Alistair MacLeod

 4.1 Sterne bei 16 Bewertungen
Autor von Land der Bäume, Die Insel und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Alistair MacLeod

Alistair MacLeodLand der Bäume
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Land der Bäume
Land der Bäume
 (10)
Erschienen am 01.07.2002
Alistair MacLeodDie Insel
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Die Insel
Die Insel
 (4)
Erschienen am 01.12.2005
Alistair MacLeodEntdecker
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Entdecker
Entdecker
 (0)
Erschienen am 01.09.2011
Alistair MacLeodAs Birds Bring Forth the Sun and Other Stories
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As Birds Bring Forth the Sun and Other Stories
Alistair MacLeodNo Great Mischief
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No Great Mischief
No Great Mischief
 (1)
Erschienen am 25.01.2001

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Rezension zu "As Birds Bring Forth the Sun and Other Stories" von Alistair MacLeod

Erzählungen von Cape Breton Island
Saralondevor 2 Jahren

Auf Cape Breton Island in der kanadischen Provinz Novia Scotia leben vorwiegend Nachfahren schottischer Auswanderer, die während der Highland Clearances aus dem schottischen Hochland vertrieben wurden. Dieses Erbe prägte die Kultur der Insel entscheidend, man sprach lange noch Gälisch, was sich heute vor allem noch in der reichen Musiktradition widerspiegelt. Der 2014 leider verstorbene Autor Alistair MacLeod, der auf Cape Breton Island aufwuchs, lässt die Traditionen und die Lebensweise der Insel in seinen Werken aufleben.

Es kommt nicht häufig vor, dass ich gleich auf der allerersten Seite eines Buches zum Bleistift greife, um schöne Sätze zu unterstreichen. Dieses Buch ist so eines. Die Naturbeschreibungen von Alistair MacLeod kommen mit einer Wucht, einer unbändigen Kraft, die nahezu atemberaubend ist. Etwa die Beschreibung der Forellen in den fast ausgetrockneten Flüssen im Sommer:

„They are very unlike the leaping, spirited trout of spring, battling and alive in the rushing, clear, cold water; so electrically filled with movement that it seems no parasite could ever lodge within their flesh.“ (Seite 7)

Die kraftvolle Sprache ist jedoch keinesfalls auf Naturbeobachtungen beschränkt, sie tritt überall in Erscheinung, zieht sich durch das ganze Buch:

„The music causes the hair to bristle on the backs of our necks and brings out the wildness of our grief and dredges the depths of our dense dark sorrow.“ (Seite 14)

Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt eine so eindrückliche Sprache genießen durfte. Thematisch beschäftigen sich die sieben Kurzgeschichten mit dem einfachen Leben auf der Insel, das durch Naturgewalten und den Kreislauf der Jahreszeiten geprägt ist, sowie den Traditionen, die weit in die Vergangenheit in Schottland zurückreichen. Die Geschichten sind dabei vor allem durch zwei zentrale Aspekte gekennzeichnet: Naturgewalten und Sterblichkeit bzw. Tod, letzterer auch im übertragenen Sinne bezogen auf das Aussterben der Traditionen, begleitet von einer wunderbaren Melancholie, die nie wehleidig wirkt, sondern nur bedauernd zur Kenntnis nimmt, dass die Zeiten sich ändern.

In der sprachlich besonders eindrucksvollen ersten Geschichte, „The Closing Down of Summer“, geht es beispielsweise um die Männer, die in der traditionellen Bergbauindustrie der Insel arbeiten und jederzeit mit Tod oder zumindest Verletzungen rechnen müssen, ein Fakt, der die Mentalität der Familien prägt:

„Yet we are not surprised or critical of each other, for she too is from a mining family and grew up largely on funds sent home by an absentee father. Perhaps we are but becoming our previous generation.“ (Seite 18)

Doch auch diese Tradition stirbt aus, auch weil die Väter nicht anders können, als ihren Söhnen von einer solchen Karriere abzuraten:

„And yet because it seems they will follow our advice instead of our lives, we will experience, in any future that is ours, only an increased sense of anguished isolation and an ironic feeling of confused bereavement.“ (Seite 23)

Die Kurzgeschichten von Alistair MacLeod sind ein wunderschönes sprachliches Juwel, das ich euch wärmstens ans Herz legen möchte. Noch nie hat ein Werk dieses Genres mich so beeindruckt zurückgelassen.

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dzaushangs avatar

Rezension zu "Die Insel" von Alistair MacLeod

Rezension zu "Die Insel" von Alistair MacLeod
dzaushangvor 9 Jahren

Alistair MacLeods Erzählband „Die Insel“ siedelt die einzelnen Geschichten in Nova Scotia, genauer rund um das Cape Breton an. Geschichten von aus Schottland vor langer Zeit nach Kanada ausgewanderten Menschen. Ihr Geschick und ihre Geschichten lernen wir in diesem Band kennen und somit sind dies Geschichten aus einer zum Teil längst vergangenen Welt, lebendig gehalten durch die mündliche Tradition über Generationen hinweg.
Es sind Geschichten aus einer rauen, unwirtlichen Welt mit ebensolchen Menschen. Geschichten von kurzen, arbeitsreichen Sommern und langen, harten, an Entbehrungen reichen Wintern.
Es sind Geschichten in denen es zumeist darum geht das Überleben, die Existenz zu sichern. Sei es auf dem stürmischen Meer als Fischer, sei es unter Tage, in alten, verrotteten, lebensgefährlichen Bergwerken. Und das alles, damit die Familie, mit nicht selten mehr als sechs, sieben Kindern durchgebracht werden kann. Notfalls gehen die Männer und Väter im Winter auch fort, für Monate, in die fernen Städte, um dort für einen Hungerlohn zu schuften. Oder es zieht die Jüngeren von ihnen gleich ganz hinaus in die weite Welt, in die Minen nach Afrika oder Russland.
Es sind Geschichten von heiligen Traditionen, Familientraditionen die stark machen und den Einzelnen zugleich einengen, die Luft zum selbstständigen Atmen nehmen. Die aufzubrechen kaum jemand einmal wagt. Wer es tut, wer nicht mehr Fischer wie Vater, Großvater, Urgroßvater werden mag, oder Farmer, oder Bergmann, wer sein Glück lieber in der fernen Stadt sucht, wer lernen, studieren, nach einem besseren, leichteren Auskommen für sich und seine Lieben Ausschau halten möchte, der droht gleichzeitig zu einer Art „Aussätziger“ der eigenen Großfamilie zu werden, wird zum Verräter an jenen Sinn stiftenden Traditionen. Dennoch wird er nicht lassen können von seiner Heimat, weder vom Land, noch von seinen Leuten. Immer wieder zieht es ihn hin zum Ursprung, wie es den Lachs alljährlich in seine Laichgewässer zieht.
MacLeods Erzählungen sind atmosphärisch äußerst dicht, sehr langsam, sehr genau im Detail. Oft nehmen die Gedanken, die Innenwelten, die inneren Kämpfe der Protagonisten breiten erzählerischen Raum ein.
An anderen Stellen wird auf das wunderbarste und ausführlichste, Detail verliebt eine Landschaft mit all ihrer Flora und Fauna beschrieben, so, dass der Leser sich mitten drin fühlt, jeden Schritt behutsam mitgeht, jede Drehung des Kopfes mit vollzieht um neues, aufregendes Geschehen wahrzunehmen. Den Duft der Blumen und den Tau im Gras, mit allen Sinnen erlebt der Leser solche Passagen.
Und nicht zuletzt geht es MacLeod um die Träume dieser Menschen. Spuren vom Glück, von Geborgenheit, von Heimat, von Freundschaft zwischen Menschen und Tieren, vom Sinn des Lebens und des Sterbens, ziehen sich wie ein roter Faden durch alle Geschichten. Die harte, fast menschenunwürdige Arbeit, der tägliche Kampf um die Existenz steht diesem Sehnen immer wieder gegenüber.
Sechzehn Erzählungen umfasst der Band, geschrieben und chronologisch so angeordnet in den Jahren von 1968 bis 1999. Wunderbare, ja magische Erzählungen, die nur darauf warten entdeckt zu werden.

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