Altaf Tyrewala Kein Gott in Sicht

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Inhaltsangabe zu „Kein Gott in Sicht“ von Altaf Tyrewala

"In einer Hölle wie dieser muß selbst Gott laut schreien, um sich bemerkbar zu machen", klagt ein Metzger auf einem überfüllten Marktplatz. Altaf Tyrewala macht die Stimmen der Stadt hörbar - und verwandelt sie in ein literarisches Wunderwerk. Was unmöglich klingt, ist ihm in seinem begeistert aufgenommenen Debüt mit Leichtigkeit gelungen: Bombay als Roman. Mütter und Söhne treten auf, Schuldige und Unschuldige, Hoffnungsvolle und Verzweifelte, und für sie alle ist die schillernde Stadt das Schicksal. Armut, Schuld, religiöse Rivalitäten, Gewalt - ein Gott ist nicht in Sicht, doch ihre Geschichten fügen sich zu einem packenden, aufwühlenden Erzählwerk, das den Pulsschlag Bombays fühlbar macht.

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  • Rezension zu "Kein Gott in Sicht" von Altaf Tyrewala

    Kein Gott in Sicht

    Wolkenatlas

    01. September 2008 um 13:04

    Ein herrlicher, origineller Debutroman Altaf Tyrewala (Jahrgang 1977) hat mit "Kein Gott in Sicht" einen herrlichen Erstling vorgelegt. Ein Roman, der jeder Figur nur ein Kapitel (teilweise sehr kurze Kapitel- die kürzesten haben ein bis zwei Sätze, das längste Kapitel hat an die 6 Seiten) einräumt- kann das überhaupt funktionieren? Und wie! Der Grund: Protagonist dieses Romans, bzw. der berühmte "Rote Faden" ist keine Person, sondern Mumbai, die verrückte Millionenmetropole. Beeindruckend, wie Altaf Tyrewala es schafft, die Spannung zu halten, wie er den Leser konsequent durch sein polyphones Werk führt und den Kreis im letzten Kapitel schließt. Alle kommen zu Wort: ein Mann, seine Frau (die früher Dichterin war), der Abtreibungsarzt, sein Vater, seine in Mekka zu Tode getrampelte Mutter, die Abtreibende, der Freund der Abtreibenden, die schwangere Arbeitssuchende, der unter Verstopfung leidende Mörder, der Schuhverkäufer, der Huhnfleischer, die Frau des vermissten Mannes, der schon fast suspendierte und faule Constable, der korrupte Polizist, der als Terrorist verkaufte vermisste tote Mann, einige Namensvetter des als Terrorist verkauften Toten, der schnöselige Korrespondent, das sich prostituierende Jungfernsehstarlet, der Chef des Huhnfleischers, Tänzerinnen, die Heiratsvermittlerin, Bettler und noch viele andere... Überraschend, wie viele Figuren der Autor auf nur 186 Seiten unter der Haube Mumbais vereint. Ein Dominospiel von einem Roman, perfekt organisiert und mehr als überzeugend. Eine Liebeserklärung (vielleicht eine Art von Hassliebe?) an Mumbai, ein in seiner Traurigkeit heiteres Buch, das genaue Gegenteil von einem klischeehaften Indien-Epos (wer auf Elefanten reitende Rajas und Paläste sucht, ist hier fehl am Platz!), ein extrem originelles und leuchtendes Stück Literatur.

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