Baba Dunjas letzte Liebe

von Alina Bronsky 
4,4 Sterne bei229 Bewertungen
Baba Dunjas letzte Liebe
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Neue Kurzmeinungen

Positiv (206):
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Ein kluges, unterhaltsames Buch über Heimat und selbstbestimmtes Leben im Alter - manchmal zum Lachen, manchmal zu Weinen.

Kritisch (2):
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Abgedrehte Geschichte über eine mutige oder vielleicht auch etwas verrückte Frau, die mich jedoch nicht wirklich erreicht oder berührt hat

Alle 229 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Baba Dunjas letzte Liebe"

'Eine große Geschichte von Menschen und ihrem Mut, ihrer Kraft und ihrer Unbeugsamkeit' Christine Westermann
Baba Dunja ist eine Tschernobyl-Heimkehrerin. Wo der Rest der Welt nach dem Reaktorunglück die strahlenden Waldfrüchte fürchtet, baut sie sich mit Gleichgesinnten ein neues Leben auf. Mitten im Niemandsland, wo die Vögel so laut rufen wie nirgends sonst und manchmal ein Toter auf einen Plausch vorbeikommt. Während der sterbenskranke Petrov in der Hängematte Liebesgedichte liest und die Melkerin Marja mit dem fast hundertjährigen Sidorow anbandelt, schreibt Baba Dunja Briefe nach Deutschland, an ihre Tochter. Doch dann kommen Fremde ins Dorf – und die Gemeinschaft steht erneut vor der Auflösung.
Voller Kraft und Poesie, voller Herz und Witz lässt Alina Bronsky eine untergegangene Welt wiederauferstehen und erzählt die Geschichte einer außergewöhnlichen Frau, die im hohen Alter ihr selbstbestimmtes Paradies findet.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783462050288
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:160 Seiten
Verlag:Kiepenheuer & Witsch
Erscheinungsdatum:06.04.2017
Das aktuelle Hörbuch ist am 20.08.2015 bei tacheles! / Roof Music erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    Schmiesens avatar
    Schmiesenvor 5 Tagen
    Kurzmeinung: Ein kluges, unterhaltsames Buch über Heimat und selbstbestimmtes Leben im Alter - manchmal zum Lachen, manchmal zu Weinen.
    Die Alten von Tschernowo

    " 'Lass mich los', schimpfe ich. 'Du brichst mir noch alle Knochen. Ich bin keine zweiundachtzig mehr.' "


    Nach dem Tschernobyl-Unglück war Baba Dunja die erste, die wieder in ihr Dorf Tschernowo zurückgekehrt ist. Andere folgten, doch der Rest der Welt fürchtet sich vor den Waldbeeren und der Luft in diesem Gebiet. Höchstens ein paar Journalisten oder Biologen finden den Weg in die Todeszone, und dann auch nur im Schutzanzug. So führen Baba Dunja und ihre Freunde ein ruhiges, abgeschottetes und selbstbestimmtes Leben - bis eines Tages ein Fremder mit bösen Absichten auftaucht und die Gemeinschaft auf eine harte Probe stellt.

    Endlich habe ich dieses kleine Büchlein von meinem SuB befreit - und es hat sich gelohnt! Ein kleines Dorf, das es eigentlich nicht mehr geben sollte, ersteht dank Baba Dunja neu auf , denn die Bewohner fürchten sich nicht vor Krankheit und Tod. Im Gegenteil, ihnen geht es sogar sehr gut in ihrem Tschernowo, selbst dem bereits todgeweihten Petrow, der entgegen aller Erwartungen schon ein Jahr überlebt hat, ohne im Besitz all seiner Organe zu sein. Ein kurioses Figurenkabinett hat Alina Bronsky da zusammengestellt, und von allen ist Baba Dunja die großartigste. Sie ist empathisch, scharfzüngig und sehr bodenständig - und daraus ergibt sich ein herrlicher Humor und gleichzeitig eine tiefgreifende Weisheit.

    Bronskys Roman sorgte bei mir einige Male für lautes Auflachen, wenn beispielsweise die Ziege der Nachbarin Marja im Bett schläft oder mit ihr Fernseh schaut, oder wenn ein kleines Mädchen aus Strahlenschutzgründen in Alufolie gewickelt wird. Der fein nuancierte Stil der Autorin macht das Buch zu einem reinen Lesevergnügen. 

    Und dann ist da noch die Botschaft, die Bronsky hier so gekonnt verpackt: Ein selbstbestimmtes Leben auch im Alter ist ein Grundrecht. Und manchmal sind die scheinbar gefährlichsten Orte die ruhigsten und lebensfreundlichsten, die es gibt, gerade, wenn sie Heimat sind. Egal, ob dein Zuhause von einem Reaktorunglück betroffen war oder in einem Kriegsgebiet liegt, es ist und bleibt dein Zuhause. Dieses Recht sollten wir keinem Menschen absprechen.

    Bronskys Roman hat mich mitten ins Herz getroffen, mit dieser unvergleichlichen Protagonistin und der Schönheit des Geschriebenen. Bin ich froh, dass ich es endlich gelesen habe!

    Kommentare: 1
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    regenprinzs avatar
    regenprinzvor einem Monat
    Baba Dunjas letzte Liebe

    Ich bin sehr angetan von diesem schmalen Buch, das mehr wie eine längere Erzählung denn wie ein Roman anmutet. Aber es hält, was Klappentext und Leseprobe versprochen haben und birgt zudem noch einige Überraschungen in der Handlung. Alina Bronsky hat eine Art zu erzählen, die ich großartig finde - gleichermaßen schlicht wie poetisch, mit wunderbar treffenden Beschreibungen und einem ganz besonderen Humor. Von letzterem hätte ich mir im Verlauf der Geschichte noch ein bisschen mehr gewünscht (die witzigste Szene ist m.E. diejenige mit dem Hahn zu Beginn), aber vielleicht wäre es dann zu viel Klamauk geworden. Und eigentlich hat Baba Dunjas Erzählung ja einen ernsten und tragischen Hintergrund, der hier feinfühlig thematisiert wird; nie in Vergessenheit gerät, aber auch niemals aufgebauscht wird.
    Das Dorf Tschernowo liegt in der sog. Todeszone des Kernkraftwerks Tschernobyl. Hier haben sich ein paar ältere Bewohner wieder um Baba Dunja versammelt. Sie leben in den verlassenen Häusern und spielen dort den Tag nach, wie die Autorin es auf S. 107 nennt. Mit dem Bus in den nächstgelegenen Ort zu kommen ist mühsam, kaum einer mag die Strapazen auf sich nehmen, und so ist Baba Dunja die Einzige, die hin und wieder zum Einkaufen geht oder zur Post. Ansonsten leben sie von dem, was in ihren Gärten wächst und dass alles verstrahlt ist, stört keinen von ihnen, denn ihre Körper sind es auch längst. Baba Dunja schildert den Alltag im Dorf und ihre Situation sachlich und ohne Trauer oder Groll, obwohl spürbar wird, dass sie es sehr bedauert, ihrer Enkelin niemals begegnet zu sein. In den skizzierten Briefen an ihre Tochter Irina, die ihr Pakete aus Deutschland schickt, klingt sie noch zurückgenommener, damit diese sich keine Sorgen macht. Sie ist eine starke, unabhängige und dennoch sensible alte Frau und eine Figur, die ich sehr gut getroffen fand. Im Verlauf der Handlung bleibt sie sich treu, während z.B. ihre Nachbarin Marja eine für mich unerwartete Wandlung zeigt. Die sonstigen Bewohner sind alle ein bisschen skurril, passen aber perfekt in diese Geschichte, die zugleich märchenhaft wie realistisch daherkommt. Was alles passiert, nachdem eines Tages ein unbekannter Mann mit seiner Tochter in Tschernowo auftaucht und welche Botschaft Lauras Brief verbirgt, den Baba Dunja nicht lesen kann, darüber möchte ich nichts verraten, denn das war für mich unvorhersehbar und diesen Reiz möchte ich anderen keinesfalls nehmen.
    Ansonsten haben mich viele Kleinigkeiten in diesem Buch fasziniert - die Toten, die wie selbstverständlich im Ort präsent sind, die besondere Tierwelt Tschernowos mit Katzen und Spinnen und fernsehenden Ziegen, die Sehnsucht nach Stille und Frieden und Ruhe, die Baba Dunja erfüllt. Es ist eine besondere Geschichte mit einem ganz eigenen, unverwechselbaren Zauber. Auf diese Weise an Tschernobyl zu erinnern und den Lesern so viele Jahre nach der Katastrophe die Folgen in Erinnerung zu rufen, das ist es, was Literatur mitunter so einzigartig macht. Danke dafür!

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    Caillean79s avatar
    Caillean79vor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Baba Dunja ist einfach außergewöhnlich - gesegnet mit einem trockenen Humor und Sinn fürs Praktische. Absolut lesenswert!
    Auf der Spur der russischen Seele

    Naja, so ganz korrekt ist „russische Seele“ vielleicht nicht, denn die Region, in der der Roman spielt, ist irgendwo zwischen Weißrussland und der Ukraine. Sei‘s drum. Ein kleines, aber feines Buch (bzw. Büchlein, mit seinen 150 Seiten) ist „Baba Dunjas letzte Liebe“, auf das ich leider erst jetzt aufmerksam geworden bin, obwohl es schon 2015 erschienen ist. Baba Dunja plaudert als Ich-Erzählerin über einen kleinen Abschnitt ihres Lebens – als sie bereits sehr betagt ist und mit wenigen Gleichgesinnten in dem abgelegenen Dorf Tschernowo ihren Lebensabend verbringt.

    „Das Dorf hat eine Geschichte, die sich mit meiner Geschichte verbindet wie zwei Haarsträhnen zu einem Zopf. Ein Stück des Weges haben wir gemeinsam zurückgelegt“. sagt sie. Denn es ist nicht irgendein Dorf, sondern eine Siedlung im Sperrgebiet um Tschernobyl. Baba Dunja und einige wenige andere sind zurückgekehrt, weil sie sich nicht aus ihrer Heimat vertreiben lassen wollten – weil es der Ort ist, an dem sie ihren Frieden gefunden haben. Auch wenn dieser Frieden verstrahlt ist. Aber Baba Dunja macht das nichts aus. Mit wachen Augen beobachtet sie das Wenige, was sie von der Welt noch mitbekommt – denn Nachrichten verbreiten sich kaum bis in ihr Dorf. Mit einem staubtrockenem Humor und viel Sinn fürs Praktische erzählt sie aus ihrem Leben.

    Als Leser wird man einerseits mitgenommen an einen Ort, an dem Leben eigentlich nicht sein soll. Andererseits bekommt man einen Einblick, wie das Leben der jetzigen Generation 85+ in Russland gewesen ist. Geprägt von harter Arbeit, wenig Wohlstand und Ehen, die mehr aus praktischen denn aus emotionalen Gründen geschlossen wurden. Ich hatte den Eindruck, zwischen vielen launigen Kommentaren von Baba Dunja immer etwas Wehmut und die „russische Seele“ zu spüren. Deshalb machte das Buch einen sehr authentischen Eindruck auf mich, auch wenn die geschilderten Begebenheiten es nicht immer waren.

    Die Stimmung dieses Buches ist sehr besonders, einfach außergewöhnlich und wird mir noch lange im Gedächtnis bleiben. Deshalb bekommt Baba Dunja 5 Sterne von mir.

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    marion_galluss avatar
    marion_gallusvor 5 Monaten
    Einfach nur schön!

    Baba Dunja, eine ehemalige Krankenschwester, nun jedoch eine alte, betagte Dame, kehrt zurück in ihr Heimatdorf Tschernowo. Da wo der Reaktor nach dem Unglück alles verstrahlt hat, zieht sie zurück in ihr Häuschen und lebt ihr zufriedenes Leben. Mit ihr leben einige andere Menschen in dem kleinen Dorf, insgesamt aber sind es nicht mehr als 10 Personen.

    Sie bauen ihre Nahrung selbst an, die übrigens wächst und gedeiht im fruchtbaren Boden, ab und an fährt Baba Dunja auch mal in die nächstgelegene Stadt. Der Fußweg zur Bushaltestelle dauert inzwischen 2 Stunden, doch die Treckingsandalen, die ihre Tochter aus Deutschland geschickt hat, lassen wenigstens ihre Füße weniger schmerzen.

    Auch auch wenn in dem kleinen Dorf eigentlich jeder sein Leben für sich lebt, so gibt es irgendwie dennoch eine besondere Gemeinschaft und Zugehörigkeit unter den Bewohnern. Dies ist in dem Moment zu spüren, in dem Fremde ins Dorf kommen, da dort ein – naja, sagen wir „Missgeschick“ geschehen ist …

    ***

    Alina Bronskys „Scherbenpark“ ist bis heute die meistgelesene Rezension jede Woche (!) auf meinem Blog. Dieser Roman wurde inzwischen verfilmt und auch „Die schärfsten Gerichte der tartarischen Küche“ habe ich gelesen. Beide Romane fand ich absolut gut, haben mir sehr gut gefallen. Als ich dann dieses kleine Büchlein in der Grabbelecke unseres KaRo-Kaufhauses entdeckte, griff ich natürlich sofort zu.

    Dünn wie es ist, war ich natürlich sehr schnell durch, was ich sehr schade fand. Denn ich mochte die Gesellschaft der verschrobenen Alten und weniger Alten in dem kleinen Dorf unweit des Reaktors sehr gerne. Die Charaktere waren bunt gemischt.

    Als Hautprotagonistin ist natürlich Baba Dunja zu sehen, die in dem kleinen Ort als Oberhaupt gilt, obwohl sie alt und klein ist. Ich fand es erstaunlich zu lesen, wie Bronsky zeigte, welch wacher Geist in so einem alten, klapprigen Körper steckt. Welch „jungen“ Gedanken und Einfälle sich in so einer ausgezehrten Hülle befinden. Immer wieder erfuhren wir auch Geschichten aus der Vergangenheit, die aufzeigten, dass diese alte Frau einmal ein wunderschönes, junges Mädchen war. Und Baba Dunja nahm dies alles mit einem gelassenen und herrlich trockenen Humor hin.

    Die Bindung zu ihrer Tochter in Deutschland und ihrer Enkelin (die sie noch nie gesehen hat) waren auch ein großer Bestandteil dieser kleinen Geschichte und sehr einfühlsam und gefühlvoll. Alina Bronsky hat hier eine zauberhafte Geschichte geschrieben, die eigentlich den Wunsch aufkommen lässt, genau dorthin zu reisen, wo es so gefährlich ist. In die Todeszone beim Reaktor von Tschernobyl. Ich würde mir wünschen, dass diese Geschichte auch verfilmt wird. Denn diese Menschen und das kleine Dorf möchte ich sehr gerne einmal sehen. 

    Mein Fazit: Eine zauberhafte, humorvolle und ein bisschen verschrobene Geschichte über ein paar Menschen, die leben, wie sie es wollen und sich nicht drum scheren, was andere über sie denken. Sie leben in der Todeszone, die macht ihnen aber in der heutigen Welt und in ihren schon lang gelebten Leben keine Angst.

    © Buchwelten 2018

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    Schlehenfees avatar
    Schlehenfeevor 8 Monaten
    Kurzroman voll Witz und Wahrheiten

    Baba Dunja, „keine 82 mehr“, ist vor einiger Zeit zurückgekehrt, zurück in die verstrahlte Todeszone um den Reaktor von Tschernobyl, in ihr Heimatdorf Tschernowo. Hier bestellt sie einen Garten, empfängt ab und zu Post von ihrer Tochter Irina aus Deutschland. Zusammen mit gleichgesinnten Alten lebt sie dort, wohin sich andere nur mit Schutzanzug wagen. Alles ändert sich als eines Tages ein Mann mit seiner kleinen Tochter nach Tschernowo kommt.

    So langsam entwickelt sich jeder Roman von Alina Bronsky zum Glücksgriff für mich. Die Geschichte von Baba Dunja ist mehr als eine Geschichte über die Tschernobyl-Rückkehrer. Es geht um die Suche nach einem selbstbestimmten Leben im Alter, Mutter-Tochter-Beziehungen und das Thema Heimat. Ich interpretiere den Buchtitel so, dass Tschernowo Baba Dunjas letzte Liebe ist.

    Wie immer erschafft Bronsky schrullige Charaktere, die aber authentisch sind. Gerne hätte ich die anderen Bewohner von Tschernowo noch etwas näher kennengelernt, aber die Geschichte war eigentlich von der Länge her optimal. Baba Dunja erinnert mich sehr an meine Eltern und deren Generation: ein Garten, der einen ernährt und das Wissen über Pflanzen und Ernte, nichts wird weggeworfen, man könnte es ja noch gebrauchen.

    Auch wenn es etwas ironisch beschrieben wird, wie die Bewohner von Tschernowo mit der Radioaktivität umgehen, wird es doch klar, wie bewusst sie sich dessen sind, als junge, gesunde Menschen in den Ort kommen.

    Das Leben in der heutigen Ukraine wie in der damaligen Sowjetunion wird von der Autorin in gewohnt unaufdringlicher Manier auf die Schippe genommen.

    4 Sterne und eine Empfehlung von mir!

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    Nicole_Rodvor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Baba Dunja
    Baba Dunja

    In einem Dorf mit einer handvoll Einwohnern ist jeder vieles. Baba ist ein sehr sympathischer Charakter. Sie sieht Tote. Sie vermisst ihre Tochter und ihre Enkelin. Sie prägt ihr Dorf. Sie hat Prinzipien. Sie ist alt aber stark und selbstbestimmt.Aber so sympatisch Baba Dunja auch ist, der Leser fragt sich permanent: warum?  Warum nie die Enkelin sehen? Warum diese karge, gefährliche Lebensweise? So heimatverbunden und so finanziell benachteiligt kann doch niemand sein?Es ist wohl wegen dieser Geschichte. Einnehmend, leise aber stark.Ich bin so glücklich und dankbar, dieses Jahr schon so tolle Bücher gelesen zu haben.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor einem Jahr
    Alina Bronsky | BABA DUNJAS LETZTE LIEBE

    INHALT: Das Dörfchen Tschernowo im Norden der Ukraine ist seit einem Reaktorunglück vor dreißig Jahren radioaktiv verseucht und verlassen. Obwohl es Sperrgebiet ist und als Todeszone gilt, lebt eine kleine Gemeinschaft von Rückkehrern dort. Alle sind sie alt und gebrechlich und die lebensfeindliche Gegend fordert ihren Tribut, aber gestorben wird in Tschernowo nicht so schnell. Da gibt es zum Beispiel Baba Dunja, die unfreiwillige Anführerin mit ihrer entwaffnenden Logik. Oder Sidorow, der mit hundert Jahren nochmal heiraten will. Oder die dicke Marja, die mit einer Ziege im Haus wohnt, mit ihr fernsieht und sogar das Bett teilt. Doch wo eine Ziege ist, ist meist der Teufel nicht weit, und als ein fremder Mann mit seiner Tochter ins Dörfchen kommt, bringt er auch das Unheil nach Tschernowo.

    FORM: Alina Bronsky (*1978) ist eine herzerwärmende Ode ans Menschsein gelungen; ein Ja zum Leben in einer Welt die eigentlich nur ein Nein zulässt. Die Figuren sind mit viel Liebe beschrieben und die Sätze halten auf nüchterne Art gekonnt die Balance zwischen Witz und Poesie. Dass die Totgeweihten zum Beispiel Mobiltelefone ablehnen, weil von ihnen Strahlung ausgehen könnte, ist mehr als nur einen Lacher wert.

    FAZIT: Der schmale Roman hat mir sehr gut gefallen. Einziges Manko: Er ist so kurz. Man ist sehr schnell drin in Baba Dunjas Welt, schließt Freundschaften und schon ist alles vorbei. Ich hätte gern mehr erfahren. Über Baba Dunjas Sohn zum Beispiel, der viel zu kurz kommt. Oder ihre Enkelin. Und auch Hahn Konstantin hätte am Ende noch einen Auftritt verdient. Potential hatte das Panoptikum jede Menge; schade, dass nach der letzten Seite so vieles im Dunkeln bleibt. Vier Sterne mit ganz doll viel Zucker oben drauf!

    *** Diese und viele weitere Rezensionen könnt Ihr in meinem Blog Bookster HRO nachlesen. Ich freue mich über Euren Besuch ***

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    Jennifer081991s avatar
    Jennifer081991vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein berührendes Buch, unglaublich ruhig und eindrucksvoll geschildert! Eine starke Frau, die sich im Leben treu geblieben ist.
    Ein verlassenes Dorf in Tschernowo

    Russland. Tschernowo nach einem Reaktorunfall. Das gesamte Umland ist verstrahlt. Wer jung ist, wer Kinder plant, wer noch eine Zukunft im Leben hat, der ist bereits seit langem fort. Nur die Alten sind zurückgekommen. Sie haben nichts mehr zu verlieren und sie haben keinen anderen Ort im Leben. Hier leben sie ein Leben fernab der Zivilisation. Ohne Telefon und Internet, ohne gute Versorgung. Der Bus in die nächste Stadt hält Kilometer vor Tschernowo, doch viele Lebensmittel brauchen sie nicht von außerhalb. Wenn der eigene Körper verstrahlt ist, was machen dann schon kontaminierte Lebensmittel? Und so ziehen sie das meiste, was sie zum Leben brauchen, im Garten an. Die Natur erobert sich derweil langsam den ausgestorbenen Ort zurück.

    Doch was passiert, wenn die Welt da draußen mit der Unziviliation kollidiert? Welche Auswirkungen haben Zivilisation und die verstrahlte Gegend aufeinander?

    Baba Dunja war die erste, die zurückkam. Sie ist diejenige, die das Dorf zusammenhält, die Lebenswillen schenkt und praktische Lebenshilfe gewehrt. Ihre Tochter ging nach Deutschland, ihre beiden inzwischen erwachsenen Enkelkinder hat sie nie gesehen – Baba Dunja verlässt Tschernowo nicht und die Tochter könnte sie mit den Kindern nicht besuchen. Und nun ist Baba Dunja diejenige, an der die Zukunft Tschernowos hängt…

    Baba Dunjas letzte Liebe

    Ich hatte Baba Dunjas letzte Liebe ziemlich lange im Schrank stehen. Das lag vor allem daran, dass ich Lebenserinnerungen in der Regel nicht viel abgewinnen kann. Dieses kleine, feine Büchlein hat mich jedoch schnell eines Besseren belehrt. Als mir bei meinem Freund der Lesestoff ausging, habe ich mir seine Ausgabe geschnappt (lustiger Zufall eigentlich) und einfach mal angefangen. Bereits mit den ersten Seiten hat mich Baba Dunja so in ihren Bann gezogen, dass ich kaum aufhören konnte. Auf eine ruhige und dennoch glaubwürdige Art erzählt Bronsky hier von einem russischen Großmütterchen, die sich nach einer verheerenden Katastrophe ihre Heimat zurückerobert hat. In Tschernowo ticken die Uhren anders: Kein Telefon, kein Internet, kein Kontakt zur Außenwelt. Die Gemeinschaft der Alten lebt nicht miteinander, aber eben auch nicht gegeneinander. Jeder kümmert sich um seins, man lässt die anderen in Frieden. Aber natürlich kann solch ein Ort – inmitten der Zivilisation und dennoch irgendwie zeitlos – nicht lange von seiner Außenwelt unbeeinflusst bleiben.

    Der größte Teil des Romans entwickelt sich über den Dialog Baba Dunjas mit sich selbst und dem Leser, erst etwa im letzten Drittel bekommt das Buch eine Dringlichkeit. So vorhersehbar einige Entwicklungen sind, so ruhig und authentisch werden sie geschildert. Baba Dunja prägt die Erzählung durch ihre Art einfach sehr. Sie ist mit sich im Reinen und das fand ich unglaublich sympatisch an ihr! Dennoch hat mich gerade das Ende sowohl gerührt als auch hoffnungsvoll wie traurig gestimmt – irgendwie kam alles zusammen. Insgesamt einfach eine wunderbare kurze Erzählung!

    Fazit

    Ein berührendes Buch, unglaublich ruhig und eindrucksvoll geschildert! Eine starke Frau, die sich im Leben treu geblieben ist

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    blaues-herzblatts avatar
    blaues-herzblattvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Eine wunderbare Art und Weise undramatisch und schmucklos über Menschen und das Leben zu lesen-Poesiereich und malerisch
    Lieblingsbuchalarm

    Dieses Buch habe ich in Berlin, bei einer Tour durch die kleinen Buchläden im lauschigen Prenzlauer Berg von der Buchverkäuferin empfohlen bekommen. Ich habe ihr gesagt das ich Masha Kaléko liebe und sie hat mir dieses Buch wärmstens ans Herz gelegt.
    Ich fand die geringe Seitenanzahl für den stressigen Alltag genau richtig und die Story einer Tschernowo-Rückkehrerin einen interessanten Ausbruch aus den alltäglichen Themen.
    Die Geschichte fängt mitten im Leben von Baba Dunja an und fährt mit Worten eine Geschichte nach, die manch anderer auf dramatische Art und Weise mit Selbstmitleid untermauert hätte. Alina Bronsky hat einen weitaus bewegenderen Weg gefunden, Baba Dunja nimmt ihr Schicksal ohne Murren an und nur zwischen den Zeilen scheinen Gefühle durch.
    Desweiteren hat Baba Dunja eine faszinierende Art, die Menschen in ihrem Umfeld, durch wenige klare Worte in ihrer ganzen Tiefe zu beschreiben!!!
    Ein Buch das ich jedem Leser, der gerne auch mal über ein zwei Seiten ins Grübeln, Schmunzeln und Erinnern kommt ans Herz legen. :)

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    A
    Angel10vor einem Jahr
    Baba Dunjas letzte Liebe

    - sehr sympathische, bodenständige Protagonistin kehrt in die Todeszone (Tschernobyl) zurück, um dort ihren Lebensabend zu verbringen
    - bald folgen ihr einige andere alte Menschen
    - Baba Dunja wurde im Leben nicht immer verwöhnt, hat trotzdem ihr großes Herz behalten und ihren Optimismus

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    abas avatar

    Weihnachtszeit ist Buchschenkzeit!

    Kennt ihr das auch? Auf einmal sind die Regale der Supermärkte voll mit Lebkuchen, Stollen und Zimtsternen. Plötzlich sind die Straßen in der Stadt hell erleuchtet und wie durch ein Wunder steht der Weihnachtsmarkt da. Mal wieder ist die Zeit ganz schnell vergangen, Weihnachten steht plötzlich vor der Tür und man hat noch nicht alle Geschenke besorgt!

    Wir von LovelyBooks möchten dazu beitragen, dass die Vorbereitungen auf das schönste Fest des Jahres noch schöner und entspannter werden. Deshalb verlosen wir während der ganzen Vorweihnachtszeit Buchgeschenke für deine Freunde oder Familienmitglieder!

    Und so kannst du mitmachen:
    Sag uns bis zum 13.12.2015, wem du das zu verlosende Buch schenken möchtest und warum dieser Mensch genau dieses Buch bekommen muss. Du bist dabei, Indem du dich einfach über den blauen "Jetzt-bewerben"-Button bewirbst und uns deine Geschichte erzählst.
    Gib im Adressfeld bitte unbedingt die Adresse der Person an, die beschenkt werden soll und nicht deine eigene.

    Sollten wir deinen Beitrag auslosen, schicken wir ein schön verpacktes Weihnachtsgeschenk mit dem Buch, süßen Leckereien, kleinen Überraschungen und einer Grußbotschaft in deinem Namen auf den Weg zu deinem Wunsch-Beschenkten.

    Zusammen mit KiWi verlosen wir 5 Exemplare von "Baba Dunjas letzte Liebe", dem neuesten Roman der Bestsellerautorin Alina Bronsky.

    Zum Inhalt
    Alina Bronsky lässt in ihrem neuen Roman eine untergegangene Welt wieder auferstehen. Komisch, klug und herzzerreißend erzählt sie die Geschichte eines Dorfes, das es nicht mehr geben soll – und einer außergewöhnlichen Frau, die im hohen Alter ihr selbstbestimmtes Paradies findet. Baba Dunja ist eine Tschernobyl-Heimkehrerin. Wo der Rest der Welt nach dem Reaktorunglück die tickenden Geigerzähler und die strahlenden Waldfrüchte fürchtet, baut sich die ehemalige Krankenschwester mit Gleichgesinnten ein neues Leben im Niemandsland auf. Wasser gibt es aus dem Brunnen, Elektrizität an guten Tagen und Gemüse aus dem eigenen Garten. Die Vögel rufen so laut wie nirgends sonst, die Spinnen weben verrückte Netze, und manchmal kommt ein Toter auf einen Plausch vorbei. Während der sterbenskranke Petrov in der Hängematte Liebesgedichte liest und die Melkerin Marja mit dem fast hundertjährigen Sidorow anbandelt, schreibt Baba Dunja Briefe an ihre Tochter Irina, die Chirurgin bei der deutschen Bundeswehr ist. Doch dann kommt ein Fremder ins Dorf – und die Gemeinschaft steht erneut vor der Auflösung. Auf kleinem Raum gelingt Alina Bronsky voller Kraft und Poesie, voller Herz und Witz eine märchenhafte und zugleich fesselnd gegenwärtige Geschichte.
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    "Ich habe nicht einmal als kleines Mädchen daran geglaubt, dass man sich in die Wolken kuscheln kann wie in eine Daunendecke. Ich habe geglaubt, dass man sie essen kann wie Zuckerwatte."

    Wer Alina Bronsky vermisst hat, hat jetzt Grund zur Freude. Am 17.08. erscheint ihr neuer Roman!
    Baba Dunja ist schon über 80, aber noch lange nicht alt. Sie hat sich vorgenommen, ihre frühere Heimat, eine nach einem Reaktorunglück totgesagte Landschaft, zum Blühen zu bringen. Baba Dunja ist die ganz besondere und außergewöhnliche Heldin von Alina Bronskys neuestem Roman "Baba Dunjas letzte Liebe". Mit Baba Dunja ist Alina Bronsky wieder ein starker Charakter gelungen, den ihr im Rahmen einer Leserunde kennenlernen dürft.
    Möchtet ihr zusammen mit Baba Dunja lachen und euch auch von ihr berühren lassen?

    Zum Inhalt
    Alina Bronsky lässt in ihrem neuen Roman eine untergegangene Welt wieder auferstehen. Komisch, klug und herzzerreißend erzählt sie die Geschichte eines Dorfes, das es nicht mehr geben soll – und einer außergewöhnlichen Frau, die im hohen Alter ihr selbstbestimmtes Paradies findet.
    Baba Dunja ist eine Tschernobyl-Heimkehrerin. Wo der Rest der Welt nach dem Reaktorunglück die tickenden Geigerzähler und die strahlenden Waldfrüchte fürchtet, baut sich die ehemalige Krankenschwester mit Gleichgesinnten ein neues Leben im Niemandsland auf. Wasser gibt es aus dem Brunnen, Elektrizität an guten Tagen und Gemüse aus dem eigenen Garten. Die Vögel rufen so laut wie nirgends sonst, die Spinnen weben verrückte Netze, und manchmal kommt ein Toter auf einen Plausch vorbei. Während der sterbenskranke Petrov in der Hängematte Liebesgedichte liest und die Melkerin Marja mit dem fast hundertjährigen Sidorow anbandelt, schreibt Baba Dunja Briefe an ihre Tochter Irina, die Chirurgin bei der deutschen Bundeswehr ist. Doch dann kommt ein Fremder ins Dorf – und die Gemeinschaft steht erneut vor der Auflösung. Auf kleinem Raum gelingt Alina Bronsky voller Kraft und Poesie, voller Herz und Witz eine märchenhafte und zugleich fesselnd gegenwärtige Geschichte.


    Leseprobe

    Zur Autorin
    Alina Bronsky, geboren 1978 in Jekaterinburg/Russland, lebt seit Anfang der 90er-Jahre in Deutschland. Ihr Debütroman "Scherbenpark" wurde zum Bestseller, ist inzwischen beliebte Lektüre im Deutschunterricht und wurde fürs Kino verfilmt. Es folgten die Romane "Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche" und "Nenn mich einfach Superheld". Die Rechte an Alina Bronskys Romanen wurden in 15 Länder verkauft. Sie lebt in Berlin.

    Zusammen mit dem KiWi Verlag vergeben wir 15 Exemplare von "Baba Dunjas letzte Liebe" an diejenigen Leser, die sich von Baba Dunja überraschen lassen möchten. Bis zum 19.08. könnt ihr euch über den blauen "Jetzt bewerben"-Button bewerben*. Beantwortet im Rahmen eurer Bewerbung bitte die folgende Frage:

    Baba Dunja ist über 80 und noch kein bisschen alt!
    Welches ist eurer Meinung nach das Geheimnis eines langen und aktiven Lebens?


    Auf eure Antworten bin ich schon sehr gespannt!

    Ich wünsche euch viel Glück!

    * Im Gewinnfall verpflichtet ihr euch zur zeitnahen und aktiven Teilnahme am Austausch in allen Leseabschnitten der Leserunde innerhalb von 4 Wochen sowie zum Schreiben einer Rezension, nachdem ihr das Buch gelesen habt. Bestenfalls solltet ihr vor eurer Bewerbung für eine Leserunde schon mindestens eine Rezension auf LovelyBooks veröffentlicht haben.
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