Alissa Walser Dies ist nicht meine ganze Geschichte

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Inhaltsangabe zu „Dies ist nicht meine ganze Geschichte“ von Alissa Walser

Eine junge Frau steht in allen Geschichten im Mittelpunkt. Sie trifft sich heimlich mit ihrem Geliebten im Hotel. Sie arbeitet als Fotomodell. Sie kauft sich einen Liebhaber. Sie lernt am Flughafen den schönsten Mann ihres Lebens kennen und erzählt ihm ihre Phantasien. Sie verschwindet mit ihrem Geliebten von dessen Hochzeitsfeier. Alissa Walser erzählt von ebenso heftigen wie flüchtigen Liebesbegegnungen, denen die Melancholie der Vergeblichkeit anhaftet.

Dem Buch ist anzumerken, daß Alissa Walser die Kunst der bildlichen Darstellung studierte. Ihr "Bilder sind Safeknacker", sehr poetisch.

— derlorenz
derlorenz

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  • Mit der Kaltnadel radiert

    Dies ist nicht meine ganze Geschichte
    derlorenz

    derlorenz

    23. November 2014 um 13:30

    Alissa Walser will uns nicht Ihre Geschichte erzählen, schon gar die ganze. Und sie erzählt auch keine Geschichten, obwohl Ihr Buch in zehn Texte aufgeteilt ist. Mit einer feinen Nadel radiert Alis-sa Walser Prosa-Gedichte. Spröde, in der Gegenwartsform erstehen ihre Teile der Welt: die Perspektive einer studiert-gebildeten, attraktiven, haltlosen Städterin, die am liebsten daneben sitzt. Liest man genau, findet sich aber in fast jedem Satz jene ganze Geschichte, die uns Walser angeblich nicht verraten will. In einem Kapitel versucht ein Freund wieder und wieder, jenen Zeitpunkt abzubilden, an dem das Leben schon vorbei ist und der Tod noch nicht eingetreten. Er will etwas malen, was es nicht gibt, stellt die Erzählerin fest. Doch die Erzählerin selbst - sie steht im Mittelpunkt aller Texte - zeichnet und fotografiert ohne Unterlaß. Sie hofft, den Augenblick mit sich forttragen zu können, sie versucht "das Schwierigste - eine Welle zu zeichnen". Es ist verständlich, wenn eilige Kritiker Walsers Erstling "ästhetisch anspruchslos" (FAZ) nennen. Die Schönheit und untergründige Spannung einer Kaltnadelradierung erschließen sich nicht umgehend. Dem Buch ist anzumerken, daß Alissa Walser die Kunst der bildlichen Darstellung studierte. "Bilder sind Safeknacker", "jeder Strich Beschwörung", schreibt sie. Ihre Skizzen hat sie folgerichtig in die Handlung und auf den Seiten des wunderschön gestalteten Bandes eingefügt. Viele dieser Figuren sind Menschen, deformiert und ineinander verschlungen wie Siamesische Zwillinge. Vor solchen, unfreiwilligen Symbiosen fürchtet sich Alissa Walser, als wären sie Ihr heimliches Schicksal. Im Abendland, das auf griechischer Mythologie fußt, fliehen die Helden gerne ihr Schicksal. Walsers Erzählerin tut es auch. Sie zieht sich bis in den Orient zurück, aber findet auch dort kein Exil. Überall steht in einer Ecke das Schicksal ("meine Reisetasche... Sie erinnert mich an mich selbst"). Ihr türkischer Geliebter, der ihr viele Male die Heirat antrug, freit eine andere. Auf der Hochzeit will der Bräutigam noch einmal stehend im Kühlraum verführt werden. Pflichtbewußt melkt ihn die Erzählerin. Das in der Hand zerfließende Sperma ist ihre Zuflucht. "Beim Hinausgehen mache ich eine Faust. In der Küche fällt es nicht weiter auf. Jedem tropft etwas aus der Hand." Im Leben der Erzählerin drehte sich immer alles um die Liebe. ("Vielleicht habe ich mich so lange mit der Liebe beschäftigt, daß ich inzwischen nicht mehr weiß, worüber ich mit den Menschen sprechen soll.") Nur: die Furcht, an einer dauerhaften Bindung zugrunde zu gehen, verwandelt ihre Liebe in Gier. Sie gibt sich Unbekannten hin, verrät Geheimnisse und läßt sich vom Jungbrunnen fremder Samen erfrischen. Neurotische Leidenschaften sind der Generator von Walsers Heldin, und wenn der Generator neben ihr im Bett nichts mehr hergibt, ist das Leben flau.

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