Alina Herbing

 3.8 Sterne bei 40 Bewertungen
Alina Herbing

Lebenslauf von Alina Herbing

Alina Herbing, geboren 1984 in Lübeck, wuchs in Mecklenburg auf und lebt heute in Berlin. Sie studierte Germanistik und Geschichte in Greifswald sowie Literarisches Schreiben in Hildesheim. 2012 war sie Teilnehmerin des »open mike« und 2013 des Klagenfurter Literaturkurses. Niemand ist bei den Kälbern ist ihr erster Roman.

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Niemand ist bei den Kälbern

Niemand ist bei den Kälbern

 (40)
Erschienen am 09.03.2018

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Mrs_Nanny_Oggs avatar

Rezension zu "Niemand ist bei den Kälbern" von Alina Herbing

Jugend ohne Hoffnung
Mrs_Nanny_Oggvor 4 Monaten

Ich habe dieses Buch in einem Zug durchgelesen. Oft haben mich die Bilder, die dabei in meinem Kopf entstanden sind, erschüttert, trotzdem musste ich immer weiterlesen, Seite für Seite umblättern, obwohl ich ebenso wenig wie Christin, die Protagonistin von Alina Herbings Roman, wusste, wohin es noch gehen kann, wenn nicht ins absolute Aus.
Durch die Ich-Perspektive lernt man Christins Sicht auf ihre Welt in der mecklenburg-vorpommerischen Provinz sehr gut kennen. Der Vater ein hoffnungsloser Säufer, die Mutter schon lange weg. Das Dorfleben trübe und langweilig, man pendelt zwischen Sauferei auf dem Seefest und Knutscherei an der Bushaltestelle hin und her, immer mit dem Kirsch unter dem Beifahrersitz.
Christin ist erst vor kurzem auf den Bauernhof ihres Freundes Jan gezogen, obwohl es sie ziemlich vor Bakterien und Schmutz ekelt. Jans Vater Frank erkennt in ihr nicht die Bäuerin, die er sich für seinen Sohn wünscht. Jan bedeutet der Bauernhof alles, auch wenn er wegen sinkender Milchpreise kurz vor dem Konkurs steht. Christin träumt sich zusammen mit ihrer Freundin Caro weg, weit weg in die große Stadt, Hamburg oder Lübeck. Aber wie, nur mit einer abgebrochenen Lehre als Frisörin und kaum einem Cent auf dem Konto? Da bleiben für sie doch nur noch die Männer, auch wenn sie verheiratet sind oder zu den Glatzen gehören und mehrmals im Knast waren, immerhin legt sie großen Wert auf ihr Äußeres. Doch der einzige Prinz, der treu an ihrer Seite liegt, ist der Schäferhund vom Bauernhof - bezeichnend, dass sie ihn am Schluss mit Rattengift füttern wird.
Der Roman ist eindringlich und schonungslos geschrieben. Nichts wird beschönigt, es wird meiner Meinung auch nicht gejammert, sondern lediglich beschrieben, wie es dort eben aussieht, in der Provinz von Mecklenburg-Vorpommern: Hoffnungslos, ohne Perspektive und leider auch ohne ordentliche Bildung. Dieser Roman klärt auf, öffnet die Augen für das, was mitten in Deutschland passiert. Wir schauen zu gerne weg. Alina Herbing lässt das nicht zu. Lesen!

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Rezension zu "Niemand ist bei den Kälbern" von Alina Herbing

Anti-Landidylle
Buchstabenliebhaberinvor 2 Jahren

 Auf den Dörfern wird gesoffen. Und Freundschaften sind oft einfach Zwecksgemeinschaften, aus der Not geboren. Weil kein anderer da ist. Da tut man sich halt mit jemand zusammen, der nicht der Traummann ist. Träume haben die Leute trotzdem. Auch wenn die Schuldbildung eine Katastrophe ist und die Geldbeschaffung öfter als einmal den legalen Rahmen sprengt, der Vater ein Säufer und die Mutter abgehauen ist.

Sie träumen vom sauberen Großstadtleben, von schicken Klamotten und Traummännern. So geht es auch Christin und Caro. In ihrem Dorf in Mecklenburg-Vorpommern, wo Krisenstimmung herrscht, wo die Milchpreise im Keller und andere Jobs rar, die Männer kahlgeschoren und nicht zimperlich sind. Wobei, zimperlich sind die Frauen auch nicht, alle sind derbe und abgestumpft, das Lügen und Betrügen an der Tagesordnung.

Christin ist nicht die hellste Kerze auf der Torte, aber mit Make-up kennt sie sich aus. Ihr Körper ihr Instrument, ihre Möglichkeit, für etwas Aufregung im Leben zu sorgen. Windradmann Klaus nimmt mit, was ihm geboten wird, selbst sadistische Anwandlungen erträgt Christin, in der Hoffnung, dass er ihr ein neues Leben bieten könnte. Kann und will er aber gar nicht. Caro war da schlauer, sie schafft den Absprung, zumindest vorerst.

Aber raffiniert sind sie, wie sie sich hinterher spionieren und kontrollieren - das Handy als Allzweckwaffe, in dem falsche Namen gespeichert und SMS so schnell gelöscht werden, wie sie verschickt wurden ... Niemand ist bei den Kälbern, hier kann heimlich telefoniert werden.

Aline Herbing ist ein tolles Erstlingswerk gelungen, eine atmosphärisch dichte Anti-Idylle voller überzeugender Charaktere. Landleben ist hartes Pflaster, die Kühe sind gnadenlos überzüchtet und brüllen vor Schmerz, wenn die vollen Euter fast am Boden schleifen. Jedes Kalb reines Kapital. Jeder Strohhalm wichtig. Jeder kennt jeden, jeder weiß was zu tun ist. Keine Zeit, lustig Marmelade einzukochen und Etiketten zu basteln.

Mir gefällt es auch deutlich besser als "Unterleuten", da hier auf eine ironische Überzeichnung verzichtet wird. Ja, es geht kalt und herzlos zu in Schattin, es wird nicht viel geredet in Beziehungen, es gibt wenig Ablenkung. Und eigentlich auch wenig Hoffnung auf Änderung. Wie auch. 


Unglaublich gut geschrieben, ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen.

Kommentare: 3
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Rezension zu "Niemand ist bei den Kälbern" von Alina Herbing

Hinterlässt bei mir leider einen seltsamen Nachgeschmack...
Die-weinvor 2 Jahren

Christin ist unzufrieden mit ihrer momentanen Lebenssituation und fühlt sich auch auf dem elterlichen Hof ihres Freundes Jan unwohl. Eigentlich träumte sie immer davon in einer großen Stadt zu leben, einem Bürojob nachzugehen und das Leben zu genießen. Stattdessen sitzt sie ohne abgeschlossene Ausbildung in der Einöde Mecklenburg-Vorpommerns fest und fühlt sich wie im Hamsterrad. Als sie den Windkrafttechniker Klaus kennenlernt, sieht sie darin einen Hoffnungsschimmer zur Flucht und es beginnt ein Versteckspiel aus Lügen und Geheimnissen.


Auf dieses Buch hatte ich mich richtig gefreut, da ich einerseits die Region etwas kenne und das ländliche Leben, aber auch irgendwie eine selbstbewusste junge Frau erwartete, die vielleicht doch noch Gefallen findet am Leben auf dem Bauernhof. Doch damit lag ich leider komplett verkehrt und so hinterließ diese Geschichte einen merkwürdigen Nachgeschmack bei mir. Desweiteren bin ich mehr als schockiert über einige Lesermeinungen und Berichte, in denen das hier dargestellte Frauenbild als typisch oder häufig vorkommend empfunden wird. Als wäre es charakterisierend für diese Region und für die Frauen, wie die hier dargestellte Christin, dort das Normalste der Welt.


Christin stammt aus schwierigen Verhältnissen, ihr Vater ist Alkoholiker und lebt als einer der letzten Mieter in einem Wohnblock, der modernisiert werden soll. Die Beziehung zu ihrem langjährigen Freund Jan ist mehr eine Zweckgemeinschaft und während dieser sich wünscht, den elterlichen Hof zu übernehmen und sich Nachwuchs wünscht, möchte Christin weg vom Dorf und sich nicht zweckmäßig kleiden, sondern schöne Kleider tragen und sich stylen. Jan ist schrecklich eifersüchtig und kontrolliert sie ständig, weshalb es auch immer wieder zum Streit kommt, da auch sein Vater wenig von seiner Freundin hält. Er sieht sein Erbe in Gefahr.


Über die restlichen Charaktere, wie zum Beispiel die junge Freundin von Jans Vater oder ihre beste Freundin, hätte ich gerne noch mehr erfahren, da sie mir etwas zu blass und charakterlos wirkten, obwohl sie im Leben von Christin doch eine größere Rolle spielen sollten. Allerdings konnte man so besser nachempfinden, wie einsam sich der Hauptcharakter fühlen muss und wie ausweglos ihr ihr Leben in dieser verlassenen Region erscheint. Ich fand sie bis zu einem gewissen Punkt sehr bemitleidenswert, doch dann kam die Szene mit der Brandwunde und sie freute sich darüber wie über eine Auszeichnung oder ein besonderes Andenken, und ich war einfach nur noch angewidert. Im Nachhinein zerbreche ich mir den Kopf, welche Optionen Christin gehabt hätte, da sie mir auch nicht dumm erschien, aber das ändert leider nichts mehr an meiner Meinung über diese Geschichte.


Die Sprache ist schonungslos und oftmals sehr derb, aber man hat aufgrund des bildhaften Schreibstils sofort eine Darstellung dieses Bauernhofs sowie seiner Umgebung vor Augen. Ich persönlich hätte mir jedoch etwas mehr Spannung gewünscht und vorallem ein anderes Ende des Ganzen.


Mein Fazit:


Für mich war dieses Buch leider ein recht enttäuschendes Leseerlebnis, denn trotz einiger guter Anfänge, konnten mich weder die Charaktere überzeugen, noch die Handlung insgesamt. Ich hatte mir aufgrund des vielversprechenden Klappentextes wesentlich mehr erhofft. Das Landleben hat auch viele schöne Seiten und bemerkenswerte Menschen zu bieten, die hier jedoch gänzlich fehlten.

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Stadt, Land, Flucht

Debüt-Leserunde mit Alina Herbing. Seid dabei und erfahrt mehr zu diesem aktuellen Thema des Romans "Niemand ist bei den Kälbern".
Unerschrocken und mit großer Wucht erzählt die Autorin vom Landleben, Zukunftsaussichten und einer vergessenen Region zwischen Ost und West.


Sommer in Schattin, Landkreis Nordwestmecklenburg. Christin ist gerade auf den Bauernhof ihres langjährigen Freundes Jan gezogen. Die Aufbruchstimmung der Nachwendejahre, die ihre Jugend prägten, ist längst dahin, doch für Jan ist der väterliche Betrieb trotz sinkender Milchpreise noch immer das Wichtigste im Leben. Christin hingegen will nur weg. Sie träumt von der Großstadt und einem Job im Büro. Aber wo soll sie hin ohne Ausbildung? Unüberwindbar scheinen die Grenzen, und so bleiben die immer gleichen Dorffeste, die immer gleichen Freunde, der arbeitslose Vater und der Kirsch aus dem Konsum. Bis Windkrafttechniker Klaus aus Hamburg auftaucht und Christin glaubt, einen Fluchtweg gefunden zu haben.

Leseprobe

Alina Herbing, geboren 1984 in Lübeck und aufgewachsen in Mecklenburg, studierte Germanistik und Geschichte in Greifswald, sowie anschließend Neuere deutschsprachige Literatur in Berlin und Kreatives Schreiben, Kulurjournalismus und Literarisches Schreiben in Hildesheim. 2012 war sie Teilnehmerin des "open mike", 2013 des Klagenfurter Literaturkurses. "Niemand ist bei den Kälbern" ist ihr erster Roman. Alina Herbing lebt in Berlin.

Wir suchen nun 20 Leser,  die gerne diesen Debüt-Roman gemeinsam in der Leserunde lesen möchten, Blogger dürfen sich gerne mit Blogadresse bewerben!

Bewerbungsaufgabe: Stadt oder Land - Wo ist dein Platz und warum?

Schaut auch gerne im aktuellen Programm vom Arche Verlag rein, vielleicht haben wir noch weitere schöne Lesehäppchen für Euch!

Wir freuen uns auf Eure Bewerbungen!

*** Wichtig ***

Ihr solltet Minimum 2-3 Rezensionen in Eurem Profil haben, damit ich sehen kann wie ihr Eure Rezensionen schreibt und wie aussagekräftig/aktuell sie sind. Der Erhalt eines Rezensionsexemplares ist verpflichtend für die Teilnahme an der Leserunde. Dazu gehört das zeitnahe Posten in den Leseabschnitten und das anschließende Rezensieren des Buches

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