Alois Hotschnig

 3,7 Sterne bei 41 Bewertungen

Lebenslauf

Alois Hotschnig ist ein österreichischer Autor von Prosa, Gedichten, Theaterstücken und Hörspielen. Nach seiner Matura zog er nach Innsbruck und begann dort sein Studium der Medizin und Gesteswissenschaften. Im Jahre 1989 publizierte Hotschnig sein Debutalbum "Aus". Er wurde mit mehreren Literaturpreisen ausgezeichnet.

Alle Bücher von Alois Hotschnig

Cover des Buches Der Silberfuchs meiner Mutter (ISBN: 9783462004397)

Der Silberfuchs meiner Mutter

 (15)
Erschienen am 08.03.2023
Cover des Buches Die Kinder beruhigte das nicht (ISBN: 9783462308013)

Die Kinder beruhigte das nicht

 (7)
Erschienen am 27.12.2013
Cover des Buches Leonardos Hände (ISBN: 9783852188065)

Leonardos Hände

 (5)
Erschienen am 23.04.2013
Cover des Buches Ludwigs Zimmer (ISBN: 9783852188539)

Ludwigs Zimmer

 (5)
Erschienen am 23.02.2011
Cover des Buches Im Sitzen läuft es sich besser davon (ISBN: 9783462308006)

Im Sitzen läuft es sich besser davon

 (3)
Erschienen am 06.11.2013
Cover des Buches Der Silberfuchs meiner Mutter (ISBN: 9783732456925)

Der Silberfuchs meiner Mutter

 (3)
Erschienen am 09.09.2021
Cover des Buches Aus (ISBN: 9783630866925)

Aus

 (3)
Erschienen am 01.04.1999

Neue Rezensionen zu Alois Hotschnig

Cover des Buches Der Silberfuchs meiner Mutter (ISBN: 9783462004397)
S

Rezension zu "Der Silberfuchs meiner Mutter" von Alois Hotschnig

Ständige Suche, ständige Zweifel
Schmuck_Guggerinvor 4 Monaten

Wenn man mit sechzig Jahren den Vater erst kennenlernt, dann stellen sich allerhand Fragen. Wir lesen von einer jungen Norwegerin, die schwanger wird von einem Soldaten aus Österreich. Schließlich bringt sie Heinz, ihren Jungen zur Welt. Heinz ist es, der sich auf Spurensuche begibt und den wir beim Lesen begleiten. Hat die Mutter selbst Zweifel, ob Heinz ihr Sohn ist? Erfüllen andere Männer die Rolle eines Vaters und tun sie das vielleicht besser, als der biologische Vater?Das Buch ist zweifellos auch das Zeugnis einer engen Mutter–Sohn-Beziehung, denn auch nach ihrem Tod findet Heinz Antworten auf wichtige Fragen seiner Vergangenheit.

Mich hat das Buch sehr berührt, denn Schicksale wie das Beschriebene waren in diesen Jahren keine Einzelfälle und haben die so geborenen Kinder vor viele Fragen gestellt.

Ein ernstes, ein wichtiges und ein lesenswertes Buch. Ich empfehle es gerne weiter.

Cover des Buches Der Silberfuchs meiner Mutter (ISBN: 9783462004397)
awogflis avatar

Rezension zu "Der Silberfuchs meiner Mutter" von Alois Hotschnig

Redundanzen im Plot, Wortwiederholungen und sprachlich ein Graus, wie ein Aufsatz eines sehr schlechten Schülers
awogflivor einem Jahr

Puh, normalerweise bewerte ich meistens Inhalt vor Form, und der Inhalt war nicht ganz so furchtbar, aber diesmal hat mich stilistisch so viel extrem genervt, dass ich bedauerlicherweise einen bösen Verriss produzieren muss.

Ich kann ja mit vielen Stilmitteln umgehen wie Jugendsprech, abgehackter Sprachstil etc., aber wenn hier die Sprach- und Erzählqualität eines Schulaufsatzes, respektive von einem sehr schlechten Schüler präsentiert wird, der in der Unterstufe des Gymnasiums in Deutsch mindestens eine Klasse wiederholen, in die Hauptschule gehen oder dringendst sehr viel teure Nachhilfe besorgen sollte, dann ist mein Verständnis nicht mehr vorhanden und meine Duldungsfähigkeit ausgereizt.

Was ich konkret kritisiere, das sind nämlich sehr viele Schnitzer, die allem widersprechen, was man gemeinhin als guten Schreibstil und gutes Schreibhandwerk bezeichnet, dieser Roman verstößt gegen alle Regeln gleichzeitig.

Erstens: extrem mühsam permanente inhaltliche Redundanzen machen mich wahnsinnig, aber die Redundanzen sind auch innerhalb der Sätze, wie lang der Autor herumschreibt, bis er ein einfaches Ereignis mehrfach mit anderen Worten beschreibt.

Zweitens und drittens: Inflationäre Wortwiederholungen zehn Sätze hintereinander dasselbe vermaledeite Wort und dann auch nur Hauptsatzkonstruktionen. Wie ein Unterstufen-Schüler, der noch nie gelernt hat, einen anständigen Text zu schreiben. Auch erfordert der Inhalt überhaupt nicht, so einen schlechten Stil zu präsentieren, weil beispielsweise aus der Sicht eines Kindes formuliert wird. NeinNein, diese unglaublich handwerkliche Schwäche ist nicht gewollt, passt auch nicht in den Plot und ist eindeutig dem Autor zuzuschreiben.

Damit Ihr wisst, warum ich so fuchsteufelswild bin, möchte ich das ganze Mal nur an zwei Absätzen demonstrieren, die sich permanent im ganzen Roman alle gleichen.




„Davon und vom Gasthof Habsburg in Hohenems hatte er immer wieder gesprochen. Von Menschen in diesem Haus wurden Flüchtenden geholfen. Vom Gasthof Habsburg aus sind die zunächst im Landhaus gelandet. Und ins Landhaus sind dann die Schweizer gekommen, die sie dort abgeholt haben, die Fluchthelfer. Das Landhaus lag mitten in den Feldern der Landstraße und war gut geeignet als erste Strecke auf dem Weg hin zur Grenze, nur noch ein paar Hundert Meter waren es von dort bis zum Alten Rhein. Nach dem Krieg ist es abgebrannt, lange danach.“

"Wie die Valduna war auch die Liebfrauenkirche eine Burg. Und die wollte sie sehen, das erste Mal als meine Mutter mit mir in eine Kirche gehen wollte. Über einen steilen Serpentinenweg stiegen wir den Berg hinauf. Von dort oben sahen wir das Land ringsherum. Diese Kirche war für mich ein markantes Zeichen auf dem Weg zur Valduna. Rankweil ist diese Kirche. Wenn man an Rankweil denkt, denkt man an die Liebfrauenkirche und die Valduna gleich hinter Rankweil.“



Also seid mir nicht bös, aber wenn Ihr bei so einem Stil kein Nicht Genügend vergeben wollt, dann wärt Ihr als Kritiker und Lehrer einfach zu milde. :D

Inhaltlich, nachdem ich verärgert die Redundanzen mühsam geistig weggestrichenen habe, ist der Plot nicht ganz so furchtbar wie Sprache und Stil, aber auch hier zeigen sich massive Schwächen, denn auch dramaturgisch ist das Ende äußerst unbefriedigend.

Fazit: Völlig entbehrlich – ich erzähle Euch nicht mal, worum es geht, es lohnt sich nicht, denn ich habe schon lange keine so dringende Lesewarnung aussprechen müssen.

Cover des Buches Der Silberfuchs meiner Mutter (ISBN: 9783462002133)
Alexander_Carmeles avatar

Rezension zu "Der Silberfuchs meiner Mutter" von Alois Hotschnig

Auf der Suche nach der verlorenen Mutter – intensiv Spuren im Chaos hinterlassend.
Alexander_Carmelevor 2 Jahren

Länger und begründeter auf: https://read2write.org/alois-hotschnig-der-silberfuchs-meiner-mutter/ 

Kriege ziehen viel mehr in Mitleidenschaft als nur die oberflächlichen Zerstörungen und Verwüstungen und Verletzungen. Sie erschüttern Vertrauen, zwischenmenschliche Verhältnisse bis in die letzten Fasern und Fibern des Seins hinein. Alois Hotschnigs Roman „Der Silberfuchs meiner Mutter“ eröffnet eine eher seltener beleuchtete Perspektive auf die Schrecken des Krieges und entwickelt diese entlang der Beziehung einer Mutter zu ihrem gewollt/ungewollten Sohn.

„Der Lebensborn hat sie heruntergeholt. Dieses Papier, das ich gefunden habe durch einen Zufall, darin ist die ganze Fahrt aufgezeichnet. Es war festgelegt, dass man sich um Fräulein Hörvold, sie hieß Hörvold, Gerd Hörvold, dass man sich bemühen möge, ihr auf der Reise von Oslo nach Hohenems behilflich zu sein. Der Verlobte würde sie begleiten. Oslo, Kopenhagen, Berlin, München, Hohenems. Die Stationen, die Abfahrt und Ankunft der Züge. Aber das hat dann alles nicht mehr gestimmt, in Berlin ist etwas passiert, sie wurde verschüttet, so hat sie es gesagt.“

Hier spricht der Sohn, Heinz, von seiner Mutter, deren Lebensgeschichte er im Roman nach und nach zu rekonstruieren versucht. Nicht viel ist klar, noch weniger eindeutig. Der Sohn, Heinz, gibt nicht vor, seine Mutter, die Geschehnisse, ihre Handlungen und Einsamkeit zu verstehen. Was er versteht, wiederholt er rhapsodisch in orchestralen Schlaufen, begeht, beschreibt, erforscht er immer wieder. Er ist aufmerksam, auf der Lauer, nimmt die Details auf sich und rekonstruiert im Nachhinein, legt die Erinnerungen wie ein Puzzle aneinander, aber ein Bild will sich nicht ergeben. Es geht ihm wie seiner Halbschwester Ingrid, die ihm von denselben Versuchen erzählt.

„Bei meinem Vater war es schwierig. Die Antworten, das wusste ich, die werden nicht kommen. Aber ich habe noch eine Tante gehabt, meine Patin, und die habe ich gefragt, schon als Kind und über die Jahre hinweg, immer wieder, und dann, nachdem ich dich kennengelernt habe, da habe ich es wieder versucht, aber es ist nichts gekommen von ihr. Ich habe mich wirklich um Antwort bemüht und hätte es lieber von den eigenen Leuten erfahren, aber solche Dinge kommen immer von außen. Ich denke, dass manchmal die anderen mehr wissen als die Betroffenen selbst.“

Alois Hotschnig wirft alles zusammen. Sein Ich-Erzähler, ein angehender Schauspieler, ein Lebenskünstler, ein liebender, verzweifelter Sohn mischt, fabuliert, faselt vor sich hin. Oft weiß man nicht, wen er meint, von welcher Zeit er spricht, ob er jemandem durch indirekte Rede zu Wort kommen lässt, das Wiedergegebene selbst erfindet, eine Erinnerung durchschreitet, von einem Alptraum berichtet oder lediglich ein Erlebnis vom Hörensagen wiedergibt. Sein Leben ist in tausend Stücke zersplittert, befindet sich irgendwo zwischen Deutschland, Österreich, Norwegen und der Schweiz, internationalisiert, ohne Wurzel, ohne Zuhause, ohne die Mutter, die mal da ist, mal nicht, mal mit ihm spricht, ihn mal verlässt.

Um die nackten Geschehnisse geht es nicht. Sie lauten wie folgt: Ein SS-Soldat, Anton Halbsleben, der in Norwegen stationiert gewesen ist, schwängert die junge Norwegerin Gerd Hörvold, deren Vater ein dem Nazi-Regime wohlgesonnener Bürgermeister ist. Gerd bekommt viel Gegenwind von ihren Mitmenschen in Kirkenes und auch aus ihrer eigenen Familie, in der sich auch kommunistische Widerstandskämpfer befinden. Sie wird von dem Lebensborn Verein nach Österreich, Vorarlberg, gebracht. Dort jedoch und schon auf dem Weg geht irgendwie alles schief. Hauptanliegen des Romans ist der radebrechende, sich im Kreis drehende Bericht, der sinfonisch alles auseinander und wieder zusammenzieht, einen eigenen Rhythmus entwickelt und dem Wirren eine eigene Stimme verleiht.

Alois Hotschnigs Roman liest sich wie ein dunkler Bruder von Thomas Bernhard, bspw. in „Ja“, und hat sehr viel gemein, sprachlich wie inhaltlich, mit Edgar Selge „Hast du uns endlich gefunden“ und vom Thema her verwandt, stilistisch aber jedoch anders gestrickt Susanne Abels „Stay away from Gretchen“. Viele Stellen strahlen aus, geben kund von der Liebe des Sohnes zu seiner Mutter. Voller Traurigkeit schwindet dieses Leben, das mehr wollte, aber statt mehr, nicht nur weniger, sondern nichts bekam, wie so viele Frauen in Kriegs- und Nachkriegszeiten. Gerd trägt diese Stärke, nicht aufzugeben, weiter.

Alois Hotschnigs „Der Silberfuchs meiner Mutter“ gesellt sich bescheiden und freundlich in die Reihe jener Romane [Edgar Selge: „Hast du uns endlich gefunden“, Alessa Bessa-Luis „Die Sibylle“ und Ingeborg Bachmann: „Malina“], die nicht vergessen wollen, die derer gedenken, die am meisten litten und trotzdem nicht aufgaben, und dies ohne Kitsch, Sentimentalität oder Romantik, ein Roman, der hilflos ins Chaos blickt und trotzdem Spuren hinterlässt. Für manches Leid kann es einfach keine Erklärung geben.

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Zusätzliche Informationen

Alois Hotschnig wurde am 31. Dezember 1958 in Berg/Drautal (Österreich) geboren.

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auf 3 Merkzettel

von 1 Leser*innen aktuell gelesen

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