Alois Brandstetter Cant läßt grüßen

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Inhaltsangabe zu „Cant läßt grüßen“ von Alois Brandstetter

Im August 1791 schreibt Maria von Herbert aus Klagenfurt einen Brief an Immanuel Kant nach Königsberg. Sie bittet den alternden Junggesellen inständig um Trost und Rat – sie hat Liebeskummer. Das ist historisch belegt. Kants junger, redseliger Assistent antwortet ihr im Auftrag des großen Meisters und er geht dabei freilich vor allem auf Probleme ein, die die junge Frau gar nicht plagen. Das ist brandstetterisch belegt. Aus der „Menschenkunde in pragmatischer Hinsicht“ sinniert er über allerlei Sonderbares, Absonderliches und Kurioses. Etwa über die Frage, ob man Kant bewundern kann, wenn man Goethe bewundert (und umgekehrt). Oder die Vorstellungen des Philosophen vom „schönen Geschlecht“, das ihm wohl gefällt, das ihn aber nicht weiter interessiert. Und nicht zuletzt über die Frage, die zumindest uns alle betrifft: Wie werde ich meinen Liebeskummer los? Alois Brandstetters „Einbriefroman“ ist launig und nachdenklich, gewitzt und klug, voller Spott und voller Weisheit. Dieses Buch ist Trost und Rat, vor allem aber ein großes Vergnügen.

Sehr toller Stil, den Brandstätter hier vorlegt. Ich finde es sehr mutig, sich in diese 'lange' vergangene Zeit einzufühlen, gar das Schriftbild ist dem 18. Jahrhundert nachempfunden und es entsteht eine durchaus aufklärerische Schrift um den anderen Cant, der wie Held verehrt wurde in seiner Zeit.

— Ein LovelyBooks-Nutzer

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  • Rezension zu "Cant läßt grüßen" von Alois Brandstetter

    Cant läßt grüßen

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    27. October 2009 um 20:21

    "Dabey sey es sein Anliegen, das Philosophiren, nicht eine Philosophie zu lehren und zu erforschen, bey aller Mühe um das System und das Systematische." Cant'sche Begrifflichkeiten begegnen den aufmerksamen Menschen täglich. Jedem mag wohl irgendwie bekannt sein, dass Kant die "Kritik der reinen Vernunft" geschrieben, dass er irgendetwas mit dem kategorischen Imperativ zu tun hat, der ethische Grundlagen vertritt, und eine gewisse Sittenlehre vertrat. Doch Genaueres über diesen Mann, über die Zeit, in der er gelebt und gewirkt hat, ist den meisten doch eher unbekannt. Alois Brandstetter legt mit seinem Roman "Cant läßt grüßen" eine recht umfassende, strukturell durchdachte Biografie indirekter, etwas anderer Art vor. Der Amanuensis Cants übernimmt nun die Aufgabe, auf den zweiten Brief der Freiin Maria von Herbert in Clagenfurth zu antworten. Dies tut er in einem 223 Seiten langen Antwortbrief, dem ein Vorwort Brandstetters beigegeben ist, das die Umstände genauer erklärt. Maria von Herbert war "Tochter eines Kärntner Bleiweißfabrikanten, eines Vaters von 32 Kindern", schreibt Brandstetter in seiner sogenannten Leseanleitung. Des Weiteren führt er aus, wer in diesem Einbriefroman eine Stimme erhält und wodurch diese geleitet ist. "Ein Amanuensis", so Brandstetter, "ist, wörtlich übersetzt, einer, der einem Professor 'zur Hand geht'. [...] Die Geschichte spielt im letzten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts [...]." Somit stellt das Buch in seiner Form die Rezeption der Aufklärung dar, die sich mit der dem Jahrhundert immanenten Rezeptionshaltung auseinandersetzt. Die Stimme des Cant'schen Sekretärs wird zur Leitfigur durch das Leben und die Urteile seines Meisters, die in Bezug auf das Hilfsgesuch Maria von Herberts ausgelegt wird. Die Kärntnerin bat Cant um Rat, da sie Liebeskummer hatte. Auf den ersten Brief antwortet Cant nicht, doch - so die hiesige Umdeutung des Stoffes - nach dem zweiten Brief, der historisch verbürgt 1793 abgeschickt worden ist, bittet Cant seinen Sekretär, der jungen Maria von Herbert zu antworten. "Versöhnlich gestimmt hat ihn an Eurem Schreiben vor allem, daß Ihr weiter um nichts als seinen Rath bittet, aber nicht die geringste Unverschämtheit wie etwa andere Briefschreiber und Bittsteller zeiget. Die meisten Briefe, die mein Herr erhält, sind nämlich Bettelbriefe, deren Schreiber nach den Laudes (Lobgesänge) alsbald um Beneficien (Vergünstigungen, Wohlthaten) in Gestalt von Naturalien (Lebensmittel) beziehungsweise Geld bitten." Dieser Auszug zeigt recht beispielhaft die Arbeitsweise Brandstetters, die der Thematik der Aufklärung, dem Zeitgeist, ja grundsätzlich erst einmal dem Charakter des Sekretärs, gerecht wird, der im Brief an die junge Maria erwähnt, dass er selbst Lehrer werden möchte und deswegen die Erklärungen der Fremdwörter als didaktische Einwürfe in Klammern anfüge. Falls Maria von Herbert die Wörter schon kenne, solle sie deren Erklärungen einfach überlesen. Eine indirekte Anweisung an den Leser ist hier erkennbar, so wie auch die Schreibweise und die Beleuchtung des Lebens von Cant hier den Rezipienten dazu auffordert, sich mit dem einmal auseinanderzusetzen, was heute hinter dem Bild Cants steht oder wohl auch damals schon gestanden ist. Vornehmlich wird hier ein Lebensgefühl des ausgehenden 18. Jahrhunderts beschrieben, und man meint zu spüren, dass Brandstetter eine ganz genaue Nachzeichnung der aufklärerischen Tendenzen jener Zeit hat vornehmen wollen. Über mehr als 200 Seiten gezogen, erscheint die Schreibeweise eine innovative und witzige Vorgehensweise, die den im 21. Jahrhundert lebenden Leser vergnügen, zeitweise jedoch auch nerven mag. Vor allem scheint der Leser hier in Cant einen sehr kritischen Zeitgenossen zu entdecken, der durchaus konventionelle Meinungen vertrat und Zeit seines öffentlichen Lebens die Abgrenzung zur Seelsorge suchte, denn Immanuel Cant erreichten unzählige Briefe und Hilfegesuche, wie die obige Textstelle recht präzise ausführt. Dabei plaudert der um Klärung bemühte Sekretär, (der an seinem Brief auch noch schreibt, "als sich die Probleme längst biologisch gelöst haben"), mit dem tagtäglichen Leben Cants betraut, auch aus dem Nähkästchen. Menschliche und zwischenmenschliche Lebensmerkmale lernt der Leser durch die Stimme des Amanuensis kennen, und zwischen den vielseitigen Charakterstudien Cants und seiner Zeitgenossen finden sich doch recht amüsante Wortspiele und ironische Zwischenmeldungen. Immanuel Cant, der sich später lieber wieder Kant schrieb ("[...] weil die Mitschüler nun seinen Namen als Zand ausgesprochen haben [...]. Außerdem beleidigte ihn einmal ein Commilitone (Mitschüler) mit dem Hinweise, daß das englische cant 'scheinheiliges Gerede' bedeuthet."), war ein rüder Mitbürger, der sich für die Eigenständigkeit der Gedanken, für die Freiheit des eigenen Ichs einsetzte und dabei so weit ging, die Ehe für nichtsnutzig zu erklären. Als sein Bruder Heinrich Johann den Bund der Ehe einging, war Cant so gekränkt, dass er der Familie nicht einmal Beileid wünschte, als sein Bruder ein Kind verlor. Alois Brandstetters Buch "Cant läßt grüßen" verweist durch so einige indirekte Zeichen auf seine interpretative Form, welche die Nachzeichnung eines möglichen Briefes durch einen Gehilfen Cants darstellen, die zwei Jahrhunderte später durch die Hand eines Kant-Leser und Kant-Studierers für andere Leser niedergeschrieben worden ist. Ein Kreis großen Zitates, sehr borgesianisch, und doch etwas - natürlich - gänzlich Eigenständiges. Das Buch liest sich immer wieder als ein kleines Augenzwinkern, jedoch kann man die in die Länge gezogenen Passagen, in denen der Sekretär wohlwollend und von sich selbst überzeugt, immer wieder Gleiches und Feststellendes äußert, unmöglich als kurzweilige Lektüre bezeichnen. Allerdings: Einen großen lohnenden Wissenszuwachs für den Leser hält dieser fiktive Brief bereit, dem es, so Brandstetter in der Leseanleitung "auch nicht an kühnen Anspielungen auf die Gegenwart [...]" fehlt. Diesem Buch sind der universitäre Hintergrund Alois Brandstetters sowie seine Liebe zur Philologie anzumerken, und mit "Cant läßt grüßen" legt der Autor ein interessantes und lesenswertes Buch zum Leben, zur Interpretation des Wirkens und der Bedeutung Cants für die Aufklärung vor, das von viel Liebe zum Detail und langer Auseinandersetzung mit den Briefen und Briefwechseln Cants und um Cant zeugt.

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