Amélie Nothomb Töte mich

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Inhaltsangabe zu „Töte mich“ von Amélie Nothomb

Die 17-jährige Tochter des Grafen Neville gibt Anlass zur Sorge. Eines Nachts läuft sie von zu Hause davon und wird im Wald halberfroren von einer Wahrsagerin aufgefunden. Als der Vater das Mädchen abholt, prophezeit ihm die Hellseherin, er werde demnächst einen Menschen töten. Die Tochter macht sich diese Weissagung zunutze. Sie versucht den Vater davon zu überzeugen, dass sie das perfekte Opfer ist. Ein Märchen voller böser Vorzeichen und doch mit einem Happy End.

TÖTE MICH ist eine originelle Geschichte um Schicksal, Konventionen und Emotionen.

— Fascination

Ein kurzer aber sehr interessanter Roman, der mich vor allem dadurch überzeugt hat, dass er so ungewöhnlich ist.

— Lealein1906

Modernes Drama mit Biss und viel Fabulierkunst. Lohnenswerte 111 Buchseiten.

— seschat

Die überspitzten Dialoge und Charaktere machen dieses kleine Buch zu einem Kleinod, bei dem kein interessierte Leser etwas falsch machen kan

— Flaventus

großártig wieder eine echte nothomb

— mirin

skurriles, humorvolles und literarisches Meisterwerk, ich kann es nur weiterempfehlen.

— claudi-1963

Ein leichtes und doch doppelbödiges Kabinettstück, unterhaltsam und grazil-heftig.

— Trishen77

Scharfe Dialog-Geschosse und eine irrsinnig komische Charaktere zaubern aus „Töte mich“ ein Buch, das nun zu meinen Lieblings-Nothombs zählt

— killmonotony

Moderne Poesie schwarzhumorig in unglaublicher Leichtigkeit zu Papier gebracht

— mgwerner

Schon fast poetisch drückt sich die Autorin aus, sie hat einen unverwechselbaren Stil

— HEIDIZ

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  • Adel verpflichtet!

    Töte mich

    Fascination

    07. October 2017 um 12:25

    Jedes Jahr laden Henri und Alexandra Neville zum großen Empfang ins Château du Pluvier. Die Garden Party ist das bedeutendste gesellschaftliche Ereignis in den belgischen Ardennen. Doch dieses Mal wird es leider das letzte Fest seiner Art sein. Die Nevilles sind aus finanziellen Gründen gezwungen, das Schloss aus dem Jahre 1799 aufzugeben. Schlimmer noch, mahnt die Wahrsagerin Rosalba Portenduère, der Graf würde bei diesem Anlass einen seiner Gäste ermorden. Neville ist in heller Aufruhr! Nicht zuletzt, da sich seine Tochter, Sérieuse, freiwillig als Opfer darbietet. Die Siebzehnjährige fühlt sich seit nunmehr längerer Zeit nicht wohl in ihrer Haut. Ganz im Gegensatz zu den älteren Geschwistern Oreste und Électre, die ihren Platz im Leben bereits gefunden haben, ist der jüngste Spross eine herbe Enttäuschung für die Familie. Einst voller Lebenslust und Elan, wurde sie mit zwölfeinhalb Jahren zu einer tristen Randfigur, schweigsam und teilnahmslos. Henri Neville, der inzwischen diverse Optionen des Tötungsdelikts durchdacht hat, befindet sich in einer Zwickmühle. Die Vorbestimmung aber fordert unabwendbar ihren Tribut … TÖTE MICH, mein erstes Werk der Bestsellerautorin AMÉLIE NOTHOMB, hat mich auf herrlich abstruse Weise entzückt! Die in Kobe, Japan, geborene Autorin ist nicht ohne Grund für ihre etwas anderen Erzählungen berühmt. Und ich habe bekanntermaßen ein Faible für originelle Schreibweisen und Kreativität fernab des Mainstreams. Die Geschichte von Henri Neville und seiner jüngsten Tochter Sérieuse konzentriert sich in dritter Person Singular auf des Grafen Perspektive der Ereignisse. NOTHOMB verknüpft Erinnerungen an Vergangenes mit gegenwärtigem Geschehen. Haupt- und Nebenfiguren erhalten ein Gesicht. Der Spagat zwischen gehobener Ausdrucksweise des Adels und Umgangssprache des 21. Jahrhunderts prallen hier und da befremdlich aufeinander. Darüber hinaus gibt es immer wieder Parallelen zur klassischen Literatur, die die Ausgefallenheit und Dramaturgie von TÖTE MICH unterstreichen. Aber auch mit Humor, vor allem der trockenen und tiefschwarzen Art, wird nicht gegeizt. Die Lösung des Problems, will heißen der Abschluss des Romans, entspricht einer überraschenden Kehrtwende des Schicksals. Fast schon möchte man perplex auflachen. TÖTE MICH erscheint als Hardcover in Leinen mit Schutzumschlag im Diogenes Verlag. Das Motiv ist ungewöhnlich und doch passend, wird auch Sérieuse nach dem Verlust ihrer Lebensfreude ohne Glanz und Anmut nahezu unsichtbar für ihre Umgebung. Fazit: Adel verpflichtet! TÖTE MICH ist eine originelle Geschichte um Schicksal, Konventionen und Emotionen. AMÉLIE NOTHOMB macht ihrem internationalen Leumund alle Ehre und verzaubert auch mich mit einer einfallsreichen, eigensinnigen und überraschenden Lektüre. Ihr besonderer Humor sowie schlagfertige Dialoge sind allemal eine Empfehlung wert.

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  • Ungewöhnlich

    Töte mich

    Lealein1906

    04. October 2017 um 21:39

    „Töte mich“ ist ein kurzer aber sehr interessanter Roman, der mich vor allem dadurch überzeugt hat, dass er so ungewöhnlich ist. Es geht hauptsächlich um Graf Neville und seine Tochter Serieuse. Der Graf ist pleite und muss sein geliebtes Anwesen verkaufen, seine Tochter macht schon seit mehreren Jahren eine sehr schwierige Phase durch. Als eine Wahrsagerin Neville voraussagt, dass er auf seiner letzten Gartenparty einen Gast töten wird, setzen sich eigenartige Dinge in Gang. Die Figuren haben interessante Persönlichkeiten. Neville ist zwar Graf, aber nur in manchen Dingen so, wie man sich einen typischen Grafen vorstellt. Serieuse finde ich eine tolle Figur, von der ich gerne noch mehr lesen würde. Ein Kritikpunkt ist für mich das Cover: Ich weiß wirklich nicht, was mir damit gesagt werden soll, das hat doch mit dem Roman überhaupt nichts zu tun (Oder mir bleibt der verborgene Sinn dahinter verborgen). Den Titel finde ich ganz gut, allerdings verspricht er mehr Thrillerstimmung, als es im Buch gibt. Der Originaltitel „Das Verbrechen des Grafen Neville“ gefällt mir besser. Ich möchte nicht sagen, dass die Geschichte witzig ist, aber trotzdem muss man zwischendurch laut auflachen. Das Buch hat wirklich einen interessanten, ja fast eigenartigen Humor. Es ist gut geschrieben, sodass man schnell durch die 110 Seiten kommt. Die Autorin hat wirklich die Gabe mit wenigen Worten gute Dialoge zu kreieren und eine Geschichte zu skizzieren, für die andere bestimmt 500 Seiten gebraucht hätten. Amelie Nothomb bringt dagegen einfach die wichtigen Sachen auf den Punkt. Dieses Buch ist wirklich mal etwas anderes und besonderes, auch wenn es nur kurz ist. Aber für zwischendurch und zum Entspannen hat die Geschichte durchaus seinen Reiz und regt auch ein bisschen zum Nachdenken an.

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  • Kurzweiliges, modernes Drama

    Töte mich

    seschat

    03. October 2017 um 09:14

    Das Erste, das mich bei diesem Buch magisch angezogen hat, ist das optisch spannend arrangierte Cover gewesen. Darauf sieht man eine Frau, die fast vollständig mit der Wandtapete im Hintergrund verschmilzt. Aber auch inhaltlich bietet das Buch der französischen Senkrechtstarterin Amélie Nothomb allerhand Ungewöhnliches. Denn Nothombs Erzählung handelt von einer lebenssatten, weil empfindungslosen 17-Jährigen, die ihren Vater bittet, sie umzubringen. Harte Kost, denkt man. Doch der erste Eindruck trügt, Nothombs Zweipersonenstück lebt von spritzigen wie literarisch anspruchsvollen Dialogen. Graf Henri Neville und seine stumme bis apathische Tochter Sérieuse eint mehr als sie trennt. Beide sind emotionale Legastheniker und lassen andere nicht gern in ihr Inneres schauen. Doch der unmoralisch-mörderische Pakt lässt Sérieuse wieder sprechen...Der klimaktische Aufbau dieser modernen Tragödie, die nur allzu gern auf antike Vorbilder (Orestie von Aischylos) Bezug nimmt, ist grandios. Hierbei überrascht vor allem das Ende, das anders als erwartet, im Stile der griechischen Katharsis, ausfällt.FAZITModernes Drama mit Biss und viel Fabulierkunst. Lohnenswerte 111 Buchseiten. 

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  • Überrraschende Wendung

    Töte mich

    Kam_Kam

    01. October 2017 um 22:50

    Das Buch füllt zwar nicht viele Seiten, diese sind aber vollkommen ausreichend. Es handelt sich meist um Dialoge und man kann durch die Gespräche ein sehr gutes Gefühl entwickeln, welche Charaktere man da vor sich hat. Eigentlich ist Graf Henri Neville glücklich verheiratet und hat 3 gesunde Kinder. Die jüngste, Serieuse, ist aber sehr abenteuerlich und läuft vor keiner Gefahr davon, deshalb bereitet sie ihm schlaflose Nächte. Durch Zufall kommt der Graf zu einer Wahrsagerinmacht, die ihm eine ungeheuerliche Prophezeiung, nämlich dass er jemanden töten wird. Den Grafen belastet diese Aussage natürlich und er hat nun noch mehr schlaflose Nächte und dann macht die jüngste Tochter auch noch einen Vorschlag mit dem  niemand rechnet.                                                                                                                              Das Ende hat mir gut gefallen, es war überraschend und dennoch gut: Eine tolle Wendung der Geschichte!

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  • grotesk, humorvoll, abgedreht

    Töte mich

    Flaventus

    30. September 2017 um 09:37

    Spielt das Buch heutzutage oder irgendwann anno Dazumal? Das ist für die Geschichte überhaupt nicht von Belang, auch wenn es später geklärt wird. Dadurch gewinnt sie einen zeitlosen Charakter mit abstrusen Protagonisten und skurrilen Gedanken. humorvoll, abgedreht … Nothomb bedient sich klassischen Stilmitteln, um den Leser in die Welt des Adels zu entführen. Der verarmte Schlossherr, der kurz davor steht, sein Schloss veräußern zu müssen, der zudem eine „klassische“ Erziehung mit viel Schein und ohne Sein „genossen“ hat. Das ist natürlich noch nicht komisch. Das, was komisch ist, sind die Dialoge und die Handlungen. Und zwar in einem Stil, der ebenso altbacken wirkt, wie die Protagonisten. Dafür muss man durchaus empfänglich sein, denn die „Schenkelklopfer“ sucht man in dieser Geschichte vergebens.   … und grotesk Aber allein der Gedanke, dass es ein Vater nur in Erwägung zieht, seine Tochter zu töten, ist schon sehr grotesk. Was in seinem Kopf vorgeht, noch viel mehr. Die Namensgebung der Protagonisten ist tiefgründig und verschachtelt und ich rate jedem, der sie nicht einzuordnen weiß, nach ihnen zu googlen – aber erst, wenn die Geschichte ihr Ende gefunden hat. Vielleicht erfährt er dann (weitere) Überraschungen.   Fazit Diese kleine Geschichte findet schnell ihr Ende. Für meinen Geschmack ein bisschen zu schnell. Aber wie heißt es so schön auf dem Klappentext: „Ein Märchen voller böser Vorzeichen und mit einem Happyend“. Ich persönlich mag nicht nur Kurzgeschichten, sondern auch einen leicht abgedrehten Humor, der nicht albern wirkt. Die überspitzten Dialoge und Charaktere machen dieses kleine Buch zu einem Kleinod, bei dem kein interessierte Leser etwas falsch machen kann.Diese und andere Rezensionen finden sich auf meinem Bücherblog.

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  • la vie en...

    Töte mich

    mirin

    23. September 2017 um 20:01

    als nothomb-junkie gebe ich zu, da waren ein paar in letzter zeit, die konnten an die ersten übersetzungen nicht heran, aber dieser kurze roman ist fast so spannend und erstaunlich wie
    quecksilber 
    die metaphysik  der röhren 
    im namen des lexikons 
    der professor 
    etc


    LESEN!!!!!!!!

  • Donjuanismus der Aristrokratie

    Töte mich

    claudi-1963

    23. September 2017 um 16:15

    "Es ist in der Tat notwendig, entweder in aller Öffentlichkeit zu töten oder zuzugeben, daß man sich nicht berechtigt fühlt zu töten." (Albert Camus)Als die 17-jährige Sérieuse sich eines Nachts aus dem Hause schleicht und davon läuft, wird sie halb erfroren von der Wahrsagerin Madame Portenduére gefunden. Diese ruft umgehend bei Sérieuses Eltern an und der Graf holt seine Tochter ab. Das Gespräch mit Madame Portenduére endet in dem sie dem Grafen voraussagt, dass er bei seinem nächsten großen Empfang einen Gast töten wird, aber alles gut ausgehen wird. Der Graf weist diese Prophezeiung erst weit von sich, da er der Frau nicht glaubt, aber die Worte lassen ihn nicht mehr los. Er überlegt, wen er töten könnte und welche Konsequenzen dies für ihn und seine Familie hätte. Doch da unterbreitet seine Tochter Sérieuse die merkt, wie ihr Vater leidet, das es das beste wäre, sie zu töten.Meine Meinung:Für mich war es das erste Buch von der Autorin Amélie Nothomb gewesen. Ich war erstaunt was für ein kurzes aber literarisches Meisterwerk sie hier dem Leser präsentiert. Durch Rückblenden macht der Leser erst noch eine Reise in die Vergangenheit des Grafen Neville. Man erlebt wie es dem Adel erging und was für Nöte die Familie damals erleiden musste. Unter anderem das die Garden Party auf Le Pluvier schon von jeher immer ein großes Ereignis war. Wir erleben aber auch den wunderbaren Dialog zwischen Vater und Tochter, der mich entsetzt und sehr erstaunt hat. Vor allem der Vorschlag der Tochter, die mit ihrem Leben unzufrieden ist und keinen besseren Ausweg findet, als das der Vater sie töten soll. Doch Amélie Nothomb hat für den Leser in dieser Art Märchen eine wunderbare Wendung mit eingeflochten, die mich sogar schmunzeln hat lassen. Wer in 110 Seiten so eine Geschichte schreibt, der ist eine wahre Meisterin der Wörter, Chapeau. Ich kann es nur jedem ans Herz legen, wer gerne ironische, makabere und spitzfindige Geschichten liebt, der sollte es lesen. Das Cover ist dagegen wieder sehr speziell, wie oft beim Diogenes Verlag. Von mir gibt es 5 von 5 Sterne für dieses grandiose Werk.

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    • 3
  • Ein morbides Esprit-Stück mit Klasse

    Töte mich

    Trishen77

    19. September 2017 um 13:58

    Es ist, und dies sei vorweg festgehalten, nahezu immer ein Vergnügen für mich, Amélie Nothomb zu lesen. All diese Novellen und kleinen Romane, die sie über die Jahre herausgebracht hat, reihen sich in meinem Bücherschrank. Für ihre stärksten Werke halte ich noch immer die autobiographischen wie z.B. “Der japanische Verlobte” oder die großartige “Biographie des Hungers” oder das bekannte “Mit Staunen und Zittern”. Sie haben etwas Lebendiges an sich, das mich immer wieder heiter stimmt und es gibt nur wenige Bücher, die das wahrlich vermögen; das meiste, was an Literatur fröhlich und heiter stimmen soll, deprimiert mich eher maßlos. Was nun die anderen Bücher angeht, die erwähnten Novellen und Romane, so haben sie eins gemeinsam, und das ist ein Zug zum Ungeheuerlichen, in verschiedenen Dimensionen und Varianten. Bei “Töte mich” beginnt diese Ungeheuerlichkeit schon mit dem ersten Satz: “Wäre ihm prophezeit, dass er einmal zu einer Wahrsagerin gehen würde, Graf Neville hätte es nicht geglaubt.” Ein gekonnter Start, verheißungsvoll, außerdem mit einem inhärenten Witz garniert und schon der Anfang eines Persönlichkeitsbildes, famos. Die wirkliche Ungeheuerlichkeit kommt aber noch: die Wahrsagerin prophezeit dem Grafen, dass er bei dem alljährlichen Fest auf seinem Schloss einen Gast töten wird. Dabei wollte der Adelige doch nur seine entlaufende 17-jährige Tochter bei ihr abholen, die nachts davongelaufen war und von der Wahrsagerin aufgelesen wurde. Und nun, völlig aus dem Nichts, ruiniert sie sein großes Fest! “Nicht umsonst war die Garden Party auf Le Pluvier seit so langer Zeit das bedeutendste gesellschaftliche Ereignis in den belgischen Ardennen. Hier durfte man sich für einen Sonntagnachmittag als Mitglied eines phantastischen Zirkels fühlen, den man zurecht als nobel bezeichnete, hier ergab der erhabene Vers “O Zeiten, o Schlösser!” und das Leben wurde zu einem graziösen Tanz mit geheimnisvollen schönen Damen, deren winzige Füße kaum den Rasen der Gärten berührten.” Dem Grafen liegt sehr viel an diesem Ereignis, er ist sehr stolz darauf es in der Gastgeberschaft zur Meisterschaft gebracht zu haben. Nach und nach breitet Nothomb seine Erinnerungen und seinen Seelenzustand vor uns aus, seine Vergangenheit, die Familie, die Geschichte der Partys im Garten des Schlosses von Le Pluvier. Es ist schließlich die Tochter des Grafen, die dem Vater mit einem unorthodoxen Vorschlag einen Ausweg weisen will: Töte (doch) mich. Das ist nun die vollendete Ungeheuerlichkeit und das in einer Welt, in der doch alles voller schöner Oberflächen ist … Es ist eine der ungeschriebenen Regeln der Prosaliteratur, dass es irgendeine Form von Konflikt geben muss, weil ansonsten das Erzählen auf nichts hinauslaufen kann als auf Beschreibungen. Es ist das Bezeichnende bei Nothomb, dass sie rund um den Kern ihrer Bücher oft Landschaften der Harmonie, Eleganz und Schönheit entwirft, nicht selten Prunk und Pracht und eine wahre Freude an kleinen und ausufernden Beschreibungen jeglicher Art hat, und doch die größten Ungeheuerlichkeiten zum Kernkonflikt macht. Mord in allen Varianten, exzessive psychologische Gewalt, Verderbtheit, Deformationen, ungewollte Übergriffe, das alles hat in ihren Büchern schon mal im Mittelpunkt gestanden. „Wenn schon Krise und Konflikt, dann richtig und mitten aus der heilen Welt heraus“, scheinen ihre Werke zu sagen. Es muss immer um große Fallhöhen gehen, die leichthändig von ihr auf dem Finger balanciert werden und in langen Dialogen auf ihre Ungeheuerlichkeit hin abgeklopft werden (lange Dialoge, in denen die Gesprächspartner*innen um die Hoheit ringen, ein weiteres Steckenpferd von Nothomb). Und fast immer gibt es eine Figur mit Manien und Anwandlungen, mit einer krummen Psyche. Immer wieder: Menschliche Abgründe, anzutreffen in zauberhaften, auf ihre Weise idyllischen Arrangements. Dieses Spiel mit Schein und Sein, mit Perfektion und Perfidie, mit Oberfläche und Abgrund, ist ein Markenzeichen ihrer Bücher – aber selbstverständlich deshalb noch kein Gütesiegel. Und so gekonnt diese Werke auch daherkommen, so rund und genau, so glatt sind sie auch auf den ersten Blick und es bedarf wohl oft der Lektüre mehrerer Werke, um das Spiel dieser Motive vollends zu begreifen; ihre Bücher können sich daher oft nur in Nuancen und durch ihre sprachliche Wohlgefeiltheit von belangloser oder oberflächlicher Literatur abheben. Dennoch bin ich ein starker Verfechter dieser Nuancen und sehr dafür, dass man Nothomb als Schriftstellerin mit feinem Witz und eigenem Stil begreifen kann und sie als solche würdigt. “Töte mich” stellt diese Qualitäten wieder unter Beweis: Eine Art morbides Märchen, so salopp und fein zugleich, unwillkürlich wie folgenlos. Und doch ein Buch, das inmitten seines unverfänglichen, fließenden Narratives am Abgrund segelt, Fragen nach Glück, Vertrauen und Konventionen aufwirft, und die Lesenden dabei auch noch bittersüß und spritzig unterhält.

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  • Rezension: Töte mich

    Töte mich

    killmonotony

    16. September 2017 um 14:55

    „Töte mich“ ist das erste nicht-autobiographische Buch von Amélie Nothomb, das ich gelesen habe, und ich muss sagen, es hat mich überzeugt! Aus allen Poren der Geschichte sickert der unverwechselbare Nothomb-Stil durch. Amélie Nothomb erzählt in „Töte mich“ die Geschichte des Grafens Neville und seiner Familie, vor allem aber seiner Tochter Sérieuse und seiner Beziehung zu ihr. Die Geschichte beginnt damit, dass Sérieuse von der Wahrsagerin des Dorfes im Wald aufgefunden wird und der Graf seine Tochter doch bitte bei ihr abholen soll. Kaum angekommen, prophezeit ihm die Wahrsagerin, dass er am Tage seines Gartenfests jemanden töten werde. Ganz außer sich und voller Entrüstung schnappt sich der Graf seine Tochter und fährt mit ihr nach Hause. Während der nächsten Tage plagt ihn der Gedanke an den bevorstehenden Mord. Nicht nur, dass er reichlich wenig Lust hat, jemanden zu ermorden, sondern es wird ihm auch noch die Gartenparty verhagelt, die er anlässlich seiner bevorstehenden Insolvenz ein letztes Mal geben wollte (der alten Zeiten wieder). Graf Neville versucht nun, mit seinen Planungen fortzufahren, während er gedanklich bereits überlegt, welchen der Gäste er am wenigsten leiden kann und wen garantiert niemand schmerzlich vermissen würde. Davon relativ unbeeindruckt, versucht seine ehemals lebensfrohe, nun sehr leblos wirkende Tochter Sérieuse ihn davon überzeugen, was für ein tolles Opfer sie doch wäre… [Die Garden Party] war das gesellschaftliche Ereignis in dieser abgeschiedenen Region der belgischen Ardennen. An eine Absage war nicht zu denken. Doch die Vorstellung, dass er einen der Gäste töten könnte, entsetzte Neville. Das macht man nicht. Und ausgerechnet bei der letzten Garden Party sollte ihm ein solcher Fehler unterlaufen! Ein urkomisches Buch! Amélie Nothomb erzählt mit dieser Sprache, die ich so an ihren Büchern liebe, diese wunderbare kleine Geschichte. An allen Ecken und Enden spürt man den Charme und den sprühenden Witz Nothombs und auch, welchen Spaß sie beim Verfassen dieses Buches hatte. „Töte mich“ konnte mich komplett überzeugen; die liebenswerten Charaktere, die hin- und herschießenden Dialoge, die wahnsinnig komischen Gedankengänge des Grafen… Sérieuse ist auch ein wahnsinnig toll gezeichneter Charakter. In ihren jüngeren Jahren ein vor Lebensfreude sprühendes Mädchen, nun eine ihrem Namen gerecht werdende junge Erwachsene, erfährt der Leser nur ansatzweise, was vorgefallen sein könnte, um aus dem strahlenden Mädchen eine trübe, deprimierte junge Dame zu machen. Ihre Symptome der Depression sind auch wahnsinnig interessant beschrieben, aber niemals drückend oder den Leser deprimierend. Authentisch und klar beschreibt Nothomb, wie Sérieuse einfach keine Freude mehr am Leben hat, nichts mehr spürt, und deshalb möchte sie auch das Mordopfer von ihrem Vater sein. Zunächst sträubt sich der Graf noch, aber in hitzigen Wortgefechten wandelt sich der Unwille zu kindischem Trotz („Dann bringe ich sie eben um, wird sie schon sehen, was sie davon hat!“), und der Leser hat wahnsinnigen Spaß, dabei zuzuschauen, wie der Graf anstatt eines „gesellschaftlich akzeptablen“ Mordes nun den Mord an seiner Tochter plant. Die vollständige Rezension findet ihr auf dem Blog: http://killmonotony.wordpress.com

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  • 5 von 6

    Töte mich

    mgwerner

    14. September 2017 um 21:27

    Von mgwernerUngernst vergebe ich 5 Sterne - laaangweilig! gähn liest doch keiner mehr Und meistens sind die 5 Sterner die, die zu 85% aus Inhaltsangabennacherzählung bestehen. Darum hier, außertourlich und einmalig: 6 Sterne. Diese Frau Amelie ist einmalig. Ich hatte den Verdacht schon, als ich ihre Bio gelesen hab. Beste Voraussetzungen. Was ich dann gelesen hab, überraschte mich dennoch. Die absolut trittsichere Leichtigkeit ihres Stils, mit dem sie schweren Tobak verkündet und dabei, gaanz leise, weiiit hinten die federleichte (Selbst-)Ironie der Protagonisten einstreut, sodass man bis zum Schluss nur raten kann, ob man hier einer spitzzüngigen Komödie folgt oder einer todtraurigen Tragödie. Der Humor der Autorin selbst muss auch von der staubtrockenen Art sein, rather english, und mir persönlich kommt das seeehr entgegen. Leider komme ich selbst schreiberisch nicht mal in die Nähe dieser Literaturgöttin, es macht mich wirklch traurig, dass ich nicht annähernd vermitteln kann, wie sehr mich Frau Nothomb bewegt, fasziniert, erhoben und unterhalten hat. - hab ne neue Lieblingsautorin! MUSS jetz;)t alles von ihr leisen - leider btw MICH hat eigentlich das cover zuerst angesprochen, der Titel eher nicht

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  • Beste Unterhaltung in unnachahmlichem Nothomb-Stil

    Töte mich

    HEIDIZ

    14. September 2017 um 09:55

    In Amélie Nothombs aktuellem Roman lernen wir Graf Henri Neville kennen. Er ist glücklich. Liebt seine Frau und die beiden Kinder. Beide sind sehr unterschiedlich. Die 17jährige Sérieuse ist unberechenbar in ihren Taten, da sie meint, sie würde empfindungslos werden. Aus diesem Grund setzt sie sich selbst Schmerzen aus, verletzt sich und setzt sich unnötigen Gefahren aus.   Dann ist da noch eine weitere Sorge, die Graf Henri zu schaffen macht. Eine Wahrsagerin sagt ihm voraus, dass er jemanden töten würde. Als besagtes Gartenfest herannaht .... Wird er seine Tochter töten, die nicht mehr leben will, die froh wäre, würde er sie aus dem Leben rufen ???   Mehr möchte ich nicht verraten - lest selbst !!!   Mit seinen 108 Seiten ist es ein relativ dünnes Büchlein, dennoch mit großem Inhalt, wie ich finde. Nothomb hat viel Inhalt und Geschichte in diese etwa 100 Seiten hineingepackt und es mit einer dichten Handlung versehen von Beginn bis Ende extrem spannend und lebendig gestaltet. Man kann sich sehr gut in die Charaktere und ihre Handlungsweisen hinein versetzen und mit ihnen fühlen. Oft verwendet sie die wörtliche Rede und erschafft mit diesen Dialogen eine lebendig authentische Stimmung, von der ich mich habe davontragen lassen.   Schon fast poetisch drückt sich die Autorin aus, sie hat einen unverwechselbaren Stil, den ich sehr mag, sicher werde ich mehr von ihr lesen und freue mich riesig, sie auf der Buchmesse in Frankfurt kennen lernen zu dürfen.

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  • Nur erheiternd

    Töte mich

    kleine_welle

    12. September 2017 um 21:20

    Graf Neville holt seine siebzehnjährige Tochter bei einer Wahrsagerin ab. Diese hatte Sérieuse in der Nacht im Wald gefunden. Bevor die beiden aber wieder nach Hause gehen, sagt ihm die Wahrsagerin noch, dass er jemanden bei seinem nächsten Empfang töten wird. Das Cover ist typisch Diogenes. Schlicht, aber doch mit hohem Wiedererkennungswert. Allerdings gefällt es mir nicht so gut, aber das liegt wieder am Motiv. Als ich das Buch in Händen hielt, war mein erster Gedanke, oh, das ist aber dünn. Und so fragte ich mich danach, wie die Autorin in einem so kurzen Büchlein Spannung aufbauen will. Aber sie beginnt direkt mit meinem kurzen und knackigen Schreibstil und somit wird einem so einiges klar, wie sie in der Kürze der Zeit einiges ins Buch schaffen möchte.Dadurch sind die Sätze auch sehr kurz gehalten und man ist aber sofort mittendrin in der Geschichte. Es wird wirklich keine Zeit verloren. Aber gut, großartige Beschreibungen sind natürlich auch nicht möglich.Die Dialoge wirken durch diese kurzgehaltenen Sätze ein wenig komisch. Und man muss unwillkürlich schmunzeln, obwohl das Thema das besprochen wird nicht immer komisch ist. Aber es hat ein bisschen was von Slapstick. Am Anfang hätte ich das Buch in eine andere Zeit getan und war ein wenig erstaunt, als sich herausstellte, dass es schon im Jahre 2014 spielt. Durch die altmodische Art vom Grafen Neville aber wirkt die Ausdrucksweise sehr gehoben und das lässt auf eine Zeit in Richtung Jane Austen schließen. Nach der Hälfte des Buches hatte ich immer noch nicht so richtig durchschaut, wohin die Reise gehen soll, obwohl einem das Thema Verlust ganz viel begleitet. Und das nicht nur in der unheilvollen Weissagung der Wahrsagerin vom Anfang. Und so ergibt sich Graf Neville schnell in sein Schicksal. Dieser ist eh ein sehr seltsamer Charakter. Einerseits ist er der Meinung, dass er alles für seine Familie tut, aber andererseits hatte ich das Gefühl, dass ihm Prestige wichtiger ist. Halt einer vom alten adligen Schlag, würde ich behaupten. Ein wenig gefühlskalt und sehr darauf bedacht, dass man nicht in Verruf gerät. Am Ende wird dann doch alles gut und es wirkt irgendwie heiter. Wie der Rest des Buches wusste ich es nicht so recht einzuordnen. Und leider stehe ich etwas ratlos dem Buch gegenüber. Ist es jetzt eine Art Komödie? Oder doch eher eine Tragödie? Was möchte die Autorin mit dem Buch ausdrücken? Vielleicht denke ich auch einfach nur zu viel nach und hätte das Büchlein einfach auf mich wirken lassen sollen. Ich weiß es leider nicht und bin nach der Lektüre zwar etwas erheitert, aber trotzdem nicht wirklich zufrieden. Mein Fazit: Ein kurzer Roman der mich zwar zum Schmunzeln gebracht hat, aber mehr leider auch nicht. Dazu kommt, dass ich es nicht so richtig einordnen kann. Vielleicht ist es ja eine tragische Komödie. Auf jeden Fall bin ich recht ratlos und konnte leider nicht so viel mit Töte mich anfangen. 

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  • Wer nichts empfindet, kann sich für nichts begeistern...

    Töte mich

    Queenelyza

    12. September 2017 um 00:09

    Beim Grafen Neville und seiner Familie steht es nicht gerade zum Besten. Zwar ist seine Ehe glücklich verlaufen und die ältesten beiden Sprösslinge wohlgeraten, so gut sie es nur sein können. Doch die Jüngste, die 17-jährige Sérieuse (allein schon dieser Name, die „Ernste“!) macht ihm Kummer. Da sie nichts empfindet, schleicht sie sich eines Nachts in den Wald, wo sie von einer Wahrsagerin vor dem drohenden Kältetod bewahrt wird. Auch bei dieser Aktion blieb der Teenager im wahrsten Sinne des Wortes kühl – empfand weder Angst noch Schrecken noch sonst irgendetwas, nur die Kälte an sich. Keinerlei Emotion. Ihr Vater, der sie von der Wahrsagerin abholt, wird von dieser nur kurz am Arm berührt, und schon ergeben sich ihr Visionen, die sie dem Grafen Neville natürlich auch postwendend mitteilt. Sie hat gespürt, dass er demnächst einen Menschen töten wird. Sérieuse sieht darin die Lösung für ihre Gefühllosigkeit – wem alles egal ist, für den stellt auch der Tod keinen Schrecken dar. Sie wäre also das perfekte Opfer – und die  Prophezeiung ohne größere Schwierigkeiten erfüllt… Das ist aber nicht das einzige Problem. Die Nevilles müssen nach einem letzten großen Fest das von ihnen seit Jahrzehnten bewohnte Schloss verlassen, da die Finanzen nicht mehr ausreichen, das Anwesen zu unterhalten. Beide Probleme verursachen dem Grafen schlaflose Nächte, und es scheint keine Lösung in Sicht… Amélie Nothomb ist bekannt für ihre skurrilen, ja grotesken Romanideen, die immer auch unkonventionell umgesetzt werden und in ihrer Kompromisslosigkeit auch bestens unterhalten und funktionieren. Bis zum Schluss weiß man hier genauso wenig wie der Graf selbst, wie sich dieses Dilemma auflösen wird, und wenn man dann die letzte Seite des recht dünnen Büchleins (knappe 100 Seiten) erreicht hat, hat man eine Lösung gefunden, die – wie immer bei Nothomb – unglaublich unwahrscheinlich ist, aber so souverän und eindeutig daherkommt, dass der Leser der Meinung ist, genau so und nicht anders muss das perfekte Ende der Geschichte aussehen. Das kann sie perfekt, ihre verwickelten, seltsamen Geschichten mit gelungenen Pointen aufzulösen. Was mir dieses Mal nicht so gelungen erscheint, ist die Tatsache, dass die Tigerin ihren Biss etwas verloren zu haben scheint. Die sonst so bissigen, scharfzüngigen Dialoge sind oftmals mild, zwar gut konstruiert, aber dann doch ab und an etwas zu dröge, wenn man die früheren Werke der Schriftstellerin als Maßstab nimmt. Ist einem früher des Öfteren der Atem gestockt aufgrund der perfiden Gedanken und Wendungen, liest sich „Töte mich“ trotz des heftigen Titels ein wenig wie ein müdes, zahnloses Märchen. Eine nette Parabel auf die Welt der Emotionen, aber ein Roman, der sich einfach so wegkonsumiert, anstatt einen nachdenklich zu machen. Vielleicht liegt das auch wirklich mit an der Kürze des Werkes, aber es hilft alles nichts, es ist für mich als Fan der Autorin etwas zu wenig, um das Buch zu meinen Favoriten zu zählen. So wird der Titel dieser Rezension, im Übrigen eine Aussage der Tochter Sérieuse, leider für mich auch ein wenig zum Motto dieses Romans. Gelesen, zur Kenntnis genommen, weggelegt. Beim nächsten Mal darf es wieder mehr Wucht und Rumms sein.

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  • Das Dilemma einer Prophezeiung

    Töte mich

    fasersprosse

    10. September 2017 um 10:57

    Graf Henri Neville ist ein empfindsamer Mann, der bei dem Wort Emotionen erschaudert, kann er doch seine eigenen Gefühle nicht äußern. So gibt er sich besonnen, als er seine jüngste Tochter bei einer Wahrsagerin auslöst. Ihre Vorhersage, dass er auf seiner letzten Garden Party einen Gast töten wird, bringt ihn jedoch so sehr aus dem Gleichgewicht, dass er nach einigen schlaflosen Nächten der Bitte seiner Tochter, sie anstatt eines Gastes zu töten, zustimmt. Er, der noch nie etwas Nichtswürdiges getan hat, sieht darin die Chance, etwas Denkwürdiges zu schaffen. Die Ereignisse folgen einer familieneigenen Logik, die in sich so unumstößlich schlüssig ist, doch jeder realen Vernunft entgegensteht. Gepaart ist sie mit einer selbstzufriedenen Heiterkeit. Und natürlich muss die Fassade aufrecht gehalten werden, auch wenn man den Adel auf die Schippe nimmt und man sich über sich selbst amüsiert.Unter diesem kapriziösen Deckmantel finden sich tiefgründige Themen. Verluste, Verletzungen, die Schwierigkeit von Veränderung, Verantwortung, Gesellschaftsanalyse und Gemütszustände sind im klassischen und traditionellen Gefüge eingearbeitet. Eine spannende Erzählperspektive, in der die knappen Dialoge und der innere Monolog durch doppelte und einfache Anführungszeichen gekennzeichnet sind, macht das Lesen zum Genuss.Das Ende nach dem Prinzip „Es war einmal … und wenn sie nicht gestorben sind …“ bietet Stoff für herrliche Fortsetzungsgeschichten – garantiert am Originalschauplatz.Wer noch einen ausgefallenen Namen für seinen Sprössling sucht, wird hier garantiert fündig.Ich habe mich mit dieser humorigen Groteske köstlich amüsiert. Oscar Wilde lässt grüßen. 

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  • Meine Rezension zu "Töte mich"

    Töte mich

    Belladonna

    07. September 2017 um 08:36

    Beschreibung Graf Neville hat Anlass zur Sorge um seine siebzehnjährige Tochter Sérieuse. Nachdem das Mädchen die Nacht im Wald verbrachte wurde sie von einer Wahrsagerin gefunden und in Obhut genommen. Als Graf Neville seine Tochter abholt, wird ihm prophezeit, dass er auf seiner Garden Party einen Menschen ermorden wird. Die schreckliche Vorstellung auf seiner letzten Party im Château du Pluvier einen solchen Fauxpas zu begehen bereitet dem Grafen Kopfzerbrechen, bis schließlich Sérieuse ihn davon überzeugt das perfekte Opfer zu sein. Meine Meinung Amélie Nothombs neuster Roman „Töte mich“ zieht schon alleine durch seinen provokanten Titel die Blicke auf sich (welcher meiner Meinung nach auch perfekt zum Inhalt der Geschichte passt). Im Mittelpunkt der Szenerie steht die schrullige Adelsfamilie um den Grafen Henri Neville und seine Frau Alexandra. Gemeinsam haben sie drei Kinder, den ältesten Sohn und die älteste Tochter haben sie Oreste und Électre genannt, ihre jüngste Tochter trägt den Namen Sérieuse. Bedenkt man die Herkunft der Namen aus der griechischen Mythologie erschließt sich einem auch gleich, warum Henri und Alexandra Neville ihre jüngste Tochter nicht nach Iphigenie benannten. Die gewagte Mischung aus Mythologie, Moderne und dem hochtrabenden Gebaren der adeligen Oberschicht sorgt für ein eindrucksvolles Setting. "Das einzige seiner Kinder, in dem er sich wiederfand, war die schweigsame linkische Sérieuse, die sich so unwohl fühlte in ihrer Haut." (Töte mich, Seite 17) Genau wie Agamemnon kann auch der Graf seinem Schicksal nicht entfliehen. Durch die Prophezeiung der Wahrsagerin, die besagt dass er auf seiner nächsten Party jemanden ermorden wird, nimmt die Story deutlich Fahrt auf. Der Graf zerbricht sich über die anstehende Garden Party den Kopf, die er als erfahrener und etikettentreuer Gastgeber auf keinen Fall absagen will, schon aus dem Grund dass es sein letztes Fest im Château du Pluvier sein wird ist dies vollkommen ausgeschlossen. Welche Optionen bieten sich ihm? Wen wird die Prophezeiung ereilen? Wen soll er als Opfer erwählen? "Das Vorhaben, das Neville am Morgen noch so berauscht hatte, erschien ihm schon am Nachmittag zweifelhaft." (Töte mich, Seite 54) Das temporeiche Zwiegespräch zwischen Vater und der Tochter Sérieuse bildet das Herzstück des Romans. Die skurrile Situation die sich durch den Opferwunsch der Tochter und die moralischen Bedenken des Vaters ergeben sorgen für einen leserlichen Hochgenuss. Eine zusätzliche Portion schwarzen Humors sorgt für den einnehmenden Charme der Geschichte. Amélie Nothomb hat in „Töte mich“ ihre schriftstellerische Originalität und Einzigartigkeit unter Beweis gestellt. Ich habe wirklich jede einzelne Seite dieser einfallsreichen und kreativen Komposition genossen. Fazit Ein modernes und skurriles Märchen das für hochkarätige Unterhaltung sorgt.--------------------------------------------------------- © Bellas Wonderworld; Rezension vom 06.09.2017

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