihre Geheimnisse nicht preis geben. Und wenn doch, dann sind sie ähnlich schwer zugänglich, wie die in diesem Band versammelten zehn Geschichten: Das dreifache Band Das Land des grünen Ingwer Die gefiederte Seele Die Nacht des Pan Der andere Flügel Heidefeuer Besuch nach Ladenschluss Hingang auf Widerruf Der Totenwald Doktor Feldman Desweiteren enthält der Sammelband die Novelle „Ägyptischer Heimgang“ (1914 erschienen) - und sie ist es auch die ganz besonders die Geduld des heutigen Lesers auf die Probe stellt. Hierbei muss man explizit von „heute“ reden, war doch Blackwoods naturmystischer Ansatz zu seinen Lebzeiten ein gänzlich neuer und hoch gelobter, da er sich in Untiefen wagte, welche andere Schriftsteller lieber unangetastet ließen. Gerade aufgrund der Tatsache, dass sie so äußerst schwer in Worte und damit auf Papier zu bringen waren. Gute hundert Jahre später ist von dieser Faszination wenig bis nichts geblieben. Während man Blackwood in Kenner-Kreisen für die großartigen, unheimlich atmosphärischen Schauergeschichten immer noch lobt, deckt man über dessen wiederholte Versuche, das Unfassbare fassbar zu machen, den Mantel des Schweigens. Verschlimmbessert wird dies im Fall des Suhrkamp-Version durch die unglaublich altmodische Übersetzung, die dem ohnehin zähen Handlungsbrei von „Ägyptischer Heimgang“ noch weiteren Beton untermischt. Auch wenn hier deutlich wird, welche literarische Qualitäten Blackwood besaß – bis zum heutigen Tag kann ich mich an kaum eine Novelle erinnern, die sich derart langatmig und langweilig über voran gewälzt hat. Der Drang, dass Buch einfach zur Seite zur legen bzw. zur nächsten Geschichte vorzublättern, war hier (auch wegen der schon nicht wirklich überzeugenden vorherigen Geschichten), ähnlich wie der beschriebene Sog des Alten Ägyptens, äußerst mächtig. Tapfer, aber auch gleichgültig wurde die Pflicht dann dennoch zu Ende gebracht. Glücklicherweise stellt „Ägyptischer Heimgang“ auch gleichzeitig den Wendepunkt dieser Anthologie dar. Die folgenden Geschichten, allen voran „Besuch nach Ladenschluss“, „Doktor Feldman“ und „Der Totenwald“, bieten schließlich wieder gewohnt gute, weil eindringliche Grusel-Kost. Richtig genießen kann man diese, allein aufgrund der zuvor aufgewandten Anstrengungen, aber nicht mehr. „Die gefiederte Seele“ war meine vierte und bis hierhin schwächste Blackwood-Lektüre. Hier ist die Patina doch zu dick, der Stil zu altmodisch, um längerfristig Gefallen daran finden zu können. Das psychologische Jonglieren des Autors in allen Ehren - in diesem Fall hat sich die antiquarische Suche für mich persönlich nicht gelohnt. Neueinsteiger sollten deshalb auch unbedingt zu den bereits oben gelobten anderen Sammelbänden greifen.

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