Yumi and the Nightmare Painter ist ein im Kosmeer spielender Fantasyroman von Brandon Sanderson.
Nikaro oder Maler, wie er sich selbst nennt, ist ein Albtraummaler. Er lebt in der modernen, asiatisch wirkenden Stadt Kilahito, die von einer rauchartigen Dunkelheit, dem Schleier, umgeben ist. Aus dem Schleier kommen Albträume, Wesen, die sich von den Gedanken und Emotionen der Menschen ernähren. Sie werden von Albtraummalern gebannt, da sie sonst irgendwann Menschen töten würden.
Yumi ist eine Yoki-Hijo und lebt in einer ebenfalls asiatisch wirkenden, mittelalterlichen Welt mit einer großen rotorangen Sonne. Ihre Aufgabe ist es, mit ihren Dienerinnen und ihrer Wächterin von Stadt zu Stadt zu ziehen, um dort Geister zu beschwören. Diese verwandeln sich auf Yumis Bitte in verschiedene von den Stadtbewohnern benötigte Gegenstände. Eines Abends wendet sich jedoch einer der Geister mit der Bitte um Hilfe an sie, denn die Geister haben ein Problem. Sie stimmt zu und so nimmt das Schicksal seinen Lauf.
Von nun an erwachen sie und Maler jeden Morgen zusammen abwechselnd in jeder der beiden Welten, während sie versuchen herauszufinden, wie sie den Geistern helfen können. Dafür müssen sie sich gegenseitig ihre Fähigkeiten beibringen, lernen dabei einander sowie die Welt des jeweils anderen kennen und kommen schließlich auch zu Erkenntnissen über sich selbst.
Als ich gelesen habe, dass dieser Roman von Sanderson romantische Fantasy sein soll und er ihn für seine Frau geschrieben hat, die ihn wohl oft ermutigt, mehr Romantik in seine Romane einzubauen, war ich skeptisch, ob er etwas für mich wäre, da ich Romantasy eigentlich gar nicht ausstehen kann. Da Yumi and the Nightmare Painter aber wie gesagt im Kosmeer spielt, das ich mag, habe ich mich letztlich doch dazu durchgerungen, es mal zu versuchen.
Ich war positiv überrascht (wobei ich von Sanderson eigentlich auch nichts anderes erwartet habe). Die Entwicklung der Beziehung von Yumi und Maler steht nicht übermäßig im Mittelpunkt, sondern bildet mit ihrer Suche nach einer Lösung für das Problem der Geister und der Lösung ihrer auch vorhandenen persönlichen Probleme eine angenehme Balance. Wer nach solchen Sachen wie schnulzigem Geschmachte, Herzschmerz und Liebesdreiecken sucht, ist hier definitiv falsch.
Die beiden Hauptcharaktere entwickeln nur recht langsam Zuneigung füreinander und brauchen ziemlich lange, um selbst zu erkennen, dass sie sich zu Liebe gewandelt hat. Außerdem verbringen sie aufgrund der Umstände die meiste Zeit miteinander. Es gibt daher von vornherein nicht viel Grund und Gelegenheit für Geschmachte, Herzschmerz und Liebesdreiecke. Oh, und wer erotische Szenen oder gar Sex erwartet, wird hier auch nicht wirklich fündig (auch wenn es manchmal zwischen Maler und Yumi auf andere Weise knistert).
Action gibt es allerdings auch nicht viel und auch keine Kämpfe im klassischen Sinn. Die Spannung kommt hauptsächlich durch die Enthüllungen und überraschenden Wendungen, von denen mich vor allem eine der letzten eiskalt erwischt hat. Sie steigt anfangs nur langsam, später wird die Handlung aber immer spannender und ist schließlich wirklich fesselnd.
Der Schreibstil ist flüssig und angenehm und die Beschreibungen oft bildhaft, so dass ich mir alles gut vorstellen konnte. Vor allem die beiden Hauptcharaktere sind gut ausgearbeitet und machen im Lauf der Handlung eine deutliche Entwicklung durch. Man erhält einen guten Einblick in ihre Gedanken- und Gefühlswelt, so dass ich meist ihre Handlungsweise gut nachvollziehen konnte. Es gibt auch einige emotionale Szenen.
Der auktoriale Erzähler, ein gewisser renommierter, interdimensionaler Geschichtenerzähler, durchbricht regelmäßig die vierte Wand und richtet Bemerkungen an die Leser, die mich oft zum Schmunzeln gebracht haben. Hin und wieder philosophiert er auch über Themen wie das Wesen der Kunst. Auch die exzentrische Betreiberin des Nudelrestaurants in Kilahito, das Maler und Yumi während der Handlung einige Male besuchen, sagt oft Dinge, die mich schmunzeln ließen.
Es gibt im Lauf der Handlung diverse Anspielungen auf andere im Kosmeer spielende Geschichten von Sanderson, vor allem auf Elantris, Sturmklänge und die Sturmlicht-Chroniken einschließlich der Novellen. Die Anspielungen sind zwar unwichtig für das Verständnis der Ereignisse in diesem Roman. Sie werden aber vermutlich bei Lesern, die keine anderen Kosmeer-Geschichten kennen, oft Fragezeichen im Kopf auftauchen lassen. Daher würde ich empfehlen, zuerst zumindest die genannten zu lesen.
Da ich gerade Fragezeichen erwähne, die Erklärung der Hintergründe der Geschehnisse in Yumi and the Nightmare Painter nach ihrer Enthüllung hat bei mir erst mal welche verursacht. Glücklicherweise fasst der Erzähler aber nochmal alles zusammen, so dass auch Leute, die wie ich auf dem Schlauch stehen, alles verstehen können. Auf mich wirkt das wie eine nachträgliche Einfügung von Sanderson, also ging es vielleicht manchen seiner Testleser und Lektoren wie mir.
Die Gestaltung des Titelbildes finde ich ansprechend und passt gut zum Inhalt. Auch das Innere ist künstlerisch schön gestaltet. Auf den vorderen und hinteren Vorsatzblättern ist je ein schwarz-weißes Bild, eins zeigt Bambus vor einer großen Sonne und das andere zeigt Yumi auf einem Ast in einem Baum sitzend. Auch ansonsten gibt es einige ein- oder zweiseitige Bilder, die Szenen aus der Handlung zeigen.
Ein paar davon sind fast ausschließlich schwarz-weiß, die meisten bestehen aber vor allem aus Blau- und Purpurtönen und sind stimmungsvoll. Die Farben Blau und Purpur werden auch allgemein viel für die Gestaltung genutzt. Beispielsweise sieht der erste Buchstabe jedes Kapitels nach Kalligraphie aus und ist im Fall der Kapitel aus Yumis Sicht immer purpur, während er bei Kapiteln aus der Sicht von Maler immer blau ist.
Nach einem Verzeichnis aller Illustrationen, einem Inahltsverzeichnis und einer Danksagung folgt die in vier große Abschnitte und zwei Epiloge unterteilte Handlung. Danach kommt noch ein Nachwort, in dem man auch erfährt, was Sanderson zu diesem Roman inspiriert hat. Das Verzeichnis der Illustrationen würde ich aber nicht nutzen, um sie mir schon vor dem Lesen anzusehen, da man so gespoilert werden könnte.
Insgesamt hat mir Yumi and the Nightmare Painter gut gefallen und ich empfehle es vor allem allen, die Sandersons andere Kosmeer-Geschichten mögen und gegen ein klein wenig mehr Romantik als sonst üblich nichts einzuwenden haben.