Alissa Walser

 3.7 Sterne bei 70 Bewertungen
Autor von Am Anfang war die Nacht Musik, Immer ich und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Alissa Walser

Alissa Walser, ehemals auch unter dem Pseudonym Fanny Gold bekannt, ist eine deutsche Schriftstellerin und wurde am 24. Januar 1961 in Friedrichshafen als Tochter des Schriftstellers Martin Walser geboren. Sie ist verheiratet mit dem Schriftsteller Sascha Anderson und dem P.E.N.-Zentrum Deutschland angeschlossen. Sie arbeitet ebenfalls als Malerin und Übersetzerin. Malerei studierte sie dazu sowohl in Wien als auch in New York. Ihre Zeichnungen sind in vielen ihrer Werken ebenfalls zu sehen und sollen eine Gesamtwirkung entfalten, die durch das Zusammenspiel von Bild und Text entsteht. Ihre Geschichten drehen sich dabei oft um die Gefühle von Menschen untereinander und zu sich selbst. Ihre Werke wurden mehrfach ausgezeichnet, unter Anderem mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis 1992.

Alle Bücher von Alissa Walser

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Am Anfang war die Nacht Musik

Am Anfang war die Nacht Musik

 (50)
Erschienen am 01.04.2012
Dies ist nicht meine ganze Geschichte

Dies ist nicht meine ganze Geschichte

 (6)
Erschienen am 01.04.2010
Immer ich

Immer ich

 (6)
Erschienen am 18.06.2012
Die kleinere Hälfte der Welt

Die kleinere Hälfte der Welt

 (4)
Erschienen am 02.07.2001
Eindeutiger Versuch einer Verführung

Eindeutiger Versuch einer Verführung

 (1)
Erschienen am 20.02.2017
Von den Tieren im Notieren

Von den Tieren im Notieren

 (0)
Erschienen am 09.03.2015
Am Anfang war die Nacht Musik

Am Anfang war die Nacht Musik

 (3)
Erschienen am 01.01.2010

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Neue Rezensionen zu Alissa Walser

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Bibliomanias avatar

Rezension zu "Am Anfang war die Nacht Musik" von Alissa Walser

Am Anfang war die Nacht Musik
Bibliomaniavor 8 Monaten

Alissa Walser nimmt uns mit auf Eine Reise nach Wien 1777. Franz Anton Meßmer ist ein herausragender, sehr berühmter Arzt und Musikliebhaber. Ihm fällt die Aufgabe zu, an der sich schon viele andere Ärzte die Zähne ausgebissen haben, das blinde Wunderkind Maria Theresia Paradis wieder zu ihrem Augenlicht zu verhelfen. Sie ist Sängerin und Pianistin, ein Ausnahmetalent. Nur soll sie sehen können, um auf internationalen Bühnen auftreten zu können. Meßmer sieht die Heilung in seinem magnetischen Spital als große Chance endlich Anerkennung bei den akademischen Gesellschaften zu erkennen und beginnt mit der Therapie, die schon bald erste Zeichen der Besserung erkennen lassen.

Arzt und Patientin verbindet überdies die Hingabe zur Musik. So lernt der Leser nicht nur die magnetische Methode kennen, sondern überdies auch die Gepflogenheiten der höheren Wiener Gesellschaft, die Probleme, die eine enge Beziehung zwischen Patient und Arzt hervorriefen und eine Menge über Musik. Besonders klassische Werke, da Maria Theresia ja als Pianistin wahre Wunder vollbringt.
Schade, dass nicht so viel über die Methode selbst besprochen wird, da sie doch etwas skeptisch betrachtet werden muss. Vielleicht sogar nur einen Placebo-Effekt ausmacht, aber die Therapie aus behutsamem Reden, Handberührungen, und Zuhören, was gelegentlich auch an Psychiater erinnert, steht viel mehr im Vordergrund als die magnetische Methode.
Besonders interessant an der Geschichte ist vor allem ihr Wahrheitsgehalt. Alissa Walser hat einen Roman aus einer wahren Begebenheit heraus geschrieben. Mit diesem Hintergrund nimmt die Faszination meiner Meinung nach noch zu.
Auch die hübschen Zeichnungen einer Glasharmonika passen wunderbar ins Gesamtbild des Romans. Ich habe mich jedenfalls gut unterhalten gefühlt und vergebe 3,5 Sterne.

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derlorenzs avatar

Rezension zu "Dies ist nicht meine ganze Geschichte" von Alissa Walser

Mit der Kaltnadel radiert
derlorenzvor 4 Jahren

Alissa Walser will uns nicht Ihre Geschichte erzählen, schon gar die ganze. Und sie erzählt auch keine Geschichten, obwohl Ihr Buch in zehn Texte aufgeteilt ist. Mit einer feinen Nadel radiert Alis-sa Walser Prosa-Gedichte. Spröde, in der Gegenwartsform erstehen ihre Teile der Welt: die Perspektive einer studiert-gebildeten, attraktiven, haltlosen Städterin, die am liebsten daneben sitzt. Liest man genau, findet sich aber in fast jedem Satz jene ganze Geschichte, die uns Walser angeblich nicht verraten will.
In einem Kapitel versucht ein Freund wieder und wieder, jenen Zeitpunkt abzubilden, an dem das Leben schon vorbei ist und der Tod noch nicht eingetreten. Er will etwas malen, was es nicht gibt, stellt die Erzählerin fest. Doch die Erzählerin selbst - sie steht im Mittelpunkt aller Texte - zeichnet und fotografiert ohne Unterlaß. Sie hofft, den Augenblick mit sich forttragen zu können, sie versucht "das Schwierigste - eine Welle zu zeichnen". Es ist verständlich, wenn eilige Kritiker Walsers Erstling "ästhetisch anspruchslos" (FAZ) nennen. Die Schönheit und untergründige Spannung einer Kaltnadelradierung erschließen sich nicht umgehend.
Dem Buch ist anzumerken, daß Alissa Walser die Kunst der bildlichen Darstellung studierte. "Bilder sind Safeknacker", "jeder Strich Beschwörung", schreibt sie. Ihre Skizzen hat sie folgerichtig in die Handlung und auf den Seiten des wunderschön gestalteten Bandes eingefügt. Viele dieser Figuren sind Menschen, deformiert und ineinander verschlungen wie Siamesische Zwillinge. Vor solchen, unfreiwilligen Symbiosen fürchtet sich Alissa Walser, als wären sie Ihr heimliches Schicksal.
Im Abendland, das auf griechischer Mythologie fußt, fliehen die Helden gerne ihr Schicksal. Walsers Erzählerin tut es auch. Sie zieht sich bis in den Orient zurück, aber findet auch dort kein Exil. Überall steht in einer Ecke das Schicksal ("meine Reisetasche... Sie erinnert mich an mich selbst"). Ihr türkischer Geliebter, der ihr viele Male die Heirat antrug, freit eine andere. Auf der Hochzeit will der Bräutigam noch einmal stehend im Kühlraum verführt werden. Pflichtbewußt melkt ihn die Erzählerin. Das in der Hand zerfließende Sperma ist ihre Zuflucht. "Beim Hinausgehen mache ich eine Faust. In der Küche fällt es nicht weiter auf. Jedem tropft etwas aus der Hand."
Im Leben der Erzählerin drehte sich immer alles um die Liebe. ("Vielleicht habe ich mich so lange mit der Liebe beschäftigt, daß ich inzwischen nicht mehr weiß, worüber ich mit den Menschen sprechen soll.") Nur: die Furcht, an einer dauerhaften Bindung zugrunde zu gehen, verwandelt ihre Liebe in Gier. Sie gibt sich Unbekannten hin, verrät Geheimnisse und läßt sich vom Jungbrunnen fremder Samen erfrischen. Neurotische Leidenschaften sind der Generator von Walsers Heldin, und wenn der Generator neben ihr im Bett nichts mehr hergibt, ist das Leben flau.

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wandablues avatar

Rezension zu "Am Anfang war die Nacht Musik" von Alissa Walser

Perfektes Szenenbild aus dem Wien des 18. Jahrhunderts
wandabluevor 5 Jahren

Am „Anfang war die Nacht Musik“ spielt im Wien des 18. Jahrhunderts und erzählt von dem Arzt Mesmer und seiner Patientin Maria. Der Arzt spielt meisterhaft die Glasharmonika und experimentiert seit langem mit Magnetismus, dem animalischen Fluidum, das er mithilfe seiner Hände nutzt, um die Nerven seiner Patienten zur Ruhe zu bringen. Mesmer ringt verzweifelt um die Anerkennung seiner Kollegen, besonders um die des Kollegen Störck, der so gut mit Worten umzugehen und seine Methoden kristallklar auf Papier zu bringen weiss. Nimmt Mesmer deshalb die Herausforderung an, die hochmusikalische Maria Paradis in seine medizinische Obhut zu nehmen, die blinde Tochter des Hofsekretärs und Protegée der Kaiserin? Zu deren Ärger wird es immer schlimmer mit Maria, denn die unnatürlich vorquellenden Augen des jungen Mädchens rollen wie die einer Tollwütigen, so dass die Kaiserin sich ihrer Kunst nicht mehr bedienen kann ohne bei ihrem Anblick Abscheu zu empfinden. Oder ist es Mitleid, denn die ehrgeizigen Eltern drangsalieren Maria und haben sie jahrelang mitleidlos miss(-be)handeln lassen, so dass Messmer seufzend anmerkt, es sei an und für sich schon eine Kunst, dass die Patientin die Kuren ihrer Ärzte überlebte. Gelingt Messmer, woran die anderen scheiterten, den Sehnerv der Patientin mit seiner umstrittenen Methode wieder herzustellen? Die Kaiserin wartet schweigend zu Hofe, die Kollegen der Schulmedizin hämisch.

Ich bin sicher, dieses Buch wird nicht jedem gefallen. Es klingt in einer eigenen Sprache, die vergangene Epoche und deren Geisteshaltung nachahmend, musikalisch, auslassend, verhüllend, andeutend; jedoch nicht unlogisch, so wie auch die Musik nicht unlogisch ist, sondern einem strengen Konzept folgt. Man weiss nicht immer, was Realität ist und was Wunschdenken, üble Nachrede oder Geschehen, das erhöht den Reiz des Buches, es ist ein bisschen schwermütig und ein bisschen geheimnisvoll.

Dass Mesmer später nach Paris flieht, wovor?  Vor seiner Ehe, vor seinem Erfolg, vor seinem Misserfolg oder vor sich selber? ist ein weiterer poetischer Höhepunkt oder Tiefpunkt, ganz wie man es deutet.

Fazit: Dieses Buch hat mich nach und nach immer mehr in die erzählte Epoche und in seine Musikalität hinein gezogen als ob ich die selben Kleider trüge und genau so röche wie das Küchenmädchen Kaline und genau so viel Musik und Magnetismus in mir flösse wie in den Protagonisten.

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