Alois Brandstetter Hier kocht der Wirt

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Inhaltsangabe zu „Hier kocht der Wirt“ von Alois Brandstetter

Ein Kunsthistoriker in GerlamoosEs ist ein beruhigendes Gefühl, wenn einem bald alles egal sein kann. Doch bevor es soweit ist, macht der Wirt von Gerlamoos, einem Weiler in Oberkärnten, einen Kunsthistoriker aus Wien mit all seinem Wissen und seiner Sicht der Dinge des Lebens vertraut.

Gute Unterhaltung

— Alira
Alira

Ein "Kärnten-spezifisches" Buch, sehr dicht geschrieben, von einem sehr gescheiten Autor.

— Elshalom
Elshalom

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  • Ein vergnüglicher Wirtshausbesuch

    Hier kocht der Wirt
    Alira

    Alira

    28. August 2016 um 18:24

    Peter Glantschnig hat ein Wirtshaus im kärntnerischen Gerlamoos und ist ehrenamtlicher Kustos der Georgskirche mit ihren weltberühmten Fresken des Thomas von Villach. Zum Leidwesen des Wirtes wurde Gerlamoos aber nicht durch diese 1065 erstmals erwähnte Kirche, sondern erst durch einen Murenabgang 1993 bekannt. Den Schlüssel zur Kirche hütet der Gastwirt wie einen Schatz und handabt die Herausgabe sehr restriktiv - “Hier kocht der Wirt” - nämlich erst, wenn mindestens zwei Besucher kommen, die einander fremd sind und sich gegenseitig im Visier behalten können bzw. sollen. Daher bekommt auch der Wiener Kunsthistoriker, der gleich zu Beginn des Buches auftaucht, den Schlüssel vorerst nicht, aber jede Menge Belehrungen und “philosophische Betrachtungen” vom Wirt, der genaue Vorstellungen davon hat, was ein Fremder wissen muss, damit der “die Kunst des Thomas” richtig würdigen kann. In seinem langen Monolog, der Anfangs noch ein paar Mal unwirsch vom Wiener Fachmann unterbrochen wird, berichtet der “maturalose Wirt” auch immer wieder von den “Zwiegesprächen”, die er mit “Meister Thomas” über Gott und die Welt hält: “... In Klagenfurt”, habe ich zu Thomas gesagt, “gibt es schon den sogenannten amerikanischen Schnellfraß, und er dringt unaufhaltsam vor, bald wird es ihn auch in Villach und kurz darauf in Spittal und in Lienz geben. Und eine Kärntner Küche mit ihren eigenartigen sauren Suppen, mit Ritschert und Kasnudeln, gibt es nach mir in Gerlamoos auch nicht mehr. Wenn einer hier im Gebiet der oberen Drau schnell einen Hunger kriegt, muss er zum Schnellimbiß nach Greifenburg fahren, auf der begradigten oder rückgebauten Drautalbundesstraße. Dort werden sie ihn dann mit amerikanischen Hamburgern abspeisen.....” Daneben erfährt der Wiener manches über Naturkatastrophen, über die hohe und niedere Kunst, und viel Vergnügliches über Wirtshausbesucher, Wirtshäuser und Stammtischgespräche. So wird es Abend und die Dunkelheit senkt sich über die Fresken der nicht elektrifizierten Kirche. “Ich hätte noch einiges sagen wollen. Bedauerlicherweise habe ich aber bemerkt, daß mein Wiener Besucher eingenickt oder, genauer gesagt, eingeschlafen ist. Er hat sogar leise geschnarcht. …. Da habe ich den Schlüssel zur Georgskirche aus der Lade hinter dem Tresen geholt und bin damit an den Tisch des “Entschlafenen”. Ich habe den Wiener sanft am Ärmel gezupft und habe höflich gesagt: “Hier ist der Schlüssel.” Der Wiener hat aber nach einer Weile und nachdem er sich die Augen gerieben gehabt hat, gesagt: “Jetzt ist es leider zu spät, es ist ja schon stockfinster.” Dann hat er gesagt: “Könnten Sie mir bitte aus Spittal ein Taxi bestellen?” PS: Die Kirche ist in jedem Fall einen Besuch wert - siehe Fotos - und der Schlüssel wird mittlerweile von einer freundlichen Privatperson ohne Diskussion zur Verfügung gestellt. ;)

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  • Der Monolog eines Wirten, bei dem man sich Augen und Ohren zuhalten sollte

    Hier kocht der Wirt
    awogfli

    awogfli

    11. September 2015 um 11:08

    Bezüglich des Herrn Brandstetters habe ich noch sehr angenehme Erinnerungen an die Schulzeit, denn "Zu Lasten der Briefträger" war einer der wenigen regionalen Pflichtlektüren, die mir wirklich gut gefallen haben. Nun muss ich mich aber schon wieder erstaunt fragen, warum dieses neuere Werk von 1999 von den Kritikern als sehr witzig gelobt wurde. Dieser Wirt ist ein Gschichtldrucker ein Schwadroneur, aber er erzählt keine spannenden Geschichten, sondern besserwisserische Belehrungen - ewig dasselbe. Überall meint er, sich auszukennen, in der Geschichte von Kärnten, in Oberösterreich, in der Kunst (Barock vs. Gotik), in den Ursprüngen und Herleitungen von Wörtern, in der Religion, Archäologie, Politik, Schulwesen, Philosophie... und schließlich in Kulinarik und Tourismus (dort nehme ich ihm seine Expertise sogar ab). In allen Gebieten gibt der ignorante Tropf von Wirt ungefragt seinen präpotenten, langweiligen, neunmalklugen Sermon ab. Der in Geiselhaft genommene Wiener Tourist, der ihm zuhören muss, weil er die Fresken in der Kirche des Dorfes sehen will, wird gleichzeitig mit dem Leser gelangweilt und gequält. Oftmals insistiert der Wiener "Erzählen Sie mir nichts von XY, geben sie mir nur den Schlüssel zu St. Georg." und ich als Leserin wollte ins Buch hineinbrüllen, "Halt endlich die Goschn und gibt ihm den gottvermaledeiten Schlüssel, damit der Roman endlich ZU ENDE ist." Ein paar Geschichten sind dann zwar nicht ganz so ärgerlich und ein bisserl informativer wie z.B. die Abortarchäologie und die Ausführungen zum Massentourismus, den Gästen, den Kellnern und den Animateuren. Letztendlich bleibt aber nur die Erkenntnis hängen, dass das tumbe Wirtshausstammtischvolk mit seinem vielzitierten "Hausverstand" versucht, mangelndes Wissen zu kompensieren und zu jedem Thema, in der völlig überzogenen Einschätzung der eigenen Kompetenz, bereits eine vorgefasste unverrückbare Meinung hat. "Hausverstand" ersetzt weder Bildung noch lebenslanges Weiterlernen, das sollten sich die bauernschlauen ungebildeten Volksmassen mal endlich hinter die Ohren schreiben. Da bin ich doch froh, dieser widerlichen Ignoranz nicht zu frönen, meinen Hausverstand wirklich nur im Haushalt einzusetzen (wie ja auch der Name empfiehlt) und als Wissenschaftlerin stolz lauthals und öffentlich hinauszurufen "Ich weiss, dass ich nichts weiss!" Fazit: Das Buch ist nervig und langweilig mit klitzekleinen Lichtblicken in der Figurenentwicklung des Wirtes und ein paar doch informativen Anekdoten.

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