Dear Life

von Alice Munro 
4,2 Sterne bei24 Bewertungen
Dear Life
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Ein kleiner Rückblick ins Canada der Nachkriegsjahre...

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Kam mir diesmal düsterer vor als ihre bisherigen Sammlungen. Sprachlich und inhaltlich allerdings unerreicht! Im Original ein Hochgenuss!

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Inhaltsangabe zu "Dear Life"

A collection of stories, in which moments of change, chance encounters, the twist of fate leads a person to a new way of thinking or being. It presents a radiant, indelible portrait of just how dangerous and strange ordinary life can be.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9780099578635
Sprache:Englisch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:336 Seiten
Verlag:Vintage
Erscheinungsdatum:03.10.2013
Das aktuelle Hörbuch ist am 13.11.2012 bei Random House erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    JohannGehers avatar
    JohannGehervor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Ein kleiner Rückblick ins Canada der Nachkriegsjahre...
    Ach, das Leben!

    Ein wirklich heißer Tipp für alle, die auf Kausalität im Leben Acht geben. Das Leben ist kein Wunschkonzert, sondern verläuft oft chaotisch und unerwartet - genau diese Spannung fängt Munro in ihrer Kurzgeschichtensammlung gekonnt ein...

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    rumble-bees avatar
    rumble-beevor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Kam mir diesmal düsterer vor als ihre bisherigen Sammlungen. Sprachlich und inhaltlich allerdings unerreicht! Im Original ein Hochgenuss!
    Ein Buch mit sehr langem Nachhall

    Dies soll Alice Munros letzter veröffentlichter Band mit Geschichten sein. Und in der Tat kann ich mir kaum vorstellen, was danach noch kommen sollte! Hier ist wieder einmal das ganze Leben eingefangen worden, oft auf knappem Raum, aber dennoch in all seinen Facetten.

    Ein wenig düster kam mir dieser Band vor. Das mag aber auch daran liegen, dass die Geschichten diesmal alle in der etwas ferneren kanadischen Vergangenheit spielen, noch dazu oft auf dem Land. Die Helden haben es allesamt nicht leicht. Kaum jemand ist glücklich, jeder muss sich mit schwierigen Aspekten seines Lebens herumschlagen. Pessimistisch ist das Buch allerdings nicht - nur ungewöhnlich, aufrüttelnd, so dass man es nicht leicht vergisst.

    Weiterhin ungewöhnlich finde ich, dass es diesmal sogar zwei Geschichten gibt, in denen Männer die Hauptperson sind. Einmal ist es ein Bewohner einer Kleinstadt mit einer leichten Behinderung, der sich mit einer jungen Frau über die Jahre anfreundet. Ein andermal ein ehemaliger Soldat, der nicht heimkehren mag und vor seiner Vergangenheit davonläuft.

    Bindungsunfähig oder -gestört sind viele der hier dargestellten Personen. Dennoch nimmt man Anteil an ihrem Leben. Das schafft die Autorin durch ihren unvergleichlichen Stil, ihre hoch virtuose Art, mit wenigen Szenen viel auszusagen. Im Original kommt das alles natürlich noch viel besser zur Geltung!

    Besonders berührt haben mich die letzten vier Geschichten. In einem kleinen einleitenden Abschnitt hierzu sagt Alice Munro, es handele sich zwar nicht direkt um eine Autobiographie, käme dem jedoch am nächsten. Sie muss eine harte Kindheit gehabt haben! Aber aus den Geschichten spricht keine Verbitterung. Eher eine vorurteilsfreie Annahme des Lebens an sich. Die kristallklare, umstandslose Sprache tut das Ihrige, um diesen Eindruck zu unterstreichen.

    Das Buch wird sehr lange in mir nachhallen. Ich werde auf Zügen über Land fahren, Farmern über die Zäune hinweg zuschauen, einsame Kleinstädte bereisen und mir die Vorurteile der Leute vornehmen. Aber eines werde ich sicher nicht - das Buch vergessen, oder mich langweilen.

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    pamNs avatar
    pamNvor 4 Jahren
    Dear Life

    Dear Life enthält 14 Kurzgeschichten. Alle Stories spielen in Kanada, meist in ländlichen Gegenden. Munro's Hauptcharaktere, alle weiblich, erleben Krisen und müssen über diese Hinwegkommen.

    Die Kurzgeschichten waren alle sehr interessant und die meisten auch gut, jedoch hat mich diese Sammlung nicht so sehr gepackt wie "Runaway".

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    Anneblogts avatar
    Anneblogtvor 5 Jahren
    Berührend und sprachgewaltig

    14 sprachgewaltige und vielschichtige Kurzgeschichten von Alice Munro, die mich oft sehr berührt haben und nachdenklich hinterlassen haben. Schon das Cover hat mich unbedingt das Buch lesen lassen wollen. Besonders die Botschaften der ersten 10 fiktionalen Kurzgeschichten sind sehr einprägsam, die Geschichten an sich jedoch oftmals sehr traurig. Das macht es schwer, das Buch in einem durch zu lesen, ich musste mehrere Pausen einlegen, um mich nicht runterziehen zu lassen. Die letzten vier autobiographischen Werke hingegen ließen leider die selbstsichere Schreibweise und auch die Emotionen vermissen, die Ausdrucksfähigkeit hat deutlich gelitten. Alle Kurzgeschichten haben aber etwas gemeinsam: Sie spielen in Kanada, kurz nach dem zweiten Weltkrieg und handeln meist von zwischenmenschlichen Gefühlen und tragischen Verlusten-also oft vom Tod. Vielleicht kommt ja daher die nicht sonderlich fröhliche und eher depressive Stimmung? Zudem sind die Protagonisten meistens weiblich, Alice Munro setzt sich viel mit den Vorurteilen und der damaligen Einstellung Frauen gegenüber auseinander. Meistens wir ein Wendepunkt, ein wichtiges Ereignis in deren Leben beschrieben. Am besten gefallen haben mir die drei Kurzgeschichten „Amundsen“, „Gravel“ und „Haven“ gefallen. Probleme hatte ich nur manchmal mit dem Englisch, viele Ausdrücke und Wörter musste ich nachschlagen, um die Geschichten richtig zu verstehen. Deshalb würde ich das Buch Leuten, die so ihre Probleme mit der englischen Sprache haben, nicht empfehlen. Und „Dear Life“ würde ich nicht mit „liebes Leben“ übersetzen, wie es bei der deutschen Ausgabe der Fall ist, sondern eher mit „Das nackte Leben“. Das passt nämlich einfach viel besser! So gibt es von insgesamt 4 von 5 Punkten.

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    YvonneLaross avatar
    YvonneLarosvor 5 Jahren
    Kurzmeinung: Kostet einiges an Gedanken ... Aber es lohnt sich!
    Kostet einiges an Gedanken ... Aber es lohnt sich!

    Ein Rebgewächs aus Zeilen, die ihren Ursprung im Leben haben, genährt von Gedanken, Gefühlen und manchmal auch von der puren Realität. So wirft sich oft der Schatten der Vergangenheit auf diese Blätter - sowohl auf die Figuren, von denen sie erzählen, als auch auf die Autorin, die sie erzählt, so scheint es.
    Aber da ist mehr. Da sind auch die wärmenden Strahlen der Weisheit, die auf Hoffnung weisen und auf die Zukunft. Wenn auch nur leise und etwas zaghaft ...

    All das wird Früchte tragen, in den Händen derer, die sie zu pflücken wissen.
    Ungewöhnliche Frauen, die in der Musik, in der Liebe, manche auch in der Sünde ihre Freiheit finden ... Kinder, die dazu gezwungen werden, zu früh vom Rausch des wahren Lebens zu kosten ... Überall Alice Munro, die uns unvergleichliche Atmosphäre schenkt ...
    Und sie uns dann bewusst wieder nimmt? Den Frauen, den Kindern bewusst wieder die Freiheit nimmt? Oder vielleicht doch nicht?

    Eins ist klar: wer von diesen Früchten, auch den Früchten der eigenen Gedanken, kostet, wird ebenfalls einen Rausch erleben. Doch ob des wahren Lebens oder der Fiktion ... Vielleicht ist das von der Nähe abhängig, die wir zulassen ... Oder eben nicht zulassen ...
    Ob der Rausch uns beschwert oder befreit ... Vielleicht ist das von der Zeit abhängig, die wir den Zeilen geben, um zu wirken ... Oder der Freiheit, die wir zulassen. Oder eben nicht zulassen.

    Möglichkeiten gibt es viele, wie dieses Buch wirken kann. Doch für ein flüchtiges Leseerlebnis ist es sicherlich nichts. Nur wer Gedanken zu investieren bereit ist, wird ganz auf seine Kosten kommen. Und ja, das kann den Kopf schon etwas anstrengen. Ganz so wie das Leben selbst eben.

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    Donatas avatar
    Donatavor 5 Jahren
    Geschichten aus dem Leben

    Alice Munroe hat wohl nicht ohne Grund den Literaturnobelpreis gewonnen. Sie hat eine klare Sprache, die eher emotionslos wirkt und trotzdem Emotionen hervorruft. Meist waren das Trauer und Mitleid, da diese Geschichten aus dem Leben auch ganz viel mit dem Tod, Ehebruch und Verlassenwerden zu tun haben. Sie spielen in Kanada so um den 2. Weltkrieg herum und beschreiben damit eine Zeit, die mir natürlich nur aus Erzählungen und Filmen bekannt ist. Die Kurzgeschichten haben sicherlich viel Kraft, aber sie waren leider zu deprimierend für mich. Ich habe immer geschwankt zwischen "Tolle Geschichte!" und "Oh Gott, ich glaub ich breche das Lesen ab!". >>Dear Life<< ist nicht einfach zu rezensieren, wie das Leben halt auch.
     Empfehlen würde ich das Buch Leuten, denen es nichts ausmacht sich mit Dingen wie Krankheit und Tragödien zu befassen, nicht immer ein Happy end haben wollen und gut Englisch können (Ansonsten lieber die Übersetzung lesen, weil sonst die Kraft der Texte verloren geht!).

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    Himmelfarbs avatar
    Himmelfarbvor 5 Jahren
    Not my cup of tea

    Alles ist richtig, was über Alice Munros Kunst geschrieben wird! Ihre glasklare,schnörkellose und doch bilderreiche Sprache ist - besonders im Original- wunderbar zu lesen. Ihre Stories sind von einem tiefen Humanismus geprägt, und nie schreit ihre Prosa:" Seht her, wie großartig ich schreiben kann!". Ein Gespräch mit Alice Munro Stelle ich mir sehr angenehm vor, denn sicher gibt sie sich wie eine ganz normale Frau, und nicht, wie die gefeierte Nobelpreisträgerin. Munros Figuren sind von ähnlicher Bescheidenheit. Es gibt keine Helden und Heldinnen in ihren Geschichten, nur Überlebende dieses " Dear Life". Jedoch, mich haben Munros Geschichten nicht erreicht. Die Feststellung, dass jede dieser Geschichten wie ein kleiner Roman sei, und man das gesamte Leben der Protagonisten zu kennen scheint, trifft auf jede gute Kurzgeschichte zu. Von den Stories aus " Dear Life" hat mir " Train " am besten gefallen, da mir die Figuren besonders nah waren. Zwei tragische Schicksale verschmelzen zu einem, und das wird virtuos erzählt. Munros Geschichten kreisen immer um die Themen Schuld und Erlösung, unverarbeitete Traumata, um den überwältigenden Einfluß der Eltern auf unser Leben. Leider hat mich das auf Dauer ermüdet. In den letzten vier autobiographischen Stories, die eher wie eine Materialsammlung daherkommen, wird deutlich, welchen Einfluß Alice Munros eigene Eltern auf sie und ihr Schreiben hatten. Auch die Beschäftigung mit Alter und Demenz findet sich in Munros Werk immer wieder. Hier sind es "Dolly" und "In sight of the lake". Alice Munros Geschichten hinterlassen ein nachdenkliches, teilweise düsteres Gefühl. Das ist etwas, was ich bei Romanen durchaus schätze, bei einer Sammlung von Kurzgeschichten wünschte ich mir ein wenig Abwechslung, was die Stimmung angeht. Gemeinhin vermeide ich es, bei Rezensionen persönlich zu werden, d.h. Dauernd zu schreiben" Ich finde... Ich fühle..." etc., bei dieser Rezension kann das nicht ausbleiben, denn ich verstehe voll und ganz, warum andere Rezensenten begeistert sind und fünf Sterne vergeben. Mich leider haben die Stories ziemlich ratlos gelassen und meine Besprechung fällt daher eher bescheiden aus.

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    vemis avatar
    vemivor 5 Jahren
    Kurzmeinung: Eine fantastische Sammlung, unbedingt im Original lesen und langsam genießen!
    Dear Life

    Alice Munro, Dear Life

    Inhalt

    In diesem vielleicht letzten  Buch der Nobelpreisträgerin von 2013, sind 14 Kurzgeschichten versammelt.  Die ersten zehn dieser Geschichten sind Fiktion, sie scheinen gegliedert wie das Leben. Am Anfang findet man das kleine Mädchen, für einen kurzen Moment vergessen im Zug, in der Mitte Geschichten über eine junge Frau oder einen heimgekehrten Soldaten, am Ende Gedanken über das Sterben. Den Zweiten Teil und somit den Abschluss bilden 4 Erzählungen, welche die Autorin als autobiographisch beschreibt: „The final four works in this book are not quite stories. They form a seperate unit, one that is autobiographical in feeling…“

    Die Geschichten spielen in Kanada, öfter in kleineren Städten oder in ländlichen Gegenden. Sie erzählen von plötzliche Ereignisse, kurzen Augenblicke, Begegnungen oder einer Krankheit die alles verändern kann. Es fällt auf, dass einige Themen immer wiederkehren. In der einen Geschichte treten sie stärker hervor, in der anderen werden sie nur erwähnt. So zum Beispiel das Reisen mit Zug oder Auto, die Heirat, die Religion, das Finden neuer oder Wiederfinden alter Partner.Auch in Erinnerung geblieben sind mir die Erwähnungen des Krieges, der Soldaten, oder der Lehrerin. In fast jeder Geschichte findet man einen schriftstellerischen Aspekt, Frauen und Männer die schreiben. Sie schreiben Bücher, Gedichte oder Romane und haben Zweifel, Schwierigkeiten oder Erfolg. Protagonisten sind oft Frauen, ein junges Mädchen, eine Mutter, oder eine alte Frau. Die Leben der Frauen sind verwoben mit denen der Männer. Es gibt viele Figuren die Besonderheiten und Eigenheiten  haben, sie sind anders und doch normal und mit jeder Geschichte taucht man in einen Lebensausschnitt ein.

    Eigene Meinung

    Dies ist ein sehr persönlicher Leseeindruck welcher stark an Gefühlen orientiert ist.

    Als ich mich endlich an dieses Buch gewagt hatte, war ich beim Lesen der ersten Geschichte begeistert! Auch wenn eine Kurzgeschichte wenig Ausführlichkeit ermöglicht, werden die erwähnten Lebensausschnitte stilistisch meisterhaft, unglaublich effizient und mit großer Dichte erzählt.Man hat  nie das Gefühl, dass auch nur ein Wort fehlt. Man „fällt“ in eine Situation herein. Der Mittelteil bildet eine Mischung aus Vergangenem und Gegenwärtigem, es baut sich eine leichte Spannung auf, die sich mitunter unangenehm anfühlt bis man zu einer Antwort kommt. Das Ende lässt zwar oft Fragen offen, legt sich aber perfekt an die Geschichte. Man bleibt zurück mit vielen Gedanken und einer ernsten Tiefe oder wundert sich über das „Leben“. Jede Geschichte ist stimmig in sich, von Anfang bis Ende. Die erste Geschichte „to reach Japan“ ist mein Favorit geblieben. Meiner Meinung nach folgen in ihr Poesie und Tragik, Sicherheit und plötzlicher Wechsel am dichtesten aufeinander.

     Trotz allem gab es auch Phasen, in denen ich nicht mehr weiterlesen wollte. „Corrie“  fand ich zuerst furchtbar und musste sie noch einmal lesen um sie besser verstehe und mögen zu können. „Train“ hatte einen wunderbaren Anfang der mir sehr gut gefiel, aus ihr habe ich aber eine Botschaft „interpretiert“ mit der ich absolut nicht einverstanden bin.
    Aber auch das gehört irgendwie dazu. Manchmal habe ich mich unglücklich gefühlt oder zu traurig. Die Freude und das Aufblitzen von reinem Glück haben mir gefehlt, bis ich sie wiedergefunden habe, zwischen den Zeilen und in der wunderbaren Sprache.

    Ich habe herausgefunden, dass mein Unbehagen größer wurde wenn ich keine Pause nahm und das Gelesene nicht auf mich wirken ließ. Es war wichtig für mich genug Konzentration und Raum für jede Geschichte zu haben, dann haben sie mich erfüllt und nicht erdrückt sondern auch glücklich gemacht.  Die beiden letzten Geschichten des ersten Teils, „In Sight Of The Lake“ und „Dolly“ sind zwei mutige und wichtige Geschichten, über die Themen Alter, Demenz und Sterben. Fast ungewohnt liebevoll und zart, aber ohne jegliche Sentimentalität hat Munro hier zwei Meisterwerke geschaffen die mich mit den Schwierigkeiten in vorherigen Geschichten versöhnt haben.  

    Der zweite, autobiographische Teil lässt den Leser für kurze Momente sehr nah und ganz anders an diese großartige Autorin herankommen. Wunderbare, wunderliche Erinnerungen und Gedanken. Ich konnte mich jedoch des Gefühls nicht entziehen, dass man auch aus ihren fiktiven Geschichten nicht weniger über sie erfahren kann.

    Fazit

    Eine fantastische Sammlung, unbedingt im Original lesen und langsam genießen!

     

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    alascas avatar
    alascavor 5 Jahren
    Kurzmeinung: Ein Juwel: Scharfkantig, hart, funkelnd.
    Das nackte Leben

    Das nackte Leben
    Liebes Leben, auf Englisch Dear Life, was sich richtiger als „Das nackte Leben“ als mit dem deutschen Titel übersetzen ließe, präsentiert 14 Stories, die nach dem Willen der Autorin ihre letzten sein werden.

    Es sind erzählerische Juwelen; scharfkantig, hart, funkelnd. Munro packt ganze Leben in die wenigen Seiten. Ich empfand es fast als magisch, wie sie den Eindruck zu vermitteln versteht, dass ihre Figuren existiert haben, bevor die Geschichte beginnt, und dass sie ihr Leben danach fortsetzen werden. Sie gibt quasi vor, lediglich einen entscheidenden Moment dieses Lebens zu beleuchten; einen, in dem sich etwas zuspitzt oder das Blatt sich wendet. Diesen Moment breitet sie vor uns mit bestechender Klarheit aus. Das, was sie dabei auslässt, ist ebenso gehaltvoll wie das, was gesagt wird, und in den Leerräumen zwischen Gesagtem und Ungesagtem bleibt reichlich Raum für Resonanz. Ihr Blick scheint, einem Scheinwerfer gleich, den Gegenstand ihrer Aufmerksamkeit gnadenlos zu erhellen, ist aber nie ohne Mitgefühl. In ihrer knappen, polierten Komplexität klingen Munros Geschichten lange nach und wollen sich erst setzen, bevor die nächste Geschichte in Angriff genommen wird.

    Der Titel des Bandes hilft, den gemeinsamen Nenner der Geschichten zu finden. Alle spielen im ländlichen Ontario; die Erzählzeit ist die Zeit der 30er und 40er Jahre. Es geht um die Frustrationen eines Frauenlebens, aber auch um die Last, Ehemann und Vater zu sein. Es geht um Tod und Verlust, um Stolz, Verrat, Enttäuschung, Verletzung, Versagen. Immer aber geht es um die Unberechenbarkeit des Lebens, das unsere Pläne durchkreuzt, die Karten neu mischt, uns überrascht, herausfordert und manchmal fast zerstört.

     „Train“ ist der Titel der Geschichte, die mich am meisten beeindruckt hat. Wie oft verurteilen wir das Verhalten von Menschen? Wir finden ihre Handlungsweise seltsam, herzlos, unmoralisch. Wir sagen: Wie kann man nur? Ja, wie? Munros Erzählung eines heimkehrenden Soldaten, der scheinbar grundlos vor seinem Heimatbahnhof von einem Zug springt und bei der ersten Frau bleibt, die er trifft, macht klar: Nur wenn du die Geschichte eines Menschen ganz kennst, kannst du ihn verstehen. Aber verstehen wirst du ihn. Also urteile nicht. Und das ist nur eine der Geschichten, und nur eine von vielen möglichen Deutungen; ich bin sicher, dass andere Leserinnen noch ganz andere Sichtweisen beitragen könnten.

    Die letzten 4 Stories nehmen eine Sonderstellung ein. Sie sind, so lässt uns die Autorin vorweg wissen, die ersten und einzigen autobiografischen Geschichten, die sie willens sei zu schreiben. Stilistisch fallen die autobiografischen Erzählungen gegenüber den fiktiven deutlich ab: Sie sind nicht so stringent, poliert und glänzend wie sie. Sie sind, wie sie einmal sagt, „nur das Leben“, nicht die Fiktion, die mehr Aussagekraft hat als die sachliche Wahrheit. Trotzdem sind sie bedeutsam in Bezug auf das Phänomen Alice Munro.

    Jubilee und die anderen fiktiven Orte Munros stehen für Wingham, den Geburtsort der Autorin in Southwestern Ontario. Ihre Heimat war und ist geprägt von einer für uns Europäer unvorstellbaren Ländlichkeit. Eine Gegend, die sich zwischen Lake Huron und Lake Erie über Hunderte von flachen, eintönigen Kilometern Landwirtschaft erstreckt, unterteilt von seichten Strömen; in den kleinen Städten entlang der Flüsse eine einengende Gesellschaft, deren christlich geprägte Kultur weniger den Glauben, als vielmehr eine Lebenshaltung diktiert. Wie Munro ihre Mutter beschreibt, diese Frau, die sich um jeden Preis von ihrem bäuerlichen Herkunftsmilieu emanzipieren will, lässt ahnen, wie schwer es für Munro gewesen sein muss, ihren Weg zu gehen. Dabei hat sie die Last und Eigenart ihres Ursprungs benutzt, um aus ihren Erfahrungen etwas Großartiges, Neues, aber gleichzeitig auch Allgemeingültiges zu destillieren. Was ihre Figuren fühlen, erleiden, wie sie handeln, was ihnen wichtig ist: Das ist überall auf der Welt ganz genau so. Eben dies macht die große Weisheit von Alice Munro aus.

    Kommentare: 2
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    Anidays avatar
    Anidayvor 5 Jahren
    Wundervoll emotionale Kurzgeschichten

    Das Leben.... nicht mehr und nicht weniger ist es, was den Protagonisten dieser Kurzgeschichten passiert. Sie alle haben Dinge erlebt, mal mehr, mal weniger außergewöhnliches. Aber immer packend.

    Alice Munro schreibt wahrlich meisterhaft - in wenigen Seiten fängt sie mehr ein als mancher Autor in ganzen Romanen. Man lernt Protagonisten in kurzen Situationen kennen und meint doch schnell ihr ganzes Leben zu kennen. Dabei wird dieses Leben nicht etwa auf den einzelnen Moment reduziert, denn ohne es zu bemerken ist aus dem Moment mehr geworden. Eine Geschichte, die Geschichte dieses Menschen und dessen, was ihn oder sie ausmacht. Oder auszumachen scheint. Man erfährt von Erinnerungen, durchlebt Schlüsselsituationen oder begleitet sie ein ganzes Stück.
    Klingt verwirrend? Vielleicht auch etwas schwärmerisch? Mag sein. Denn es ist nicht einfach, diese Kurzgeschichten zusammen zu fassen. Das will ich auch gar nicht wirklich, denn wie sollte ich das tun ohne den Inhalt zu verraten und ihnen damit ein Stück Faszination nehmen? Ich kann auch nicht wirklich erklären, warum mich der Stil der Autorin so begeistert hat. Andeutungen die mehr sagen als ausschweifende Sätze, Gefühle die mehr tragen als es Worte könnten. Keine der Kurzgeschichten wollte ich weglegen, doch nach jeder musste ich etwas Pause machen ehe ich die nächste lesen konnte.

    Nur die letzten 4 Geschichten - die autobiographisch geprägten - konnten mich leider nicht ganz so fesseln. Man darf sie kaum in Vergleich zu den vorherigen Geschichten setzen, denn es sind gewissermaßen Erinnerungen und die anderen waren Fiktion, dennoch fällt dieser "Bruch" natürlich auf. Auch sie wahren interessant, haben vor allem im Gesamten einen tollen Einblick gegeben. Dennoch schienen sie etwas weniger Gehalt zwischen den Zeilen zu haben, haben Interesse, aber keine Faszination bei mir geweckt.

    Vielleicht wird die nächste Kurzgeschichtensammlung, zu der ich greife, nicht von Alice Munro sein. Vielleicht aber doch. Sicher weiß ich nur, dass dies nicht die letzte war, die ich von ihr gelesen habe!

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    PenguinRandomHouseUKs avatar

    Perfekt für den Winter und die Feiertage – die neuesten Kurzgeschichten der Nobelpreisträgerin Alice Munro im englischen Original!


    Ihre Kurzgeschichten sind einzigartig, emotional, teifgreifend und bieten darüber hinaus einen sehr guten Einstieg für diejenigen, die nicht unbedingt einen ganzen Roman in englischen Original lesen möchten.

    Hier ein paar Informationen in Englisch:

    Alice Munro captures the essence of life in her brilliant new collection of stories. Moments of change, chance encounters, the twist of fate that leads a person to a new way of thinking or being: the stories in Dear Life build to form a radiant, indelible portrait of just how dangerous and strange ordinary life can be.

    Alice Munro was born in 1931 and is the author of twelve collections of stories, most recently Too Much Happiness, and a novel, Lives of Girls and Women. She has received many awards and prizes, including three of Canada's Governor General's Literary Awards and two Giller Prizes, the Rea Award for the Short Story, the Lannan Literary Award, the WHSmith Book Award in the UK, the National Book Critics Circle Award in the US, was shortlisted for the Booker Prize for The Beggar Maid, and has been awarded the Man Booker International Prize 2009 for her overall contribution to fiction on the world stage. Her stories have appeared in The New Yorker, Atlantic Monthly, Paris Review and other publications, and her collections have been translated into thirteen languages. She lives with her husband in Clinton, Ontario, near Lake Huron in Canada.


    Und hier geht es zur Leseprobe

    Am Dienstag hat sie den Nobelpreis offiziell erhalten. Da sie leider nicht nach Stockholm kommen konnte, wurde dieses Interview übertragen.

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    Unser Gewinnfrage dieses Mal:  Was bedeuten Kurzgeschichten für Euch? Lest Ihr diese eher selten oder sind sie optimal für unterwegs?

    Einfach bewerben und die glücklichen Gewinner werden am Montag bekanntgegeben. 


    Viele Grüsse aus London,
    Urlike @ Random House UK
    Anneblogts avatar
    Letzter Beitrag von  Anneblogtvor 5 Jahren
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