Allard Schröder Der Hydrograf

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Inhaltsangabe zu „Der Hydrograf“ von Allard Schröder

Hamburg, 1913: Ein junger Hydrograf schifft sich auf der Posen mit Ziel Valparaíso ein, vorgeblich, um das Verhalten der Wellen zu erforschen. Eigentlich jedoch befindet er sich auf der Flucht vor einem geordneten, aber uninspirierten Leben und einer arrangierten Ehe. Als in Lissabon eine schöne und rätselhafte Tänzerin an Bord kommt, rücken die wissenschaftlichen Interessen des Meeresforschers endgültig in den Hintergrund. Wie würde sein Leben aussehen, könnte er es an der Seite einer solchen Frau verbringen? Doch der Hydrograf ist nicht der einzige Passagier, der sich für die Tänzerin interessiert, und sie ist nicht das, was sie auf den ersten Blick zu sein scheint. In seinem preisgekrönten Roman zeichnet Allard Schröder das sensible
Bild einer zerrissenen Persönlichkeit, deren Lebensweg vorherbestimmt scheint, bevor sie sich in der abgeschotteten Welt eines Schiffs auf hoher See endlich der Vision eines anderen Daseins hinzugeben wagt.

Eine unterhaltsame Geschichte ohne große Emotionen oder packende Story

— lesestunden

Merkwürdig.

— SnoopyinJuly

Parabelhafter Roman voller Sprachgewalt und vielschichtiger Symbolik

— RosaEmma

Langsame und sprachlich sehr eindrucksvoll geschriebene Geschichte eines Ziellosen

— krimielse

Eine poetische Geschichte, die trotz wunderschöner Sprache leider keinen bleibenden Eindruck bei mir hinterlässt.

— miro76

ein Mann der auszog um sich selbst zu finden, Sprachlich herausragend.

— Gwenliest

Ein faszinierender Stil, aber die Geschichte konnte mich leider nicht richtig fesseln.

— TanyBee

Ein faszinierendes Buch, dass es dem Leser nicht leicht macht.

— Bibliomarie

Es ist ein dünnes Büchlein, das aber voller Poesie und Nachdenklichkeit steckt, mit einer wundervollen Sprache

— Buchraettin

Eine Geschichte in leisen Tönen erzählt, mit einem Hauch Poesie

— Arietta

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  • Eine unterhaltsame Geschichte ohne große Emotionen oder packende Story

    Der Hydrograf

    lesestunden

    13. February 2017 um 20:27

    Insgesamt habe ich die Geschichte als unterhaltsam empfunden, wurde aber vom Buch nicht mitgerissen oder begeistert. Dazu ist Franz ein zu farbloser Mensch und auch die anderen Passagiere sind einem nicht wirklich sympathisch. Nennenswerte Spannung hat die Geschichte ebenfalls nicht. Die Darstellung des Meeres und den Bezug, den Schröder immer wieder zu Franz Innenleben herstellt, ist hingegen sehr gut gelungen. Die Stärke von diesem Roman liegt in der Charakterisierung eines durchschnittlichen Menschen, die sich durchaus echt anfühlt und mit dem geschilderten Lebensweg, Gedanken und Gefühlen sehr gut eine Persönlichkeit portraitiert. Als kurzweilige Zwischenlektüre zur Zerstreuung ist das Buch durchaus empfehlenswert, große Gefühle, Emotionen oder eine packende Liebesgeschichte erwarten hier den Leser allerdings nicht. Ausführliche Rezension:  http://www.lesestunden.de/2017/02/der-hydrograf-allard-schroeder/

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  • Langsame Geschichte eines Ziellosen

    Der Hydrograf

    krimielse

    30. December 2016 um 13:02

    Was bleibt von einem mittelmäßigen Leben? Schönschrift eines unbekannten Beamten im Melderegister, ein paar Geräte, mit denen Nachkommen nichts anfangen können - doch die Geschichte holt den Protagonisten Karsch aus dem Chor heraus und macht ihn zum Solisten. Mit der Langsamkeit, fast Langweiligkeit einer zunächst ereignislosen und ziellosen Reise wird der Leser in einen Lebensabschnitt des pommerschen Adligen Franz Karsch im Vorjahr des Ersten Weltkrieges geführt. Klappentext: Hamburg, 1913: Ein junger Hydrograf schifft sich auf der Posen mit Ziel Valparaíso ein, vorgeblich, um das Verhalten der Wellen zu erforschen. Eigentlich jedoch befindet er sich auf der Flucht vor einem geordneten, aber uninspirierten Leben und einer arrangierten Ehe. Als in Lissabon eine schöne und rätselhafte Tänzerin an Bord kommt, rücken die wissenschaftlichen Interessen des Meeresforschers endgültig in den Hintergrund. Wie würde sein Leben aussehen, könnte er es an der Seite einer solchen Frau verbringen? Doch der Hydrograf ist nicht der einzige Passagier, der sich für die Tänzerin interessiert, und sie ist nicht das, was sie auf den ersten Blick zu sein scheint. In seinem preisgekrönten Roman zeichnet Allard Schröder das sensible Bild einer zerrissenen Persönlichkeit, deren Lebensweg vorherbestimmt scheint, bevor sie sich in der abgeschotteten Welt eines Schiffs auf hoher See endlich der Vision eines anderen Daseins hinzugeben wagt. Die Geschichte ist sehr langsam erzählt, in poetischer, fast altertümlicher Sprache. Das Tempo passt sich an das Meer an, so scheint es - bei ruhiger See verläuft der Fortgang der Ereignisse sehr gemächlich, mit vielen sinnierenden Blicken zurück. Das Leben des Protagonisten Franz Karsch-Kürschwitz, fast ereignislos wie die Reise, auf der er sich befindet, plätschert am Leser vorbei. Franz hat sich ohne Ziel eingeschifft, betreibt anfangs noch Forschungen zu Wellenbewegung und Seegang, doch im Laufe der Reise versinkt er in eine wissenschaftliche Flaute, genau wie das Meer immer mehr Stille, Windstille und der Bewegungslosigkeit transportiert. Wie durch ein trübes Fenster bekommt man als Leser kurze Rückblenden in das frühere Leben von Franz, ohne dabei wirklich involviert zu werden. Das Auftauchen der schönen und rätselhaften Asta Maris an Bord stiftet Unruhe unter den gegensätzlichen Passagieren. Karsch als Symbol für den dünkelhaften Adel Anfang des 20.Jahrhunderts erscheint unfähig, sich seiner Mittelmäßigkeit, die auf mich nicht angenehm melancholisch, sondern eher unangenehm depressiv und selbstzerstörerisch wirkt, entziehen zu können. Er zieht sich gerne auf bekanntes und sicheres Terrain zurück, will zwar flüchten, wird jedoch, je weiter er von Deutschland weg ist, immer deutscher und ist genauso gefangen wie in der Heimat. Der aufstrebende Industrielle und Bürgerliche Moser verkörpert für mich das Bild des neue Machers, mit allen positiven und negativen Eigenschaften. Mit seiner Rassentheorie, der wohlüberlegten Zuchtauslese für Sippe, Stamm und Rasse nimmt er die schlimme Zukunft vorweg. Durch seinen Tatendrang und dem Ruf nach Entscheidungen durch die Mehrheit hebt er sich deutlich vom Dünkel und Standesdenken Karschs ab. Todtleben, der Intellektuelle und Zyniker wird ausgebootet. "Moser hatte eine glühende Zukunftsvision, in der er und seinesgleichen das Sagen haben würden, Todtleben suchte den Tod und dadurch umso mehr das Leben, Karsch suchte gar nichts." (Seite 144) Der Autor benutzt seine Figuren als Platzhalter. Moser als der neue Unternehmer, Todtleben als der Intellektuelle, Karsch als Adel. Alle werden ihres Flairs beraubt und zurecht gestutzt. Jede Klasse wird sozusagen degradiert. Auch das Frauenbild entspricht der damaligen Zeit: Heilige oder Hure. Ich habe die Lektüre um die aus der Zeit gefallene Figur Franz Karsch sehr genossen, die kunstvolle und althergebrachte Sprache, die Langsamkeit, mit der sich die Geschichte entwickelt hat, und das für mich sehr passende Ende einer tragischen Figur, die unfähig ist, sich gegen ihren Untergang zur Wehr zu setzen oder aus ihrer Rolle auszubrechen.

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    • 2
  • Über den Ozean

    Der Hydrograf

    Milagro

    22. November 2016 um 15:52

    Eine merkwürdige Geschichte, im wahrsten Sinne des Wortes. Merkwürdig, denkwürdig.Ich habe das Buch schon vor einigen Tagen gelesen und die Geschichte schwirrt immer noch in meinen Gedanken herum. Ich dachte, es wäre beruhigend, eine langsam dahinplätschernde Erzählung zu lesen. Ich irrte mich. Diese Geschichte um den adeligen, reichen Hydrografen, der sich Anfang des 20. Jahrhunderts auf ein Schiff in Richtung Südamerika absetzt, auf der Flucht vor Verantwortung, Langeweile und möglicherweise auch seiner Angst vor den gesellschaftlichen Ansprüchen, beruhigt nicht, sie beunruhigt den Geist vielmehr.  Ein kleines Kammerspiel bietet sich dem Leser, der sich selbst zunächst ein wenig in der ruhigen, entspannten Szene an Bord verliert. Drei Männer, die sich beäugen, mit sich selbst beschäftigt und ihrem selbst auferlegten Protokoll folgend, lullen einen fast ein wenig ein, da ist dieses Dahinplätschern. Es gibt einige Gespräche, zwischen dem Adligen, einem Lehrer und einem Geschäftsmann werden dabei aber eher die gesellschaftlichen Unterschiede deutlich.  Sicherlich ergeben sich auch einige Ungereimtheiten, aber doch ist das Leben an Bord ruhig,  alles bleibt unaufgeregt. Das Bild wandelt sich, als eine Frau an Bord kommt. Interessant alleine schon dadurch, dass sie eben eine Frau ist. Interessant aber auch, weil sie geheimnisvoll ist. Eine Tänzerin oder Schauspielerin, das Gepäck voller Aufkleber aus den unterschiedlichsten Ländern. Sie bringt das Gefüge durcheinander, sie führt Gespräche mit den anderen Personen, steht vielleicht nur dort , neben einem der Mitreisenden. Es brechen plötzlich Eifersucht und Misstrauen auf. Die Männer beäugen sich, versuchen dabei, der Frau ihr Geheimnis zu entreißen. Die Geschichte verlangt nach einem Leser, der sich einlassen will auf eine Vergangenheit, die mit wundervollen Bildern beschrieben wird, mit dem Geschmack des Ozeans und den Abenteuern Südamerikas. Dann vergisst man das Erzählte auch bestimmt nicht mehr.

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    • 5
  • Allard Schröder - Der Hydrograf

    Der Hydrograf

    miss_mesmerized

    15. November 2016 um 19:53

    Hamburg 1913. Graf Franz von Karsch begibt sich mit Ziel Valparaíso auf die „Posen“. Das Meer ist sein Leben, als Hydrograf studiert er seine Bewegungen und kennt jede Welle, die es produzieren kann. Schon früh hat ihm das Wasser sein Leben zurückgegeben und Trost gespendet. Nun ist er auf der Flucht vor dem bürgerlichen Leben und er nutzt seine Forschung geschickt als Ausrede. Er begibt sich an die Arbeit, denn auf dem Schiff ist auch nur wenig Abwechslung zu haben. Seine Mitreisenden, alles voran der besserwisserische Moser und der Lehrer Todtleben, gehen ihm auf die Nerven mit ihren Geschichten. Beim Zwischenstopp in Lissabon steigt ein weiterer Gast zu. Gerüchte rangen sich um die Person, von der man nur weiß, dass sie „M“ auf ihrem Koffer stehen hat. Als sich Asta Maris zum ersten Mal zeigt, ist ihr die Aufmerksamkeit der Männer sicher. Aber was hat es mit dieser ominösen Schönen auf sich? Und was haben die anderen Reisenden zu verbergen?Gibt es etwas Schöneres als wenn einem ein Buch völlig überraschen kann? Vorm Zug dachte ich, dass mich weder das Studium der Meere noch der Zeitpunkt der Handlung besonders ansprechend würde. Eher gelangweilt habe ich dann doch das Buch aufgeschlagen und mit Erstaunen festgestellt, was der Roman zu bieten hat. Die Entwicklung des Grafen, der mehr und mehr sein Dasein und seine Werte in Frage stellen muss, der konfrontiert wird mit seiner doch eher wenig inspirierenden Existenz und seiner Lebensleistung – eine spannende Angelegenheit. Insbesondere gegen Ende, wenn er Entscheidungen über seine Zukunft treffen muss. Der Protagonist trägt leichtfüßig durch den Roman, weder ermüdet er den Leser mit seinen wissenschaftlichen Untersuchungen, noch verrennen sich seine Gedanken in sich selbst. Er wird beschrieben mit folgenden Worten, die die Dramatik seines Daseins an diesem Punkt seines Lebens prägnant zusammenfassen:»Ich bin nichts … aber davon abgesehen trage ich alle Träume der Welt in mir.« Der erste Teil traf vielleicht auf ihn selbst zu, der zweite nicht, und das machte ihm zu schaffen.Die anderen Passagiere haben auch ihre Geschichten, die sich – ganz klassisch dem Genre angemessen – erst nach und nach enthüllen und völlig verschieden gelagert sind. Das Schiff als Mikrokosmos der Gesellschaft ist ein alter Topos, der hier neu und überzeugend erweckt wird. Man nimmt Allard Schröder das Jahr 1913 ab, auch wenn ich mit mehr politischer Sicht auf die Welt kurz vor dem ersten Weltkrieg gerechnet hatte. Ein in sich runder Roman, der glaubwürdig eine längst vergangene Welt schildert, deren Regeln heute glücklicherweise nicht mehr gelten – die Sorgend er Menschen jedoch haben sich auch hundert Jahre später nicht wesentlich verändert. 

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  • Zarte und langsame Erzählung über das Meer und das Leben.

    Der Hydrograf

    MarjaLethe

    04. November 2016 um 13:43

    Allard Schröder erzählt uns in seinem Roman "Der Hydrograf" vom Leben des jungen Hydrografen Franz von Karsch-Kurwitz, der sich vor seinem Alltag auf die Posen flüchtet, um dort seiner Arbeit als Hydrograf nachzugehen. Bisher habe ich diese Thematik noch nie in einem Roman verfolgen können; besonders zu Beginn des Romans lernt man einiges über die Arbeit eines Hydrografen, die auf eine einfach, aber trotzdem sehr anschauliche Weise beschrieben wird. Dabei steht aber weniger das Technische im Vordergrund als die symbolische Bedeutung dieser Arbeit - vor allem in Bezug auf das Leben des jungen Mannes. "Die Menschheit war hier nicht mehr Herrscher, nicht mehr die Krone der Schöpfung, ohne Machtehrgeiz irrte sie hier umher, unfähig, diese immer weiter fortwuchernde Welt ihrem Willen zu unterwerfen." (S. 76) Mit der Besatzung der Posen lernen wir verschiedene Charaktere kennen, die sich dem jungen Hydrografen mehr oder weniger stark annähern - und auf verschiedene Arten. Auf dem Schiff scheint es keine Zeit zu geben, wir erfahren nur grob, wie viel Zeit vergeht; es entsteht ein eigenes kleines Universum, das nur denen gehört, die sich auf der Posen befinden. Was zunächst wie ein maritimer Roman über die Arbeit und das Leben auf einem Schiff erscheint, wird schnell zu einem philosophischen Roman über den Wert des Lebens und die Fragen danach, wie man eigentlich lebt, wie man Beziehung aufbaut und hält und vor allem danach, was am Ende bleibt. "Hier, in diesen Breiten, hatte er zum ersten Mal erkannt, was er im naturwissenschaftlichen Sinn eigentlich war: eine zufällige winzige Wucherung auf der Erdkruste, Moos, Schimmel, Blattlaus, Brüllaffe - in jedem Fall nichts Notwendiges." (S. 77)Allard Schröder (und Übersetzer Andreas Gressmann) überzeugt mit einer zarten, einfühlsamen Sprache, die an keiner Stelle zu aufgesetzt wirkt."Sein Leben hatte oft einer Flucht geglichen. Nicht vor etwas, sondern zu etwas. Er suchte ein Refugium, ein Asyl, einen stillen, weiblich duftenden Ort, an dem sich alles in seiner regungslosen Herrlichkeit zeigte." (S. 26)Selten habe ich mir in einem Roman, der nicht allzu viele Seiten hat, so viele Stellen markiert; ich habe langsam gelesen und mich zu den Figuren auf die Posen geträumt. An einen Ort, der mir ein neues Universum eröffnet hat, einen anderen Blick auf das Leben und seine vielen Nichtigkeiten, aber auch auf das Wundersame, das Besondere im Leben. Und vor allem hat es dieser Roman geschafft, meine bereits vorhandene Liebe zum Meer noch um einiges zu steigern. Danke.

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  • Reise ins Unbekannte

    Der Hydrograf

    RosaEmma

    26. October 2016 um 16:16

    Dem niederländischen Schriftsteller Allard Schröder ist mit seinem Buch Der Hydrograf ein ganz außergewöhnliches Werk gelungen, das mit seiner Sprachgewalt und vielschichtigen Symbolik beeindruckt. Ganz langsam entfaltet dieser leise Roman seine Wirkung und gewährt unerwartete und oftmals verstörende Einblicke in die existentiellen Tiefen und Abgründe seiner Protagonisten, deren ganze Komplexität am Ende sichtbar wird. Die Hauptfigur dieser ausgefallenen Geschichte, die im Jahre 1913 spielt, ist der Meeresforscher und Physiker Graf Franz von Karsch-Kurwitz, der als Privatdozent am Ozeanographischen Institut in Hamburg arbeitet. Ohne seine Familie und Freunde zu informieren, schifft er eines Tages auf dem Viermaster Posen in Richtung Valparaíso/Chile mit keinem bestimmten Ziel ein. Die Selbstlüge, die er sich im Hinblick auf den Zweck dieser Reise auftischt, ist, dass er wissenschaftliche Beobachtungen durchführen und diesbezügliche Daten zusammenstellen will. Doch schnell muss er sich eingestehen, dass dies nur ein vorgeschobener Grund ist, denn in Wahrheit flüchtet der junge Forscher vor seinem in Monotonie erstarrten und pflichtbeherrschten Leben, das an ihm vorbeizieht, während er nur ein teilnahmsloser Zuschauer ist. Darüber hinaus ist auch seine arrangierte Ehe mit Agnes Saënz, eine junge Frau, für die er nicht das Geringste empfindet, eine weitere triftige Veranlassung, um sein bisheriges Leben hinter sich zu lassen.  Flucht ohne Ziel Doch schon zu Beginn der Reise wird Franz klar, dass er all seine wissenschaftlichen Untersuchungen nur halbherzig macht, weil seine Arbeit für ihn sinnlos geworden ist. Das Meer, das als Hydrograf eigentlich sein Element sein müsste, hat ebenfalls keine große Bedeutung mehr für ihn. Und so verbringt er seine Tage an Bord zwischen Lebensüberdruss, Selbstekel und unerträglicher Langeweile, wovon auch seine Mitreisenden ihn nicht ablenken können. Im Gegenteil: Der aus Triest stammende Salpeterhändler Amilcar Moser, der auf einer Geschäftsreise nach Chile ist und sich selbst als Mann der Tatsachen beschreibt, geht Franz mit seinem ständigen „Die-Zeiten-werden-sich-bald-zu-meinen-Gunsten-ändern“ Gerede gehörig auf die Nerven. Insgeheim bewundert Franz allerdings die Einstellung des Bonvivants, der sein Leben und die Frauen zu genießen vermag. Auch mit dem Lehrer Dr. Ernst Todtleben, der auf dem Weg zu seinem neuen Job am Deutschen Gymnasium in Santiago de Chile ist, kann Franz nicht viel anfangen. Die hochtrabenden philosophischen Ausführungen von Todtleben sind ihm ein Gräuel – dies resultiert allerdings aus einem tiefsitzenden Minderwertigkeitskomplex, denn Franz hält sich in jeder Hinsicht für mittelmäßig und wenig talentiert. Gefährliche Begegnung Und so plätschert die Reise für Franz ziel- und ereignislos dahin, bis in Lissabon die schöne und geheimnisvolle Tänzerin Asta Maris an Bord kommt, die alle drei Männer in ihren Bann zieht. Sie bringt die Gefühlswelt des beherrschten, stets auf Kontrolle bedachten Franz völlig ins Wanken: Eifersüchtig muss er zusehen, wie sie sich mit dem offenbar recht biederen Todtleben anfreundet. Doch als letzterer nach einem Landgang mit der attraktiven Blondine nicht mehr zurückkehrt und später schwer verletzt aufgefunden wird, kommen Franz erste Zweifel an der undurchsichtigen Dame. Aber er kann sich trotz allem ihrer Faszination nicht lange entziehen. Bald muss er jedoch feststellen, dass nichts so ist, wie es scheint und dass jeder ein düsteres Geheimnis hütet, welches auf keinen Fall ans Licht kommen darf. Dies trifft jedoch nicht nur auf Asta Maris und Todtleben zu, sondern auch auf Franz, dem schließlich keine andere Wahl mehr bleibt, als sich den Dämonen seiner Vergangenheit zu stellen… Parabelhafter Roman mit vielschichtiger Symbolik In seinem parabelhaften und symbolträchtigen Roman Der Hydrograf erzählt Allard Schröder die Geschichte eines jungen Wissenschaftlers, der angesichts einer für ihn unerträglichen Stagnation in seinem Leben die Flucht nach vorne antritt und sich auf eine Reise ins Unbekannte begibt. Diese Reise, die als existentielle Wiederbelebung angedacht war, wird jedoch zu einem beängstigenden Trip in sein Innerstes, die ihm, dem Verstandsdominierten, sehr viel abverlangt. Zur Verdeutlichung dieser Seelenexpedition bedient sich Allard Schröder zweier Archetypen – Schiff und Meer. Das Schiff bzw. die Reise als Symbol für das Streben nach Veränderung und Neuanfang ist hier sehr passend gewählt. Dies gilt in gleicher Weise für das Meer, das als Symbol für das Unterbewusste steht.1 In dieser Geschichte fungiert es als Spiegel des Gemütszustandes der ambivalenten Protagonisten: Aufbrausend wie ihre emotionalen Achterbahnfahrten und still wie ihre Lebensflauten, die sie nicht zu überwinden vermögen. Diese Einblicke, die uns Schröder in die Abgründe der menschlichen Natur gewährt, sind verstörend. Sein unvergleichlicher Erzählstil und seine sprachliche Brillanz machen den Roman zu einer ganz besonderen Lektüre. Daher mein Fazit: Sehr empfehlenswert!

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  • Stilvolles Buch - wie aus einer anderen Zeit

    Der Hydrograf

    Corsicana

    25. October 2016 um 17:19

    Flandern und die Niederlande sind Gastland der Frankfurter Buchmesse 2016 - und so passt es, dass das bereits 2002 in den Niederlanden erschienene Buch jetzt auch in Deutschland erschien.Wenn man das Buch liest, hat man den Eindruck, dass das Buch viel älter ist. Die Geschichte spielt Anfang des letzten Jahrhunderts - und Sprache und Stil sind dieser Zeit angepasst. Protagonist ist ein Adeliger, Franz von Karsch-Kurwitz, der als Hydrograph arbeitet so langsam in das Alter kommt, in dem er Heiraten und eine Familie gründen soll. Und überhaupt soll er die Pflichten erfüllen, die sich aufgrund seiner adligen Herkunft ergeben. Aber Franz flieht - auf ein Schiff nach Lateinamerika. Vordergründig, um seinen Forschungen nachzugehen - aber eigentlich, weil er vor der arrangierten Ehe mit einer langweiligen Frau fliehen will. Und er will auf der Reise viel nachdenken - über das Leben und seine Stellung in der Welt. Aber Franz verliert sich in seinen Gedanken, erst recht, als in Lissabon eine allein reisende Dame als Passagierin dazukommt. Diese wird nicht nur von Franz begehrt, sondern auch von seinen beiden Mitreisenden, einem Lehrer und einem Geschäftsmann. Und so verliert sich Franz in Gedankenspielen, vernachlässigt seine Studien und gerät in eine Art fiktives Konkurrenzdenken mit seinen Mireisenden - was durchaus als Parallele zur gesellschaftlichen Situation Anfang des letzten Jahrhunderts interpretiert werden kann.Im Endeffekt handelt Franz dann doch seiner adligen Klasse entsprechend: Saftlos, kraftlos und ohne die letzte Konsequenz, ein rein intellektuelles Aufbegehren, das Franz vollends zu einer tragischen Gestalt werden lässt.Begeisternd an diesem Buch war für mich daher auch weniger die Geschichte als die Sprache. Seltsam altertümlich, mit Stil und guten Beschreibungen, z.B. vom Meer, die die Geschichte mit tragen. Ein Buch, das nachwirkt, auch wenn mir die Hauptperson fremd blieb. Ich habe das Buch im Rahmen einer Leserunde gelesen und es gab einen regen Austausch und ich schaue dort immer noch gerne nach, weil mich das Buch beschäftigt, Ein schmales Buch in einem ganz besonderen Stil, der zur beschriebenen Zeit und zur Geschichte passt.

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  • eine Reise in ein neues Leben

    Der Hydrograf

    miro76

    „Im Leben des Franz von Karsch-Kurwitz hat sich dem Anschein nach wenig ereignet, was heute, sechsundfünfzig Jahre nach seinem Tod, vielleicht noch erwähnenswert sein könnte. Seine Hinterlassenschaften haben ihn demnach nicht zu einer tragischen Figur gemacht, dafür hätte er im Übrigen auch kein Talent gehabt – auch als ironische Figur erscheint er nicht, weil er wie so viele seiner Zeit schon zu einer Stimme im Chor derer geworden war, die werde tragisch noch ironisch sind.“                                                               (S. 7 und 8) Und so gibt Allard Schröder dem Hydrographen Franz von Karsch-Kurwitz eine Stimme und lässt uns an dessen Leben Teil haben.Franz von Karsch-Kurwitz ist auf die gute Seite des Lebens gefallen. Als Edelmann steht es ihm frei, seinen Geist zu bilden und seine Zeit zu vergeuden. Einzig die arrangierte Ehe macht ihm Sorgen und so schifft er sich 1913 nach Valparaiso ein, um seine Forschungen zu betreiben.Doch diese Reise bringt ihm Erkenntnisse auf völlig anderem Gebiet. Er  ist gezwungen sich den großen Fragen um Sinn und Sein zu stellen, sein bisherigen Leben zu hinterfragen und über eine alternative Zukunft nachzudenken. Er kehrt zwar verwandelt, aber doch in sein altes Leben zurück. Und hier setzt auch meine Kritik an diesem Buch sein. Karsch-Kurwitz beschäftigt sich mit allerhand Gedanken und Erkenntnissen auf seiner Seereise, um schließlich dort zu landen, wovor er geflüchtet war, hätte er nicht erkennen müssen, dass er zu spät kommt. Seine „Wende“ im Leben – so es denn eine ist – kommt also nicht von ihm, sondern von den Umständen. Da stelle ich mir doch die Frage, was seine Überlegungen nun wirklich bewirkt haben. Für meinen Geschmack ist er ein zu träger Charakter. Er lebt sein Leben nicht, sein Leben lebt ihn. Trotzdem ist dieses Buch angenehm zu lesen. Der Autor schlägt einen sehr ruhigen Ton an, erzählt ihm Stil der alten Klassiker  und so fügt sich das Buch gut in die Zeit ein, in der es handelt. Die schöne Sprache hat mich am Ball gehalten, die Geschichte konnte mich leider nicht überzeugen. Der Handlungsverlauf ist etwas zu langsam und die Essenz fehlt mir auch irgendwie. Ich weiß, dass dieses Buch leider keinen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen wird. Daher kann ich es nur bedingt empfehlen.

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    • 3
  • Leserunde zu "Der Hydrograf" von Allard Schröder

    Der Hydrograf

    Mare_Verlag

    Liebe Lovelybooks-Leserinnen und Leser,die Niederlande und Flandern sind Ehrengäste der diesjährigen Frankfurter Buchmesse und auch wir bei mare haben im Herbst einen wunderbaren niederländischen Roman im Programm: Allard Schröders "Der Hydrograf" erscheint am 4. Oktober. Wir verlosen hier exklusiv 15 Vorab-Leseexemplare.Zum Buch: Hamburg, 1913: Ein junger Hydrograf schifft sich auf der Posen mit Ziel Valparaíso ein, vorgeblich, um das Verhalten der Wellen zu erforschen. Eigentlich jedoch befindet er sich auf der Flucht vor einem geordneten, aber uninspirierten Leben und einer arrangierten Ehe. Als in Lissabon eine rätselhafte Schönheit an Bord kommt, rücken die wissenschaftlichen Interessen des Meeresforschers endgültig in den Hintergrund. Wie würde sein Leben aussehen, könnte er es an der Seite einer solchen Frau verbringen? Doch der Hydrograf ist nicht der einzige Passagier, der sich für sie interessiert, und sie ist nicht das, was sie auf den ersten Blick zu sein scheint. In seinem preisgekrönten Roman zeichnet Allard Schröder das sensible Bild einer zerrissenen Persönlichkeit, deren Lebensweg vorherbestimmt scheint, bevor sie sich der abgeschotteten Welt eines Schiffs auf hoher See endlich der Vision eines anderen Daseins hinzugeben wagt.Hier geht's zur Leseprobe.Möchtest Du zu den 15 Vorlesern gehören?* Dann bewirb Dich und beantworte bis zum 25. September 2016 die folgende Frage:Die Reise des jungen Hydrografen Franz von Karsch-Kurwitz gleicht einer Flucht vor einer arrangierten Ehe und vorgezeichneten Zukunft, die ihm Zuhause bevorsteht. Unter welchen Umständen könntet Ihr Euch ein Ausbrechen aus eurem Alltag vorstellen?Wir warten gespannt auf Eure Antworten und freuen uns auf zahlreiche Bewerbungen!Euer mareverlag* Bedingung ist, dass Ihr euch zeitnah am Austausch in allen Leseabschnitten beteiligt und abschließend eine Rezension zum Buch schreibt.

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    • 291
  • Die Sprache siegt über die Handlung

    Der Hydrograf

    Gela_HK

    17. October 2016 um 14:05

    Das Jahr vor dem 1. Weltkrieg ist für den Hydrografen Graf Franz von Karsch-Kurwitz der Aufbruch in ein neues Leben. Auf der Flucht vor gesellschaftlichen Zwängen reist er per Schiff nach Valparaíso, um das Meer zu erforschen. Eine geheimnisvolle Schönheit kommt in Lissabon an Bord und verdreht nicht nur Karsch den Kopf. Vorgezeichnete Wege und Pflichtgefühl scheinen fern der Heimat ihren Wert zu verlieren.Gleich zu Beginn hat man das Gefühl, ein viel älteres Buch zu lesen. Der Schreibstil wirkt poetisch entrückt. Allard Schröder setzt auf die Sprache, die er spielerisch und gekonnt verwendet. Die Handlung und selbst die Charaktere werden zur Nebensächlichkeit. Eine Epoche, in der Zeit noch nicht so wertvoll war wie heute. An Karsch kann man erkennen, wie langsam er seine Tage vergehen lässt.Mit der Emotionslosigkeit von ihm hatte ich anfangs so meine Probleme. Leidenschaft scheint für diesen Mann ein Fremdwort zu sein. Für ihn gibt es nur Pflicht. Er sieht die Sinnlosigkeit allen Tuns (seines Standes) und kapituliert. Die Doppelmoral der damaligen Zeit wird sehr deutlich herausgearbeitet.      "Sein Leben war ihm oft wie eine Flucht erschienen. Nicht        vor etwas, sondern zu etwas. Er suchte ein Refugium, ein Asyl,        einen stillen, weiblich duftenden Ort, an dem sich alles in sei-       ner regungslosen Herrlichkeit zeigte. " Karsch wie seine Reisebegleiter, der Salpeterhändler Moser und der Lehrer Todtleben, stehen für die sozialen Stellungen. Kurz vor Ausbruch des 1. Weltkrieges befindet sich die Welt im Aufbruch. Adel, Unternehmer und Gelehrte müssen sich neu orientieren, dies wird erlebbar herausgearbeitet.Die geheimnisvolle Asta Maris lässt Karsch all seine Vorsätze hinterfragen und ihn für eine kurze Zeit frei von Zwängen an die Zukunft denken. Doch am Ende bleibt Karsch für mich eine tragische Figur, die zeitlebens keinen Platz in der Gesellschaft gefunden hat. Meine positive Bewertung liegt an der wundervoll eingesetzten Sprache, die über die Handlung gesiegt hat. Es ist schwer zu beschreiben, was den Reiz des Buches ausmacht, man muss es erleben.

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  • ja die Zwänge der Gesellschaft...

    Der Hydrograf

    Gwenliest

    13. October 2016 um 15:53

    Man hat es schon schwer als „Sohn“, kurz vor dem zweiten Weltkrieg wie jetzt auch … was für eine Bürde … man darf nicht das machen was man machen möchte, muss standesgemäß heiraten… naja was macht ein junger Mann der das nicht möchte… er flieht … so auch unser „Held“ wenn man ihn denn so nennen mag. Hamburg, 1913: Franz von Karsch-Kurwitz, ein junger Hydrograf schifft sich auf der Posen einem Frachtschiff mit nur wenigen Passagieren ein. Das Ziel ist Valparaíso. Sein Vorwand ist, er möchte das Verhalten der Wellen erforschen. In Lissabon steigt Asta Maras, eine mysteriöse hübsche Frau zu, die beizeiten tagelang ihre Kabine nicht verlässt und über deren Vergangenheit viel spekuliert wird. Auch die anderen Herren interessieren sich für die junge Frau. Franz, interessiert er sich wirklich für sie oder für das Leben das, dem seinen so völlig fremd ist, wäre ein Leben mit ihr überhaupt für ihn möglich? Mir hat der Hydrograf gut gefallen. Der Autor Allard Schröder hat die zerrissene Persönlichkeit von Franz sehr gut eingefangen und im Verlauf der Geschichte lernt man den jungen Mann auch durch Rückblenden immer besser kennen. Diese Erinnerungen, die Gespräche mit den anderen Passagieren und Asta lassen den jungen Mann sein Leben überdenken und verändern ihn. Vielleicht nicht so wie man es sich vorstellt und sicherlich nicht im Extrem, sondern eher leise und schleichend. Das Meer habe ich das Gefühl passt sich dem Spannungsbogen von Franz Erlebnissen auf dem Schiff und seiner Psyche sehr gut an, das hat der Autor wirklich gut hinbekommen. Es ist wie schon gesagt kein lautes Buch, es ist ein sehr ruhiges Buch, die Entwicklung spielt sich im inneren des Protagonisten ab. Von daher kann das Buch für den einen oder anderen eher langweilig wirken. Es erinnert auch wenn es jetzt erst erschienen ist an die Romane die zu der Zeit zu der Der Hydrograf spielt geschrieben wurden, Anfang des 20. Jhr. Das hat mich von Anfang an fasziniert, die wundervolle Sprache, die den Leser hier erwartet. Wie gesagt für mich definitv ein lesenswertes Buch. Auch wenn mich die letzten Seiten leider nicht ganz überzeugen konnten. Ein Stern Abzug, denn ich denke da geht noch was :D. Ich bin gespannt was von dem Autor noch so zu lesen sein wird.

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  • Ein besonderes Leseerlebnis

    Der Hydrograf

    TanyBee

    10. October 2016 um 11:46

    Es ist das Jahr 1913 und Franz von Karsch hat sich auf der „Posen“ mit Ziel Valparaiso eingeschifft. Er ist ein Hydrograf, d.h. er erforscht das Meer, die Wellen. Er hat kein Anliegen in Valparaiso, die Reise selbst ist das Ziel. Doch nach und nach erfahren wir, dass die Reise auch eine Art Flucht für ihn ist. Auf dem Schiff gibt es nur 3 Passagiere, später 4, und die Reisenden müssen eine lange Zeit miteinander verbringen, ohne Kontakt zur Außenwelt. Von Karsch verliebt sich in die einzige Frau an Bord: Asta Maris. Doch kann diese Verliebtheit eine Zukunft haben? Als ich das Buch begonnen habe, war ich sehr erstaunt über den Stil. Dieser kam mir so vor, als wäre der Roman tatsächlich zu der Zeit geschrieben worden, zu der er auch spielt. Ich habe mich extra noch einmal im Impressum vergewissert, dass es ein zeitgenössischer Roman ist, denn die Sprache trifft einfach perfekt den Zeitgeist von damals. Das führt allerdings auch dazu, dass man konzentriert lesen muss, sonst schweifen die Gedanken gerne mal ab. Der Roman spricht Themen an, die damals gerade aktuell waren: Die Besserstellung des Adels, arrangierte Ehen, Beziehungen, die nicht „standesgemäß“ sind. Das sind natürlich nicht unbedingt Themen, die heute hochaktuell sind. Ich weiß nicht, ob es daran lag, aber mich konnte das Buch leider nicht richtig packen.  Dabei möchte ich gar nicht sagen, dass ich das Buch als schlecht empfunden habe, die Sprache ist wirklich sehr schön und sehr elegant. Aber ich hatte nicht den Drang weiterzulesen, ich bin nicht tief in die Geschichte eingetaucht, ich habe nicht mit den Personen mitgefiebert. Das mag aber durchaus an mir als Leser liegen. Ich vergebe 3 Sterne, aber ich möchte nicht, dass diese abschreckend gewertet werden. Die drei Sterne beziehen sich nur auf mein persönliches Leseerlebnis und ich denke, dass das Buch auch begeisterte Leser finden wird, vor allem bei Leuten, die die Literatur dieser Zeit mögen.

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  • Der Hydrograf, das Meer und das Leben

    Der Hydrograf

    Petris

    10. October 2016 um 08:39

    Der erste Eindruck des Buches ist ein eleganter. Ein beinahe ganz schwarzes Cover, mit wenigen hellen Linien und Flächen entsteht darauf eine mit Öl auf Leinwand gemalte elegante Frau, gekleidet im Stil des frühen 20. Jahrhunderts. Ein Hut verbirgt ihre Augen, die Lippen sind rot geschminkt, ebenso die Fingernägel, um den Hals trägt sie eine dreireihige, lange Perlenkette.Damit sind wir schon beim Klappentext. Im Mittelpunkt steht der Hydrograf Franz von Karsch-Kurwitz, der sich auf der Posen einschifft, um nach Valparaíso zu fahren, vornehmlich, um das Meer zu erforschen, aber in Wirklichkeit auch auf der Flucht vor sich selbst. Mit an Board der Lehrer Todtleben und der Salpeterhändler Moser. Und natürlich dann, etwas später, die geheimnisvolle Frau, Asta Maris.Sie alle stehen für Figuren ihrer Zeit, Franz von Karsch für den niedergehenden Adel, der degeneriert, ohne Ehrgeiz und Ansporn seine ewigen Privilegien lebt, Todtleben, der Intellektuelle, der Denker seiner Zeit, der mit seinen Ideen den Wandel antreibt und natürlich Moser, der Hochkömmling des 20. Jahrhunderts. Für ihn zählen nur Fakten, Geld, Erfolg. Und die Frau, in der alle das sehen, was sie sehen wollen.Im Rahmen dieses kleinen Mikrokosmos aus Personen, die viele Stunden zusammen auf dem Meer verbringen, wird Karschs Geschichte erzählt. Sehr kühl, sehr distanziert, sehr analytisch. Der Stil erinnert an die Schriftsteller des auslaufenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert. Für uns LeserInnen des 21. Jahrhunderts mit seinen nach Creative Writing Regeln gestrickten schnellen, spannenden und handlungsreichen Romanen ein sehr ungewohnter Stil. Man kann sich mit keinem der Charaktere identifizieren, alles bleibt einem fremd. Mir gefällt das, aber ich kann auch verstehen, dass das manche LeserInnen zu langsam und sogar langweilig empfinden. Ich mochte das Buch sehr gerne. Vor allem die schöne, literarische Sprache, aber auch die Gedanken. Ich hatte das Gefühlt, die Zeit vor erstem und zweiten Weltkrieg mit all seinen Umbrüchen, dem Niedergang des Adels und dem Aufstieg der bürgerlichen Wirtschaftstreibenden, sowie dem Wunsch nach Veränderung besser verstehen zu können.Ein Roman, den ich vor allem LiebhaberInnen klassischer Literatur empfehlen würde. Ich habe die Lektüre sehr genossen!

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  • Ein Leben, gefangen in Ziellosigkeit

    Der Hydrograf

    Bibliomarie

    09. October 2016 um 12:32

    Es ist sicher der diesjährigen Buchmesse mit den Gastländern Niederlande/Flandern zu verdanken, dass der Roman von Allard Schröder, „Der Hydrograf“ 14 Jahre nach seinem Erscheinen nun auch auf Deutsch vorliegt.Der nicht sehr umfangreiche Roman beschreibt das Leben des pommerschen Landadligen Franz, Graf von Karsch-Kurwitz, der sich am Vorabend des 1. Weltkriegs auf eine lange Seereise begibt. Er steuert auf dem Viermaster „Posen“ Valparaiso an. Er will hydrografische Forschungen betreiben und das Meer beobachten. Ist diese Reise eine Flucht vor der Leere seines Lebens? Als in Lissabon eine schöne und geheimnisvolle Frau - Asta Maris - an Bord kommt, scheint sein Interesse eine andere Wendung zu nehmen.  Außer Franz und Asta Maris reisen noch der Kaufmann Moser und der Lehrer Ernst Todtleben auf dem Frachtschiff. Gespräche und Betrachtungen, aber vor allem eine zunehmende Leere und Interesselosigkeit prägen Franz‘ Tage. Ist diese Reise eine Flucht vor der Inhalts- und Ziellosigkeit seines Lebens?Der Roman hat mich erstaunt, lässt mich aber auch ratlos zurück. Die Handlung ist marginal und die Protagonisten, allen voran Franz, bleiben mir blass und uninteressant. Die Schönheit der Sprache, die im Gegensatz zur unbedeutenden Handlung steht, hat mich in Bann gezogen. Es ist große Kunst, wenn ein Autor aus einigen belanglosen Figuren und Handlungen einen so großartigen Roman entstehen lässt.Mit dem gelungenen Cover rundet der Verlag dieses kleine Kunstwerk ab.    

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  • LovelyBooks Romane-Challenge 2016: Die Challenge mit Niveau

    aba

    LovelyBooks lädt im neuen Jahr wieder zu spannenden Challenges ein.Und auf euch warten tolle Gewinne.Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist 2016 wieder dabei!Liest du gerne Bücher mit Niveau?Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2016 bis 31.12.2016 lesen.Es gelten Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.Auch Neuauflagen – 2016 erschienen - von Klassikern.Die Regeln: Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an. Einstig ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts. Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein. Es gelten nur Bücher, die an diesem Beitrag angehängt sind! Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.Nimmst du die Herausforderung an?Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2016 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.Natürlich mit den passenden Büchern zum Thema.Ich freue mich auf viele Anmeldungen!Teilnehmer:19angelika63AgnesMAmayaRoseanushkaArizonaaspecialkateban-aislingeachBarbara62BlaetterwindblauerklausbonniereadsbooksBookfantasyXYbookgirlBuchgespenstBuchinaBuchraettinCara_EleaCaroasCorsicanacrimarestricyranaczytelniczka73Deengladia78DieBertadigraEeyoreleerinrosewellFarbwirbel FederfeeFornikaFrauGonzoFrauJottfreiegedankenfrlfrohsinngefluegeltermondGela_HKGetReadyGinevraGirl56GruenenteGwendolinahannelore259hannipalanniHeldentenorIgelaInsider2199JoBerlinK2kkatrin297krimielselenikslesebiene27LesefantasieleselealesenbirgitleseratteneuLibriHollylisibooksLiteraturmaria1Marika_RomaniaMaritzelmarpijeMartina28MauelaMercadoMiamoumiss_mesmerizednaddoochNadja_KloosnaninkaNepomurksNightflowerNilNisnispardenPetrisPocciPrinzessinAuroraschokoloko29serendipity3012SikalsofiesolveigsommerleseStefanieFreigerichtsternchennagelSumsi1990suppenfeesursulapitschiTanyBeeTintenfantasieTochterAliceumbrellavielleser18wandabluewiloberwortjongleurzeki35

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