Alice Renard

 4,2 Sterne bei 14 Bewertungen
Autor*in von Hunger und Zorn.

Lebenslauf

Alice Renard, geboren 2002 in Paris, studierte mittelalterliche Literatur an der Sorbonne. Sie beschäftigt sich intensiv mit den Themen Neurodiversität und Hypersensibilität. Im Alter von sechs Jahren wurde Renard selbst als frühreif eingestuft, mit vierzehn Jahre begann sie zu schreiben. 2023 erschien ihr Debütroman Hunger und Zorn, der für den Prix Fémina, den Prix du Monde und den Prix des lectrices ELLE nominiert war und mit dem Prix Méduse und dem Prix littéraire de la Vocation ausgezeichnet wurde.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Alice Renard

Cover des Buches Hunger und Zorn (ISBN: 9783293006270)

Hunger und Zorn

(14)
Erschienen am 20.03.2025

Neue Rezensionen zu Alice Renard

Cover des Buches Hunger und Zorn (ISBN: 9783293006270)
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Rezension zu "Hunger und Zorn" von Alice Renard

Mine_B
Hunger und Zorn

Mit „Hunger und Zorn“ hat Alice Renard ihren Debütroman geschrieben, welcher ein eigenständiges Buch ist. Dieser Roman ist ein besonders Werk, handelt es von einem neurodivergenten Mädchen und wie sie sich selbst und auch ihre nähere Umwelt es wahrnehmen.

 

Klappentext:

Wenn die kleine Isor von ihren Streifzügen zurückkehrt, kann ihre Mutter nur erahnen, wo sie war. Mit den Fingern löst sie die Zöpfe der Tochter, findet Löwenzahnblüten, Grashalme, einen Käfer. Erzählen wird Isor nichts – denn Isor ist nicht wie andere Kinder. Sie spricht nicht, lernt nicht, lebt in stummen Gedanken und tobenden Wutausbrüchen. Gefangen in einer Realität, die nicht die ihre ist, treibt sie ihre Eltern in die Verzweiflung. Bis sie eines Tages auf Lucien von nebenan trifft und in dem vorsichtigen, einsamen Alten eine verwandte Seele erkennt.

 

Bei diesem Roman hat mich der Klappentext neugierig gemacht. Es klang nach einem besonderen und berührenden Werk und ich muss gestehen, dass ich keine großen Erwartungen an dieses Buch hatte. Daher war ich positiv überrascht, dass mich dieses Werk so bewegt hat.

Der Debütroman ist in drei Abschnitte unterteilt, indem unterschiedliche Protagonisten zu Wort kommen. Ich finde es gelungen, wie Renard hier mit der Sprache spielt. Die jeweiligen Charaktere haben unterschiedliche Ausdrucksweise, zusätzlich zu ihrer verschiedenen Ansicht zur aktuellen Situation. Dies führt dazu, dass man sich als Leser besser orientieren kann, wer hier das Wort hat. Aber auch, dass man sich besser in den jeweiligen Charakter einfinden kann und ihn dadurch noch mal besser kennen lernt. Gekonnt schafft es Renard hier eine dichte Atmosphäre und ein passendes Erzähltempo zu wählen. Als Leser merkt man gar nicht, wie die Seiten nur so dahinfliegen. Immer tiefer gelangt man in diesen Strudel und möchte wissen, wie es mit dem neurodivergenten Mädchen Isor weitergeht, wie sie ihren Weg geht.

Im ersten Teil wird die Geschichte aus der Sicht der Eltern erzählt. Sie müssen erkennen, dass ihr Mädchen Isor anders ist, dass sie etwas Besonderes ist und wohl nie so wie andere Mädchen in ihrem Alter sein wird. Man merkt den Eltern an, dass sie an ihre Grenzen kommen und dass sie allgemein mit der Situation überfordert sind. Aber dennoch versuchen sie ihr bestes und geben sich Mühe, sie gehen auf Isor ein und erkennen, was ihr Freude bereitet oder was ihr nicht so gut tut. Die Mutter spricht voller Liebe von Isor und man merkt ihr an, wie erschüttert sie ist, dass Isor anders ist. Dennoch hat sie Angst und stößt an ihre Grenzen. Der Vater ist oftmals überfordert und hat ebenso seine Zweifel. Teilweise arbeiten die beiden als ein gutes Team zusammen, aber es gibt auch Momente, wo sich beide uneinig sind. Im Grunde eine alltägliche Situation, stellenweise haben sie verschiedene Ansätze und Sichtweisen. Dennoch ist auf jeder Seite zu spüren, wie sie mit Isor ihr Bestes geben und ihr ein gutes Leben geben wollen. Oftmals ist die Verzweiflung zu erkennen, wie beide an ihre Grenzen stoßen. Ich fand diesen Abschnitt sehr bewegend. Die Eltern sind hin- und hergerissen. Sie versuchen, Isor so viel Liebe zu geben und dennoch ist es für die beiden kein einfaches Leben. 

Im zweiten Teil wird aus der Perspektive von dem älteren Nachbarn Lucien erzählt. Er hatte bisher nur wenige Berührungspunkte mit Isor, bis sich dies schlagartig von einem Tag auf den anderen ändert. Dies passiert auch nur wegen einem Zufall, Lucien soll auf Grund eines Handwerker- Notfalls auf Isor aufpassen. Daraus entwickelt sich eine tiefe und wunderbare Freundschaft zwischen den beiden, welche sehr bewegend ist. Lucien akzeptiert Isor so, wie sie ist. Seine Sicht auf dieses Mädchen ist viel offener und nicht so voller Zwänge. Er geht auf sie ein und versucht Isor zu verstehen, möchte sie glücklich machen und dabei entwickeln die beiden gemeinsame Hobbies. Am Ende des zweiten Abschnittes pflegen die beiden eine besondere und innige Freundschaft und es hat mir Freude bereitet, mitzuerleben wie diese tiefe Beziehung aufgebaut wird. Diesen Teil habe ich sehr genossen, erlebt man hier Isor noch einmal aus einer ganz anderen Perspektive und lernt neue Facetten an ihr.

Im dritten Teil kommt Isor selbst zu Wort. Als Leser bekommt man Einblicke in ihre Gedankengänge und lernt sie noch einmal mit ganz anderen Facetten kennen. Diese Eindrücke fand ich sehr gelungen und interessant. Jedoch bin ich bezüglich der Entwicklung von Isor etwas skeptisch. Ist solch eine Weiterentwicklung realistisch? Hier musste ich mir bewusstwerden, dass dies ein Roman ist und nicht immer alles realistisch sein muss. Für mich persönlich, hat dieser Abschnitt den realistischen Rahmen gesprengt und ist eher in den Bereich der Fiktion abgedriftet. Aber teilweise ist man auch überrascht, was der Mensch alles leisten kann. Daher hat mir zum Ende hin auch dieser Abschnitt auch wieder gefallen und ich habe mich für Isor gefreut, dass sie ihren Weg gegangen ist und ihr eigenes Leben gelebt hat. 

 

Insgesamt hat Alice Renard mit „Hunger und Zorn“ einen berührenden und bewegenden Roman geschrieben, welcher den Leser nachdenklich zurücklässt. Es ist auf jeden Fall ein Werk, welches nachklingt und auch wenn man das Buch am Ende zuklappt, so bleibt einem der Inhalt noch länger im Gedächtnis. Von mir gibt es für diesen Debütroman 4 Sterne.

Cover des Buches Hunger und Zorn (ISBN: 9783293006270)
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Rezension zu "Hunger und Zorn" von Alice Renard

Buch_puttel
Wichtiges Buch!

INHALT
Dieses Buch ist einfach wunderbar! Es zeigt ein neurodivergentes Mädchen mit all den Besonderheiten und auch Herausforderungen.
Der erste Abschnitt ist aus Sicht der Eltern geschrieben: der Vater ist überfordert und hilflos. Die Mutter ist liebevoll zu ihrer Tochter, kommt aber genauso an ihre Grenzen. Die 13 jährige Isor ist anders, wütend und sprachlos. Sie könnte es, tut es aber nicht. Der zweite Abschnitt ist aus Sicht des Nachbars Lucien erzählt. Dieser sieht so viel mehr in Isor und baut eine ganz wundervolle Beziehung zu ihr auf. Im letzten Abschnitt kommt dann Isor selbst zu Wort.

„Das hält nie lange an eine halbe Stunde allerhöchstens. Danach ist es, als hätte uns eine Tragödie heim gesucht: die Wohnung ist verwüstet wir sind erschöpft. Wir sind erschöpft, weil wir solche Angst hatten. Sie ist erschöpft, weil sie so viel durchgemacht hat.“ Seite 52

EINDRUCK UND FAZIT
Ich habe dieses Buch verschlungen. Insbesondere wegen der besonderen Thematik und der multiperspektivischen Erzählweise. Es erzählt eindringlich, wie Kinder leben, die anders sind. Die Innenwelt eines Mädchen, die sich im Spektrum befindet, ganz detailreich und wahrhaftig erzählt. Dieses Buch ist ein Debüt, ich bin beeindruckt! Ich habe lange in der Psychiatrie gearbeitet, Kinder im Spektrum waren einige dabei. Sich in die Gedankenwelt des Mädchen und auch der Eltern zu lesen, war eine neue Erfahrung für mich. Ein grandioses Buch für alle, die interessiert sind!

Cover des Buches Hunger und Zorn (ISBN: 9783293006270)
A

Rezension zu "Hunger und Zorn" von Alice Renard

Anja_Anja1
Berührend

Isor ist anders. Sie spricht nicht, hat Wutausbrüche, ist ständig unruhig. Keiner weiß so richtig was mit ihr ist. Ihre Eltern sind hoffnungslos überfordert und ziehen sich mit ihr immer mehr zurück. Als die Eltern einen Wasserschaden in der Wohnung haben, bitten sie einen älteren Nachbarn sich im Isor zu kümmern. Die Beiden verstehen sich gut und schon bald entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft, die das Leben aller Beteiligten ganz schön auf den Kopf stellt.


Im ersten Abschnitt wird aus der Sicht der Eltern erzählt. Der Vater kann mit seiner Tochter nicht viel anfangen, ist heillos überfordert. Die Mutter spricht voller Liebe von ihr, doch auch sie weiß oft nicht mit ihr umzugehen. Der zweite Teil wird aus der Sicht vom Nachbarn Lucien erzählt. Er sieht so viel mehr in Isor als ein wütendes Mädchen. Im dritten Teil lesen wir dann Isors Sicht auf die Dinge. 


Hier wurde sehr feinfühlig geschrieben. Ein Mädchen, dass anders ist. Eltern, die überfordert sind und mit so vielen Zweifeln und Ängsten konfrontiert sind. Ganz im Gegenteil zu Lucien, der sie so akzeptiert wie sie ist. Das war schon sehr berührend. Emphatisch wurde hier aus jeder Perspektive berichtet, immer auch absolut nachvollziehbar. Ein besonderes Buch über ein besonderes Mädchen, das nicht in die gesellschaftliche Norm passt. Ich hab dieses Buch sehr gern gelesen. Es ist unheimlich wichtig Menschen eine Stimme zu geben, die nicht so sind wie es erwartet wird. 

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