Ali Smith Beides sein

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Inhaltsangabe zu „Beides sein“ von Ali Smith

Ali Smith schreibt wie sonst keine. In ihrem preisgekrönten neuen Roman verbindet sie zwei Leben, die über fünfhundert Jahre auseinanderliegen: George, ein Mädchen von heute, das die Faszination der Beobachtung entdeckt, und den Werdegang eines Freskenkünstlers aus der italienischen Renaissance. Mit Witz, sprachlicher Brillanz und einer ansteckenden Freude am Spiel mit Formen, Zeiten, Wahrheiten und Fiktionen erzählt die britische Autorin vom Abenteuer der Kunst, vom Sehen und Gesehenwerden, vom Wunder, ein Mensch zu sein.

'Beides sein' ist ein Roman über die Gegensätze von Mann und Frau, von Leben und Tod, von Vergangenheit und Gegenwart und über die Sehnsucht, diese Gegensätze zu vereinen, da sie erst vereint ein Ganzes bilden. 'Beides sein', das sind zwei Geschichten, die ein Ganzes bilden: Da ist die Geschichte von George, einem Mädchen von heute, das um seine ganz plötzlich verstorbene Mutter trauert. George hält ihre Erinnerungen fest, vor allem die Reise nach Italien, als sie mit ihrer Mutter und ihrem kleineren Bruder Henry den Palazzo Schifanoia in Ferrara besuchten, der mit Fresken ausgemalt ist. Der Künstler der schönsten Fresken in diesem 'Palast gegen die Langeweile' aus dem 15. Jahrhundert war Francescho del Cossa. Diese Erinnerungen, die Entdeckung des Sehens und Beobachtens und eine Freundschaft bringen George langsam wieder ins Leben zurück.

Und dann ist da das Leben von Francescho del Cossa, dem Renaissancekünstler, dessen Werdegang zum Hofmaler bei Borsa d’Este alles andere als einfach war und dessen ungewöhnliche Geschichte auf verblüffende, höchst vergnügliche Weise auf die des Mädchens George trifft …

hat mir sehr sehr gut gefallen. bin aber nicht sicher es ganz verstnden zu haben

— sternchennagel

Das muss jeder lesen, der Spannung durch Sprache liebt ;)

— Weltenwandler

„Beides sein“ ist ein ungewöhnlicher und teils skurriler Roman, der lange nachwirkt und mich beeindruckt hat.

— AgnesM

Ali Smith hat eine ungeheuer beeindruckende Doppelhelix geschaffen, einen radikalen Roman.

— JulesBarrois

Leseempfehlung, denn letztendlich ist "Beides sein"außergewöhnlich, auch wenn es nicht sofort erkennbar war und mich erst überfordert

— MelE

Ungewöhnlich, skurril, lohnenswert! Kunst pur!

— lisibooks

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    Beides sein

    Weltenwandler

    15. December 2016 um 01:46

    Autor: Ali SmithTitel: Beides seinGenre: RomanErscheinungsjahr: 2016Verlag: LuchterhandBeschreibung:»Beides sein« ist ein Roman über die Gegensätze von Mann und Frau, von Leben und Tod, von Vergangenheit und Gegenwart und über die Sehnsucht, diese Gegensätze zu vereinen, da sie erst vereint ein Ganzes bilden. »Beides sein«, das sind zwei Geschichten, die ein Ganzes bilden: Da ist die Geschichte von George, einem Mädchen von heute, das um seine ganz plötzlich verstorbene Mutter trauert. George hält ihre Erinnerungen fest, vor allem die Reise nach Italien, als sie mit ihrer Mutter und ihrem kleineren Bruder Henry den Palazzo Schifanoia in Ferrara besuchten, der mit Fresken ausgemalt ist. Der Künstler der schönsten Fresken in diesem »Palast gegen die Langeweile« aus dem 15. Jahrhundert war Francescho del Cossa. Diese Erinnerungen, die Entdeckung des Sehens und Beobachtens und eine Freundschaft bringen George langsam wieder ins Leben zurück.Und dann ist da das Leben von Francescho del Cossa, dem Renaissancekünstler, dessen Werdegang zum Hofmaler bei Borsa d’Este alles andere als einfach war und dessen ungewöhnliche Geschichte auf verblüffende, höchst vergnügliche Weise auf die des Mädchens George trifft …Quelle: www.randomhouse.deDiese Klappentext des Buches, beschreibt die Handlung so gut, dass ich dem wirklich nichts hinzuzufügen habe. Schließlich möchte ich nicht Spoilern.Sprache und Erzählstil sind hier wirklich erfrischend neu. Ich habe so es noch in keinem Buch vorher erlebt, das ein Autor so mit Sprache spielt und so extrem Zeiten und Stile fast schon provozierend, dem Leser um die Ohren haut :). Anfangs war ich verwirrt und ehrlich gesagt ein wenig genervt, das gewisse Vorkommnisse oft wiederholt wurden, doch dann verstand ich erst, was Ali Smith da eigentlich tat. Sobald man es versteht, entsteht Spannung nicht nur durch die Handlung der Geschichte, sondern manifestiert sich auch in den verschiedenen Varianten der Verwendung Sprache und Stilmittel. „Wie weit geht sie? Was kommt da noch?“ Das Buch ist eigentlich in 2 Hälften geteilt. In der ersten Hälfte erfährt der Leser die Geschichte von George, einer 16 jährigen die noch in Trauer um ihre Mutter lebt. Im zweiten Teil geht es um Francesco del Cossa, einen Renaissancekünstler und dessen Lebensweg. Ali Smith schafft es tatsächlich ohne kitschig zu werden, eine feine Verbindung zwischen deren beider Leben zu schaffen.Beide Geschichten für sich alleine sind schon eines Buches wert. Humor kommt hier nie zu kurz, verbunden mit lehrreichen und weisen Worten. Auch regt die Geschichte zur Selbstreflexion an, hier eine Passage die mir zum Beispiel sehr gefiel: „Ist Wert dasselbe wie Geld? Ist das ein und dasselbe? Ist Geld das, was wir sind? Wie viel Geld wir machen, bestimmt das darüber, wer wir sind? Was bedeutet das Wort machen? Sind wir, was wir machen?“Die beiden einzelnen Geschichten sind gut nachzuvollziehen und in sich logisch und realistisch dargestellt. Die Verbindung der beiden, vielleicht nicht so, aber wen kümmert es? Es ist schließlich ein Roman, und damit Fiktion, ich finde das toll!Ich liebe dieses Buch, das mich sehr gut unterhalten hat. Trotz meiner starken Schmerzen nach einer Zahnoperation habe ich es in meinen freien Minuten verschlungen. Es ist ein einzigartiges Buch, und macht es zur Pflichtlektüre für alle neugierigen Leser. Man muss kein Kunstliebhaber sein um es zu verstehen, aber es kann Lust auf Kunst machen. Da es einen kleinen Einblick gibt, worauf es in der Kunst ankommt, ob als Schaffender oder Betrachter eines Gemäldes oder von Fresken.Ich kann jedem empfehlen dieses Buch zu lesen, es ist ein Erlebnis.Wer dieses Buch verpasst, verpasst ein Goldstück!Von mir gibt es auf jeden Fall 5 Sterne!Ich danke dem Luchterhand Verlag für dieses Rezensionsexemplar sehr.Liebe Grüße und viel Spaß mit diesem Buch,Der Weltenwandler

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  • Virtuoser Roman um Gegensätze und Gemeinsamkeiten

    Beides sein

    serendipity3012

    11. November 2016 um 13:54

    Virtuoser Roman um Gegensätze und Gemeinsamkeiten George, ein Teenagermädchen, hat unerwartet ihre Mutter verloren. Sie versucht, mit dem Verlust zurechtzukommen, ihn überhaupt erst einmal zu begreifen. Ihr Leben geht weiter, sie geht zur Schule, schließt eine neue Freundschaft und lebt mit ihrem Vater und ihrem kleinen Bruder Henry zusammen im heutigen England. Immer wieder erinnert sie sich an eine Italienreise, die sie mit dem Bruder und der Mutter ungefähr ein Jahr zuvor gemacht hat. In Ferrara gab es ein Gemälde, das George besonders beeindruckt hat. Es wurde gemalt von Francescho del Cossa (im Roman in dieser Schreibweise), von dem kaum etwas bekannt ist, außer, dass er, nachdem er seine Arbeit abgeliefert hatte, der Meinung war, dass sie viel besser sei als die der anderen und er daher mehr Geld dafür verlangte.Es ist dieser Francescho del Cossa, über den der zweite Teil des Romans „Beides sein“ von Ali Smith erzählt. Ca. 500 Jahre geht es in der Zeit zurück in das Leben des jungen Malers und zu seinem Weg zum Erfolg, der nicht einfach war. Beide Teile des Romans tragen die Kapitelvorzeichnung Eins: Die Reihenfolge, in der man die Teile liest, ist somit einerlei. Sowieso wartet „Beides Sein“ nicht mit einer stringenten Handlung auf, immer wieder ist die Geschichte assoziativ, wir springen in die Vergangenheit und zurück, Wichtiges wird wie nebenher fallengelassen. Besonders beeindruckt hat mich, wie Smith die Trauer der jungen George um ihre Mutter in Worte fasst, wie sie diese nicht beschreibt, sondern zeigt, durch die imaginären Dialoge, die sie mit der Mutter führt, durch die schlagartigen Erinnerungen, die George überfallen, durch kurze Einschübe, unvermittelt, aber treffend. So habe ich den Teil, der sich um George dreht, denn auch als den zugänglicheren empfunden. Obwohl man durchaus einige Seiten braucht, um sich auf den etwas sperrigen Roman einzulassen, auf Smiths ganz eigenen Ton, in dem sie erzählt, hat Georges Geschichte mich sehr gepackt. Den Teil um Francescho del Cossa habe ich als weniger mitreißend empfunden, was womöglich am schwerer fassbaren Charakter lag – vielleicht passt es auch zu dem Umstand, dass wir uns hier so viele Jahre zurückbewegen in eine Zeit, die der unseren so viel ferner ist. Insgesamt bietet der Roman jede Menge Interpretationsspielraum, regt zum Nachdenken an. Einige Themen ziehen sich durch beide Geschichten, vor allem Fragen nach der Identität und dem Geschlecht. So wird George immer mit dem männlichen Vornamen angesprochen, obwohl sie ein Mädchen ist und auch Francescho ist nicht, was er zu sein scheint. Der englische Originaltitel lautet „How to be both“ und ist somit recht nah an seiner deutschen Übersetzung. Beides sein, beides sein können, daran kann man sich beim Lesen orientieren. Wie sehr werden wir in Geschlechtertypen gedrängt, wie wichtig sind solche Zuschreibungen wirklich?Ali Smith ist eine Autorin, die mutig genug ist, sich alle Freiheiten zu nehmen, die sie benötigt, um ihre Geschichte so zu erzählen, wie sie es möchte und die ihren Lesern zutraut, sich darin zurechtzufinden. Ich werde diese talentierte Autorin im Auge behalten und freue mich auf mehr von ihr.

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  • LovelyBooks Romane-Challenge 2016: Die Challenge mit Niveau

    aba

    LovelyBooks lädt im neuen Jahr wieder zu spannenden Challenges ein.Und auf euch warten tolle Gewinne.Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist 2016 wieder dabei!Liest du gerne Bücher mit Niveau?Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2016 bis 31.12.2016 lesen.Es gelten Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.Auch Neuauflagen – 2016 erschienen - von Klassikern.Die Regeln: Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an. Einstig ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts. Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein. Es gelten nur Bücher, die an diesem Beitrag angehängt sind! Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.Nimmst du die Herausforderung an?Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2016 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.Natürlich mit den passenden Büchern zum Thema.Ich freue mich auf viele Anmeldungen!Teilnehmer:19angelika63AgnesMAmayaRoseanushkaArizonaaspecialkateban-aislingeachBarbara62BlaetterwindblauerklausbonniereadsbooksBookfantasyXYbookgirlBuchgespenstBuchinaBuchraettinCara_EleaCaroasCorsicanacrimarestricyranaczytelniczka73Deengladia78DieBertadigraEeyoreleerinrosewellFarbwirbel FederfeeFornikaFrauGonzoFrauJottfreiegedankenfrlfrohsinngefluegeltermondGela_HKGetReadyGinevraGirl56GruenenteGwendolinahannelore259hannipalanniHeldentenorIgelaInsider2199JoBerlinK2kkatrin297krimielselenikslesebiene27LesefantasieleselealesenbirgitleseratteneuLibriHollylisibooksLiteraturmaria1Marika_RomaniaMaritzelmarpijeMartina28MauelaMercadoMiamoumiss_mesmerizednaddoochNadja_KloosnaninkaNepomurksNightflowerNilNisnispardenPetrisPocciPrinzessinAuroraschokoloko29serendipity3012SikalsofiesolveigsommerleseStefanieFreigerichtsternchennagelSumsi1990suppenfeesursulapitschiTanyBeeTintenfantasieTochterAliceumbrellavielleser18wandabluewiloberwortjongleurzeki35

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  • Beides sein

    Beides sein

    AgnesM

    22. October 2016 um 12:40

    Das Buch von Ali Smith spielt zum Teil in der Vergangenheit und zum Teil in der Gegenwart. Im ersten Teil lernen wir George, ein jugendliches Mädchen, kennen, welches vor kurzem ihre Mutter verloren hat und diesen Verlust nur schwer verkraftet. Ihrer Ansicht nach kann es doch nicht sein, dass etwas, das soeben noch da war, plötzlich nicht mehr existiert und nicht mehr greifbar ist. George fällt in eine tiefe Trauer, erinnert sich an Gespräche und Momente mit ihrer Mutter, die sie erlebt hat und lässt ihre gemeinsame Reise nach Italien Revue passieren. Dort haben sie sich u.a. die Fresken von Francesco del Cossa, einem Künstler aus dem 15. Jahrhundert, angesehen. Der zweite Teil des Buches behandelt den Werdegang des Künstlers Francesco del Cossa. Hier erfährt der Leser wie der Künstler zu seinem Namen und seinem Beruf kam und welche Charakterzüge dieser an den Tag legte. Sein Leben war nicht einfach und er musste sich gegen diverse andere Künstler behaupten, doch nie verlor er die Liebe zur Malerei. Im Laufe des zweiten Teils dieses Buches treffen beide Charaktere aufeinander. Für den Leser scheint dies zunächst vielleicht zu weit hergeholt und zu fantasiereich, doch lässt man sich voll und ganz auf die Geschichte ein, so entdeckt man Gemeinsamkeiten und Emotionen, die wohl nur auf diesem Wege dem Leser vermittelt werden können. Zu Beginn hatte ich meine Probleme mit der Schreibweise. Hier und da fehlen Satzzeichen, manche Sätze hören einfach in der Mitte auf und Gedankengänge der Charaktere werden ohne Vorwarnung mitten in einem Satz eingefügt. Hier muss man also aufmerksam und konzentriert bei der Lektüre bleiben, um nicht den Anschluss und die Zusammenhänge aus den Augen zu verlieren. Abgesehen von dem ungewöhnlichen Schreibstil werden so viele Themen aufgegriffen, dass es schon schwer ist diese in Worte zu fassen ohne zu viel zu verraten. Nicht nur die Kunst, der Tod, die eigene Selbstfindung, der Kampf um Aufmerksamkeit oder die Frage nach der Existenz von Dingen spielen eine Rolle. Es wird auch stark mit der Phantasie des Lesers gespielt. Viele Dinge werden angedeutet, vieles wird vermischt und nicht aufgelöst. Auf eine positive Art und Weise bleibt also viel Platz für Spekulationen und philosophische Gedanken. „Beides sein“ ist ein ungewöhnlicher und teils skurriler Roman, der lange nachwirkt und mich beeindruckt hat.

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  • Eine Migrantin der eigenen Existenz

    Beides sein

    JulesBarrois

    07. July 2016 um 14:03

    Beides sein von Ali Smith (Autorin), Silvia Morawetz (Übersetzerin) 320 Seiten, Luchterhand Literaturverlag (21. März 2016), 22,99 €, ISBN-13: 978-3630874951 Manche Bücher sind einfacher zu lesen, als zu beschreiben. Das trifft auf diesen spielerischen, brillanten neuen Roman von Ali Smith zu. Wir lesen zwei Geschichten, von denen die Autorin sagt, man könne sie in beliebiger Reihenfolge lesen: Zum einen die eines italienischen Malers über den wenig bekannt ist, der an den Fresken im Inneren des Palazzo Schifanoia in Ferrara arbeitet, bis er offenbar verärgert über den kargen Lohn war. Auf dem dürren Gerippe der Geschichte (Francesco del Cossa (1430- 1477), ein italienischer Maler über den wenig bekannt ist) entwickelt Ali Smith das Leben eines altklugen, jungen Künstlers, der/die sich die Brust mit Leinen bindet, den Namen Francescho wählt und vorgibt, ein Mann zu sein. Dieser Teil kommt in dieser Ausgabe an zweiter Stelle, ab Seite 164. Trotzdem trägt auch er die Nummer 1. In der ersten Nummer 1 (ab Seite 13) erleben wir das Leben eines 16-jährigen Mädchens namens George, eine etwas herbe High-School-Schülerin im heutigen England. Obwohl in der dritten Person erzählt wird, bewegt sich Georges Geschichte, ebenso wie diejenige von Francescho, frei durch die Zeit, kreist über wichtige Momente und Themen, die nach und nach in den Fokus kommen. Zu ihren schönsten Erinnerungen gehört eine Reise mit der Familie nach Italien, wo sie und ihre Mutter sich Fresken von Francesco del Cossa ansahen. Jede der beiden Geschichten enthalten Verweise auf die jeweils andere. Ali Smith schreibt einen akrobatischen Roman, ohne sich im Gewirr der postmodernen Netze, die sie knüpft, zu verlieren. Das mutet an wie ein Roman, der mit postmodernen Spielereien überfrachtet scheint, aber Ali Smith schafft zwei phantastische, komplexe und auch unglaublich rührende Geschichten. Insgesamt scheint es mir eine tiefe Reflexion über Kunst und Trauer, über das Verwischen und Vermischen der Geschlechter, über die Verbindung Gegenwart und Vergangenheit, über Geschichte und Spekulation. Franceschos Geschichte liefert fundierte Einsichten über das Wesen und die Kraft der Malerei. Wie können auf einem Malgrund Pigmente und Öl zum Leben erweckt werden? Georges Geschichte bietet eine ganz eigene Erforschung der verwirrenden Macht der Trauer. Wie kann ein geliebter Mensch plötzlich nicht mehr existieren ? Und über allem kreist die Frage: Wer oder was ist männlich und wer oder was ist weiblich? Ali Smith hat eine ungeheuer beeindruckende Doppelhelix geschaffen, einen radikalen Roman. Sie spielt uns mit ihrem Textspiegelkabinett einen furiosen Streich. Nichts ist sicher. Nichts ist vorhersehbar. Mit großer Subtilität und Erfindungsreichtum ​​hat die Autorin die Grenzen des Romans radikal erweitert. Die schiere Erfindungskraft dieses Romans hat mich atemlos bis zur letzten Seite geführt. Es bleiben mehr Fragen als Antworten. Ob es Ihnen genauso geht, hängt davon ab, welche Art von Leser Sie sind. Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Luchterhand Verlages http://www.randomhouse.de/Buch/Beides-sein/Ali-Smith/Luchterhand-Literaturverlag/e484536.rhd Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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  • Beides Sein?

    Beides sein

    MelE

    13. June 2016 um 06:36

    Ich gestehe, dass ich erst einige Seiten lesen musste, bevor sich der Charme des Romans "Beides sein" entfalten konnte. Der Schreibstil ist sehr hochwertig und benötigte einiges an Konzentration, damit der rote Faden nicht verpasst wird. Die Story wird in Gegenwart und Vergangenheit erzählt und gerade die Vergangenheit ist es, die mich anfangs verwirrte, da ich keinen Sinn erkannte. Erst nach und nach, nachdem der Roman George in den Fokus rückt, werden viele Dinge klarer. George und Francesco, die durch unterschiedlichen Zeiten geprägt werden, haben einiges gemeinsam. Beide führen ein Leben, welches nicht einfach ist und vieles hart erkämpft werden muss. Bei Francesco ist es der Kampf um Anerkennung seiner Künste. George muss ihre Trauer bekämpfen, die sie daran hindert das Leben zu genießen und sich ihren wunderbaren Erinnerungen zwar stellen, diese aber nicht Überhand nehmen zu lassen. Es zeigt sich, das Eltern gerade in bestimmten Lebensphasen ihre Kinder nachdrücklich prägen und wertvoll sind, um sich zu gesunden Erwachsenen zu entwickeln. Auch diese Gemeinsamkeit könnte George sich mit Francesco teilen. Was sie sich definitiv teilen, ist ihre Selbstfindung. Hier wird mit Sexualität gespielt und die Genderidentität bewusst hervorgehoben. Es ist sehr überraschend, was mit Worten möglich ist und Homosexualität, Heterosexualität oder was auch immer in uns hervorrufen kann. Immer noch und immer wieder. Ob es nun im 15. Jahrhundert war oder im Heute Raum einnimmt, das Leiden der Menschen ist immer noch dasselbe. Sich damit abzufinden "Beides zu sein" überfordert auch heute noch. Lasst euch einfach überraschen von diesem doch sehr interessanten Roman, der für mich leider erst einiges an Seiten benötigte, um seinen Charme zu entfalten. Gerne eine Leseempfehlung, denn letztendlich ist  "Beides sein"außergewöhnlich, auch wenn es nicht sofort erkennbar war und mich anfangs doch überforderte.

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  • Rezension zu "Beides sein"

    Beides sein

    lisibooks

    09. June 2016 um 15:34

    Die sechzehnjährige George hat vor einem Jahr ihre Mutter verloren und versucht nun, ihr Leben weiter zu meistern und für ihren kleinen Bruder und ihren Vater da zu sein. Zur Seite steht ihr Henriette, eine unverhofft neu gewonnene Freundin und bald sind die beiden unzertrennlich. Oft denkt George an ihre Mutter und ihre gemeinsamen Diskussionen und Unternehmungen zurück. Besonders ein Urlaub, der George, ihre Mutter und ihren Bruder nach Ferrara in Italien geführt hat, weckt ihre Erinnerungen. In diesem Urlaub haben sie den Palazzo Schifanoia besichtigt, in dessen Innern Fresken von Malern der Renaissance erhalten sind, unter anderem von Francesco del Cossa. Über den Maler ist nicht allzu viel bekannt, doch eine Anekdote trägt sich bis heute: Nach den Arbeiten im Palazzo war er so von der Qualität seiner Ergebnisse überzeugt, dass er mehr Geld verlangte, als die anderen Maler bekommen haben. „Beides sein“ bzw. im Original „How to be both“ – dies ist nicht nur Titel dieses Romans, sondern ein druchgängiges Thema, das sich durch die gesamte Geschichte zieht. Dualismen sind an den verschiedensten Stellen zu finden und als Literaturwissenschaftler könnte man sich wohl vollends auslassen und sie analysieren. „Beides sein“ ist auch Programm was den Aufbau betrifft. Der Roman ist in zwei Teile gegliedert, die einmal aus Georges Sicht und anschließend aus Francesco del Cossas Sicht geschrieben sind. In einer englischen Rezension habe ich gelesen, dass die beiden Teile theoretisch auch in umgekehrter Reihenfolge gelesen werden könnten, was ich so auch unterschreiben kann. Der Roman ist absolut unüblich, in jeder Hinsicht. Es geht nicht nur um Kunst, sondern die ganze Schreibweise und der Inhalt sind Kunst pur. Die Autorin hält sich nicht an übliche Gesetze und Vorschriften, was das Schreiben eines Romans anbelangt, sondern schafft ihr ganz eigenes Genre. Auf den ersten Seiten mutete der Roman an wie ein Jugendroman mit Anteilen eines historischen Romans an, doch schnell wurde mir klar, dass er sich nicht in eine Schublade stecken lässt. Selbst in der Interpunktion setzt die Autorin eigene Regeln und maßt dem Doppelpunkt eine ganz neue Bedeutung zu. Die Art zu schreiben hat einen großen Reiz auf mich ausgeübt, mich aber auch verwirrt zurückgelassen, denn ob ich die Geschichte – vor allem den Teil über George – nun richtig verstanden habe, da bin ich mir nicht ganz sicher. Die Freiheiten, die sich Ali Smith beim Schreiben herausnimmt, will sie womöglich ein Stück weit an die Leser weitergeben und ihnen die Freiheit überlassen, die Geschichte weiterzudenken. Besonders hervorzuheben ist die Art, wie die Malerei im Roman behandelt wird. Wer wie ich Kunst, insbesondere Malerei liebt, wird sich sofort wohlfühlen. Obwohl ich sonst beim Lesen nie etwas recherchiere, habe ich immer wieder die Bildersuche betätigt und mir die beschriebenen Kunstwerke angesehen, die einfach wunderschön und Renaissace-Malerei pur sind. Tatsächlich sind die Bilder im Roman so gut beschrieben, dass man auch ohne eine Bildersuche ausgekommen wäre und davor kann ich nur meinen Hut ziehen. Ganz nebenbei lernt man noch einiges über die Entstehungsgeschichte der Fresken im Palazzo Schifanoia und den Auftraggeber aus der Familie Este. Diesen „Palast gegen die Langeweile“ möchte ich nach dem Lesen des Romans unbedingt mal besichtigen  und das Buch am besten dort noch einmal lesen. Fazit: Ein mehr als ungewöhnlicher, skurriler, teils bizzarer Roman, der sicherlich polarisiert. Wer wie ich die Malerei mag oder Kunst auch im Schreibstil wertschätzt, wird voll auf seine Kosten kommen. Einen geradlinigen Roman, der alle Fragen beantwortet, sollte man jedoch nicht erwarten. Dafür bekommt man einen tollen Einblick in die Kunstgeschichte.

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