Alois Hotschnig

 3,8 Sterne bei 38 Bewertungen

Lebenslauf von Alois Hotschnig

Alois Hotschnig ist ein österreichischer Autor von Prosa, Gedichten, Theaterstücken und Hörspielen. Nach seiner Matura zog er nach Innsbruck und begann dort sein Studium der Medizin und Gesteswissenschaften. Im Jahre 1989 publizierte Hotschnig sein Debutalbum "Aus". Er wurde mit mehreren Literaturpreisen ausgezeichnet.

Alle Bücher von Alois Hotschnig

Cover des Buches Der Silberfuchs meiner Mutter (ISBN: 9783462002133)

Der Silberfuchs meiner Mutter

 (12)
Erschienen am 09.09.2021
Cover des Buches Die Kinder beruhigte das nicht (ISBN: 9783462308013)

Die Kinder beruhigte das nicht

 (7)
Erschienen am 28.12.2013
Cover des Buches Leonardos Hände (ISBN: 9783852188065)

Leonardos Hände

 (5)
Erschienen am 23.04.2013
Cover des Buches Ludwigs Zimmer (ISBN: 9783852188539)

Ludwigs Zimmer

 (5)
Erschienen am 23.02.2011
Cover des Buches Im Sitzen läuft es sich besser davon (ISBN: 9783462308006)

Im Sitzen läuft es sich besser davon

 (3)
Erschienen am 07.11.2013
Cover des Buches Der Silberfuchs meiner Mutter (ISBN: 9783732456925)

Der Silberfuchs meiner Mutter

 (3)
Erschienen am 09.09.2021
Cover des Buches Aus (ISBN: 9783630866925)

Aus

 (3)
Erschienen am 01.04.1999

Neue Rezensionen zu Alois Hotschnig

Cover des Buches Der Silberfuchs meiner Mutter (ISBN: 9783462002133)Alexander_Carmeles avatar

Rezension zu "Der Silberfuchs meiner Mutter" von Alois Hotschnig

Auf der Suche nach der verlorenen Mutter – intensiv Spuren im Chaos hinterlassend.
Alexander_Carmelevor 7 Monaten

Länger und begründeter auf: https://read2write.org/alois-hotschnig-der-silberfuchs-meiner-mutter/ 

Kriege ziehen viel mehr in Mitleidenschaft als nur die oberflächlichen Zerstörungen und Verwüstungen und Verletzungen. Sie erschüttern Vertrauen, zwischenmenschliche Verhältnisse bis in die letzten Fasern und Fibern des Seins hinein. Alois Hotschnigs Roman „Der Silberfuchs meiner Mutter“ eröffnet eine eher seltener beleuchtete Perspektive auf die Schrecken des Krieges und entwickelt diese entlang der Beziehung einer Mutter zu ihrem gewollt/ungewollten Sohn.

„Der Lebensborn hat sie heruntergeholt. Dieses Papier, das ich gefunden habe durch einen Zufall, darin ist die ganze Fahrt aufgezeichnet. Es war festgelegt, dass man sich um Fräulein Hörvold, sie hieß Hörvold, Gerd Hörvold, dass man sich bemühen möge, ihr auf der Reise von Oslo nach Hohenems behilflich zu sein. Der Verlobte würde sie begleiten. Oslo, Kopenhagen, Berlin, München, Hohenems. Die Stationen, die Abfahrt und Ankunft der Züge. Aber das hat dann alles nicht mehr gestimmt, in Berlin ist etwas passiert, sie wurde verschüttet, so hat sie es gesagt.“

Hier spricht der Sohn, Heinz, von seiner Mutter, deren Lebensgeschichte er im Roman nach und nach zu rekonstruieren versucht. Nicht viel ist klar, noch weniger eindeutig. Der Sohn, Heinz, gibt nicht vor, seine Mutter, die Geschehnisse, ihre Handlungen und Einsamkeit zu verstehen. Was er versteht, wiederholt er rhapsodisch in orchestralen Schlaufen, begeht, beschreibt, erforscht er immer wieder. Er ist aufmerksam, auf der Lauer, nimmt die Details auf sich und rekonstruiert im Nachhinein, legt die Erinnerungen wie ein Puzzle aneinander, aber ein Bild will sich nicht ergeben. Es geht ihm wie seiner Halbschwester Ingrid, die ihm von denselben Versuchen erzählt.

„Bei meinem Vater war es schwierig. Die Antworten, das wusste ich, die werden nicht kommen. Aber ich habe noch eine Tante gehabt, meine Patin, und die habe ich gefragt, schon als Kind und über die Jahre hinweg, immer wieder, und dann, nachdem ich dich kennengelernt habe, da habe ich es wieder versucht, aber es ist nichts gekommen von ihr. Ich habe mich wirklich um Antwort bemüht und hätte es lieber von den eigenen Leuten erfahren, aber solche Dinge kommen immer von außen. Ich denke, dass manchmal die anderen mehr wissen als die Betroffenen selbst.“

Alois Hotschnig wirft alles zusammen. Sein Ich-Erzähler, ein angehender Schauspieler, ein Lebenskünstler, ein liebender, verzweifelter Sohn mischt, fabuliert, faselt vor sich hin. Oft weiß man nicht, wen er meint, von welcher Zeit er spricht, ob er jemandem durch indirekte Rede zu Wort kommen lässt, das Wiedergegebene selbst erfindet, eine Erinnerung durchschreitet, von einem Alptraum berichtet oder lediglich ein Erlebnis vom Hörensagen wiedergibt. Sein Leben ist in tausend Stücke zersplittert, befindet sich irgendwo zwischen Deutschland, Österreich, Norwegen und der Schweiz, internationalisiert, ohne Wurzel, ohne Zuhause, ohne die Mutter, die mal da ist, mal nicht, mal mit ihm spricht, ihn mal verlässt.

Um die nackten Geschehnisse geht es nicht. Sie lauten wie folgt: Ein SS-Soldat, Anton Halbsleben, der in Norwegen stationiert gewesen ist, schwängert die junge Norwegerin Gerd Hörvold, deren Vater ein dem Nazi-Regime wohlgesonnener Bürgermeister ist. Gerd bekommt viel Gegenwind von ihren Mitmenschen in Kirkenes und auch aus ihrer eigenen Familie, in der sich auch kommunistische Widerstandskämpfer befinden. Sie wird von dem Lebensborn Verein nach Österreich, Vorarlberg, gebracht. Dort jedoch und schon auf dem Weg geht irgendwie alles schief. Hauptanliegen des Romans ist der radebrechende, sich im Kreis drehende Bericht, der sinfonisch alles auseinander und wieder zusammenzieht, einen eigenen Rhythmus entwickelt und dem Wirren eine eigene Stimme verleiht.

Alois Hotschnigs Roman liest sich wie ein dunkler Bruder von Thomas Bernhard, bspw. in „Ja“, und hat sehr viel gemein, sprachlich wie inhaltlich, mit Edgar Selge „Hast du uns endlich gefunden“ und vom Thema her verwandt, stilistisch aber jedoch anders gestrickt Susanne Abels „Stay away from Gretchen“. Viele Stellen strahlen aus, geben kund von der Liebe des Sohnes zu seiner Mutter. Voller Traurigkeit schwindet dieses Leben, das mehr wollte, aber statt mehr, nicht nur weniger, sondern nichts bekam, wie so viele Frauen in Kriegs- und Nachkriegszeiten. Gerd trägt diese Stärke, nicht aufzugeben, weiter.

Alois Hotschnigs „Der Silberfuchs meiner Mutter“ gesellt sich bescheiden und freundlich in die Reihe jener Romane [Edgar Selge: „Hast du uns endlich gefunden“, Alessa Bessa-Luis „Die Sibylle“ und Ingeborg Bachmann: „Malina“], die nicht vergessen wollen, die derer gedenken, die am meisten litten und trotzdem nicht aufgaben, und dies ohne Kitsch, Sentimentalität oder Romantik, ein Roman, der hilflos ins Chaos blickt und trotzdem Spuren hinterlässt. Für manches Leid kann es einfach keine Erklärung geben.

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Cover des Buches Der Silberfuchs meiner Mutter (ISBN: 9783462002133)Dreamworxs avatar

Rezension zu "Der Silberfuchs meiner Mutter" von Alois Hotschnig

„Nichts ist so wechselhaft wie Identität.“ (Stefan Hölscher)
Dreamworxvor 9 Monaten

1942. Die norwegische Krankenschwester Gerd Hörvold hat sich mit dem deutschen Soldaten Anton Halbleben eingelassen und ist schwanger geworden. Deshalb gilt sie in ihrer Heimat als Nazi-Hure als persona non grata. Sie reist von Norwegen ins österreichische Hohenems, um bei Antons Familie unterzukommen, bis dieser aus dem Krieg zurückkehrt. Aber seine Familie will nichts von ihr wissen, auch Anton lässt sie fallen und bricht jeden Kontakt ab. Sohn Heinz wird Ende 1942 geboren und kommt erst in einem Lebensbornheim unter und danach in eine Pflegefamilie, wo ihn seine Mutter 1946 mit Hilfe des Roten Kreuzes wiederfindet und zu sich nimmt. Doch auch bei seiner Mutter, die erneut geheiratet hat, wird Heinz immer ein Außenseiter sein, denn sein Stiefvater lehnt ihn ab und auch die eigene Mutter hat nicht viel Liebe für ihn übrig. So irrt Heinz aufgrund der dauerhaften Ablehnung seines engsten Umfeldes viele Jahre durch sein Leben auf der Suche nach seiner wahren Identität, wird Schauspieler und erst im Alter von 60 Jahren unternimmt er einen neuen Versuch, seinen Wurzeln näher zu kommen…

Alois Hotschnig hat mit „Der Silberfuchs meiner Mutter“ einen sehr komplexen Roman vorgelegt, der mit einer berührenden Lebensgeschichte überzeugen kann, die sich aus Fiktion und Wahrheit zusammensetzt. Der Erzählstil ist emotional, wenn nicht gerade einfach zu lesen, spiegelt aber sehr gut die Zerrissenheit des Protagonisten Heinz wieder, der sein gesamtes Leben auf der Suche ist und dessen Erinnerungen mit Träumereien vermischt für den Leser eine Herausforderung darstellen. Oftmals wird man das Gefühl nicht los, der Autor habe seine eigenen Erfahrungen zu Papier gebracht. In Ich-Form erhält der Leser Einblick in die Erinnerungen des inzwischen gealterten Heinz, der innerhalb der Ehe seiner Mutter so einiges zu ertragen hatte: einen Stiefvater, der ihn zwar verachtet, aber ihn als Hilfskraft gern für sich arbeiten ließ. Die Mutter, die allen Fragen konstant aus dem Weg ging und ihm sogar Schuldgefühle verursachte, da sie immer epileptische Anfälle bekam, wenn er eine Aussprache wollte. Der leibliche Vater, der ihn als 16-jährigen verleugnet und ihm eine erlogene Geschichte vorgaukelt, um dann Jahrzehnte später endlich doch einzugestehen, dass Heinz sein Sohn ist. Heinz verarbeitet seine Erfahrungen als Schauspieler auf der Bühne, seine Seele jedoch findet dadurch kaum Linderung, zu schwer nagen die Ablehnung und die unbeantworteten Fragen an ihm. So wie Heinz wird es vielen in jener Zeit geborenen Kindern gegangen sein, die bei ihren Fragen immer wieder auf eine Mauer des Schweigens gestoßen sind und nur unter schwierigsten Bedingungen ihrem Ziel vielleicht ein Stück näher kamen.

Die Charaktere werden erst nach und nach für den Leser zugänglich, der die Geschichte zu Beginn mit Distanz liest. Doch je mehr er in die Erinnerungen von Heinz eintaucht, umso mehr kann er die Gefühlslage von Heinz nachvollziehen. Heinz ist ein zutiefst zerrissener Mensch, der seine Erfahrungen in seinen Rollen auslebt, um irgendwie damit umgehen zu können. Er fühlt sich seiner Identität beraubt, belogen und abgelehnt, ist jedoch mutig und stark genug, immer wieder Anlauf zu nehmen und den Dingen auf den Grund zu gehen. Seine Mutter ist eine verletzte Frau, die sich vor ihrem Sohn die Blöße nicht geben will, eine uneheliche Mutter zu sein und die Ausgrenzungen, deren sie ausgesetzt war, preiszugeben. Anton verleugnet fast sein ganzes Leben die Beziehung zu Heinz‘ Mutter und seine Vaterschaft, doch am Ende seines Lebens kommt ihm die Erkenntnis, dass er der Welt mit Heinz doch etwas hinterlässt.

„Der Silberfuchs meiner Mutter“ ist eine Suche nach der eigenen Identität und eine gleichzeitig Tragödie, die nach dem Krieg viele ereilt hat. Die Sprachlosigkeit der damaligen Generation, die Vorbehalte sowie die Härte gegenüber seinen eigenen Kindern sind schwer zu ertragen, doch sind sie ein Zeitzeugnis für eine vergangene Zeit. Sehr zu empfehlen!

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Cover des Buches Der Silberfuchs meiner Mutter (ISBN: 9783462002133)Bellis-Perenniss avatar

Rezension zu "Der Silberfuchs meiner Mutter" von Alois Hotschnig

Auf der Suche nach der eigenen Identität ....
Bellis-Perennisvor 10 Monaten

Als die Norwegerin Gerd Hörvold 1941 von Anton Halbleben, einem deutschen Besatzungssoldaten, schwanger wird, wird sie als Nazi-Hure beschimpft und muss ihre Heimat verlassen. Nach einer langen Odyssee erreicht sie Hohenems in Österreich, wo Antons Familie lebt. Doch statt Aufnahme erlebt sie Ablehnung und muss das Kind, Heinz, in ein Kinderheim geben, weil sie auf Grund ihrer Epilepsie und der Umstände nicht in der Lage ist, für ihren Sohn zu sorgen. Erst 1946 kann sie Heinz zu sich holen und schlägt sich so recht und schlecht in Lustenau durchs Leben. Heinz ist mit der Situation überfordert, versteht die reale Welt nicht und flüchtet sich in die Scheinwelt des Theaters und später in den Film. 

Meine Meinung: 

Obwohl das Buch nur 224 Seiten hat, habe ich diesmal ein wenig länger als üblich gebraucht es zu beenden. Ursache dafür ist die teilweise raue, abgehackte Sprache, mit der der Autor seinen Lesern die Erinnerungsfetzen des alternden Heinz näherbringt. Zeit seines Lebens ist Heinz auf der Suche nach seinem Vater und entwickelt, da er keine Antworten bekommt, eigenen Fantasien über seine Wurzeln. Die wenigen schönen Momente seiner Kindheit und Jugend im engen, konservativen Vorarlberg, werden regelmäßig von den Fragen nach dem Warum und Wieso überlagert. Selbst Jahre später stößt Heinz auf beharrliches Schweigen der Kriegsgeneration. 

Heinz flüchtet in diverse (Theater)Rollen, die ihn auch im Alltag nicht loslassen. 

Die Erinnerungen des Ich-Erzählers sind nicht immer leicht zu lesen. Stellenweise ist der Monolog ein wenig ausufernd und langatmig. Zahlreiche lose Enden bleiben übrig. Dennoch ist die Erzählung ein Stück Zeitgeschichte, denn ähnliche Schicksale sind dokumentiert. Der eine oder andere Betroffene kann besser mit den Lücken und Brüchen in seinem Leben umgehen. Heinz bleibt ein ewig Suchender, Teil einer verlorenen Generation. 

Fazit: 

Eine nicht einfach zu lesende (Lebens)Geschichte eines Mannes, der die Lücken in seinem Leben zu schließen versucht. Gerne gebe ich hier 3 Sterne.   

 

 

Kommentare: 4
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Zusätzliche Informationen

Alois Hotschnig wurde am 31. Dezember 1958 in Berg/Drautal (Österreich) geboren.

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