Amitav Ghosh Das mohnrote Meer

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Inhaltsangabe zu „Das mohnrote Meer“ von Amitav Ghosh

1838: Am Oberlauf des Ganges schuften die Menschen für die britische Opiumindustrie. Verfolgung, Intrigen und Not vereinen eine Gruppe von Flüchtlingen als Schicksalsgemeinschaft auf der »Ibis«, einem ehemaligen Sklavenschiff. Die »Ibis« ist Hoffnung und Strafe, Zukunft und Endstation zugleich. Und hinter der Mündung des Ganges wartet die Ungewissheit. Unterdrückung und Kolonialismus, das Aufeinanderprallen von Kulturen, Liebe und Hass sind die großen Themen bei Ghosh. Spannendes soziales Drama und literarischer Abenteuerroman zugleich. Die junge Diti lebt und arbeitet mit ihrer 6-jährigen Tochter Kabutri und ihrem Mann Hukam Singh auf einer Mohnfarm. Diti hat Tagträume, Visionen, in denen sie ein Schiff unter Segeln sieht, das den Fluss herauf kommt. Noch nie war sie am Meer, am »Schwarzen Wasser«, und kann sich die Vision nicht erklären. Doch sie ahnt, dass sie vor einer großen Veränderung in ihrem Leben stehen könnte. Bis zum Tag der arrangierten Hochzeit mit Diti hat Hukam seine Opiumsucht verschwiegen, die ihn längst zeugungsunfähig gemacht hat. Diti erfährt, dass sie in der Hochzeitsnacht unter Drogen gesetzt und von ihrem Schwager vergewaltigt wurde. Als Hukam nach einem Unfall in der Fabrik stirbt, will Diti sich deshalb lieber verbrennen lassen, als mit ihrem Schwager zusammenzuleben. In letzter Sekunde wird sie von dem Unberührbaren Kalua gerettet und die beiden fliehen auf dem Ganges stromabwärts nach Kalkutta. Als sie nach einer abenteuerlichen Reise dort ankommt, erblickt sie das Schiff aus ihren Visionen und versteht endlich, dass sie als Teil einer Schicksalsgemeinschaft das Land und ihr bisheriges Leben hinter sich lassen wird.

großartig erzählt, wie von Ghosh gewohnt...

— Toki
Toki

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  • Unbefriedigendes Ende

    Das mohnrote Meer
    Jisbon

    Jisbon

    20. May 2016 um 22:05

    Da ich mich sehr für Geschichte interessiere und auch gerne historische Romane, vor allem in exotischen Settings, lese, hatte ich mich sehr auf dieses Buch gefreut. Leider hatte ich aber einige Probleme damit. Das erste war die extensive Verwendung von Wörtern in anderen Sprachen (zum Beispiel Hindi, anderen irischen Dialekten und Französisch). Normalerweise stört mich so etwas nicht, aber hier nahm es wirklich Überhand. Die meisten Wörter konnte man sich aus dem Kontext erschließen, aber einiges musste ich doch im Glossar nachschlagen und das hat meinen Lesefluss unterbrochen. Und dann war da noch der Schiffs-Jargon, der nicht wirklich erklärt wurde... es ist nur ein kleines Detail, aber es hat mich gestört. Das zweite Problem ist, dass ich nicht wirklich die Geschichte bekommen habe, die ich erwartet hatte. Ich hatte gedacht, dass die Reise auf der Ibis die zentrale Handlung sein würde. Stattdessen behandeln ungefähr 3/4 des Buches die Erfahrungen und Erlebnisse der Protagonisten, die dazu führen, dass sie das Schiff betreten. Dadurch gibt es viele verschiedene, voneinander getrennte Plots. An sich war das keine schlechte Idee, aber nach einer Weile wurde die Geschichte irgendwie langweilig und ich wollte nur noch, dass sie endlich ihre Reise beginnen. Das heißt nicht, dass das Buch bis dahin schlecht war - es war einfach nicht, was ich erwartet hatte und der Autor hat die Erzählung mit endlosen Details ausgeschmückt, die ich als unwichtig erachte... insgesamt hat Ghosh gute Arbeit damit geleistet, den Grundstein für die Reise zu legen. Jeder Charakter hat seine Gründe, um mit dem Schiff in ein neues Leben aufzubrechen und es war nett, diese Gründe zu erkunden. Dazu kommt, dass ich durchaus mit den Figuren fühlen konnte und dass die Beschreibungen wirklich toll und bildhaft waren. Das dritte und letzte Problem, das ich mit dem Buch hatte, ist die Darstellung von Gewalt, von der es für meinen Geschmack ein bisschen zu viel gab. Natürlich ist es realistisch, dass die niedriger gestellten Mitglieder der Gesellschaft schlecht behandelt werden, aber die detaillierten Beschreibungen waren nicht nötig und trugen nicht viel zur Handlung bei. Davon abgesehen hatte ich aber doch Spaß am Buch. Die Beschreibungen waren, wie bereits erwähnt, wirklich sehr gut und ich konnte mir die Szenarien leicht im Kopf ausmalen. Zudem hat der Autor offensichtlich gut recherchiert und man lernt beim Lesen eine Menge über die damalige Zeit und Indien. Auch die Erlebnisse der meisten Protagonisten waren interessant; sie haben alle ihre Probleme und Sorgen, aber sie alle verändern sich und wachsen im Laufe der Geschichte über sich hinaus, was mir gut gefallen hat. Leider wurde mir das Lesevergnügen auf den letzten 50 Seiten ruiniert. Mich hat zum einen genervt, dass einfach alles, was hätte schief gehen können, auch schief gegangen ist. Alles, ausnahmslos, als hätte der Autor eine Liste mit möglichen Unglücken abgearbeitet. Das war etwas unglaubwürdig. Zum anderen... ich hatte ein in irgendeiner Form offenes Ende erwartet, schließlich hatte ich Band zwei der Reihe schon hier liegen, doch trotzdem dachte ich, dass die Konflikte zumindest teilweise aufgelöst werden würden. Stattdessen wurde gar nichts geklärt und das Ende war sehr abrupt. Ich habe nichts gegen Cliffhanger, aber was Ghosh uns hier gibt, ist kein Cliffhanger, sondern einfach... nichts. Die Geschichte hört einfach mittendrin auf und das hat mich gestört. Fazit Wären die letzten 50 Seiten und das unbefriedigende Ende nicht gewesen, hätte mir das Buch besser gefallen. Es ist insgesamt nicht schlecht; der Autor scheint eine Schwäche für in meinen Augen unnötige Details zu haben und man hätte die ganze Handlung kürzen können, aber "Das mohnrote Meer" ist gut geschrieben und bietet interessante Einblicke in das Leben im Indien des Jahres 1838.

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  • Rezension zu "Das mohnrote Meer" von Amitav Ghosh

    Das mohnrote Meer
    danjo

    danjo

    30. April 2009 um 12:01

    Im Grunde ein sehr spannender Gesellschaftsroman, der einen Einblick in die britische Kolonialzeit im 19. Jahrhundert gibt. Doch leider konnte ich vieles nicht verstehen, da ich kein Fachmann bzgl. der indischen Sprache und ein Laie bzgl. des Seefahrerjargon bin. Einen großen Teil der indischen Sprechweise kann man zwar hinten im Buch nachschlagen, doch dies stört erheblich den Lesefluss, sodass ich mich beim Lesen damit abgefunden habe, dass ich nur die Hälfte verstehe. Schade, denn wie gesagt, die Geschichte an sich ist sehr interessant!

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  • Rezension zu "Das mohnrote Meer" von Amitav Ghosh

    Das mohnrote Meer
    Wolkenatlas

    Wolkenatlas

    05. September 2008 um 11:40

    Amitav Ghoshs neuer Roman handelt in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts in und um Kalkutta. Ein Roman mit einem Meer von Protagonisten: Diti, die aus Liebe von dem Hühnen Kalua vom Scheiterhaufen gerettet wird, die um ihrer Tochter ein Leben zu ermöglichen auf sie verzichten muss, der zweite Steuermann der Ibis Zachary Reid ("Zikri Malum"), die schöne verwaiste Paulette, ihr "Halbbruder" Jodi, der durch eine Verschwörung des Opiumhändlers Burnham gestürzte Raja Nil Rattan Halder- um nur einige zu nennen. Spannend erzählt, bewegen sich alle Linien auf den vereinenden Punkt, die Reise mit der Ibis nach Mauritius (das damals Strafkolonie und Ort der Arbeitslager der britischen Kolonialherrschaft war) zu. Nil Rattan Halder als Sträfling, Diti und Kalua als Arbeiter, Paulette um einer Zwangsheirat zu entgehen und um bei Zachary (in den sie verliebt ist) und ihrem "Halbbruder" Jodi zu sein, der Matrose auf der Ibis ist. "Das mohnrote Meer" ist zugleich Abenteuerroman, Liebesroman und auch eine Anprangerung der arroganten Herrschaft der Briten in Indien. Vor allem aber ist "Das mohnrote Meer" (auch wenn vielleicht manche Momente etwas klischeehaft sind) ein spannender, schön zu lesender Schmöker, ein richtiger Page-turner, wenn man einmal im Sog der Figuren ist (und das sage ich, obwohl ich eigentlich kein Liebhaber von "historischen Epen" bin...). Amitav Ghosh erzählt schnörkellos, mit direktem Zug in die Richtung der Ibis (vielleicht hätte man manch blumige Beschreibung kürzen können, aber ach, auch so wars schön). Mein einziger wirklicher Einwand ist die Übersetzung der indischen Dialekte, die sich wie vermeintliches Balkandeutsch lesen, was auch so schon schräg und unnötig ist, mit Kalkutta 1836 als Hintergrund ist es dann schon fast lächerlich. Schade. Wie auch immer, auch diese Übersetzungsprobleme (die wohl auch anders zu lösen sind- ein Beispiel von vielen Möglichkeiten sind die Übersetzungen der Romane von Salman Rushdie) können den Erzählfluss dieses Romans nicht stören. Beeindruckend finde ich auch, dass Amitav Ghosh den Schluss eher offen gelassen hat, also sich dem Sog eines "Happy-Ends" verwehrt hat. Ein wirklicher Schmöker.

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  • Rezension zu "Das mohnrote Meer" von Amitav Ghosh

    Das mohnrote Meer
    anushka

    anushka

    24. August 2008 um 21:38

    Die Ibis ist ein ehemaliges Sklavenschiff und als im Jahr 1838 der Opiumhandel mit China immer schwieriger wird, entscheidet sich der neue Eigentümer der Ibis, sie wieder zum Transport von Arbeitskräften zu nutzen - nach Mauritius. Bis zu diesem Punkt der Geschichte entwickeln sich verschiedene Einzelschicksale so, dass sie irgendwann auf der Ibis zusammentreffen müssen. Darunter auch Diti, die einen Opiumsüchtigen geheiratet hat ohne von seiner Sucht zu wissen. In der Hochzeitsnacht wird sie unter Drogen gesetzt und von ihrem Schwager vergewaltigt. Als Ditis Mann stirbt, entscheidet sie sich, lieber den Feuertod bei der Einäscherung ihres Mannes zu sterben, als die Frau ihres Schwagers zu werden. In letzter Sekunde wird sie von einem Unberührbaren gerettet. Danach bleibt ihr nur die Flucht. Neben Diti handelt "Das mohnrote Meer" aber auch von Zachary (2. Steuermann der Ibis und Sohn einer Sklavin und eines Weißen aus Baltimore), Paulette (französische Tochter eines verstorbenen Botanikers) und ihrem indischen Freund Jodu aus Kindertagen, Nil (verschuldeter Raja) und Babu Nob Kissin (der glaubt, seine spirituelle Anführerin wird in seinem Körper wiedergeboren). Dieser erste Teil einer geplanten Trilogie über das Sklavenschiff Ibis ist also ein buntes und sehr komplexes Geflecht aus vielen verschiedenen Charakteren, sodass Inhaltsangaben, die sich nur auf Ditis Geschichte beziehen, irreführend sind. Für jeden einzelnen Charakter werden die Entwicklungsgeschichte und die Beweggründe für dessen Anwesenheit auf der Ibis nachvollzogen. Leider sind es jedoch zu viele Charaktere, sodass man kaum tiefgreifende Sympathie zu einzelnen, geschweige denn allen, von ihnen aufbauen kann. Zudem ist die Geschichte teilweise so kompliziert wie das indische Kastensystem und teilweise recht unübersichtlich. Auch die Vorgeschichten nehmen sehr viel Raum ein - die Ibis verlässt erst im letzten Drittel des Buches Indien. Einige Abschnitte des Buches hätten durchaus kürzer gefasst sein können und hätten mich dann vielleicht eher gefesselt. Beispielweise wird seitenweise ein Dinner beschrieben inklusive genauer Wiedergabe einzelner Gespräche, ohne dass dies dem Buch Mehrwert gebracht hat. Somit gleitet die Geschichte häufig ins Triviale ab. Ein sehr großes Manko fand ich außerdem, dass dieses Buch kein Glossar hatte - bei so vielen Fremd- und Fachwörtern wäre das für den durchschnittlichen Leser durchaus nötig gewesen. Zudem wirkten die Unterhaltungen zwischen Zachary und dem Vorsteher der Schiffsmannschaft in weiten Teilen lächerlich, was an der deutschen Übersetzung liegen könnte: Pidgin Englisch wirkt in der deutschen Übersetzung einfach nicht. Nach all diesen Kritikpunkten bleibt jedoch zu sagen, dass Amitav Ghosh trotzdem ein exotisches Epos gelungen ist, das sehr deutlich den englischen Imperialismus nachzeichnet mit all seinen Auswirkungen und auch das unmoralische Handeln, dass die Engländer im asiatischen Teil der Welt an den Tag gelegt haben. Mit der Ansicht, den Menschen durch Opium einen Gefallen zu tun, klopft man sich selbstgefällig selbst auf die Schulter. Mit China will man sogar einen Krieg anzetteln, weil es die Einfuhr von Opium verbietet. Auch das indische Kastensystem in seiner Bedeutung für das tägliche Leben der Einheimischen sowie dessen rigide Undurchlässigkeit wird sehr schön deutlich. Insgesamt war dieses Buch also historisch aufschlussreich und vermittelte jede Menge Exotik, hatte jedoch auch seine Längen. Ich bin mir noch unschlüssig, ob ich den zweiten Teil der Ibis-Trilogie lesen werde.

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