Alon Hilu Das Haus der Rajanis

(23)

Lovelybooks Bewertung

  • 25 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 20 Rezensionen
(7)
(5)
(5)
(1)
(5)

Inhaltsangabe zu „Das Haus der Rajanis“ von Alon Hilu

August 1895: Ein Schiff mit jüdischen Siedlern erreicht den Hafen von Jaffa, unter ihnen der junge Agrarwissenschaftler Isaac Luminsky mit seiner schönen Frau Esther – frisch verheiratet und voller Zukunftserwartungen. Doch bereits der erste Kontakt mit den palästinensischen Arabern verläuft unglücklich: Esthers Koffer landen im Wasser. Isaac freundet sich mit dem zwölfjährigen muslimischen Salach Rajani an, der verträumt, mitunter etwas verstört auf dem weitläufigen Familienanwesen am Stadtrand abgeschottet aufwächst. Mehr und mehr interessiert sich Isaac allerdings für dessen attraktive Mutter Afifa und das fruchtbare Land der Rajanis. Die Ereignisse überschlagen sich, als der Vater des Jungen nach langer Geschäfts- reise zurückkehrt, Salach seine Mutter und Isaac in flagranti erwischt und die arabischen Arbeiter vom Land der Familie vertrieben werden. Freundschaft schlägt in Hass um, Salachs geistige Verwirrung nimmt zu, die Grenzen zwischen Realität und Phantasie verschwimmen ... In seinem neuen Roman, der in Israel enormes Aufsehen erregte, entwirft Alon Hilu ein farbiges und genaues Bild Palästinas Ende des 19. Jahrhunderts, erzählt sinnlich, komisch und spannend in Form wechselnder Tagebucheinträge von einem dramatischen Konflikt, der bis heute anhält. So bekommt man einen ungeschminkten, jüdischen wie palästinensischen Blick auf die historischen Ereignisse.

Kurze Frage an alle. Das Buch erscheint doch erst am 16.2. Ich dachte, man dürfe vorher keine Rezension veröffentlichen? Oder gilt das nur für Journalisten? Ich habe mich extra bislang mit einer Rezi zurückgehalten...

— rumble-bee

Stöbern in Romane

Birthday Girl

Nettes Geschenkbüchlein mit einer bereits von Murakami veröffentlichten Kurzgeschichte. Tolle Illustrationen!

Cailess

Und jetzt auch noch Liebe

Eine schöne, humorvolle Liebesgeschichte

Diana182

Underground Railroad

Unglaublich intensiv. Jeder Gedanke und jedes Gefühl der Charaktere hat mir bewusst gemacht, welche Monster Menschen sein können.

Cleo15

Außer sich

Ich fand das Buch toll, aber ich kann nachvollziehen, wenn man es zur Seite legt.

Josetta

Das Floß der Medusa

Ein schockierendes Lehrstück darüber, wie der Mensch zur Bestie werden kann.

4petra

Schlafende Sonne

Eine Zumutung!

wandablue

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Themen-Challenge 2014 - übersetzte Bücher, aber nicht aus dem Englischen oder Französischen

    Daniliesing

    Dieses Thema gehört zur Themen-Challenge 2014:

    Hier könnt ihr euch über eure gelesenen Bücher zu Thema 15 austauschen!

    • 67
  • Rezension zu "Das Haus der Rajanis" von Alon Hilu

    Das Haus der Rajanis

    Ellen-Dunne

    05. January 2013 um 23:57

    Wieder ein historischer Roman, diesmal vor dem Hintergrund der jüdischen Siedler in Palästina im Jahr 1895. Und es gibt so viele Dinge, die mir an diesem Buch über die Freund- und Feindschaft zwischen dem israelischen Siedler Isaac Luminsky und dem hellsichtigen, borderline geisteskranken palästinensischen Jungen Salah sowie dessen Mutter nicht gefallen. Die Charaktere sind durch die Bank abscheulich und von ihren Vorurteilen gegen die jeweils andere Bevölkerungsgruppe zerfressen, der Stil, gerade im Tagebuch von Salah, der die Hälfte der Geschichte aus seiner Sicht erzählt, ist oft überladen und dadurch mühsam zu lesen. Und dass mit dem seltsamen Liebesdrei- bzw. Viereck (Sowohl Isaac als auch Salahs Mutter Afifa sind verheiratet) kein gutes Ende nehmen kann, macht das Lesen nicht gerade zu einem leichten Vergnügen. Trotzdem hat mich die Geschichte in ihren Bann gezogen und ich musste wissen, wie die Geschichte endet. Also stehe ich dem Buch zwiespältig gegenüber - empfehle es aber trotzdem jenen, die sich für historische Romane, vor allem des Nahen Ostens, bzw. die Israel-Palästina-Problematik interessieren.

    Mehr
  • Rezension zu "Das Haus der Rajanis" von Alon Hilu

    Das Haus der Rajanis

    WinfriedStanzick

    16. January 2012 um 10:24

    Dieser Roman des 1972 in Jaffa geborenen israelischen Schriftstellers Aloin Hilu hat in seiner Heimat nach seinem Erscheinen 2008 großes Aufsehen erregt und eine leidenschaftliche Debatte ausgelöst über die Bedeutung der jüdischen Kolonisation lange vor der Gründung des Staates Israel und über die unterschiedlichen Sichtweisen, die Juden und Palästinenser bis auf den heutigen Tag über die historischen Ereignisse in Palästina Ende des 19. Jahrhunderts haben. Erzählt wird die Geschichte des jungen jüdischen Agrarwissenschaftlers Isaac Luminsky, der im August 1895 zusammen mit seiner gerade erst geehelichten Frau Esther zusammen mit vielen anderen jüdischen Siedlern mit einem Schiff im Hafen von Jaffa ankommt. Von den Ideen Theodor Herzls inspiriert, will er im Lande Zion ein neues Leben beginnen. Doch der Neuanfang gestaltet sich schwierig. Nicht nur mangelt es an allen Enden an den Mitteln, für seine Ideen fehlt es ihm vorrangig an Grundbesitz. Dazu kommen erhebliche eheliche Probleme, denn seine Frau Esther hat nicht nur mit dem Gelobten Land ihre Anpassungsschwierigkeiten, sondern auch an der ehelichen Sexualität, die ihrem überaus potenten und lustvollen Mann wichtig ist, findet sie überhaupt keine Freude und verweigert sie mit allen möglichen Ausreden. Irgendwann begegnet Luminsky dem zwölfjährigen muslimischen Salach Rajani, der auf einem großen Areal und Besitz am Stadtrand lebt. Mehr noch als für den Jungen beginnt sich Luminsky aber für dessen schöne Mutter Afifa zu interessieren. Ihre sexuelle Ausstrahlung auf der einen, und die Aussicht auf einen großen Besitz rauben Luminsky zeitweise die Sinne. Doch er verfolgt sein Ziel unbeirrt. Eines Tages jedoch fliegt die Affäre auf, als der zunehmend mehr an geistiger Verwirrung leidende Salach Luminsky mit seiner Mutter bei eindeutigen sexuellen Handlungen ertappt. Als dann auch noch Vater Salachs von einer langen Reise nach Haus zurückkehrt, spitzen sich die Ereignisse zu. Der Roman basiert auf den persönlichen Briefen und Tagebuchaufzeichnungen von Isaac Luminsky (1868-1947), der als Agronom Mitglied der ersten Aliya war. Die Sprache des Romans hat die damalige Art und Weise zu schreiben beibehalten, was dem einen oder anderen Leser die Lektüre schwer machen dürfte, Mir hat diese Sprache wegen ihres Reichtums sehr gefallen. Obwohl es ein historischer Roman ist, ist sein Thema brandaktuell in Israel. Das möge ein Zitat aus dem Epilog des Romans verdeutlichen: „Luminsky weihte sein Leben zwei gleichermaßen hochgesteckten wie einander widersprechenden Zielen; zum einen dem massiven Landerwerb in Palästina, insbesondere in Untergaliläa, von arabischen Großgrundbesitzern, ein Vorgehen, das die Pachtbauern ihres Einkommens und des Landes beraubte, das sie über viele Jahre bestellt hatten. Dieses Land sollte später von jüdischen Ansiedlungen und Kibbuzim genutzt werden, die das Banner einer sozialistischen Ideologie vor sich hertrugen. (Vgl. dazu die eben erschienenen Bücher von Aharon Appelfeld „Der Mann, der nicht aufhörte zu schlafen“ und Zeruya Shalev, „Für den Rest des Tages“, d.R.). Luminskys zweites Ziel indes war das Bemühen, zu einer Annäherung und Befriedung zwischen Juden und Arabern im Lande beizutragen, eine Aufgabe, der er sich tatkräftig und mit zuweilen kontrovers diskutierten Mittel widmete.“ Der Roman ist Teil einer Neubewertung der zionistischen Bewegung in Israel und man versteht, warum er dort angesichts der sich immer weiter zuspitzenden innenpolitischen Lage so heftig diskutiert wurde. Zusammen mit den oben erwähnten Neuerscheinungen von Appelfeld und Shalev vermittelt er dem deutschen Leser einen guten Einblick in die Situation eines zerrissenen Landes, das sich seiner Wurzeln nicht mehr sicher ist und vor einer ungewissen Zukunft steht.

    Mehr
  • Rezension zu "Das Haus der Rajanis" von Alon Hilu

    Das Haus der Rajanis

    Literatur

    09. November 2011 um 18:18

    Alon Hilu entführt uns mit seinem Buch „Das Haus der Rajanis“ ins Israel am Ende des 19. Jahrhunderts. Das frisch vermählte jüdische Ehepaar Luminsky reist mit dem Schiff nach Jaffa, um im Lande Zion ein neues Leben zu beginnen. Der Neubeginn ist nur unter erschwerten Bedingungen möglich, da es an Arbeit und Grundbesitz mangelt, eine Integration nicht stattfindet, auch gar nicht gewollt ist und zwischenmenschliche Probleme innerhalb der Ehe aufkommen. Diese Ausweglosigkeit wandelt sich, als Jacques Luminsky die arabische Familie Rajani mit ihrem großen und großzügigen Landbesitz kennenlernt, wobei er sich dem psychisch kranken Sohn Salach widmet, die Frau Afifa leidenschaftlich begehrt und schon bald das gesamte Anwesen an sich reißen möchte. Hilu tabuisiert nichts, sondern er spricht auch Themen wie Sexualität, Begierde und Angst klar und deutlich an. Stilistisch ist es ein Buch, in das sich der Leser aufgrund der besonderen Wortstellung und der metaphorischen Sprache erst einfinden muss, wobei fraglich bleibt, ob der Stil die historische Sprache des 19. Jahrhunderts imitieren möchte, ob die Weise, wie sich der Autor ausdrückt und wie er die Handlung ordnet, kulturell bedingt ist, ob es sich um eine Kunstsprache handelt oder ob der erschwerte Lesefluss durch die Übersetzung bedingt ist. Der Perspektivenwechsel zwischen den Tagebuchaufzeichnungen von Jacques Luminsky und den Ich-Erzählungen von Salach ist einerseits verwirrend, da die Sprache und die Metaphorik wechseln, andererseits auch spannend, da der Perspektivenwechsel zeigt, wie stark sich „Innen- und Außensicht“ unterscheiden und wie sehr diese kulturell geprägt sind. Anhand dieser ausgewählten Beziehungsverstrickung und dieser unterschiedlichen Sichtweise wird deutlich, wie bereits im Kleinen Interessen zwischen Juden und Arabern aufeinanderprallen, sodass die nationalen Auswirkungen verständlich werden. Salachs Visionen und Prophezeiungen erhalten im historischen Rückblick schnell Realität. Dieses Buch erfordert Zeit, Geduld und Energie, um sich dem Inhalt wirklich ganz widmen zu können, aber diese Investition zahlt sich insofern aus, als das wichtige Thema über die zionistische Bewegung und der Beginn der Konflikte in Israel im Buch ihre Würdigung finden sowie als die Lebens- und Denkweise der Menschen, die dort leben, verständlich und vielschichtig aufgezeigt wird. 4 Sterne.

    Mehr
  • Rezension zu "Das Haus der Rajanis" von Alon Hilu

    Das Haus der Rajanis

    conneling

    28. July 2011 um 21:30

    lan Hilu entführt uns in die Zeit Ende des 19 Jahrhunderts nach Palästina. Er hat einen etaws eigenwilligen Stil, welcher etwas schwierig zu lesen ist, was aber auch an der Übersetzung liegen kann. Isaac sieht Esther, er ist sofort verzaubert von ihr, irgendwie iet er aber schon überrascht, dass sie einer Hochzeit zustimmt. Voller Hoffnung auf einer gute und tolle Zukunft ziehen die Beiden nach Jaffa, er ist Agrarwissenschafler und möchte dort gutes Land finden um es zu bebauen, was sie möchte ist mir nicht klar, einfach nur Warschau entfliehen? Die Hoffnungen werden nicht erfüllt, Esther weist jegliche Zuwendungen von sich, sie möchte nicht berührt werden, Land lässt sich so weit auch keines finden. Issac beginnt seine Erfahrungen und Gefühle in einem Tagebuch niederzuschreiben. Isaac sucht bei andern Frauen körperliche Nähe, schämt sich aber sofort danach wieder. Er lernt Salach kennen, einen arabischen Jungen, mit dessen Muter er dann eine Beziehung anfängt. Parallel zu Isaacs Tagebuch schreibt auch Salach seine Gefühle nieder. Teilweise war ich fast verwirrt, konnte nicht folgen, man muss wirklich sehr konzentriert lesen. Das Haus der Rajanis ist keine Lektüre, die man eben schnell nebenbei lesen kann. Mir hat das Buch trotz mancher Mühen gut gefallen, es steckt viel Gefühl in dem Buch und ich bin sehr froh, dass ich nicht aufgegeben habe, denn zwischendurch wollte ich es echt weg legen. Es ist edem zu empfehlen der in eine andere Welt entführt werden möchte

    Mehr
  • Rezension zu "Das Haus der Rajanis" von Alon Hilu

    Das Haus der Rajanis

    buecherwurmolli

    12. May 2011 um 19:34

    Große Lyrik, nichts dahinter Isaac Luminsky ist ein Agrarwissenschaftler, welcher mit seiner Frau Esther nach Jaffa ausgewandert ist, um sich dort einer langsam wachsenden jüdischen Kolonie anzuschließen. Als seine Frau und er sich fast ausschließlich streiten, lernt Isaac den Jungen Salach Rajani kennen. Der Junge, welcher von geistigen Schäden gequält ist, sieht in ihm einen Engel, welcher gekommen ist, ihn von seinem Unheil zu befreien. Doch schon bald wendet sich das Interesse des Juden ab von dem stark Selbstmord gefährdeten Jungen und er interessiert sich zunehmend für dessen Mutter Afifa. Afifa besitzt ein großes Grundstück, welches für einen Agrarwissenschaftler sehr anziehend ist. Als Isaac beginnt, mit Afifa eine sexuelle Bindung einzugehen und der Vater Salachs zurückkehrt in ,,Das Haus der Rajanis'' beginnt eine Familientragödie mit ungeahnten Ausmaßen. Meine Meinung über dieses Buch ist wohl so gespalten, wie das Volk der Palästinenser und das der Israelis. Wo wir auch gleich beim Thema sind. Oder bessergesagt sein sollten, denn entgegen des Klappentexts, befasst sich das Buch nur oberflächlichst mit den geschichtlichen Geschehnissen in Israel. Diese Tatsache hat mich sehr enttäuscht. Die zu Anfang etwas gewöhnungsbedürftige Schreibart des Autors Alon Hilu hat mich nach ein paar Seiten sehr fasziniert und hat wirklich sehr gut in die Handlung hineingepasst. Auch war ich sehr angetan von der Präzision, mit welcher der Autor semtlichen Figuren Leben eingehaucht hat. Auch die detaillierte Darstellung der wunderschönen Natur Israels hat mir sehr gefallen. Mir ist aufgefallen, dass das Buch, welches auch als ,,humorvoll erzählt'' bezeichnet wird, mich kein einziges Mal zum Schmunzeln gebracht hat. Auch die zahlreichen Liebesaffairen haben das Buch sehr zäh gemacht und sollten wohl eher als Lückenfüller dienen. Alles in Allem lässt sich sagen, dass das Buch wohl kaum geschichtlich interessant ist, dafür aber mit einer guten Handlung und charismatischen Charakteren einiges wieder gutmacht

    Mehr
  • Rezension zu "Das Haus der Rajanis" von Alon Hilu

    Das Haus der Rajanis

    Queenelyza

    28. February 2011 um 17:32

    Ich hätte schon skeptisch sein sollen, als ich mich gar so sehr auf dieses Buch gefreut habe. Meistens, wenn ich mit solch hohen Erwartungen an etwas herangehe, bin ich danach enttäuscht - so auch hier. Aber lasst mich von vorne beginnen: Das Buch schildert die Ankunft jüdischer Siedler in Jaffa, allen voran Isaac Luminsky und seine schöne Frau Esther. Doch vn Anfang an läuft nicht alles rund; Esther läßt sich nur äußerst widerwillig zu den ehelichen Pflichten "überreden", und der studierte Agrarologe ist unglücklich, weil er dort keine fruchtbare Erde vorfindet. So streift er umher, bis er auf einmal auf ein wunderbares Gut mit Orangenbäumen und fetter, gesunder Erde stösst... Ein zweiter Erzählstrang bringt uns den Jungen Salach näher, der recht seltsam wirkt und eine überschäumende Fantasie sein eigen nennt. Es kommt, wie es kommen muss, Salach und Isaac begegnen sich, freunden sich an - und damit nimmt das Unglück seinen Lauf. Denn Isaac fühlt sich auch zu Salachs Mutter hingezogen, die beiden beginnen eine Affäre. Als der Ehemann unerwartet wiederkommt, gibt es sehr viel Ärger, zumal Salach ihm verrät, dass öfter mal ein Mann, sein Engel, wie er ihn nennt, zu Besuch kommt. Dabei hatten sowohl Salachs Mutter als auch Isaac Salach verboten, darüber zu reden. Doch auf einmal ist der verhasste Ehemann und Vater tot, eigenartig... Die ersten ca. 150 Seiten des Buches habe ich nur so verschlungen. Die biblische Sprache des Buches gefiel mir sehr, ich fand sie überhaupt nicht gewöhnungsbedürftig oder schwer nachzuvollziehen. Doch dann driftete das Buch für meinen Geschmack zu stark ab ins Fantastische. Salachs Visionen, seine Prophezeiungen und seine "Hirngespinste" waren mir einfach zu abgedreht, da hatte ich irgendwie doch eher eine Familiengeschichte und einen geschichtlichen Roman erwartet. Zudem wurde mir erst hinterher, durch den Tipp einer anderen Leserin bewußt, dass das Buch wohl eine Reminiszenz an Shakespeare, und da vornehmlich an die Werke Macbeth und Hamlet sein soll, denn der Plot sei dort entliehen. Tja, aber diese beiden Werke kenne ich nicht, sodass mir auch diese Ähnlichkeit und Verbeugung vor Shakespeare verborgen blieb. Ich weiß nicht, ob der Autor davon ausging, dass jeder einigermaßen bewanderte Leser diese Geschichten kennt und damit auch sein Buch besser versteht und zu deuten weiß... Tja, wirklich schlecht bewerten möchte ich das Buch nicht, denn es gehört einiges an Ideenreichtum dazu, diese Story so zu entwickeln und sich auch noch vor Shakespeare so zu verbeugen. Was vielmehr nicht passte, war meine Erwartung an das Buch, aber da kann der Autor nichts dafür, dass ich etwas anderes erwartet habe. Da ich aber eben auch keine Lobeshymnen singen kann, bewerte ich das Buch mit guten drei Sternen. Ich denke mal, ich werde es sicher später noch einmal zur Hand nehmen, vielleicht ist mit meinem jetzigen Wissen der Lesegenuss dann ein ganz anderer...

    Mehr
  • Rezension zu "Das Haus der Rajanis" von Alon Hilu

    Das Haus der Rajanis

    Erinnye

    27. February 2011 um 17:25

    Das frisch verheiratete Ehepaar Isaak und Esther Luminsky erreicht mit einigen anderen jüdischen Siedlern den Hafen von Jaffa. Die Beziehung zwischen beiden ist gespannt, da sich Esther standhaft weigert, sich ihrem Ehemann hinzugeben. Dieser beginnt daraufhin aus Not und Verzweiflung ein Tagebuch, in dem er das Geschehen im neuen Land festhält. Während Esther eine Zahnarztpraxis eröffnet zieht Isaak durchs Land, da er als Agrarwissenschaftler arbeiten und ertragreiches Land aufkaufen will. Dadurch lernt er nach einiger Zeit Afifa und Salach Rajani kennen und es kommt natürlich wie es kommen muss: der sexuell unbefriedigte Isaak beginnt eine Affäre mit Afifa. Mit deren Junge Salach verbindet Isaak hingegen eine Freundschaft, die erst endet, als Salachs Vater die Bühne des Geschehens betrifft, bzw. dieses endgültig verlässt. Salach, selbst abgeschottet vom Rest der Welt und verträumt, verkraftet das Geschehen um ihn herum nicht gut. Er hat Visionen von zukünftigem Geschehen, was ihn tiefdepressiv und beinahe wahnsinnig dazu bringt, sein Leben und Denken ebenfalls in einem Tagebuch festzuhalten. Die Angelegenheit mit Isaak, Afifa und seinem Vater führen letztendlich dazu, dass sich seine einstmalige Freundschaft zu Isaak in grenzenlosen Hass wandelt. So nehmen die Dinge ihren Lauf und enden in einem tieftraurigen Finale. Ein sehr poetisches und künstlerisches Buch. Es ist beinahe Arbeit zu nennen, es zu lesen, da man neben der sehr intelligenten Sprache auch noch die sehr komplexen Charaktere der Figuren verarbeiten muss und diese im Kontext einer komplett anderen Kultur sieht. Im Laufe der Zeit wandelt sich das Geschehen zu einer exotischen und fremdartig schilldernden Blüte, die man als Europäer sehr verzückt verfolgen kann. Das Abgleiten in den Wahnsinn, die Verzweiflung einer enttäuschten Ehe, die Sehnsucht nach Liebe, all dies sind Themen, die aufgeführt werden. Sehr schön ist auch der Perspektivwechselt zwischen Isaak und Salach, die einem mehr über die verschiedenen Kulturen der Beiden verraten als jeder andere Roman es gekonnt hätte. Isaak und Esther stoßen sich beide ab, man fragt sich, warum sie geheiratet haben. Die ständig beschworene Liebe mag man kaum glauben. Überhaupt sind Verrat, Lug und Trug, Hinterhalt und Gier Hauptthemen und hinterlassen einen vom goldenen Glanz des Orients geblendeten Leser. Fazit: ein absolutes Kunstwerk. Das Buch selbst ist wunderschön gestaltet und sehr edel anzusehen. Die Geschichte gleicht dem, kann es aber nicht zur Gänze fortsetzen. Man fühlt sich, als hätte man ein großes Stück Weg zurückgelegt, wenn man dieses Buch gelesen hat. Ansonsten gibt es aber an der stilistisch einwandfreien Sprache viel zu entdecken. Insgesamt ein überdurchschnittlich gutes Buch.

    Mehr
  • Rezension zu "Das Haus der Rajanis" von Alon Hilu

    Das Haus der Rajanis

    abunchofcats

    26. February 2011 um 17:13

    Isaac reist mit seiner jungen Frau Esther nach Jaffa, um dort ein neues Leben als Agrarwissenschaftler zu beginnen. Schon auf der Schiffspassage beginnen die Probleme und es wird nicht besser als Issak auf die Araber trifft. Das Buch weckt zunächst durch seinen schönen Einband großes Interesse und auch der Klappentext weckt die Erwartung, ein Buch in den Händen zu halten, das Einblick in die verschiedenen Kulturen und Geschichte der Juden und Araber gibt. Leider wurde ich vom Inhalt arg enttäuscht. Zunächst musste man sich an den altertümlichen Schreibstil gewöhnen, den ich aber nach einiger Zeit als sehr passend empfand. Aber schon nach wenigen Seiten stießen mir die beiden Protagonisten Isaak und Esther sauer auf. Ist man bei Esther noch zwischen Zicke, verwöhnter Frau hin-und her gerissen, so entpuppt sich Isaak als großer Schwerenöter, der schon schnell seine Frau betrügt und sein ganzes Leben ist geprägt von Hass auf die Palästinenser. Er traut den Arabern in keinster Weise zu, über Wissen und Bildung zu verfügen und tut sie als grobschlächtige, primitive Bewohner ab, die auch noch das gute Land an sich reißen. Natürlich gehört es zu der Thematik des Buches auf beiden Seiten Vorbehalte und Probleme gibt, aber Alon Hilu verbreitet hier leider nur Stereotypen. Einzig allein die Tagebucheinträge des jungen Salach, der unter seiner überfürsorglichen Mutter und Depressionen leidet, lassen mich diesem Buch 2 Sterne vergeben. Leider ist es somit ein Buch, dass ich nicht weiterempfehlen kann.

    Mehr
  • Rezension zu "Das Haus der Rajanis" von Alon Hilu

    Das Haus der Rajanis

    suse9

    Dies wird eine halbherzige oberflächliche Rezension und jeder, der eine Buchempfehlung erwartet, sollte nicht weiterlesen. Von mir bekommt er nämlich keine. * Alles fing so gut an. Der Verlag pries eine Geschichte an, die mir die Ereignisse Ende des 19. Jahrhunderts in Palästina nahebringen sollten und dies nicht einseitig sondern aus beiden Blickwinkeln erzählt - aus der jüdischen und palästinensischen Sicht. Die ersten Seiten versprachen aufgrund des ungewöhnlichen Schreibstils Lesegenuss. Lies man sich darauf ein, traf man einen erfrischenden Stil. Dieser war es auch, der mich bewogen hat, den Roman zu Ende zu lesen und für ihn vergebe ich einen Stern. Jedoch fragte ich mich schon nach wenigen Seiten, was der Autor bezweckte. Wollte er mich aufrütteln, für Unrecht sensibilisieren, Partei ergreifen lassen? Das hat er geschafft. Allerdings bezweifel ich, dass er es so vorgesehen hatte. Während der gesamten Geschichte war ich aufgewühlt, ärgerte mich über Hasstiraden aus beiden Richtungen, Verunglimpfungen, machohafte Sprüche und intrigante Handlungen. Keiner der Protagonisten verdiente meine Sympathie - vielleicht noch die gnädige Frau, da sie sich bis zum Schluss treu blieb, ohne jemandem Gefühle vorzugaukeln, die sie nicht empfand. Isaak und Salach sind zerfressen von Hass, Egoismus, Vorurteilen und Intoleranz, wobei man Salach zugute halten muss, dass er noch ein Kind ist. Auf den Inhalt des Romans gehe ich nicht weiter ein und auch Beispiele für meine Meinung nenne ich nicht, da ich einmal mit Einzelheiten angefangen, nicht mehr aufhören könnte und zu viel von der Handlung preisgeben würde. * Der Roman hat mich so sehr aufgeregt und an meinen Nerven gezerrt, dass ich nicht nur einmal kurz davor war, ihn wortwörtlich in die Ecke zu werfen. Da ich aber Bücher so nicht behandele, tat ich es nicht. Ich erwartete nicht, eine komplette Aufklärung über die Situation zwischen Palästinensern und Israelis zu bekommen. Jedoch hätte ich mich über die ein oder andere Erklärung gefreut. Dass Hass und Intoleranz vor allem ihr Leben beherrschen, wusste ich schon vorher. Dafür brauche ich keinen ganzen Roman zu lesen. Nebenbei hat mich auch geärgert, dass sich der Autor bei Shakespeare sehr freizügig bedient hat - ist vielleicht ein stilistisches Mittel - gefiel mir aber trotzdem nicht. * Die Behauptung des Klappentextes, dass das Buch enormes Aufsehen in Israel ausgelöst hat, glaube ich, und er wird es auch hier. Die Frage ist nur, ob dieses positiv oder negativ ist.

    Mehr
    • 5
  • Rezension zu "Das Haus der Rajanis" von Alon Hilu

    Das Haus der Rajanis

    catangeleyez

    16. February 2011 um 15:32

    Alon Hilu entführt uns mit seinem Buch „Das Haus der Rajanis“ ins Israel am Ende des 19. Jahrhunderts. hierbei lernen wird das frisch vermählte jüdische Ehepaar Luminsky kennen, welches auf einem Schiff nach Jaffa reist, um im Lande Zion ein neues Leben zu beginnen. Die ersten Kapitel sind, manchmal jedenfalls, doch leicht nervig zu lesen, da sich Jacques dort massiv über seine sexuellen Gelüste auslässt und diese sich manchmal recht plump lesen. Doch beim weiteren Lesen des Buches wird der einzigartige Schreibstil des Autors deutlich und macht das Buch zu einem Leseerlebnis. Der Neubeginn ist nur unter erschwerten Bedingungen möglich, die versprochene Arbeit und der fruchtbare Grundbesitz sind nicht ausreichend vorhanden, eine Integration ist weder gewünscht noch gewollt und auch die Ehe von Jaques ist nicht das, was er sich vorstellte. Erst die Begegnung mit Afifa und ihrem Sohn Salach, einer verheirateten Araberin und deren fruchtbares und wundervolles Anwesen ändern die Situation, Jaques widmet sich dem psychisch kranken Sohn Salach und begehrt Afifa leidenschaftlich und schon bald das gesamte Anwesen. Er bereitet alles vor, um die arabischen Pachtbauern, die für die Familie arbeiten, durch eigene, aus Russland emigrierte Juden zu ersetzen und so der Herr über das fruchtbare Land zu werden. Die Situation schärft sich immer mehr zu und die Forderungen werden immer höher. Mehr sei zu dem Buchinhalt jedoch hier nicht verraten. In dem Buch finden sich keine Tabus, es werden diverse Themen angesprochen und es zeigt sich hierbei deutlich, dass von beiden Seiten in der damaligen Zeit Vorurteile, Urteile und Ereignisse jeweils unterschiedlich dargestellt werden und wurden. Der Perspektivenwechsel zwischen den Tagebuchaufzeichnungen von Jacques, den Ich-Erzählungen von Salach sowie seiner Geschichte ist einerseits verwirrend, da die Sprache und die Metaphorik wechseln, andererseits auch spannend. Dieses Buch erfordert Zeit, Geduld und Energie, um sich dem Inhalt wirklich ganz widmen zu können, aber diese Zeit lohnt sich, zumal das wichtige Thema über den Beginn der zionistische Bewegung und der Beginn der Konflikte in Israel im Buch ihre Würdigung finden. Auch ist hier nicht nur die jüdische Seite, sondern durch die Visionen Salachs, auch die arabische Seite zu sehen und man erkennt, dass keine der beiden Seiten unschuldig an den Konflikten, die bis in die heutige Zeit fortdauern, unschuldig ist. Ein Buch, das 5 Sterne mehr als verdient hat.

    Mehr
  • Rezension zu "Das Haus der Rajanis" von Alon Hilu

    Das Haus der Rajanis

    DasBuchmonster

    15. February 2011 um 22:12

    Der Unterschied zwischen Realität und Vorstellung In dem Buch Das Haus der Rajanis von Alon Hilu geht es um einen jüdischen Agrarwissenschaftler, der sich mit einer störrischen Dame verheiratet und versucht sein Glück in Israel, er wird beuaftragt Land für die jüdischen Kolonien zu finden. Er heißt Isaac Luminsky und seine Frau, Esther, ist Zahnärztin und ziemlich kalt, wodurch Jacques seine Triebe außerhalb auslebt,ja sogar zunächst wie ein Tagelöhner wirkt, da seine Frau durch ihre Tätigkeit als Ärztin das Geldins Haus holt. Dann geht es in dem Buch auch noch um einen kleinen Jungen, Salach Rajani heißt er, er ist von schmächtiger Gestalt und eher ein Autor, viel zu intelligent und geisteskrank, er hat Visionen und ist depressiv. Seine Mutter muss ein großes Gut fast alleine verwalten, denn der Vater ist oft auf Reisen. An einem Tag treffen sich die beiden aufder Geldwechslerpassage, und Salach glaubt, er sei der Gute Engel, der ihn retten und ihm Glück bringen wird. Schon beinahe verliebt sehnt Salach sich nach Isaac, doch dieser findet im Endeffekt Salachs Mutter interessanter, noch dazu ist er hinter das Gut der Rajanis her, da es fruchtbar und wunderschön ist. Als nun der Vater von einer langen Reise wegen Krankheit nach Hause kommt, erfährt ervon dem Fremden, der tagtäglich aus und eingehtund wird fuchsteufelswild. Er stirbt und Salach wird nun stärker von Prophezeiungen über einem Krieg zwischen den Arabern und Juden geplagt, noch dazu redet ihm der Geist seines Vaters ein, er wurde von dem Ehebrecher gemordet und Salach müsse ihm rächen. Mehr will ich von dem Buch nciht erzählen. Meine Meinung: Alon Hilu hat ein Meisterwerk geschaffen, welches viele Interpretationsmöglichkeiten bietet. Ich habe schon lang kein Buch mehr gelesen, das mich zuÜberlegungen und Interpretationen so enorm angeregt hat. Das Buch besteht aus Tagebucheinträgen, einmal von isaac und einmal von Salach, man weiß am Ende nicht mehr was Wirklichkeit, was Verschleierung und was Illusion ist, alla ETA Hoffmanns Sandmann. Der geplagte Geist des Vaters und die Totengräber erinnern eher an Hamlet, der Schreibstil ist trotz seiner "Altbackenheit" flüssig zu lesen und die Beschreibungen sind poetisch. Araber werden erdgebunden dargestellt, verloren gehend in der neuen Situation und Juden, tja. . . eher nach außen hui, innen pfui. Dann auch noch das "versagte Heldenelement", welches wir auch von Das Leben des Galilei kennen: Was wäre passiert, wäre das Gut nicht aus der Hand gegeben worden? Hätte das den Sieg der Araber bedeutet? Und den Verlust der Kolonien? Wie ihr seht, vergleiche ich das Buch mit großen Werken und genau als das sehe ich auch dieses Buch an. Das Cover passt im übrigen sehr gut zu dem Buch, wunderschöne Orangen, doch wer weiß, ob sie innen nicht doch faul sind

    Mehr
  • Rezension zu "Das Haus der Rajanis" von Alon Hilu

    Das Haus der Rajanis

    SunshineRose

    15. February 2011 um 16:56

    Der jüdische Agrarwissenschaftler Issac begibt sich mit seiner Frau auf den Weg nach Jaffa um dort ein neues Leben zu beginnen. Deren Start in ihrer neuen Heimat verläuft jedoch nicht reibungslos, da schon bei ihrer Ankunft die Spannungen zwischen den palästinensischen Arabern und den neu ankommenden Juden deutlich werden. Wer allerdings hofft, mit Alon Hilus Roman „Das Haus der Rajanis“ einen Roman gefunden zu haben, der den schon lange schwelenden Konflikt zwischen Palästinensern und Arabern näher beleuchtet, der wird enttäuscht werden. Über die Geschichte und die Kulturen dieser Bevölkerungsgruppen wird nur wenig berichtet. Schließlich tritt schon frühzeitig der junge Araber Salach in Issacs Leben, der von Selbstmordgedanken gequält und geistig mehr als verwirrt erscheint. Salachs Mutter bittet Isaac, sich ein wenig um den Jungen zu kümmern, da er sich in seiner Anwesenheit wohl ein wenig besser fühle. Als sich Salchas Mutter und Isaac näher kommen, wandelt sich Salachs Liebe zu Hass und Eifersucht gegenüber Isaac. Der Autor bricht somit den Konflikt der unterschiedlichen Kulturen auf ein Einzelschicksal herunter, welches wohl nur bedingt repräsentativ ist. Nichtsdestotrotz empfang ich diesen Roman als einen –im positiven Sinne – sehr außergewöhnlichen. Verfasst ist er in Form von Tagebucheinträgen von Isaac, wie auch von Salach. So bekommt man einen sehr guten Einblick in Isaacs Empfindungen sowie in die Psyche des Jungen. Auch wenn es bei Salachs Einträgen immer schwierig ist zwischen Realität und Wahnsinn zu unterscheiden, so macht vielleicht genau dies den Reiz aus, weiterzulesen. Schließlich möchte man wissen, was wirklich passiert ist und ob der Hass auf Isaac noch dramatischere Wendungen nach sich zieht. Die Sprache ist zu Beginn vielleicht ein wenig gewöhnungsbedürftig, da der hier verwendete Stil wohl schon recht alt sein dürfte und durch aus unserer Perspektive „verdrehte“ Satzstellungen und teilweise unglaublich lange Schachtelsätze befremdlich wirkt. Aber genau dies gefällt mir an dem Roman so gut. Schließlich gewöhnt man sich nach ein paar Seiten an diesen Stil und außerdem ist es eine willkommene Abwechslung zu all den Romanen, die sprachlich gesehen ebenso von Schülern der Mittelstufe hätten verfasst werden können. Hinzu kommt, dass der Roman Ende des 19. Jahrhunderts spielt und dieser so eben viel authentischer wirkt. Auch wenn mich Isaacs Geschichte und die Sprache des Romans schnell in ihren Bann gezogen haben, so hätte der Autor noch viel mehr aus seinem Roman machen können. Ziemlich schnell vertieft er sich nämlich nur auf die Beziehung zwischen dem Jungen und Isaac. Was um die beiden herum geschieht, kommt um einiges zu kurz und der Leser hat das Gefühl, dass die Geschichte einfach nicht vollständig erzählt wurde. So fragt man sich, welche Probleme Esther eigentlich mit ihrem Mann hat, dass sie so lange auf Abstand zu ihm geht. Und was erzählt Isaac ihr eigentlich, warum er sich die ganze Zeit auf dem Gut der Rajanis aufhält? Solche und ähnliche Fragen bleiben leider unbeantwortet. Nichtsdestotrotz kann ich den Roman all jenen empfehlen, die sich gerne mal eine etwas anspruchsvollere Lektüre zu Gemüte führen möchten und auch vor den wahnsinnigen Gedanken eines Jungen nicht zurückschrecken.

    Mehr
  • Rezension zu "Das Haus der Rajanis" von Alon Hilu

    Das Haus der Rajanis

    Mina - Das Irrlicht

    12. February 2011 um 18:10

    Nun, ich habe das Buch verhältnismäßig rasch gelesen. Grund dafür ist u.a., dass ich die Story zwar eher etwas langatmig und auch weniger interessant fand, die Sprache jedoch einfach genial bleibt! Diese schwülstige Sprache hat mir gut gefallen. Das Buch beginnt im August 1895. Isaac Luminsky beginnt auf dem Schiff nach Jaffa Tagebuch zu schreiben, um alles, was in ihm vorgeht (vornehmlich in diesem Momente die sex. Konflikte zu seiner Gattin Esther). In Jaffa freundet sich Isaac mit Jungen Salach Rajani an. Durch ihn lernt er Afifa kennen, Salachs Mutter, die Isaac zu begehren beginnt... Nachdem Salachs Vater davon erfährt und die arabischen Arbeiter von seinem Land vertreibt, zerbricht auch die Freundschaft von Salach und Isaac. Salach wird zunehmend verwirrter...

    Mehr
  • Rezension zu "Das Haus der Rajanis" von Alon Hilu

    Das Haus der Rajanis

    rumble-bee

    08. February 2011 um 12:25

    Es ist was faul im Staate Israel... Schon in meinem ersten Leseeindruck hatte ich es geahnt, und nun, nach der Lektüre des Buches, kann ich dies nur bestätigen: "Das Haus der Rajanis" von Alon Hilu ist ein durch und durch ambitioniertes Projekt, ein mutiges und gelungenes Buch! Mir hat sehr gefallen, wie beherzt der Autor ein schwieriges Thema aufgegriffen hat, und mit wie vielen Stilmitteln und Kniffen er es angegangen ist. Fürchterlich schade ist bei der ganzen Sache nur, dass manche dieser Kniffe für den Durchschnittsleser nicht ersichtlich waren. So bestand die Gefahr, dass man rein an der Oberfläche der Sachinformation entlang liest, dass man nur die Story beurteilt - und infolgedessen musste eine solche Rezension natürlich am Sinn vorbeigehen, den der Autor - meiner Meinung nach - eigentlich verfolgt hat. Ich möchte das gerne genauer erläutern. Ich bin ja auch erst in der Mitte des Buches darauf gekommen. Da dämmerte mir so langsam, was der Autor eigentlich vorhatte. Da hatte ich seine Anspielungen entschlüsselt, und es wurde mir klar, worauf dieses Buch eigentlich aufbaut. Kurz und gut: er schildert eben "nicht nur" den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern aus historischer Sicht, anhand einer Romanhandlung. Nein, er bezieht sich ausdrücklich auf ein großes Vorbild aus der klassischen Literatur, und zwar - auf Shakespeare! Ich habe nachgeschlagen, und bin mir nun absolut sicher. Nahezu das gesamte Handlungsgerüst geht auf den "Hamlet" zurück (Ermordung des Vaters durch einen Rivalen, Enthüllung der Schandtat durch Vorspielen, Geistererscheinung, Versuch der "Verschickung" des Sohnes, etc. pp.), und etliche zusätzliche Motive, wie Wahnsinn, Prophezeiungen, und der "laufende Wald", stammen aus "Macbeth". Das lässt natürlich das gesamte Buch in einem anderen Licht erscheinen, und eigentlich müsste man es sofort noch einmal von vorne lesen. Doch dazu fehlt mir im Moment leider die Zeit. Shakespeare steht für mich für eine ganz bestimmte Haltung, was Literatur kann und soll. Insofern kann ich nur vermuten, Alon Hilu hat sich gewünscht, auch im Lichte dieses Meisters beurteilt zu werden. Shakespeare hat ja immer klassische Leidenschaften und Laster der Menschheit gegeißelt; er hat seine Zeit schonungslos porträtiert, und wollte dadurch die Menschen wachrütteln. Ergo folgere ich, Alon Hilu hat durch die Wahl dieses Bezugsrahmens zeigen oder unterstreichen wollen, dass der Nahost-Konflikt eben ein klassisch "menschlicher" Konflikt ist. So etwas kam und kommt - leider - immer wieder vor. Und, auch das zeigt uns Shakespeare, ein Konflikt, auch ein schwerer mit politischen Folgen, geht meistens nur von einigen wenigen irregeleiteten Zeitgenossen aus. Die allgemeine "Schuldfrage" kann somit nur schwer oder gar nicht beantwortet werden, wenn nämlich die ursprünglichen "Anstifter" längst verstorben oder verschwunden sind. Und gerade deshalb bin ich so begeistert von diesem Buch! Es macht die moralische Beurteilung des Geschehens dem Leser wirklich nicht leicht - WENN er denn diesen Bezugsrahmen erkannt hat. Es stellt ganz bewusst krasse Klischees, sowohl gegenüber Arabern als auch gegenüber Juden, nebeneinander, es spitzt zu und regt auf. Das geschieht mit voller Absicht, eben um zu zeigen, he Leute, so ist die Welt, aber wir alle könnten unter den entsprechenden Umständen ebenso reagieren. Doch dies soll keine sozialwissenschaftliche Abhandlung werden. Noch einige Bemerkungen zum Buch an sich. Alon Hilu hat sich wirklich Mühe gegeben, seine Botschaft zu entschärfen und zu verschachteln. Erstens: er verlegt die Handlung um über hundert Jahre zurück, in das Jaffa des späten 19. Jahrhunderts. So konnte er nach Herzenslust in den Vorurteilen schwelgen, welche die damaligen Araber und Juden gegeneinander hegten. Zweitens: er wählt ganz bewusst eine altertümliche Sprache, die dem Hebräisch der Bibel nachempfunden ist. Darin ist er sehr konsequent, und größtenteils gelingt es ihm auch wunderbar. Gerade durch diese Sprache entsteht für mich oft eine sehr feine Ironie, die umso tiefer trifft. Ein wenig schade ist nur, und da muss ich manchen Rezensenten zustimmen, dass sich der Erzählton des Erwachsenen, Isaac, und des Jungen, Salach, nicht allzu sehr unterscheidet. Drittens: Er schaltet dem Buch eine - offenbar fiktive - Vorbemerkung eines "Herausgebers" vor, um das Geschehen realistischer wirken zu lassen. Ebenso gibt es ein Nachwort, in dem vom weiteren "Leben" der Hauptpersonen berichtet wird. Viertens: Er schreibt sein konfliktreiches Drama in Tagebuchform. Sowohl der israelische Agronom Isaac Luminsky, als auch der arabische Junge Salach Rajani, vertrauen ihren Tagebüchern ihre Erlebnisse mit dem jeweils anderen an. Das wirkt wiederum sehr unmittelbar, und bezieht den Leser mit ein. Fünftens: Er geht auch noch absichtlich so weit, die Tagebucheinträge der beiden Protagonisten sich ständig widersprechen zu lassen! Das beginnt erst ganz allmählich, doch spätestens ab der Mitte des Buches beginnt der Leser offen zu zweifeln. Schildert Isaac eine Episode eben noch aus seiner Sicht, sagt zwei Seiten später Salach etwas komplett anderes. Man kann einfach nicht entscheiden, wer "Recht hat". Man ist gezwungen, sich seine eigene Meinung als Leser zu bilden. Auch das finde ich, innerhalb der Gesamtaussage des Romans, genial gemacht! Ein wenig verwirrend wird diese Technik nur am Ende, weil nämlich für den Leser letztlich offen bleibt, ob der Kampf zwischen Isaac und Salach tatsächlich stattgefunden hat. Doch mir machte das nichts aus - ich finde Spielräume für die Imagination wunderbar. Wenn wir nun alle diese Kniffe, Verschachtelungen und "Rahmen" zusammen betrachten, dann liest sich der reine Plot doch schon ganz anders: Ein studierter junger Israeli, Isaac Luminsky, reist mit seiner frisch angetrauten Ehefrau Esther ins heutige Israel ein, um Land zu besiedeln. Offenbar sind die beiden von einer internationalen Organisation, den "Chowewei Zion", dafür geködert worden. Doch Isaacs Frust steigt schon bald an. Seine Ehefrau weist ihn sexuell ab, und das ist für einen Juden eine Katastrophe! Denn im Judentum ist Sex etwas Heiliges, sozusagen eine spirituelle Disziplin, ganz ähnlich dem tibetischen Tantra. Hinzu kommt, dass die Versprechungen der Chowewei offenbar falsch waren. Das einzige fruchtbare Land wird von Arabern bewohnt, und so ist Isaac letztlich nur glücklich, durch eine zufällige Begegnung auf der Straße Salach und seine Mutter Afifa kennen zu lernen. Denn diese besitzen ein wunderbar großes, wenngleich ein wenig verfallenes Landgut, samt herrlichsten Böden. Nicht nur dadurch wird Isaacs Begehrlichkeit geweckt. Afifa ist reizend, Strohwitwe, und auch der Junge ist durch sein Leben unter Frauen und die lange Abwesenheit des handelsreisenden Vaters ein wenig seltsam geworden. Beide, sowohl Afifa als auch Isaac, benutzen nun in Folge den Jungen als Vorwand und Schutzschild, um ihre jeweils eigenen Interessen verfolgen zu können. Es kommt, wie es kommen muss: die Situation spitzt sich immer mehr zu, bis Salach dahinter kommt, dass er nur benutzt wurde. Als dann auch noch der Vater zurückkehrt, ist die Katastrophe vorprogrammiert... Ja, im Rückblick merke ich erst, dass das Buch nicht nur politisch gewichtig, sondern auch spannend war. Sicher, man musste sehr aufmerksam lesen, um den Bezug zum "Rahmen" nicht zu verlieren. Doch hatte man sich erst einmal daran gewöhnt, konnte man mit der Lektüre kaum aufhören. Ich vergebe also völlig verdiente fünf Sterne für dieses anspruchsvolle und ansprechende Lese-Erlebnis!

    Mehr
  • weitere
  • Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach!

    Hol dir mehr von LovelyBooks