Alice Munro

 4 Sterne bei 569 Bewertungen
Autorin von Himmel und Hölle, Tricks und weiteren Büchern.
Alice Munro

Lebenslauf von Alice Munro

Die Meisterin der Kurzgeschichte: Im Jahr 2013 nahm die kanadische Schriftstellerin Alice Munro die Auszeichnung für die große Leidenschaft ihres Lebens entgegen, den Nobelpreis für Literatur. Die 1931 in Ontario geborene Autorin veröffentlichte seit ihrem Debüt im Jahr 1950 mehr als 150 Kurzgeschichten. Ihr Journalistikstudium beendete sie aus finanziellen Gründen. Die Heirat mit James Munro und die Geburt ihrer vier Töchter hielten sie aber nicht vom Schreiben ab. Seit 1953 verkaufte sie ihre Kurzgeschichten regelmäßig an Zeitschriften. 1968 kam erstmalig ein Buch der Autorin auf den Markt, eine Sammlung von Erzählungen. In ihren Geschichten porträtierte sie Menschen aus ihrem Lebensumfeld in der kanadischen Provinz. Hierbei bediente sie sich oftmals unerwarteter Zeitsprünge und beschrieb ihre Protagonisten – überwiegend Frauen – beeindruckend glaubwürdig. Mit dem faszinierenden Sog ihrer Erzählkunst zog sie ihre Leser in ihren Bann. Am Anfang der 1970er-Jahre nahm Alice Munro eine Dozententätigkeit an Hochschulen auf und verfasste Drehbücher für die Hörspiel-Adaptionen ihrer Erzählungen. Ab 1977 erschienen ihre Kurzgeschichten im Magazin „The New Yorker“. Für ihr Werk erhielt Munro zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den O. Henry Award, den National Book Critics Circle Award for Fiction und den Man Booker Prize für internationale Literatur. Der Nobelpreis im Jahr 2013 galt als verdienter Höhepunkt ihrer Karriere, der sie 2012 ein Ende setzte. Nach dem Erscheinen ihrer Sammlung „Dear Life“ („Liebes Leben“) gab sie bekannt, zukünftig nicht mehr zu schreiben, da sie die hierfür erforderliche Kraft und Ausdauer nicht mehr aufbringen könne. Alice Munro hat der Kurzgeschichte zu neuem Ruhm verholfen und gilt als eine der bedeutenden zeitgenössischen Autorinnen.

Alle Bücher von Alice Munro

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Tricks

Tricks

 (95)
Erschienen am 01.01.2009
Himmel und Hölle

Himmel und Hölle

 (96)
Erschienen am 01.11.2007
Zu viel Glück

Zu viel Glück

 (85)
Erschienen am 16.05.2013
Tanz der seligen Geister

Tanz der seligen Geister

 (43)
Erschienen am 15.05.2012
Liebes Leben

Liebes Leben

 (43)
Erschienen am 06.11.2014
Die Liebe einer Frau

Die Liebe einer Frau

 (41)
Erschienen am 01.08.2008
Wozu wollen Sie das wissen?

Wozu wollen Sie das wissen?

 (27)
Erschienen am 15.05.2013
Der Traum meiner Mutter

Der Traum meiner Mutter

 (15)
Erschienen am 01.04.2005

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Neue Rezensionen zu Alice Munro

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Amilyns avatar

Rezension zu "Kleine Aussichten" von Alice Munro

Wo kommt es her, wo will es hin?
Amilynvor 7 Monaten

(Hier steht leider keine Zusammenfassung des Inhalts)

In diesem einzigen Roman der Literaturnobelpreisträgerin Alice Munro merkt man an jeder Stelle, dass die Autorin fast ausschließlich Kurzgeschichten schreibt. Die Geschichte eines Mädchens, das in Kanada irgendwann in der Nachkriegszeit aufwächst, besteht einzig aus Anekdoten, die die Protagonistin zu erzählen hat. Der Leser erfährt nicht, wann genau es spielt, der Leser erfährt nur einmal das aktuelle Alter des Mädchens, zwischen Seite 90 und 100 erfährt man überhaupt erst ihren Namen, Del, für was auch immer das die Abkürzung sein mag.

Einmal erzählt Del also von der Heirat eines Freundes der Familie, einmal von ihren beiden Tanten, einmal davon, wie sie dazu kam, eine andere Kirche zu besuchen als ihre Familie und so weiter und so fort. Ein Ziel, einen Plot oder nur einen roten Faden, bis auf, dass Del älter wird, gibt es nicht. Dass sie überhaupt älter wird, merkt der Leser jedoch nur, weil sie später vages Interesse an jungen Männern zeigt.

Das war mir einfach zu wenig.

Da ich Kurzgeschichtensammlungen nicht allzu gerne lese, habe ich, um diese Autorin zu entdecken, extra ihren einzigen Roman gelesen. Trotzdem wirkt jede Episode aus Dels Leben wie eine Kurzgeschichte, und da es sich technisch gesehen um eine einzige große Geschichte handelt, um einen Roman eben, hatten diese Episoden weder einen richtigen Anfang, aber vor allem kein Ende. Das hat gut die Hälfte des Buches funktioniert, dann aber, als ich merkte, dass diese eine Sache, um die es in dem Buch gehen sollte, wohl einfach nicht kommt, weil es sie einfach nicht gibt, hat es mich ziemlich genervt.

Vor zehn bis zwanzig Jahren hätte mich so etwas nicht gestört. Das Buch hätte damals locker die 5***** von mir kassiert. Aber gerade, seit ich mich selbst mehr mit dem Handwerk im kreativen Schreiben beschäftige, komme ich mit dieser Plot-losen Nicht-Struktur nicht mehr so gut klar.

Dabei ist der Schreibstil großartig. Alice Munro hat genau die richtige Balance zwischen langen und kurzen Sätzen, Einschüben, Ausklammerungen und knappem Auf-den-Punkt-bringen, die ich gerne lese. Ihre Beschreibungen sind intelligent, überlegt und trotzdem lesbar. So, wie sie Del ihre Umwelt und ihre Mitmenschen mit einem einzigen Satz beschreiben lässt, schafft sie es, ein Bild zu erschaffen, für das andere Autoren zwei Seiten benötigen (inklusive einer detailgenauen Beschreibung der Augenfarbe!).

"Er stand mit vorgestrecktem Kopf da, den langen Körper gekrümmt wie ein Komma." (S. 247)

Ich könnte aufs Geratewohl eine Seite in Kleine Aussichten aufschlagen und blind mit dem Finger auf die Seite tippen, ich würde einen phantastisch formulierten Satz herauspicken. Und das hat mich, wie gesagt, bis über die Hälfte bei der Stange gehalten. Doch dann war einfach die Luft raus. Auch der Schreibstil hat es nicht mehr rausreißen können, die praktisch nicht vorhandene Story hat genervt. Ja, es mag viel Inhalt in dem Buch sein. Ja, Del ist eine tolle Beobachterin, eine sehr gute, wenn auch nicht über die Maßen sympathische Protagonistin. Ja, hier steckt jede Menge Intelligenz, Tiefsinn und Substanz drin. Aber das war mir einfach nicht genug.

Fazit: Ein phantastischer Schreibstil, aber worum geht es überhaupt? Die Geschichte eines Mädchens, das über einen langen Zeitraum namen- und alterslos bleibt, wird in verschiedenen Episoden erzählt, die nirgendwo hin führen. Am Ende kann ich hier leider keinerlei Zusammenfassung geben, weil es keinen Plot und keinen roten Faden gibt. Aufgrund des Schreibstils und der Atmosphäre gibt es von mir noch 3***.

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pardens avatar

Rezension zu "Tanz der seligen Geister" von Alice Munro

Vom Erwachsenwerden...
pardenvor 10 Monaten

VOM ERWACHSENWERDEN...

Schon lange befindet sich dieser Band von 15 Erzählungen in meinem Regal - zufällig sogar das Debüt der kanadischen Schriftstellerin (Erstveröffentlichung 1968) -, und spätestens seit Alice Munro 2013 den Nobelpreis für Literatur erhielt, war ich neugierig auf dieses Buch. Doch erst jetzt nahm ich mir die Zeit für die Lektüre und kann schon so viel vorweg verraten: es wird für mich nicht das letzte Buch der 1931 geborenen Preisträgerin gewesen sein.

Das verbindende Glied der 15 Erzählungen ist im weiteren Sinne der Abschied von der Kindheit, das Finden eines eigenen Weges. Angesiedelt sind die Geschichten etwa in den 40er und 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in der kanadischen Provinz, und wie ich gelesen habe, beinhalten sie zahlreiche autobiografische Erlebnisse der Schriftstellerin. Dies lässt die meist zwischen 20 und 30 Seiten langen Erzählungen in einem besonderen Licht erscheinen.


"Es gibt nichts, was du im Augenblick tun kannst, außer die Hände in die Taschen zu stecken und dir ein unvoreingenommenes Herz zu bewahren." (S. 55)


Aber auch ohne dieses Wissen konnte mich Alice Munros Schreibstil beeindrucken: präzise, unsentimental und intensiv, dabei oftmals poetisch und melancholisch, zeitweise ironisch, immer aber durchzogen von einer tiefen Ernsthaftigkeit. Die Unausweichlichkeit der geschilderten Situationen wird dem Leser vor Augen geführt, nur gelegentlich begleitet von einem leisen Bedauern, stets aber mit der immensen Bedeutung des Geschilderten für das Schicksal der jeweiligen Hauptperson im Fokus. In wenigen Sätzen skizziert Munro den oftmals eher tristen Ort, die Situation, das Geschehen und schafft so ein scharfes Bild, das ein Wegschauen unmöglich macht.


"Wie die Kinder im Märchen, die gesehen haben, dass ihre Eltern mit furchterregenden Fremden einen Pakt schlossen, die entdeckt haben, dass unsere Ängste auf nichts als der Wahrheit beruhen, die aber nach wundersamer Rettung aus Gefahr heil nach Hause kehren, artig und wohlerzogen zu Messer und Gabel greifen und vergnügt bis an ihr seliges Ende leben - wie sie, von den Geheimnissen benommen und mit Macht begabt, sagte ich nie auch nur ein Wort." (S.79)


Die einzelnen Geschichten hier vorzustellen, würde m.E. den Rahmen sprengen, und so schließe ich die Rezension mit der Erwähnung meines anfänglichen Erstaunens und der mit dem Lesen wachsenden Erkenntnis, dass auch und gerade das Schreiben von Kurzgeschichten eine Kunst ist - eine so hohe, dass Alice Munro, die 13 Erzählbände und nur einen einzigen Roman geschrieben hat, den Nobelpreis für Literatur in meinen Augen zu Recht gewonnen hat. Eben als "Meisterin der zeitgenössischen Kurzgeschichte". Chapeau.

Für mich mit Sicherheit nicht das letzte Buch dieser Schriftstellerin!


© Parden

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solveigs avatar

Rezension zu "Tanz der seligen Geister" von Alice Munro

Meisterin der Kurzgeschichte
solveigvor einem Jahr

 

„Tanz der seligen Geister“ nennt Alice Munro die letzte der fünfzehn Erzählungen ihres ersten Kurzgeschichtenbandes, der im Jahr 1968 veröffentlicht worden ist. Sie handelt von der Musikalität eines geistig behinderten Mädchens, wobei einer kleinbürgerlichen Umgebung vor Augen geführt wird, dass sich Behinderung und Talent nicht ausschließen. Die meisten der Geschichten Munros spiegeln die 30er bis 50er Jahre im ländlichen Ambiente Kanadas. Fünfzehn Schicksale von Mädchen und Frauen  -  in erster Linie Angehörige unterer Bevölkerungsschichten  -  berühren den Leser.

Es sind keine Sensationen, über die sie schreibt, sondern (in den Augen der Leser) oft belanglose Ereignisse, die jedoch von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung der einzelnen Charaktere sind. Beengter Lebensraum und kleinbürgerliche Moral spielen eine große Rolle. Virtuos beherrscht Munro die Kunst, mit wenigen Worten Wichtiges auszudrücken. Ihre Sprache ist klar und poetisch, dabei jedoch auf das Wesentliche konzentriert und sehr intensiv. Im Alter von 82 Jahren schließlich wurde die Schriftstellerin für ihr Werk ausgezeichnet: Als „Meisterin der zeitgenössischen Kurzgeschichte“ erhielt  Alice Munro den Nobelpreis für Literatur, als eine von nur dreizehn Frauen.

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Gespräche aus der Community

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PenguinRandomHouseUKs avatar

Perfekt für den Winter und die Feiertage – die neuesten Kurzgeschichten der Nobelpreisträgerin Alice Munro im englischen Original!


Ihre Kurzgeschichten sind einzigartig, emotional, teifgreifend und bieten darüber hinaus einen sehr guten Einstieg für diejenigen, die nicht unbedingt einen ganzen Roman in englischen Original lesen möchten.

Hier ein paar Informationen in Englisch:

Alice Munro captures the essence of life in her brilliant new collection of stories. Moments of change, chance encounters, the twist of fate that leads a person to a new way of thinking or being: the stories in Dear Life build to form a radiant, indelible portrait of just how dangerous and strange ordinary life can be.

Alice Munro was born in 1931 and is the author of twelve collections of stories, most recently Too Much Happiness, and a novel, Lives of Girls and Women. She has received many awards and prizes, including three of Canada's Governor General's Literary Awards and two Giller Prizes, the Rea Award for the Short Story, the Lannan Literary Award, the WHSmith Book Award in the UK, the National Book Critics Circle Award in the US, was shortlisted for the Booker Prize for The Beggar Maid, and has been awarded the Man Booker International Prize 2009 for her overall contribution to fiction on the world stage. Her stories have appeared in The New Yorker, Atlantic Monthly, Paris Review and other publications, and her collections have been translated into thirteen languages. She lives with her husband in Clinton, Ontario, near Lake Huron in Canada.


Und hier geht es zur Leseprobe

Am Dienstag hat sie den Nobelpreis offiziell erhalten. Da sie leider nicht nach Stockholm kommen konnte, wurde dieses Interview übertragen.

###YOUTUBE-ID=EgKC_SDhOKk###

Unser Gewinnfrage dieses Mal:  Was bedeuten Kurzgeschichten für Euch? Lest Ihr diese eher selten oder sind sie optimal für unterwegs?

Einfach bewerben und die glücklichen Gewinner werden am Montag bekanntgegeben. 


Viele Grüsse aus London,
Urlike @ Random House UK
Anneblogts avatar
Letzter Beitrag von  Anneblogtvor 5 Jahren
Zur Leserunde

Zusätzliche Informationen

Alice Munro wurde am 10. Juli 1931 in Wingham, Ontario (Kanada) geboren.

Community-Statistik

in 688 Bibliotheken

auf 86 Wunschlisten

von 42 Lesern aktuell gelesen

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