Ali Smith Es hätte mir genauso

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Inhaltsangabe zu „Es hätte mir genauso“ von Ali Smith

Man stelle sich vor: Jemand gibt eine Dinnerparty, man unterhält sich gepflegt über Gott und die Welt, und zwischen Hauptgang und Dessert steht einer der Gäste auf und geht kurz nach oben. Und kommt nicht wieder. Hat sich im Gästezimmer eingeschlossen. Auf Tage, Wochen, Monate … Zu einer Dinnerparty bringt der Freund eines Freundes einen Fremden mit, Miles Garth. Man unterhält sich, wird angenehm betrunken, die Diskussionen werden lebhafter, und manchmal schrammen sie auch kurz am Streit vorbei. Man kennt das. Miles fügt sich einigermaßen in die Runde ein, auch wenn er als Vegetarier, der nicht trinkt und manchmal allzu offen spricht, irgendwie anders ist. Doch dann steht Miles mitten unter dem Essen auf, schließt sich im Gästezimmer ein und ist fortan nicht mehr dazu zu bewegen, wieder herauszukommen. Das kennt man eher nicht. Und es ist überdies ganz schön peinlich, zumal der ungebetene Dauergast bald überregionale Prominenz erlangt und sich um das Haus in Greenwich eine Miles-Fangemeinde schart, inklusive Protestbannern und Merchandising. Währenddessen versuchen vier Personen das Rätsel um Miles zu lösen: Anna, die vor dreißig Jahren mit Miles durch Europa reiste; Mark, der Miles zur Party mitgebracht hat; May, eine alte, demente Frau, deren Verbindung zu Miles sehr überraschend ist (und sehr zu Herzen geht); und die neunjährige Brooke, die vor Wissbegierde strotzt und Wortspiele über alles liebt. Ali Smith erzählt diese aberwitzige Geschichte, die eigentlich jedem hätte genauso passieren können, mit unvergleichlichem Wortwitz und rasantem Charme. Ihr Roman ist eine umwerfende Satire über die Brüchigkeit gesellschaftlicher Konventionen – und wie wenig es nur braucht, um die geheiligte Ordnung unseres bürgerlichen Lebens gehörig durcheinanderzubringen.

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  • Es hätte mir genauso

    Es hätte mir genauso
    Claudia-Marina

    Claudia-Marina

    08. January 2016 um 14:09

    Es passiert nicht oft, dass mich ein Buch dermaßen ratlos und auch verwirrt zurücklässt wie dieses. Bin ich am Ende wieder am Anfang? Oder umgekehrt? Was genau ist da auf den letzten Seiten eigentlich passiert? Was ist dabei mit mir passiert? Hätte Gen Lee anders reagieren sollen, als sich auf einer ihrer Dinnerpartys einer der Gäste nach oben stiehlt und sich im Gästezimmer einschließt? Aber wie hätte sie denn damit rechnen können? Wie unwahrscheinlich ist es denn, dass genau so etwas passiert? Und doch passiert es. Miles Garth macht es. Er geht in einem fremden Haus die Treppe hoch – noch glauben alle, er würde die Toilette benutzen – und schließt sich im Gästezimmer ein. Niemand kennt ihn, und auch Mark, der ihn zur Party mitgebracht hat, kennt ihn im Grunde genommen nur flüchtig. Trotzdem bringt er ihn mit – vielleicht weil er selbst die Gastgeber nicht kennt, vielleicht aus einer Laune der Abenteuerlust heraus – wir werden es nicht erfahren. Miles weigert sich, aus dem Haus der Lees zu verschwinden, stellt sogar ganz unverschämt Forderungen für seine Verpflegung – er ist Vegetarier. Er bleibt einfach. Tage. Wochen. Monate. Und strapaziert dabei die Nerven seiner unfreiwilligen Gastgeber bis zum Zerreißen. In ihrer Not wenden diese sich an Anna, eine entfernte Bekannte von Miles, doch auch sie kann nicht weiterhelfen. Denn auch sie kennt Miles nicht wirklich. Niemand scheint Miles zu kennen. Er ist wie ein Geist, wie Nebel; er ist da, aber nicht greifbar. Mit der Zeit wird das Haus der Lees immer mehr zu einer Pilgerstätte. Wildfremde Menschen zelten hinter ihrem Haus und warten täglich auf ein Lebenszeichen von Miles. Warum sehen sie gerade in ihm eine Art Heilsbringer? Weil er eine unsichtbare Grenze überschritten hat, etwas getan hat, dass man ganz „einfach nicht tut“? Weiterlesen

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  • Rezension zu "Es hätte mir genauso" von Ali Smith

    Es hätte mir genauso
    Gospelsinger

    Gospelsinger

    14. January 2013 um 14:43

    Dinnerparties sind immer anstrengend für die Gastgeberin. Die ganzen Vorbereitungen hängen an ihr, sie kocht ein aufwändiges Essen, sie versucht, bei Tisch eine angeregte, aber geordnete Unterhaltung aufrecht zu erhalten und hinterher muss sie auch noch aufräumen. Kein Wunder, dass sie erst einmal aufatmet, wenn sich die Tür hinter dem letzten Gast geschlossen hat und sie ihr Heim wieder für sich hat. Bei dieser Dinnerparty allerdings schließt der letzte Gast nicht die Eingangstür hinter sich, sondern die zum Gästezimmer. Dort schließt er sich ein, bittet freundlich um Nahrung, die unter der Tür durchgeschoben werden kann und bleibt einfach da. Monatelang. Dabei war Miles nicht einmal selbst zum Dinner eingeladen, sondern kam als Begleiter von Mark. Und Probleme bereitete er der Gastgeberin von Anfang an. Erst beim Essen zu erwähnen, dass man Vegetarier ist, nervt auch die geduldigste Gastgeberin. Dass Miles sich monatelang im Gästezimmer einschließt, hat weitreichende Folgen für die Familie und die gesamte Nachbarschaft. Wie heute üblich, verbreitet sich die Nachricht über den ungewöhnlichen Gast in Windeseile und schnell bildet sich eine Fangemeinde, die hinter dem Haus campiert. Herrlich skurril ist diese Geschichte, nicht nur wegen der bizarren Ausgangssituation, sondern auch wegen der Charaktere aus dem Umfeld von Miles, die samt und sonders Originale sind, auch wenn sie nach außen hin normal wirken. Anna, die vor langer Zeit einmal Kontakt zu Miles hatte und immer noch so unsicher ist, wie auf dem damaligen Europatrip, Mark, der Miles gerade erst kennengelernt hatte, aber so fasziniert von ihm war, dass er ihn zur Party mitnahm, und die demente May, die auf ganz besondere und traurige Art mit Miles verbunden ist, sie alle haben eine besondere Geschichte, die in diesem Buch erzählt wird. Mein Lieblingscharakter ist die neunjährige Brook, die für mich die geheime Hauptfigur des Buches ist. Sie ist hochbegabt und mischt mit ihrer Lernbegierde und ihrer Lust an Wortspielen das langweilige und konventionelle Dinnergespräch kräftig auf. Ihre ganz eigene Art, mit Menschen in Kontakt zu treten, ist zentral für den Fortgang der Handlung. Über Miles selbst erfahren wir nicht viel, er wird nur in den Erinnerungen der anderen lebendig. Seine eigene Perspektive bleibt im Dunkeln. Deutlich wird nur, dass er auch vor seiner unerwarteten Handlung schon als ein besonderer Mensch wahrgenommen wurde, der einen bleibenden Eindruck bei Jedem, der mit ihm in Berührung kam, hinterließ. Mir hat diese unterhaltsam geschriebene und ungewöhnliche Geschichte gut gefallen.

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