Ali Smith

 3.8 Sterne bei 89 Bewertungen
Autorin von Beides sein, Die Zufällige und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Ali Smith

Spannend, schräg und extrem wortgewandt: Ali Smith wurde im Jahr 1962 in Inverness in Schottland geboren. Vor ihrer Karriere als Schriftstellerin studierte Smith in Aberdeen und Cambridge. Im Anschluss war sie als Dozentin für Literatur an der Universität Strathclyde tätig. Da Smith an einer chronischen Krankheit leidet, musste sie ihren Beruf aufgeben – fand aber den Weg zum Schreiben. Im Jahr 1995 gelang es ihr, einen ersten Kurzgeschichtenband mit dem Titel „Free Love and Other Stories“ herauszubringen. Prompt wurde dieser mit dem Saltire First Book of the Year Award ausgezeichnet. Zwei Jahre später erschien Smiths erster Roman „Like“. Als Mitglied der Royal Society of Literature wurde Smith im Jahr 2015 zum Commander of the Order of the British Empire ernannt. Ihre neueren Romane mit den deutschen Titeln „Es hätte mir genauso“ oder „Beides sein“ sind ebenfalls preisgekrönt. Kritiker bezeichnen ihre Werke als intellektuelles und sprachkritisches Dandytum. Smith schreibt spannend-schräge Geschichten und schafft es mit einfachsten erzählerischen Mitteln, mit Klischees und Erwartungen zu spielen und zu überraschen. Die Mixtur von Wahrheit und Fiktion gibt ihren Romanen den letzten Schliff. Smith lebt mit Lebenspartnerin Sarah Wood gemeinsam in Cambridge. Ihr widmet sie all ihre Bücher.

Neue Bücher

Von Gleich zu Gleich

 (3)
Neu erschienen am 09.03.2020 als Taschenbuch bei btb.

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Cover des Buches Beides sein9783442716005

Beides sein

 (12)
Erschienen am 12.03.2018
Cover des Buches Herbst9783442770847

Herbst

 (8)
Erscheint am 08.03.2021
Cover des Buches Die Zufällige9783641197162

Die Zufällige

 (12)
Erschienen am 29.02.2016
Cover des Buches Es hätte mir genauso9783442717521

Es hätte mir genauso

 (8)
Erschienen am 10.12.2018
Cover des Buches Im Hotel9783442713110

Im Hotel

 (6)
Erschienen am 14.12.2015
Cover des Buches Freie Liebe und andere Geschichten9783442713554

Freie Liebe und andere Geschichten

 (4)
Erschienen am 13.03.2017
Cover des Buches Die erste Person9783641199678

Die erste Person

 (3)
Erschienen am 28.04.2016
Cover des Buches Ganz andere Geschichten9783442713561

Ganz andere Geschichten

 (3)
Erschienen am 09.05.2017

Neue Rezensionen zu Ali Smith

Neu

Rezension zu "Herbst" von Ali Smith

Magisch, bizarr und äußerst poetisch
KateRappvor 21 Tagen

Das neue Buch von Ali Smith Herbst, dem ersten Roman aus einem geplanten Jahreszeitenquartett, als Brexit-Roman zu bezeichnen wird diesem Werk nicht im Entferntesten gerecht. Ihr ist, meiner Meinung nach, ein wunderbar poetisches, melancholisches Buch über Freundschaft und Abschied (was der Brexit ja nun zugegebener Weise auch ist) gelungen, mit einigen bizarren, beinahe kafkaesken Elementen.

Elisabeth Demand, 32 Jahre alt, besucht ihren alten Freund und ehemaligen Nachbarn Daniel in einem Altenpflegeheim und liest ihm, während er vor sich hindämmert, vor. Denn „Was liest du gerade“ war seit ihrer ersten Begegnung ihre persönliche, geradezu intime Form der Begrüßung. Daniel öffnete der zwölfjährigen Elisabeth damals die Welt der Fantasie in Büchern und Kunst, poetische Beschreibungen und wundersame Wortspiele verzaubern nicht nur das Mädchen sondern auch mich als Leserin:

"Das Wort Gymkhana, sagte Daniel, ist wunderbar, ein Wort, das ein Gewächs aus mehreren Sprachen ist.

Wörter sind keine Gewächse, sagte Elisabeth.

O doch.

Wörter sind keine Pflanzen.

Wörter sind ihrerseits Organismen, sagte Daniel.

Oregano-ismen, sagte Elisabeth.

Herbal und verbal, sagte Daniel. Sprache ist wie Mohnblumen…."

 

In diesem Roman mischen sich Rückblenden aus Elisabeths Kindheit mit Passagen aus der Innenwelt des schlafenden Daniel und Elisabeths aktuell neu belebter Beziehung zu ihrer Mutter. Dabei gelangen Bilder von Stränden mit tot angespülten Flüchtlingen in die Traumsequenzen, traumartige Bildbeschreibungen einer lange vergessenen Pop-Art-Künstlerin in die Rückblenden und bizarre bürokratische Alptraumszenarien in Elisabeths Realität. Ja, es wird auch die Brexit-Abstimmung, die aufgeheizt-missmutige Stimmung im Land, die Armut und Abschottung unterhaltsam aber distanziert thematisiert:

"Heute sind die Nachrichten wie eine überdrehte Schafherde, die einen Steilhang hinabgetrieben wird. (…) Thomas Hardy auf Speed."

 

Doch es ist Hoffnung zu verspüren, obwohl Orwells schöne neue Welt, Balzacs Chagrinleder und das eiserne Herz bemüht werden: Elisabeths Mutter sucht nach Kostbarkeiten in altem, verstaubtem Gerümpel und findet dabei die große Liebe. Und letztendlich schließt das Buch nicht mit dem befürchteten Tod Daniels, sondern mit seinem Erwachen und dem letzten Erblühen einer späten Rose.

Ein wirklich wunderbares Buch! Ich freue mich schon sehr auf die nächsten Jahreszeiten.

 

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Rezension zu "Herbst" von Ali Smith

Der Herbst - eine Zeit des Abschieds?
nonostarvor 4 Monaten

Elisabeth lernte Daniel Gluck kennen als sie noch ein Kind war. Daniel war ihr Nachbar und sprang oft als ihr Babysitter ein, wenn ihre Mutter sich mal wieder mit einem Mann getroffen hat oder sonst irgendwo unterwegs war. In dieser Zeit haben Daniel und Elisabeth viele Spaziergönge gemacht, in denen er ihr Geschichten erzählt und sie langsam in die Welt der Kunst und Literatur und auch in die Welt des Denkens einführt. Er animiert sie dazu, sich selbst ein Bild zu machen und ihre Fantasie und Kreativität einzusetzen. Mittlerweile ist Elisabeth 30 und arbeitet als Kunstdozentin und Daniel 101 und verbringt nun seine restlichen Tage in einem Pflegeheim, überwiegend schlafend. Dort besucht Elisabeth ihn jede Woche.

"Herbst" spielt zur Zeit es Referendums in Großbritannien, zu Zeiten des Brexit. Die Spaltung, die seither durch die Gesellschaft gegangen ist wird nicht nur zwischen den Zeilen spürbar. Dabei steht die politische Lage hier gar nicht im Vordergrund. Und dennoch wird deutlich wie sehr sich England und die Menschen die dort leben, verändert haben, wie ein Ruck durch die Einwohner geht. Der Schreibstil ist anders als alles was ich bisher gelesen habe. Auf sehr elegante Weise vermischt Smith hier die Erinnerungen von Elisabeth und Daniels, die Fantasieträume des sterbenden Mannes mit der politischen Lage und den absurden Situationen des Alltags. Sie wechselt zwischen klarer, direkter Sprache - poetischen Gedanken, Geschichten, Träumen  - absurd komischen Situationen die an Kabarett und Sketche erinnern und dennoch kommt nie das Gefühl auf, dass es zu viel ist. Auch die zahlreichen Verwiese auf Kunst und Literatur haben mir sehr gut gefallen. Sie sind wie beiläufig eingewoben und nehmen doch einen zentralen Platz in dieser Geschichte von Elisabeth und Daniel ein.

Manchmal blieben mir die Figuren etwas fern, v.a. die Mutter und ihre Freundin doch dann wurde ich immer wieder abgeholt und schloss die Figuren mehr und mehr in mein Leserherz. "Herbst" ist ein guter Auftakt des Jahreszeitenquartetts von Ali Smith, dass mich neugierig gemacht hat auf die Autorin.

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Rezension zu "Herbst" von Ali Smith

Noch gibt es Rosen
Buecherschmausvor 5 Monaten

Überall wird der gerade auf Deutsch erschienene Roman „Herbst“ von Ali Smith als der „erste Brexit-Roman“ gefeiert. Und tatsächlich begann die schottische Autorin 2016 kurz vor dem Referendum mit der Niederschrift und in der Absicht, einen ganz zeitnahen Text zu verfassen. „Autumn“ erschien dann auch bereits im selben Jahr und platzierte sich 2017 auf der Shortlist zum Man Booker Prize.


Ein wenig von dieser Aktualität und Dringlichkeit ging durch die drei Jahre, die die Übersetzung ins Deutsche nun dauerte, verloren. Das schadet aber nicht sehr, denn die Gedanken zu den politischen Veränderungen in Großbritannien, die Hinwendung zu mehr Egoismus, sozialer Kälte, zum Errichten von Grenzen jedweder Art und zum raueren Klima, das seitdem in der britischen Gesellschaft herrscht, bilden nur einen Aspekt des komplexen Romans. Auch wenn dieser sehr stark und leidenschaftlich ausgeführt wird.


„Ich habe die Nachrichten satt. Ich habe es satt, wie manches künstlich zu etwas Spektakulärem aufgebläht wird, das es nicht ist, und anderes, wirklich empörende Dinge, grob vereinfacht wird. Ich habe die Giftigkeit satt, den Zorn, die Niedertracht, den Egoismus. Und am meisten habe ich satt, dass wir nichts unternehmen, damit das aufhört.“


Geplant und angelegt hat Ali Smith „Herbst“ als den ersten Text eines Jahreszeiten-Quartetts und im Original sind bereits „Winter“ und „Spring“ erschienen, „Summer“ für 2020 angekündigt. „Herbst“ ist, wenig verwunderlich, ein Roman des Abschieds, der leisen Trauer, des Alters, aber auch einer der Verwandlungen – Ovids „Metamorphosen“ spielen nicht zufällig eine Rolle – und der Hoffnung. Er ist bei aller Zugänglichkeit ein hoch kunstvoller, vielgestaltiger und auch experimenteller Text.


Es beginnt mit einer jener traumartigen Episoden, die immer wieder auftauchen. Hier wird ein „alter, alter Mann“ an ein Ufer angespült, begegnet einem Reigen tanzender Mädchen, während tote Menschen am Strand liegen und Urlauber sich sonnen, fühlt neue Lebenskraft in sich aufsteigen und verwandelt sich schließlich in einen Baum. Diese Traumsequenzen erweisen sich bald als Bewusstseinsströme eines sterbenden, 101 Jahre alten Mannes, Daniel Gluck. An seinem Krankenhausbett sitzt viele Stunden eine junge Frau, liest, liest ihm vor, spricht mit dem Bewusstlosen, in einem tiefen, langen Schlaf Gefangenen.


Als zehnjähriges Mädchen wurde Elisabeth Demand die Nachbarin von Daniel Gluck. Die alleinerziehende und nicht sehr fürsorgliche Mutter hatte wenig Zeit und Geduld mit ihrer Tochter. Damals gab ihr der bereits hochbetagte, aber noch erstaunlich rege Nachbar Halt und führte sie ins eigenständige Denken und in die Kunst und Literatur ein. „Was liest du gerade?“ war eine ihrer Begrüßungsfloskeln. Und auch „Herbst“ ist voller Referenzen an Bücher, Autoren, bildende Künstler.


Ovids „Metamorphosen“ liest Elisabeth am Krankenbett. Und wie die Natur sich im Herbst wandelt, macht auch Daniel in seinen Träumen oft eine Verwandlung durch. Meist allerdings in eine entgegengesetzte Richtung, hin zu vergangener Jugend. So wird er beispielsweise zu einem ergrünenden Baum, in den er sich eingeschlossen fühlt. Was wieder auf eine andere Bezugsgröße hinweist, auf Shakespeare. Der Luftgeist und Gestaltwandler Ariel ist in dessen Stück „Der Sturm“ ebenfalls zu Beginn in einem Baum eingeschlossen, aus dem ihn der Zauberer Prospero befreit. Eines der dem „Herbst“ von Ali Smith vorangestellten Mottos stammt aus „Der Sturm“. Der Sturm als Herbstmotiv. Und William Shakespeares Märchen- und Zauberdramen als Inspiration für die Traumsequenzen im Roman.


Ein drittes literarisches Werk, auf das Smith Bezug nimmt, ist Charles Dickens „Eine Geschichte aus zwei Städten“. Von diesem während der französischen Revolution in Paris und London spielenden Roman kann man einen Brückenschlag zu den „revolutionären“ Veränderungen in Großbritannien herstellen, aus ihm stammt auch der (leicht veränderte) Anfangssatz:


„Es war die schlechteste, es war die schlechteste aller Zeiten.“


Mit der kritischen Stellungnahme zum Brexit und den verschiedenen literarischen Referenzen ist es aber noch nicht genug. Durch einen persönlichen Bezug – Daniel, der Liedtexter war einst in sie verliebt – erzählt Ali Smith noch von der britischen Pop-Art-Künstlerin Pauline Boty und ihrem traurigen Schicksal. Gleichzeitig thematisiert sie über eines der Werke Botys den Skandal um Christine Keeler. Diese war ein britisches Model und unterhielt 1963 gleichzeitig eine Affäre mit dem britischen Kriegsminister John Profumo und dem sowjetischen Marineattaché Jewgeni Iwanow, was schließlich zum Sturz der britischen Regierung führte.


Reichlich Stoff für einen nicht allzu umfangreichen Roman. Dazu kommt der Wechsel der Zeitebenen zwischen Erzählgegenwart und Erinnerungen und dem nebligen inneren Erleben Daniels. Es erstaunt und zeugt von großer Könnerschaft, dass sich das Ganze so problemlos und mit Genuss lesen lässt. Letztlich entscheidet die Leserin, welchen Fährten sie folgen mag. Brexit-Roman oder Meta-Erzählung? Politisches Statement gegen das Errichten neuer Grenzen und für die Vielgestaltigkeit des Lebens oder zarte, poetische Erzählung über das Abschiednehmen von einem geliebten Menschen? Oder eben alles zusammen.


Ali Smiths Erzählen ist sowohl politisch als auch hochpoetisch. Sie liebt Sprache und Wortspiele, und das ist auch in der Übersetzung von Silvia Morawetz noch deutlich zu spüren.


„Sprache ist wie Mohnblumen. Sie nimmt etwas und wühlt die Erde drum herum auf, und schon kommen schlafende Wörter zum Vorschein und werden, leuchtend rot und frisch, überallhin verweht.“


Das Ende ist geradezu hoffnungsvoll. Aber da schrieb man ja auch noch das Jahr 2016. Vieles sieht heute düsterer aus als damals. Mit großer Spannung darf man die Folgebände erwarten, die ja eigentlich ins Lichte führen müssten, in den Frühling, den Sommer.


„Die Bäume zeigen ihre Wuchsformen her. Ein feiner Brandgeruch liegt in der Luft. Alle Seelen streunen und marodieren. Aber es gibt Rosen, noch gibt es Rosen. Trotz Feuchte und Kälte ist an einem Busch, der bereits abgeblüht aussieht, eine Rose weit geöffnet, noch. Sieh dir die Farbe an!“





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Zusätzliche Informationen

Ali Smith wurde am 24. August 1962 in Inverness, Schottland (Großbritannien) geboren.

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