Amir Gudarzi

 3,9 Sterne bei 25 Bewertungen
Autor*in von Das Ende ist nah.

Lebenslauf

Amir Gudarzi, 1986 in Teheran geboren, ging auf die damals einzige Theaterschule im Iran und studierte danach Szenisches Schreiben. Seit 2009 lebt er in Wien, wo er als vielfach ausgezeichneter (inzwischen) österreichischer Dramatiker und Autor arbeitet. 2021 war er Stipendiat im Literarischen Colloquium in Berlin und erhielt den Förderungspreis für Literatur der Stadt Wien, 2022 wurden ihm der Kleist-Förderpreis für junge Dramatiker*innen und der Christian-Dietrich-Grabbe-Preis verliehen, in der Spielzeit 2023/24 war er Hausautor am Nationaltheater Mannheim. ›Das Ende ist nah‹, ausgezeichnet mit dem Hermann-Hesse-Förderpreis, ist sein erster Roman.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Amir Gudarzi

Cover des Buches Das Ende ist nah (ISBN: 9783423290340)

Das Ende ist nah

(25)
Erschienen am 17.08.2023

Neue Rezensionen zu Amir Gudarzi

Cover des Buches Das Ende ist nah (ISBN: 9783423290340)
jtk_0701s avatar

Rezension zu "Das Ende ist nah" von Amir Gudarzi

jtk_0701
Schweres Thema, gut geschrieben

Dieser Roman hat mich einfach nur umgeworfen. Ohnmächtig musste ich zuschauen in was für unfassbar schrecklichen Verhältnissen der Protagonist A. im Iran aufwächst. Von klein auf ist sexueller Missbrauch, grausame Gewalt, Morde, Machtlosigkeit, Unfreiheit „normaler“ Alltag .


S. 62 „Iran ist wie „Der Würgeengel“ von Buñuel. Eigentlich ist das iranische Regime wie dieser Film. Wir, oder die Generation vor uns, hat dieses Regime angeblich gewählt, und jetzt können wir es nicht mehr loswerden. Wir sind in einem Raum gefangen, obwohl uns physisch nichts daran hindert, ihn zu verlassen.“ 


Als er dann 2009 aus dem Iran flüchtet, um eigentlich in Kanada Asyl zu beantragen, muss ich wieder fassungslos mit anschauen, dass er in Österreich stecken bleibt, sich im Lager unter den Flüchtigen wie in seiner Heimat verstellen muss, um der Gewalt und Diebstahl unter den Flüchtigen zu umgehen. Glaubte er nun in Freiheit zu sein, muss er hier feststellen, dass Religion immer noch eine große Rolle spielt und auch hier Unfreiheit herrscht, zwischen den Flüchtlingen und als Flüchtling. Und wäre das nicht genug, schau ich auch noch ungläubig zu, wie allein er im verrückten System der Asylpolitik gelassen wird, wie viel Rassismus er erleben muss, wie Gelder nicht fließen, weil Einheimische sich daran bereichern, er hungrig ist, nicht angenommen wird und einsam. Ein kleiner Funken Hoffnung kommt mit Sarah auf, um dann zu realisieren, dass das ganze Leben bisher, den Protagonisten kaputtgemacht hat. 


Es war echt schwer die Geschichte zu lesen. Schwer, aber so wichtig. Wichtig, weil ich mich auch mit meinen eigenen dunklen Seiten auseinandersetzen musste. Wie oft hab ich das Buch zur Seite gepackt und mich selbst gefragt „Wie hättest du reagiert?“ Hätte ich fremde Männer im Auto mitgenommen? Nein, hätte ich nicht. Warum nicht? Nicht, weil ich Angst vor „fremden“ Nationen habe, da ich selbst weiß, wie es ist sich als „Fremde“ zu fühlen, sondern weil ich eine Frau mit Ängsten bin. Ängste, vor unbekannten Menschen, in die ich nicht hineinschauen kann. Und das tut mir leid, den ich hätte gern dem netten A. seinen kilometerweiten Heimmarsch erspart - hungrig, kraftlos, verzweifelt und im Regen. Ich habe mich so vieles gefragt und mich mit meinen eigenen Bedenken und Ressentiments auseinandergesetzt. Mich gefragt, wie viel Trauma ist zu verkraftet und kann eine neue Heimat diese Traumata für einen auffangen oder sogar heilen. Kann ein Mensch, der zusehen musste, wie Menschen auf offener Straße geköpft werden überhaupt noch ein normales Leben führen? Kann er überhaupt Vertrauen in eine (neue) Gesellschaft und in die Menschen entwickeln? Was kann die Gesellschaft dazu beitragen, beim Verarbeiten zu helfen, neu anzufangen? Wie können wir als Gesellschaft den Neuanfang leichter gestalten? Wie gesagt, hart, brutal und nicht leicht zu verdauen. Ich würde sogar sagen, für manche bestimmt zu hart und zu schwer zu verdauen, aber für mich absolut bereichernd und wichtig. 


S.139 „Im Iran würden die Leute einen mitnehmen. Sogar die Polizei. Meine Mutter hat eine romantisierende Vorstellung von Europa, wie viel andere im Nahen Osten. Sie glaubte, die Menschen in Europa seien allesamt gutherzig und nähmen Fremde im Auto mit. Sie glaubt, dass niemand in Europa zu Fuß gehen muss, dass es überall öffentliche Verkehrsmittel gibt, dass alle hier gerne teilen, dass die Leute menschlicher sind als im Iran.“


S.334 „Aber wenn man es dann bis in den Westen geschafft habe, müsse man tausendmal erklären, dass man kein Fanatiker sei, dass man an die Demokratie glaube, an westliche Werte, mehr als die Menschen im Westen selbst. Als Flüchtling ohne Rechte merke man bald, dass niemand sich wirklich für einen interessiert.“

Cover des Buches Das Ende ist nah (ISBN: 9783423290340)
Lilli33s avatar

Rezension zu "Das Ende ist nah" von Amir Gudarzi

Lilli33
Bewertung fällt mir schwer

Gebundene Ausgabe: 416 Seiten

Verlag: dtv (17. August 2023)

ISBN-13: 978-3423290340

Preis: 25,00 €

auch als E-Book erhältlich


Bewertung fällt mir schwer


Inhalt:

Der Student A. nimmt 2009 an den Protesten im Iran teil und ist schließlich gezwungen, sein Land zu verlassen. Er strandet in Österreich, wo er Asyl beantragt. Die Demütigungen und Anfeindungen, denen er hier ausgesetzt ist, sind kaum weniger schlimm als das, was er im Iran erlebt hat. Man verhöhnt ihn, beutet ihn aus. Die Beziehung zu Sarah gibt ihm eine Zeit lang Halt, ebenso wie ihr, entwickelt sich mit der Zeit aber sehr ungut. 


Meine Meinung:

Bei diesem Buch handelt es sich möglicherweise um einen autobiographischen Roman. In den Grundzügen hat der Autor Amir Gudarzi denselben Hintergrund wie sein Protagonist A. Dadurch wirkt die Handlung sehr authentisch. Gudarzi erzählt aus drei Perspektiven: Die Zeit im Iran aus der 3. Person, die Zeit in Österreich aus der 1. Person und aus Sarahs Sicht. Bis zum Ende konnte ich mich dabei nicht mit der Bezeichnung „A.“ für den Protagonisten anfreunden. Es wirkt einfach nur holprig. Ansonsten wechselt der Schreibstil zwischen sehr einfach und sehr anspruchsvoll. 


Die erste Hälfte des Buches hat mich enorm gefesselt. Ich war interessiert und litt mit dem Protagonisten mit, hatte Sympathien für ihn, die sich jedoch nach und nach verloren. Sein Verhalten fand ich zunehmend inakzeptabel. Auch das Fortschreiten seiner Depressionen erleichterten das Lesen nicht gerade. 


Eine Bewertung fällt mir sehr schwer, weil ich die Handlung für mehr oder weniger real halte und mir daher kein Urteil anmaßen will. Deshalb rette ich mich auf mittlere drei Sterne.


★★★☆☆

Cover des Buches Das Ende ist nah (ISBN: 9783423290340)
Katzenmichas avatar

Rezension zu "Das Ende ist nah" von Amir Gudarzi

Katzenmicha
Geschichte einer Flucht

Während der Proteste im Iran 2009 ist der ehemalige Student A. gezwungen, sein Land zu verlassen. Die Erinnerungen an eine Kindheit und Jugend voller Gewalt nimmt er mit. Aus einem Künstler wird ein Flüchtling in Österreich, der offen und heimlich verachtet wird und in Lagern und Heimen nicht nur Einsamkeit und Verzweiflung, sondern auch Hunger und Demütigung ertragen muss. In Wien trifft er auf Sarah, die sich Hals über Kopf in ihn verliebt. A., der sich nicht öffnen kann, ist für sie Studienobjekt und Halt zugleich, obwohl er selber Halt sucht…

Fazit zum Buch:

In dem Buch geht es um die Situation der Geflüchteten aus Ländern wie dem Iran, Afghanistan oder der Türkei.Die Ausgangslage ist identisch mit der Lebensgeschichte des Autors Amir Gudarzi, der 1986 in Teheran geboren wurde, dort szenisches Schreiben studierte und seit 2009 in Wien lebt.Amir beschreibt das Leben von A.,sein Leben im Iran wärend seiner Kindheit und seiner Jugend.Wo Gewalt Dritten gegenüber und extreme Frauenfeindlichkeit an der Tagesordnung sind,immer wieder Vergewaltigungen, Steinigungen und Hinrichtungen.Aber auch im vermeintlich sichereren Österreich geht es nicht besser für ihn zu. Hier wirder angefeindet, gedemütigt, ausgebeutet, und das nicht nur von Österreichern- sondern auch von seinen eigenen Landsleuten und Geflohenen anderer Nationalität wie Afghanen und Kurden.Einsamkeit und das Warten auf einen positiven Bescheid im Asylverfahren zermürben ihn und lassen ihn verzweifeln.
Leider fand ich die Geschichte überzogen und an manchen Stellen langtmig,es wird einiges erwähnt aber nicht zu Ende gedacht.So gebe ich dem Buch 3 Sterne -weil es mich nicht überzeugen konnte.Ich aber dem Autoren Amir Gudarzi wegen seiner Flucht und dem Erlebten Respekt endgegen bringe.

Gespräche aus der Community

Bisher gibt es noch keine Gespräche aus der Community zum Buch. Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Welche Genres erwarten dich?

Community-Statistik

in 40 Bibliotheken

auf 12 Merkzettel

von 1 Leser*innen aktuell gelesen

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freund*innen und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber*innen und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks