Amanda Lee Koe

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Ministerium für öffentliche Erregung

Ministerium für öffentliche Erregung

 (3)
Erschienen am 04.10.2016

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Rezension zu "Ministerium für öffentliche Erregung" von Amanda Lee Koe

"Man kann Menschen auf so viele Arten ausnutzen ..."
R_Mantheyvor 2 Jahren

Ein kleines Mädchen hält ein Küken in der Hand. Es kann dem Drang, es zu zerdrücken, nicht widerstehen. Ist das ein Hinweis auf die Zukunft dieses Menschen? Für Amanda Lee Koe schon, denn sie macht daraus ihre Geschichte "Küken", eine der besten in diesem Band. Dort liest man dann: "Man kann Menschen auf so viele Arten ausnutzen, sehr viel mehr, als es Arten von Großzügigkeit und Liebe gibt. Das Schöne an Menschen ist aber, dass sie sehr viel weniger zerbrechlich sind als drei Wochen alte Küken und sehr viel anpassungsfähiger. Die Verrenkungen, zu denen du dieses menschliche Wesen verleiten konntest, entzücken dich."

Amanda Lee Koe beobachtet sehr genau und anders als die meisten Menschen. Sie sieht in kleinen Gesten oder Handlungen ein kurzzeitig offenes Fenster, durch das sie in die Seele von Menschen schauen kann. Daraus entwickelt sie ihre Geschichten. "Geschichten wie ein Schlag, wie ein Herztreffer, ein Hieb, der den Zentralmuskel des Gefühls für einen kurzen Moment aus dem Takt bringt und wilde, aufregende Wahrheiten offenbart", liest man hinten auf dem Buchdeckel. Offenbar saß der Schlag bei Kritikern und Kollegen, denn die Autorin wurde für diesen Erstlingsband mit Lob überschüttet.

Doch was hat diese Leute überrascht? Dass Amanda Lee Koe unschöne Wahrheiten in Geschichten hüllt, die sie spröde und ohne jeden Hang zur literarischen Verschönerung der Welt erzählt oder vielmehr, dass sie selbst nicht den Mut hatten, den Tatsachen ohne mit der Wimper zu zucken ins Auge zu sehen? In vielen Geschichten geht es um Macht und Erniedrigung in Beziehungen oder zwischen zunächst fremden Menschen. "Küken" steht dafür geradezu exemplarisch.

Man kann diesen Band in der Tat kaum aus der Hand legen. Nicht weil er besonders spannend ist, sondern weil die Autorin außergewöhnliche Geschichten erzählt, die oft eine gewöhnlich verschwiegene seelische Brutalität in menschlichen Beziehungen ungeschönt offenlegen. Dass eine junge Autorin dazu die Kraft und auch die literarischen Fähigkeiten besitzt, hat wohl die saturierten Meinungsmacher überrascht. Das wiederum ist weniger überraschend.

Nun besitzen nicht alle Geschichten in diesem Band die gleiche Qualität. Vielleicht werden auch manche Leser mit einigen Erscheinungsformen asiatischer Denk- und Verhaltensweisen fremdeln, die bei der Autorin und ihren Figuren zwangsläufig durchscheinen. Doch davon sollte man sich nicht verwirren lassen. Wie immer man es auch betrachtet - dieser Band ist eine Reise in die Abgründe der menschlichen Seele, in die nicht jeder Autor so schonungslos wie Amanda Lee Koe blicken möchte.

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M

Rezension zu "Ministerium für öffentliche Erregung" von Amanda Lee Koe

Fesselnde Kurzgeschichten
mrsMvor 2 Jahren

Ministerium für öffentliche Erregung von Amanda Lee Koe ermöglicht einen einzigartigen Einblick in die Gesellschaft der singapurischen Frauen. Das sind Frauen, fern versteckt unter dem glänzenden Schein der pulsierenden Metropole.


In der Hauptrolle jeder Geschichte agiert eine Frau, eine die nicht in das moderne, schöne Bild der Stadt passt, aber dennoch ein Teil dieser ist. Sie erkennt selbst den Unterschied zwischen sich und den anderen. Trotz des Leidens im Leben ist jeder dieser weiblichen Charaktere so stark, dass sie bereit sind, für ihre Leidenschaft zu kämpfen. Sie lieben und werden verstoßen. Sie suchen nach ihrer eigenen Identität und werden verstoßen. Sie machen sich von jemanden abhängig und werden verstoßen. Diese Verachtung ist allerdings kein Grund für die Frauen aufzugeben, vielmehr beweisen sie eigene Stärke in solchen Situationen, um noch ein bisschen glücklich sein zu können.


Selbst wenn alle diese 16 Geschichten eine solche verzwickte Lebenslage widerspiegeln, steht jede für sich und ist anders geartet. Selten ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, die schwerpunktmäßig so eng miteinander verbunden und trotzdem unterschiedlich sind, so gleichmäßig fesselnd und mitfühlend. Amanda Lee Koe lässt durch das Nicht-Kommentieren Spielraum für den Leser, sich ganz dem eigenen Befinden während des Lesens hinzugeben und mit den jeweiligen Charakteren mitzufühlen, mitzuhoffen, sich dem Leben und der Liebe hinzugeben. Diese Vermischung von Liebe und Leid, Glück und Unglück sowie das Träumen von etwas Schönerem und das Aufwachen in der Realität sind faszinierende Gegensätze, die einen nachhaltig beschäftigen.

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