Neuer Beitrag

Ausgewählter Beitrag

Nyansha

vor 3 Wochen

(0)

„Ildathach. Jenseits des Vergessens“ von Amanda Koch ist ein Roman, der am 25. Juli 2017 in der ersten Auflage im familia Verlag in erschienen ist. Insgesamt umfasst das Buch 480 Seiten. Die für die Rezension verwendete Ausgabe ist das Hardcover.

Cover

Das Cover ist wunderschön, es erweckt einen geheimnisvollen Eindruck. Neben dem Portal, das auch innerhalb der Geschichte eine wichtige Rolle spielt, steht der Mond im Vordergrund, der auf mich eine sehr mystische und auch derart anziehende Wirkung hat, dass es oft schwer fällt, sich ihr zu entziehen. Die Farben sind erdgebunden, mich haben sie an Holz, Eis  und Luft erinnert.

Inhalt

Der plötzliche Tod ihrer Mutter stürzt die siebzehnjährige Étaín Dún deVanora in tiefe Trauer. Dieser Schmerz lähmt und berührt sie mit einer Kälte, die ihr nicht unbekannt ist. Denn der Tod reißt alte Wunden aus der Vergangenheit auf. Je mehr sie versucht, diese längst verwehte Zeit zu verstehen, desto geheimnisvoller wird sie. Étaíns Mutter webte Geheimnisse. Uralte Worte erzählen von der Anderswelt und selbst Man und Calf sind mehr als nur Inseln in der Irischen See.
Sind die Mythen doch nicht nur alte Geschichten? Und verbirgt die Vergangenheit hinter der Zeit etwas ganz anderes?

Mit ihrem vierten Roman schuf die Autorin Amanda Koch ein Werk, dass sich über das Genre der phantastischen Literatur dem Thema Angst stellt, und der Frage: Was geschieht, wenn wir sterben?

Der alte Glaube der Inselkelten spielt in dem Mythos, der der Geschichte um Étaín und Nate zugrunde liegt, eine wesentliche Rolle. Dabei wird die Bedeutung der Mythen und deren Wahrheitsgehalt aus unterschiedlichen Perspektiven hinterfragt als auch erlebt. Das Thema der Anderswelt stellt auf spiritueller Ebene eine wichtige Rolle dar, und zeigt durch die Protagonistin, was geschieht, wenn wir die Grenzen der irdischen Welt überschreiten.

Ein Roman. Ein Mythos und die Suche nach der Wirklichkeit.


(entnommen: https://www.amazon.de/Ildathach-Jenseits-Vergessens-Koch-Amanda/dp/3943987868/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1506426046&sr=8-1&keywords=ildathach)


Bewertung

An dieser Stelle ist es eher schwierig, den Inhalt so ausführlich zu bewerten, wie er es verdient hätte, ohne noch unwissenden, zukünftigen Lesern zu viel vorweg zu nehmen. Deshalb möchte ich mich auf meine eigenen Eindrücke beschränken, statt den Inhalt erneut wiederzugeben und an einigen Leitpunkten zu bewerten.
Mein eigener Fokus lag vor allem auf dem Thema Trauerbewältigung und dem geschichtlichen Hintergrund. Ebenso kann das Buch aber auch sehr gut nach philosophischen Gesichtspunkten bewertet werden. Etain verliert ihre Mutter und auch ihr Vater Taran hat große Probleme damit, den Tod seiner Frau Ceana anzunehmen. Da diese sich Zeit ihres Lebens mit der „Anderswelt“ beschäftigte und ein Wesen namens „Die Eine“ bekämpfte, gab es innerhalb der Familie einige Zerrüttelungen. Taran selbst ist ein Mediziner, der nur an das wissenschaftlich beweisbare glaubt und deswegen vor Ceanas Tod glaubte, dass sie den Verstand verliert. Umso schwerer ist es für ihn, ihren Tod, der sich nicht erklären lässt, zu begreifen. Gerade sein Verhalten lässt sich sehr gut anhand des 4-Phasen-Trauerprozesses von Yorick Spiegel nachvollziehen. Das lässt ihn als Charakter nicht nur sehr authentisch wirken, sondern auch einen wichtigen Gegensatz zu Etain bilden, die versucht, in die Welt einzutauchen, die ihre Mutter letzten Endes das Leben gekostet hat. Während Etain nach meinem Empfinden für das Unerklärliche und teilweise Spirituelle steht, ist ihr Vater die rationale Seite. Beide treffen mehrfach aufeinander und es kommt zu einigen Reibungen, die das Drohpotential einer Situation auf eine sehr spannende Weise ausschöpfen. Während Etain zu Beginn noch alle gegen den Rest der rationalen Welt zu kämpfen scheint, in dem sehnlichen Wunsch, den Tod ihrer Mutter verstehen zu können, gewinnt sie schließlich immer mehr Einflüsse dazu, die ihr dabei helfen, sich selbst auf eine ganz neue Weise kennenzulernen. Dazu gehört auch ihr „Rabenwolf“ Snaefall, der fast nie von ihrer Seite weicht.


Jeder, der schon einmal einen lieben Menschen (oder ein geliebtes Tier!) verloren hat, wird sich mit der Trauer identifizieren können, die auch Etain und Taran empfinden. Auch der Angstfaktor spielt hier eine große Rolle, die meisten Menschen werden sich wohl davor fürchten, geliebte Personen zu verlieren. Dass eben jene Angst uns ein Dorn im Auge ist und lediglich als unangenehmes Gefühl gesehen wird, ist auch in „Ildathach“ ein wichtiges Thema. Die Angst selbst wird genauer hinterfragt, bzw. ihr Effekt auf uns alle wird aus sehr wichtigen Blickwinkeln eingehender betrachtet. Auf mich hatte das Buch daher auch eine tröstende Wirkung.

Natürlich gibt es viele fantastische Elemente, ob nun eigene Völker innerhalb der Anderswelt, oder eben auch den ins Leben zurückgerufenen Mythos rund um Etaion. Dennoch würde ich davon absehen, das Buch als reinen Fantasieroman zu betiteln. Mein Leseerlebnis wurde stattdessen eher von philosophischen und geschichtlichen Elementen geprägt. Allerdings denke ich, dass es jeder Leser bzw. jede Leserin anders empfinden kann, je nachdem, auf welchen Themen der persönliche Fokus liegt. Das macht den Roman sehr vielseitig und auf eine große Zielgruppe passend. Ein Buch für „zwischendurch“ ist es nicht und damit meine ich nicht einmal den Umstand, dass es knapp 480 Seiten umfasst. Das Buch ist eine anspruchsvolle Lektüre, die zum eher langsamen Lesen und über das Geschehen nachzudenken einlädt. Die eigenen Sinne werden sehr herausgefordert und das eigene Empfinden in vielen Punkten angeregt bzw. hinterfragt.

Es stellt sich während des Leseprozesses schließlich auch die Frage, was es eigentlich bedeutet „man selbst“ zu sein. Wie wird dieses Selbst definiert, welche Einflüsse können dabei helfen, zu erkennen, wer man wirklich ist? Will man es wirklich immer so genau wissen? Welche Bedeutung hat der „richtige Moment“?


Angelehnt wird die Geschichte an den Etaion-Mythos, wobei sich auch die Frage stellt, was denn nun eigentlich ein Mythos ist und ob diese Frage sich überhaupt so pauschal beantworten lässt. Man merkt, dass die Autorin sich zwar an dem bekannten Mythos orientiert hat, dennoch erfolgreich darin war, ihre eigene Geschichte logisch, spannend und emotional nachvollziehbar in das Gefüge einzubinden. Mich hat sehr begeistert, wie sie den Göttern bzw. übernatürlichen Wesen Leben eingehaucht hat. Es war während des Lesens klar, dass es sich nicht um Menschen handelt, dennoch waren sie alle mit so menschlichen Gefühlen ausgestattet, dass ich nicht umhin konnte, begeistert zu sein. Gerade „Die Eine“, die eine antagonistische Rolle einnimmt, ist derart vielschichtig, dass ich nicht umhin konnte, von ihr fasziniert zu sein und zu hoffen, dass es für sie ein gutes Ende geben kann.

Die Liebesgeschichte, die es in diesem Buch ebenfalls gibt, ist mit einigen Magenschmerzen meinerseits verbunden. Gerade, weil es nicht „die“ Etain und „den“ Nate gab, konnte ich nicht so ganz in diese Zuneigung hineinfinden. Ebenso unglücklich war ich mit dem Thema der „Mutterliebe“, denn bis zuletzt habe ich Ceanas Verhalten eher als Neid auf Etains Schicksal interpretiert.


Ein absolutes Highlight ist allerdings der Schreibstil. Selten habe ich einen derart ausführlichen, dafür aber auch nicht zu langatmigen Stil gesehen, der die Dinge in all ihrer Fülle beschreibt. Beim Lesen hatte ich das Gefühl, dass mir die Welt rund um Etain wie ein Film in meinem Kopf vor Augen geführt wird, es gab keinen Moment, in dem ich nicht einordnen konnte, wo wir uns befinden. Oft genug hatte ich stattdessen das Gefühl, dass ich sogar die Blattstruktur eines Baumes gut einordnen könnte, wenn es gefordert werden würde. Für den einen oder anderen Leser mag so etwas nicht wichtig sein, ich finde es jedoch fantastisch, wenn eine Welt, die nun einmal eine Art eigenes Universum darstellt, derart lebendig gemacht wird. Es muss jedoch auch hinzugefügt werden, dass es eine Weile dauerte, bis ich in die Geschichte hineinfand. Gerade am Anfang hatte ich sogar Probleme mit eben jenem Stil, da wir die Beschreibung von Etains Trauer nicht nur zu blumig und gleichzeitig depressiv, sondern auch zu extrem vorkam. Gleichzeitig berührte mich die Geschichte an diesem Punkt schon, sodass ich den Wunsch hatte, definitiv weiterzulesen. Besonders interessant ist, dass Etain ihre Geschichte vornehmlich im Präteritum erzählt, während „Die Eine“ das Präsens verwendet. Hier liegt noch einmal ein schöner Fokus auf der Idee, dass die Zeit für ein Wesen wie „Die Eine“ eben ganz anders vergeht und dass es keine direkte Unterteilung in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gibt.


Nicht ganz so glücklich gewählt ist die Unterteilung der Kapitel. Diese sind meist recht lang und es ist eher schwer möglich, eine Pause einzulegen. Zwar gibt es innerhalb des Kapitels weitere Abschnitte, in denen Etain und „Die Eine“ die Geschichte aus ihren unterschiedlichen Sichtweisen erzählen, dennoch ist es schwer, innerhalb eines Kapitels wieder in das Buch hineinzukommen, wenn man aufhören muss.


Ganz interessant zu wissen ist wohl auch, dass es die Phiole, die Nate Etain geschenkt hat, sogar tatsächlich bei Katharina Fairytale zu kaufen gibt ;)

Fazit

Es handelt sich hier um eines der wenigen Bücher, bei denen ich wirklich sagen kann, dass es mich bezüglich der einen Psyche bereichert hat. Ildathach regt nicht nur dazu an, seine eigenen Einstellungen in Bezug auf die zentralen Themen Angstbewältigung, Tod und Leben zu reflektieren, sondern stellt auch sehr tiefgründig zu betrachtende Sichtweisen bereit. Der Leser bzw. die Leserin wird an diese herangeführt, allerdings gibt es keinen unangenehmen Drang, eben jene Sichtweisen zu übernehmen. Es wird praktisch ein neues Tor geöffnet, dessen Inhalt angenommen werden kann, oder man schaut ihn sich nur zum Vergleich der eigenen Einstellungen an. Auch eine Mischung von beidem ist möglich, dies war letzten Endes bei mir der Fall. Da ich persönlich nicht an Wiedergeburten oder Seelenwanderung glaube, konnte ich mich auf diesen Aspekt zwar nicht besonders stark einlassen, dennoch hat mich die Logik des Buches insgesamt überzeugt.

Autor: Amanda Koch
Buch: Ildathach. Jenseits des Vergessens.
Neuer Beitrag

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach!

Hol dir mehr von LovelyBooks