Alice Sebold The Almost Moon

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Inhaltsangabe zu „The Almost Moon“ von Alice Sebold

Clair Knightly and her daughter Helen are locked in a relationship so unrelenting that it has sucked the air out of both of their lives. Helen crosses a boundary she never dreamt she would even approach. But while her act is almost unconscious, it also seems like the fulfillment of a lifetime's buried desire.
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  • Rezension zu "The Almost Moon" von Alice Sebold

    The Almost Moon
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    26. August 2011 um 20:46

    Helen, ein Aktmodell mittleren Alters und Mutter von zwei erwachsenen Töchtern, erstickt ihre demenz-kranke Mutter mit einem Stapel Handtücher. Die Beziehung der beiden war nie einfach, denn Helens Mutter ist psychisch krank, hat es sich jedoch nie eingestehen wollen. Dies und noch einige andere Familiengeheimnisse werden zu Tage gefördert, während Helen beginnt die Leiche ihrer Mutter auf dem Küchenfußboden zu waschen. Der erste Satz ist schon mal ein Schlag ins Gesicht, darum geht’s hier also merke ich, Muttermord. Und dann fängt das Grübeln an, ist dieses Thema denn was für mich, ich hab nichts gegen meine Mutter, werde ich mich denn überhaupt mit der Hauptfigur identifizieren können?! Wer an dieser Stelle beschließt das Buch zur Seite zu legen, dem entgeht ein atemberaubend guter Roman, und der möge sich nun bitte ein wenig dafür schämen. Denn es ist es wert sich durch das erste Kapitel zu kämpfen und vor der Beschreibung des Mordes und der Waschung der Leiche nicht die Augen zu verschließen. Schließlich ist das nur der Anfang des Romans und es geht beeindruckend weiter. Alice Sebold entwirft in ihrem dritten Buch das Psychogramm einer Mutter Tochter Beziehung, die sich stark an Sebolds eigene Kindheitserinnerungen anlehnt – nur dass ihre Mutter natürlich noch lebt. Roh und ungeschönt wird in die Zeit zurück geschaut, bevor Tochter Helen aus dem Haus ging und dann später in diese in der sie zurück kam um die alte verwitwete Mutter zu pflegen. Alice Sebold beweist eine Detailgenauigkeit, mit der sie ganz klar darstellt, wie in zerstörerischen Beziehungen eins zum anderen kommt und diese schlussendlich eskalieren lässt. So rollt sie die Geschichte von hinten auf, fängt mit einem Mord an und erklärt anschließend warum er geschehen konnte, ja fast schon musste. Helen ist keine liebenswürdige Heldin, wie man sie aus heiteren Frauenromanen kennt. Sie ist jung Mutter geworden, ebenso jung geschieden, praktisch veranlagt und ein wenig verhärmt. In folge ihrer langjährigen Arbeit als Aktmodell wirkt sie fast wie ein Körper ohne Kopf, auf Haut und Fleisch reduziert. Das alles macht ihre Tat und all das, was in der darauf folgenden Nacht noch geschieht umso glaubwürdiger. Trotzdem ist sie keine Figur, die man aus verschiedenen Gründen völlig ablehnt, denn schließlich lernt man sie im Laufe des Romans immer besser kennen und verstehen. „The Almost Moon“ hat wenig gemein, mit seinem Vorgänger The Lovely Bones. Auch wenn Alice Sebold sich wieder eine Gewalttat aussucht, mit der sie ihre Geschichte beginnt, ist die Grundaussage ihres zweiten Romans eine völlig andere. Mir kommt „The Almost Moon“ realistischer, aber auch ein bisschen hoffnungsloser vor. Man erhält einen Einblick in eine ausweglose Situation, in eine Familie, die sich liebt, aber deren Mitglieder sich doch gegenseitig zerstören, weil sie sich selbst nicht helfen können. Man erhält ein realistisches Bild davon, wie es sich anfühlt mit einer psychisch kranken Mutter aufzuwachsen, und davon wie schwer es ist sich von einer solchen Familie zu lösen. Das mag sich alles so anhören, als wäre man gut beraten einen Bogen um diesen Roman zu machen. Doch ich halte dagegen, manche Bücher sind es wert sich den metaphorischen Verband abzunehmen, um auf die Wunde darunter zu schauen. Dies ist sicher nicht Alice Sebolds schönster Roman, aber in vielen Bereichen ist er der beste. Ein Roman für Leser, die ihr Steak blutig mögen und keine Angst davor haben, sich mal eine literarische Welt anzuschauen, die nicht nur aus Zuckerwatte und Regenbogen besteht.

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