Die Wüstengängerin

von Alice Grünfelder 
5,0 Sterne bei3 Bewertungen
Die Wüstengängerin
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Zur Hand genommen und in fast einem Rutsch durchgelesen

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Sehr interessante und fesselnde Geschichte mit zwei Handlungssträngen. Lebendiger Schreibstil!

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Inhaltsangabe zu "Die Wüstengängerin"

Die Sinologiestudentin Roxana reist Anfang der 1990er Jahre die Seidenstrasse entlang, um noch unbekannte buddhistische Höhlenmalereien in der Provinz Xinjiang im Nordwesten Chinas zu erforschen. Sie will zeigen, dass die Region nicht immer islamisch war, sondern buddhistische Wurzeln hat. Roxanas jahrelange Recherchen führen nicht zum erhofften Erfolg, mit leeren Händen will sie jedoch nicht nach Europa zurück, zumal es nichts gibt, wofür es sich lohnen würde heimzukehren. Ihr Aufbruch in die Fremde verliert sich im Sand der Wüste Taklamakan, der ›Wüste ohne Rückkehr‹.
20 Jahre später reist die schwerkranke Linda für ihr letztes Entwicklungsprojekt nach Xinjiang. Doch die Behörden verweigern die zugesicherte Zusammenarbeit. Im Gästehaus zur Untätigkeit verdammt, stösst Linda auf die Aufzeichnungen, welche die verschollene Roxana zurückgelassen hat, und sie folgt deren Spuren.
Vor dem Hintergrund des Widerstands der UigurInnen gegen die
chinesische Regierung in Xinjiang, der spätestens seit 2009 auch
im deutschsprachigen Raum Schlagzeilen macht, verstrickt sich das Schicksal der zwei eigenwilligen Frauen. Erstmals wird aus europäischer Perspektive von der Geschichte und Gegenwart einer wenig beachteten Region erzählt. Feinfühlig und kenntnisreich zeichnet die Autorin ein Panorama der Schicksale von Menschen, die in China an den Rand gedrängt werden.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783859903388
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:220 Seiten
Verlag:Edition 8
Erscheinungsdatum:15.03.2018

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    Erdhaftigs avatar
    Erdhaftigvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Zur Hand genommen und in fast einem Rutsch durchgelesen
    Die Wüstengängerin

    Zur Hand genommen und in fast einem Rutsch durchgelesen. Zwei Frauen und zwanzig Jahre dazwischen erkunden aus unterschiedlichen Gründen die Region der Uiguren zwischen Altai-Gebirge und Taklamakan-Wüste. Es dreht sich um die Spannungen zwischen Chinesen und den eingesessenen Völkern, um die Spannungen, die beide Frauen in sich tragen ebenso wie um Suchen. Mehr ineinander übergehend beschreibt Grünfelder die Wege, warum die beiden ausgerechnet dort unterwegs sind. Sie tut dies mit einer unglaublich klaren Sprache, beschreibt in gewählten Worten und gibt so einen Einblick in ein Land, das kaum jemand so wirklich zu kennen scheint. Zumindest nur wenige aus den westlichen Ländern. Beide Erzählstränge scheinen anfänglich voneinander getrennt zu sein, sind es  und bleiben es auch. Dennoch verbinden sie sich irgendwann. Das Ende ist so unvorhersehbar wie der gesamte Roman.

    Eher eine Reisebeschreibung – die Reise zu sich selbst ebenso zu…? Empfehlenswert auf jeden Fall!

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    ChristineJaeggis avatar
    ChristineJaeggivor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Sehr interessante und fesselnde Geschichte mit zwei Handlungssträngen. Lebendiger Schreibstil!
    Sehr interessante und fesselnde Geschichte mit zwei Handlungssträngen. Lebendiger Schreibstil!

    In Alice Grünfelders Debütroman „Die Wüstengängerin“ treffen wir auf zwei Frauen, die zu unterschiedlichen Zeiten die Provinz Xinjiang im Nordwesten Chinas besuchen. Zu Beginn der 90er Jahre erforscht die Studentin Roxana buddhistische Höhlenmalereien, um zu beweisen, dass die Region nicht immer islamisch war. 20 Jahre später stößt die schwerkranke Entwicklungsarbeiterin Linda auf Aufzeichnungen der verschollenen Roxana und folgt deren Spuren ...

    "Die Wüstengängerin" ist ein Roman, den man aus mehreren Gründen nicht mehr weglegen will: einerseits fesselt einen die spannende Geschichte rund um das Schicksal der beiden Frauen, andererseits erfährt man auch interessante wie erschreckende Dinge über die Unterdrückung der uigurischen Minderheit in China. Zu guter Letzt verzaubert einen die lebendige Sprache des Romans: So lassen mich als Leserin die authentischen Beschreibungen gleich selbst zur Wüstengängerin werden.

    Fazit: Ein hochinteressanter und sprachstarker Roman, der nicht nur das Schicksal der unterdrückten Uiguren aufzeigt, sondern auch die Geschichte zweier eigenwilliger und einsamen Frauen auf der Suche nach sich selbst.


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    Eva_Maria_Nielsens avatar
    Eva_Maria_Nielsenvor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Virtuos! Die Autorin überzeugt mit ihrer geballten Sprachkraft.
    Ein unvergeßliches Buch, das süchtig macht.



    Linda überschlägt in Gedanken die Tage, die Wochen. Nach all den Jahren ist es für sie noch immer unfassbar, wie schnell man von einem Kontinent zum anderen gelangt; die Seele, so hörte sie einmal bei einer Lesung mit einer japanischen Autorin, käme nicht mehr nach, bleibe irgendwo dazwischen hängen. Und in diesem Schwebezustand schaute Linda auf den Strudel im Wasser, das auf das Wehr zuschießt.
    Alice Grünfelder: Die Wüstengängerin

    Für mich fasst dieser Satz die literarische Reise von Alice Grünfelder nach Xinjiang, dem wilden Westen Chinas, zusammen. Weit weg von Peking, aber unter der „Peking-Zeit“ leben dort die verschiedensten Volksgruppen: Uiguren, Kirgisen, Han-Chinesen u.a.

    Im Roman begleitet der Leser zwei Frauen. Roxana ist eine Studentin, die in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts in China forscht. Sie ist auf der Suche nach Höhlenmalereien, um zu beweisen, dass der Westen Chinas vor der Islamisierung buddhistisch war.
    Zwanzig Jahre später reist Linda in die gleiche Region. Sie soll ein Aufforstungsprojekt in der Wüste leiten. Linda findet Roxanas Unterlagen, aber keine Spur von der Frau.

    Was haben diese Frauen gemeinsam? Außer ihrer Liebe zu China, ihren gemeinsamen Forschungsinteressen?
    Beide sind entwurzelt. Beide sind auf der Suche. Beide sind einsam.
    Roxana hat keinen mehr Ort, an den sie nach dem Tod des Vaters zurückkehren kann. Linda, die auf ihre Karriere gesetzt hat, hat niemanden mehr an ihrer Seite. Keiner fragt, warum sie nun im Innendienst arbeiten will, weil sie für niemanden wichtig ist.
    Beide sehnen sich nach Wurzeln, nach Anerkennung, nach einem Hafen. Und beide befinden sich so weit weg vom Meer, wie man auf unserem Planeten kommen kann.
    Beide geraten in die Kämpfe der Uiguren für einen unabhängigen Staat und werden von den Mühlen der chinesischen Bürokratie gepresst. Beide, obwohl sie die Sprache des Landes sprechen und sich mit der Kultur vertraut gemacht haben, verstehen nur wenig von dem, war vor ihren Augen geschieht. Außenseiter in ihrem Land. Außenseiter in der Ferne. Nirgendswo verankert und verwurzelt.

    Wer ist die Wüstengängerin?
    Roxana, die in der Wüste verschwindet? Oder ist es Linda, die durch ihr wüstes Leben geht und weiß, dass es zu spät ist, noch etwas zu ändern?
    Oder aber sind die Wüstengänger wir alle, die wir in unserer Welt wirklich oft so sehr laufen und hasten und machen und tun, dass unsere Seele auf der Strecke bleibt, wie die japanische Autorin oben im Zitat sagt.

    In den Weltreligionen und der Mythologie ist die Wüste der Ort, wo der Mensch geläutert wird und dem Transzendenten begegnet.
    Das geschieht nicht für die Frauen.
    Aber als Leser frage ich mich: Haben Roxana und Linda diesen Ort aufgesucht, weil ihre innere Wüste so viel grausamer war als die unerbittliche Wüste, in der sie wanderten?

    Ich empfehle dieses Buch gerne.
    Alice Grünfelder hat eine glasklare Sprache, sie malt Bilder vor mir, so dass ich die Wüste schmecke, rieche und spüre. Solche Worte, kraftvoll und einzigartig, findet man selten. Allein das ist Genuss pur.

    Der andere Grund ist: Die Autorin gibt keine fertigen Antworten. Also auch kein Happy End? Oder doch? Es ist ein Roman, mit dem man nicht fertig ist, wenn man den Buchdeckel zuklappt. Und der leise fragt: Bist auch du eine Wüstengängerin? Wohin bist du unterwegs?

    Hoffentlich findet diese literarische Perle einen Weg in die Hände vieler Leser. Lust auf eine Wüstenwanderung? Aber ja, immer doch.

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