Amin Maalouf Die Verunsicherten

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Inhaltsangabe zu „Die Verunsicherten“ von Amin Maalouf

'Was verbindet eine lebenslustige Hotelbesitzerin und einen der Welt entsagenden Mönch? Erinnerungen an die gemeinsame Heimat und eine unstillbare Sehnsucht nach einer untergegangenen Zeit.' Amin Maalouf

In seinem bisher persönlichsten Buch überlässt Amin Maalouf einem Mann das Wort, der sich verraten fühlt – von seinem Land, seinen Freunden, seinen Träumen. Mitten in der Nacht wird der in Paris lebende Adam durch einen Anruf aus dem Schlaf gerissen: Sein Jugendfreund Mourad liegt im Sterben und wünscht ihn noch ein letztes Mal zu sehen.
So reist Adam am kommenden Morgen zurück in den Libanon, den er in den 1970er Jahren verließ und seither nie wieder betreten hat. Doch er kommt zu spät, als er eintrifft, ist Mourad bereits tot. Adam will noch nicht zurück nach Paris und quartiert sich im Hotel der schönen Sémiramis ein. Als er beginnt, seine Erinnerungen niederzuschreiben, wird die Reise Seite für Seite zu einer Begegnung mit vergangenen Zeiten und einer leidenschaftlichen Liebe.

Ein Mann besucht nach vielen Jahren des Exils sein Heimatland und erinnert sich ... Ein bewegendes Buch in leisen Tönen!

— luegemol

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    Die Verunsicherten

    michael_lehmann-pape

    30. April 2014 um 14:27

    Melancholische Stimmung Adam ist Historiker. Wenn er von „seiner Epoche“ spricht, dann wird umgehend eine Phase Roms in ihm lebendig, weniger bis gar nicht aber die Gegenwart, die eigene „kleine Weltgeschichte“. Als Student ist er gegangen, aus der Heimat, der Levante. Im Trubel des beginnenden Krieges, der Ideologien, die von ihm und seinem Freundeskreis eigentlich klare Haltungen, Antworten erwartet hätten. Welche die damaligen Freunde in verschiedener Form gaben. Vom bewaffneten Kampf bis zum „auf jeden Fall ausharren“ bis zur Emigration. Jener Weg, den unter anderem Adam wählte und der ihn für lange Zeit tief entzweite mit seinem engsten Freund, Murad. Adam kommt zu spät. Murad ist verstorben. Die Beerdigung interessiert Adam nicht sonderlich. Aber da ist so etwas, ein Klima, das Licht der Levante, die altvertrauten Geräusche. Vor allem aber ein inneres Wissen um Verluste. Darum, zwar den eigenen Weg gegangen zu sein, aber doch Wichtiges vielleicht nicht gelebt, nicht erledigt zu haben. Eher „reaktiv“ gelebt zu haben als „aktiv“ gegangen zu sein. In der Provinz kommt er in einem Hotel unter, dass eine damalige Freundin aus dem Kreis betreibt. Eine, mit der damals fast, aber nur fast einmal bis zu einem Kuss vorgedrungen wäre. Seine alte Mappe mit Briefen der Freunde, seine eigenen Erinnerungen, all das fließt zusammen und Adam beginnt, die Geschichte zu schreiben. Und zugleich zu notieren, was in der Gegenwart an Begegnungen wartet. Erlebnisse damals und Begegnungen heute, an denen Maalouf in seinem ruhigen, tiefen, reflektierten Stil vielfach Grundtypen auftreten lässt. So wie Adam mit Nidal spricht, Islamist, Bruder eines damals gefallenen Freundes. Ein Dialog mit hintersinnigen und feinfühlig gezeichneten Emotionen, der intensiv die Irritation zwischen Morgen- und Abendland, Islam und westlicher Lebensweise auf den Punkt bringt. „Die Besiegten sind stets versucht, sich als unschuldige Opfer darzustellen…… aber sie sind alles andere als unschuldig. Sie sind schuldig, besiegt worden zu sein“. Aber auch die Gegenwart, die innere Distanz zum wiederauflebenden traditionellen Islam findet Ausdruck im Buch, die zwei Herzen, die in Maaloufs eigener Brust sicher auch persönlich schlagen. „Meinst Du, es sei angenehm, all diese von Kopf bis Fuß verhüllten Frauen ansehen zu müssen , diese riesigen Fotos von Männern mit Turban, dieser Wald von Bärten“. Einerseits, und andererseits stellt Maalouf ebenso differenziert das innere Erleben, die Sicht des Islamisten im Buch dar. Unter vielen anderen Einsichten in das Leben und die vermeintlich so sicheren „Fronten“ zwischen „richtig und falsch“, die Menschen gerne ziehen. Und lässt all dies einmünden in eine tiefe Betrachtung des Seins, der vorbeihuschenden Zeit, der verlorenen Möglichkeiten zur Gemeinschaft, der Verluste von Freunden durch den Tod. Aber nicht alles ist nur Verlust und vergangen. Auch eine Liebesgeschichte findet statt, die alte Versäumnisse aufholen. Begegnungen, Entwicklungen, Wichtigkeiten, die Adam Seite für Seite niederschreibt. Eine tiefe Lektüre über das Leben, das Älter werden, die Reue über Versäumtes und die Melancholie angesichts des Vergehens des Lebens, aber auch der Harmonie einer ganzen Landschaft, der Levante, die dem Leser hier sehr nahe gebracht wird. Vor allem aber ein ständiges Grundgefühl, eben sich nicht oder nicht mehr sicher sein zu können über den eigenen Weg, über Freund und Feind, über richtig und falsch und zu erkennen, dass dies das Leben ist. Mit allerdings immer gleichem Tonfall, immer gleicher Ruhe, damit auch mit hier und da fehlenden Spannungsbögen, Wendungen, Ereignisse. Eine sprachlich hervorragende Reflektion des Lebens „zwischen Orient und Okzident“, zwischen vorrückendem Alter und lebendiger Vergangenheit, zwischen Ärger und Trauer und Ausblick, die ein wenig Geduld aber braucht bei der Lektüre.

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