Almut Philipp

 3 Sterne bei 2 Bewertungen
Autor von Winterreise und Lausitz.

Alle Bücher von Almut Philipp

Cover des Buches Winterreise (ISBN: 9783958408449)

Winterreise

 (1)
Erschienen am 09.05.2019
Cover des Buches Lausitz (ISBN: 9783954623068)

Lausitz

 (0)
Erschienen am 01.02.2018

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Cover des Buches Winterreise (ISBN: 9783958408449)Reenchenzs avatar

Rezension zu "Winterreise" von Almut Philipp

Von Liebe, die stärker als der Tod ist
Reenchenzvor 7 Monaten

Die junge talentierte Harfenistin Imke Lindenthal steht vor einer großen Karriere und kurz vor ihrer Hochzeit. Dann lernt sie bei einem Gastspiel den deutlich älteren, verheirateten Dirigenten Magnus Meyberg kennen. Für Beide ist es Liebe auf den ersten Blick. Doch kann und sollte man seine gesamte Lebensplanung so plötzlich über den Haufen werfen? Als Imke herausfindet, dass sie bereits von ihrem Verlobten schwanger ist, entscheidet sie sich für die Ehe und versucht Magnus zu vergessen. Der Lesende ahnt, dass dies unmöglich ist. Der Weg zueinander führt beide Protagonisten durch eine lange Reihe tragischer Ereignisse.

Als Roter Faden dieser Erzählung dienen die 1828 erstmals aufgeführten 24 Lieder aus Franz Schuberts Liederzyklus „Winterreise“ nach Gedichten von Wilhelm Müller, die für beide Hauptfiguren von ganz besonderer Bedeutung sind.

Eben dieser rote Faden machte, für mich als Leserin dieser Erzählung von Almut Philipp, den besonderen Reiz aus. Da ich mich als Sängerin in meiner Jugend selbst auch klassisch sozialisiert habe, ist mir dieser Liederzyklus bereits bestens bekannt.

Ich möchte es jedem Lesenden des vorliegenden Buches unbedingt empfehlen, an entsprechender Stelle in der Erzählung, die Lieder nachzuhören. Der gut sortierte Fachhandel und die aktuellen Streamingdienste bieten hier ein großes Angebot hervorragender Einspielungen an. Ich griff automatisch zu einer meiner Lieblingsplatten von 1955, besungen von Dietrich Fischer-Dieskau und wunderbar begleitet von Gerald Moore am Klavier.

Die Wirkung beim Lesen war in jedem Fall enorm, unterstreichen die Texte von Wilhelm Müller und die Musik von Franz Schubert doch die bedrückende Stimmung der Erzählung, die in weiten Strecken von Kummer, Trauer und Verzweiflung berichtet.

Der Funke, der zwischen den beiden Künstlern entspringt und die innige Verbundenheit sind für mich sehr gut nachvollziehbar und ich konnte die Zerrissenheit und den Schmerz der Protagonisten nachfühlen.

Der Aufbau der Erzählung, durchbrochen durch die Müllerschen Gedichte, hat mir gut gefallen, bleibt er durch den Wechsel der Perspektive und Zeit doch abwechslungsreich und spannend.

Mit dem Schreibstil der Autorin hatte ich jedoch meine Probleme. So kommen insbesondere die direkten Reden der Hauptpersonen in einem teilweise sehr altmodischen und in Teilen auch schwülstigen Stil daher. Auch wenn in der Erzählung keine genaue Angabe gemacht wird, ist herauszulesen, dass die Handlung wohl im 21. Jahrhundert anzusiedeln ist. Ich kam nicht umhin, beim Lesen hin und wieder unter dem leisen frustrierten Ausruf „So redet doch kein Mensch!“ den Kopf zu schütteln. Ich vermute, insbesondere durch diesen Umstand, ist das Ende für meinen Geschmack dann auch zu kitschig geraten.

Die Einbindung der Gedichte wirkte mir an der einen oder anderen Stelle leider etwas zu konstruiert. Sie kamen der Protagonistin in Situationen in den Sinn, in denen ich mir im Leben nicht vorstellen konnte, ausgerechnet dann an Lieder oder Gedichte zu denken.

Unabhängig davon ist die vorliegende Erzählung ein Plädoyer für die Liebe fern von jeglichen gesellschaftlichen Konventionen und lässt den Lesenden mit den Gedanken zu einer gern gestellten philosophischen Frage zurück: Ist unser Lebensweg vom Schicksal oder vom Zufall bestimmt?

Ich empfehle dieses Buch insbesondere allen Lesenden, die sich für das Liedgut der Romantik und das Schubertsche Werk im Besonderen interessieren und die wunderbaren Lieder der „Winterreise“ gerne mal in einem neuen Kontext entdecken wollen.

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