Amanda Cross

 3,6 Sterne bei 99 Bewertungen
Autor von Gefährliche Praxis, Tödliches Erbe und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Amanda Cross

AMANDA CROSS, eigentlich Carolyn Gold Heilbrun, geboren 1926 in New Jersey, war eine feministische Literaturwissenschaftlerin und lehrte an der Columbia University. Sie veröffentlichte zahlreiche wissenschaftliche Schriften; die Kriminalromane mit der Literaturprofessorin und Amateurdetektivin Kate Fansler schrieb sie unter Pseudonym. Sie starb am 3. Oktober 2003 in New York. Im Dörlemann Verlag erschienen: Die letzte Analyse. Ein Fall für Kate Fansler. Deutsch von Monika Blaich und Klaus Kamberger.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Der James Joyce-Mord (ISBN: 9783038200963)

Der James Joyce-Mord

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Neu erschienen am 16.06.2021 als Taschenbuch bei Dörlemann.

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Neue Rezensionen zu Amanda Cross

Cover des Buches Der James Joyce-Mord (ISBN: 9783038200963)KateRapps avatar

Rezension zu "Der James Joyce-Mord" von Amanda Cross

Vergnüglicher literarischer Krimi ohne ausgeprägten Spannungsbogen
KateRappvor 3 Tagen

Der zweite Fall der Literaturprofessorin Kate Fansler aus der Feder von Amanda Cross alias Prof. Carolyn Gold Heilbrun, der 1967 erschien und nun neu im Dörlemannverlag aufgelegt wird, ist wieder ein köstliches Vergnügen.

Wer allerdings einen traditionellen Krimi erwartet, wir aufs Gröbste enttäuscht, obwohl es eine Leiche gibt und ein altes, abgefeuertes Gewehr, unzählige Verdächtige und sogar zwei Polizisten. Diese spielen nur eine Nebenrolle, denn anstatt komplexer Polizeiarbeit folgt man den unterhaltsamen Dialogen und Vermutungen der Literaturprofessorin. Diese hat sich aufs Land in das Haus des verstorbenen Verlegers von James Joyce zurückgezogen, um gemeinsam mit einem Assistenten die Briefe des Verstorbenen, insbesondere die Korrespondenz mit Joyce, zu sichten. Nicht verwunderlich, dass einige der Personen, denen sie begegnet, nach Figuren aus Joyces „Ulysses“ benannte sind: Mr. Artifoni, der Jugendgruppenleiter und Molly, eine hilfreiche junge Frau. Kate Fansler ist in Begleitung ihres Neffens und dessen Hauslehrers und wird besucht von ihrem Freund, dem Staatsanwalt Reed.

Als eine bösartige Frau aus dem Dorf aus Versehen vom Hauslehrer vor den Augen des Neffen erschossen wird, geraten nicht nur alle Hausbewohner sondern auch ein Nachbar, ebenfalls Literaturprofessor sowie zwei zu Besuch anreisende weitere Professorinnen der englischen Literatur unterschiedlicher Epochen ins Visier der Polizei. 

„Das moderne Freud-Kauderwelsch hat uns eine solche Angst davor eingejagt, als penisneidische Frauen zu erscheinen, dass wir es nicht einmal mehr wagen, einem Jungen ein Gewehr wegzunehmen.“

Dass es bei solch geballter intellektueller Exzellenz jemals langweilig wird, können nur diejenigen behaupten, die blutrünstige Page-Turner bevorzugen. Ich jedenfalls genieße es, Virginia Woolf-Zitate in verbalem Schlagabtausch integriert zu sehen und Kate Fanslers Tiraden zuzuhören.

„Mir sind Schriftstellerinnen wirklich lieber; ihre Weisheit ist irgendwie destilliert durch die Klarheit ihrer Wahrnehmung.“

Bösartige Zungen würden die Professorin womöglich ein literarisches Tratsch-Weib nennen, alle anderen mit Sinn für Humor und offenem Ohr für literarisches Name-Droppping und Zitate aller Art werden ein großes Vergnügen an ihrer manierierten Art haben. 

Sehr unterhaltsam ist auch, wie das Zeitkolorit der Sechziger Jahre in Frauenbild, Redewendungen, Bemerkungen und den Anspielungen auf die Sexuelle Revolution mitschwingt. 

„Ich schätze nach wie vor Höflichkeit, vielleicht sogar eine gewisse Förmlichkeit. Aber ich glaube auch, wie sich irgendein gelehrtes Haus mal ausgedrückt hat, dass das einzige Verbrechen, das es beim Sex geben kann, Mangel an Vergnügen ist.“

Ein großartiges, sprühendes und sehr unterhaltsames, wenngleich nicht atemberaubend spannendes Buch!


Aus dem Amerikanischen von Monika Blaich und Klaus Kamberger, Dörlemann 2021


P.s. Wer antiquarische Ausgaben von Amanda Cross gelesen hat: dieser Titel lief 1989 unter dem Titel „In besten Kreisen“ bei Eichborn!

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Cover des Buches Der James Joyce-Mord (ISBN: 9783038200963)aus-erlesens avatar

Rezension zu "Der James Joyce-Mord" von Amanda Cross

Die zwei Leidenschaften der Kate Fansler: Mord und Joyce
aus-erlesenvor 3 Tagen

Kate Fansler zieht es raus der Stadt, aus New York. Es sind nur rund zwei Stunden gen Norden bis in die Berkshires. Hier liegt der Landsitz des Verlegers von James Joyce. Der ist kürzlich verstorben, und Kate bekommt die Möglichkeit sich einige Briefe, die zwischen Verleger und Autor hin- und hergingen lesen zu dürfen. Als Literaturprofessorin ein Highlight. Es soll nicht das einzig bleiben.

Es ist eine illustre Gesellschaft, die sich im verblassten Glanz des Verstorbenen sonnt. Und vor allem sich auf höchstem sprachlichen Niveau das Maul zerfetzt. Darling, Schätzchen, ach, oh … Kate interessiert das nicht im Geringstem Dennoch spielt sie mit. Es ist für sie eine Fingerübung im sprachlichen Schlachthof die Übersicht zu behalten. Ihr Neffe Leo ist auch mit von der Partie. In der Nähe ist ein Feriencamp, wo er sich den leiben langen Tag austoben kann. Dass er trotzdem die Gesellschaft inkl. Tante Kate mit seiner nassforschen Art tüchtig auf Trab hält … na ja, so sind Kinder nun mal. Er ist allemal einfacher zu handhaben als Mary Bradford. Die Nachbarin. Neugierig, enervierend, und unfassbar mitteilsam. Wer sie kennt und sie von Weitem auf sich zustürmen sieht, nimmt die Beine in die Hand und geht in Deckung. Das gelingt nicht immer. Die Städter sind hier auf dem Land aber auch zu interessant. 

Grace Knole, hochgeschätzte und liebgewonnene Freubndin und Kollegin von Kate ist ebenfalls zu diesem Event. Briefe von James Joyce – da muss sie einfach dabei sein. Als Fahrerin, Begleiterin hat Grace die junge Doktorandin Lina dabei. Das totale Gegenteil zu der lebenslustigen Professorin. Typ alte Jungfer, die gerade an einer akuten Schreibblockade kuriert. Alle sehr britisch, alle necken sich unaufhörlich. 

Doch bald wird aus dem Spaß bitterer Ernst. Denn Mary Bradford wird ermordet. Dass das Plappermaul von nebenan nicht Freunde hatte, ist wohl bekannt. Und die Gesellschaft, die sich hier vergnügt, steckt voller Verdächtiger, und so wähnt man als Lamm unter Wölfen. Kate Fansler lässt sofort alle Arbeit an den Briefen von und an James Joyce liegen und macht das, was sie am besten kann: Ermitteln. Schließlich kann sie auf einen reichen Erfahrungsschatz (den auch Büchern) zurückgreifen. 

So verwirrend die Bücher von James Joyce erscheinen, so verworren ist dieser vertrackte Fall. Sicher war Mary Bradford eine Nervensäge vor dem Herren. Aber ihr gleich den Garaus zu machen? Das erscheint Kate ein bisschen zu einfach. Das muss mehr dahinter stecken. Doch wo soll sie den Hebel ansetzen, um dem schrecklichen Mord – vor allem aber dem Mörder – auf die Spur zu kommen? 

Amanda Cross macht aus einem Wollknäuel Verdächtiger eine fast schon irrwitzige Schnitzeljagd mit einer unnachgiebigen Spürnase, die jeden Bluthund vor Neid winseln lässt. Und so ganz nebenbei lässt sie den Leser an der beiläufigen Beute James Joyce teilhaben. Denn zwischen James Joyce und dem Mord gibt es tatsächlich ein unvermutete Verbindung.

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Cover des Buches Die letzte Analyse (ISBN: 9783038200888)Susanne_Probsts avatar

Rezension zu "Die letzte Analyse" von Amanda Cross

Außergewöhnlich, spannend und schlüssig - Lesen lohnt sich!
Susanne_Probstvor 3 Monaten

New York in den 1960-er Jahren.


Captain Stern von der Kriminalpolizei sucht die Literaturprofessorin und Doktorin der Philosophie Kate Fansler in ihrem Büro in der Universität auf. 


Er will von Kate, die in ihrer Freizeit mit großer Leidenschaft Kriminalromane liest und sich gern als Hobbydetektivin betätigt, wissen, wie sie den gestrigen Vormittag verbracht hat.

Außerdem teilt er ihr mit, dass ihre ehemalige Studentin Janet Harrison ermordet wurde.


Captain Stern erzählt Kate, dass Janet auf der Behandlungscouch in der Praxis des Psychoanalytikers Dr. Bauer mit einem seiner Küchenmesser ermordet worden ist. 


Kate kann nicht umhin, sich detailliert für den Fall zu interessieren. 

Sie möchte ihrem Freund Dr. Emanuel Bauer, einem früheren Liebhaber, dem sie nie und nimmer einen Mord zutraut, helfen und die Psychoanalyse davor bewahren, in schlechten Ruf zu geraten.

Außerdem betätigt sie sich ohnehin gerne als Amateurdetektivin und vor allem fühlt sie sich verantwortlich und schuldig. 

Immerhin hat sie die junge Frau zu Emanuel geschickt!


Die 30-jährige Janet hatte Kate nämlich vor einigen Monaten gefragt, ob sie ihr einen Psychoanalytiker empfehlen könnte und Kate hat ihr daraufhin die Kontaktdaten von Dr. Emanuel Bauer genannt.


Kate besucht die Bauers, beide inzwischen gute Freunde, und befragt erst Nicki, die Ehefrau von Emanuel ausführlich zu den Geschehnissen und dann Emanuel selbst. 

Sie rekonstruiert so den Tag, an dem der Mord auf der Couch geschah. 

Mit Hilfe von Reed, einem befreundeten stellvertretenden Bezirksstaatsanwalt, der ihr noch einen Gefallen schuldet und mit Hilfe ihres künftigen Neffen Jerry, der plant, die Law School zu besuchen, macht sie sich an die Arbeit, um ihren Freund Emanuel zu entlasten und den währen Täter zu finden. Sie scheut dabei weder Zeit- noch Geldaufwand und vernachlässigt zeitweise sogar ihre Aufgaben an der Universität.


Dieser thematisch ganz besondere Kriminalroman, der im New York der 1960-er Jahre spielt und in dessen Mittelpunkt eine Analysecouch steht, hat mich äußerst gut unterhalten. 


Ich war von Anfang an neugierig und gespannt und gegen Ende nahm die Geschichte nochmal deutlich an Fahrt auf.

Zwischendurch war ich ratlos, hatte ich Ideen und wurde ich auf falsche Fährten gelockt. 


Die 1926 in New Jersey geborene Amanda Cross, eigentlich Carolyn Gold Heilbrun, hat ausgesprochen gut recherchiert und erwähnt Details, die den Rahmen der Geschichte glaubhaft machen.


Bereits auf den ersten Seiten erwähnt sie die strengen Regularien psychoanalytischer Institute und geht en passant auf Behandlungskriterien und Indikationen für psychoanalytische Sitzungen ein. 

Sie wendet Fachbegriffe wie „Übertragung“ korrekt an und kennt viele Regeln und Gepflogenheiten der Psychoanalyse, z. B., dass die „Patienten nicht das geringste über das persönliche Leben ihres Analytikers wissen sollten“ (S. 31) und dass eine Sitzung 50 Minuten dauert (S. 40).


Sie weiß auch um die Notwendigkeit eines Schallschutzes und wie man prüft, ob er wirkt. An dieser Stelle musste ich schmunzeln, weil ich, ebenfalls Psychoanalytikerin, das in meiner Praxis ganz genauso gemacht habe ;-)


Dass sie ganz nebenbei auf Seite 37 f. erklärt, was eine Angststtacke ist und einige Seiten später kurz über die Bedeutung des Ausfallshonorars schreibt, macht den Text, wie all das andere, das ich erwähnt habe, authentisch und glaubhaft. 


Für Leser, die im Bereich der Psychoanalyse nicht so versiert sind, ist es interessant und informativ, zu erfahren, dass in Amerika die Psychoanalyse ganz klar der Psychatrie zugeordnet wird, dass jeder Psychoanalytiker dort Psychiater ist und dass in Amerika eine Psychoanalyse selbst bezahlt werden muss (wohingegen in Deutschland auch Psychologen und Ärzte anderer Fachrichtungen Psychoanalytiker werden können, die Psychoanalyse kein Teil der Psychiatrie ist und eine psychoanalytische Therapie in Deutschland Kassenleistung ist). 


Auf Seite 19 schreibt sie: „Ich habe Leute davon reden hören, wenn auch nur halb im Scherz, dass Eltern heute für die Analyse ihrer Kinder sparen wie früher für deren College-Erziehung.“ - Das ist hier in Deutschland glücklicherweise nicht nötig!


Amanda Cross bietet dem Laien neben einem spannenden, nicht brutalen und unblutigen Plot einen guten, interessanten und informativen Einblick in die Welt der Psychoanalyse und macht ihn ein wenig mit ihrem Urvater Sigmund Freud bekannt.

All diese Informationen streut sie unaufdringlich und unterhaltsam ein.


Die Autorin hat einen originellen, fantasiereichen, aber stimmigen und schlüssigen Kriminalroman um die leidenschaftlich engagierte, kreative, fantasievolle, schlagfertige, belesene und scharfsinnige Hobbydetektivin Kate Fansler komponiert. 

Die Gespräche zwischen den Protagonisten sind spritzig und  strotzen vor Lebendigkeit, Ironie, Witz und Humor.


„Die letzte Analyse“ ist sicherlich kein literarisches Highlight, aber ein äußerst unterhaltsamer, informativer, spannender, raffinierter und außergewöhnlicher Kriminalroman mit nachvollziehbaren und logischen Schlüssen!



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