Amitav Ghosh Die Flut des Feuers

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Inhaltsangabe zu „Die Flut des Feuers“ von Amitav Ghosh

Ein schillerndes Epos über die Welt am Rande einer Zeitenwende. 1839: Nachdem China den vornehmlich von den Briten und deren Kolonien betriebenen Handel mit Opium nicht mehr dulden will, erklärt ihm Großbritannien den Krieg. Die Hind ist eines der Schiffe, die bei einem Angriff zum Einsatz kommen sollen, und segelt zu diesem Zweck von Bombay nach China. An Bord ist unter anderem Kesri Singh, ein Kommandant der britisch-ostindischen Armee, der eine Kompanie Soldaten befehligt; außerdem Zachary Reid, ein verarmter junger Seemann, der auf der Suche nach seiner verlorenen Liebe ist, und Shirin Moddie, die in China die Hinterlassenschaft ihres verstorbenen Mannes, eines Opiumhändlers, an sich nehmen will. Sie alle geraten schon bald in die Wirren der Opiumkriege, die in Chinas verheerender Niederlage und in der Annektierung Hongkongs durch Großbritannien enden werden. Eine vor Atmosphäre und Detailfreude flirrende, spannende und berührende Geschichte vor der Kulisse Indiens und Chinas, mit der Amitav Ghosh sein großes historisches Panorama über die Opiumkriege, die eine frühe Ära der Globalisierung markieren, fulminant vollendet.

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  • Farbenprächtiger Abschluss der Asien-Trilogie

    Die Flut des Feuers

    michael_lehmann-pape

    01. February 2017 um 14:09

    Farbenprächtiger Abschluss der Asien-Trilogie Die Kolonialauseinandersetzungen zwischen England und China, gipfelnd im „Opium-Krieg“ ab 1839 stellt Ghosh in den Mittelpunkt des Abschlusses seiner Asien-Trilogie. Und verknüpft und seinem geradlinigen, durchaus an entsprechenden Stellen aber auch bildgewaltigen Stil wie gewohnt das Ergehen konkreter Personen mit den Historischen Ereignissen. Kesri Singh, einheimischer Offizier im britischen Indien Chors, später Kommandant der berühmten „Pachisi“ hat eine Familientradition zu wahren. Zachary hat einen Prozess zu überstehen (gut gelungen ist hier das umgehende Eintauchen in Sprache und Atmosphäre jener Zeit durch „Zitate“ aus Zeitungsberichterstattungen über diesen Prozess) und findet sich, entlastet, in finanzieller Not wieder. Was ihn dazu bewegt, eine Schiffsrestauration in Angriff zu nehmen, was wiederum Ghosh beste Gelegenheit gibt, das alttägliche Leben in den Kolonien und jener Zeit unangestrengt zu schildern. Shirin Moddie wurde von jetzt auf gleich in ihrem gewohnten, vertrauten Familienleben erschüttert. Ihr Mann verstorben an fremdem Ort. Was besondere Brisanz dadurch erhält, dass dieser sein Geld mit Opium Handel „verdiente“ und nun das Familieneinkommen in Gefahr steht. Wenn Shirin nicht selber handelt (was wiederum für Ghosh der nächste Ankerpunkt im Buch ist, um nun die näheren Umstände des Opium Handels jener Zeit und den Beginn der offenen Reibungen um diesen Handel erzählerisch zu verankern). Und später stößt (bekannt aus den beiden Vorgängerromanen) noch Nil Rattan Halder zum Kreis der handelnden Figuren mit ihrem miteinander verwobenen Schicksalsmuster. So steht jeder der auftretenden Hauptpersonen für einen zentralen Aspekt jener Zeit und im Gesamten ergibt sich ein vielfaches Puzzle aus Kolonialherrschaft, einheimischem Leben, dunklen Geschäften und offenem Krieg, dem all diese Personen ab einem gewissen Punkt im Buch entgegensegeln und die Schicksale sich verknüpfen und kulminieren. Wie auch die immer stärkere Annektion und „Besiedlung“ Hongkongs durch die Briten in ihren Anfängen geschildert wird und die noch fast unberührte und spärlich bewohnte Halbinsel mit in den Blick rückt. Vielfach entfalten sich Erzählfäden und ebenso vielfach tauchen, um die Hauptpersonen herum, andere Personen auf, manche kurz, manche länger, manche immer wieder. Was, trotz des klaren Stils und des Verzichts auf vielfache Ausschweifungen dem „roten Faden“ im Buch nicht immer gut zu Gesichte steht. Manches Mal verzettelt sich Ghosh einfach (und der Leser mit ihm) und verweilt zu lange an Orten und Ereignissen, die wenig für den Gesamtverlauf des Werkes austragen. Konzentriert dann aber verbleibt Ghosh, „als es endlich losgeht“ bei den Schilderungen des Kriegsverlaufes selbst und bietet vielfache detaillierte und gut recherchierte Fakten auf, die den Leser mitten hinein nehmen in die vielfachen Strömungen und Wendungen der Kämpfe, das wechselhafte Ergehen der Personen und die Kämpfe und Schlachten selbst, an denen Ghosh eine wahre Freude offenbart. Was manchmal zu ausufernd im Raum dann steht. Insgesamt ein farbenprächtiger, historischer Roman, der an manchen Stellen übererzählt wirkt und den Leser nicht immer vollständig packt.

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  • Beeindruckend

    Die Flut des Feuers

    jaylinn

    30. November 2016 um 16:51

    Diese Rezension erscheint auch auf meinem Blog www.zeilenliebe.wordpress.com. Allgemeines: Die Flut des Feuers ist der dritte Band der großen Ibis-Trilogie von Amitav Ghosh. Am 14.11.2016 ist der Roman bei Blessing in der Verlagsgruppe Random House erschienen.  Die beiden Vorgängerbände muss man nicht unbedingt gelesen haben, um der Handlung folgen zu können. Jedes Buch ist in sich abgeschlossen und erzählt eine ganz eigene Geschichte. Bei der Ibis handelt es sich um ein Handelsschiff, das in allen drei Bänden eine wichtige Rolle spielt, daher der Name der Trilogie. Inhalt: „1839: Nachdem China den vornehmlich von den Briten und deren Kolonien betriebenen Handel mit Opium nicht mehr dulden will, erklärt ihm Großbritannien den Krieg. Die Hind ist eines der Schiffe, die bei einem Angriff zum Einsatz kommen sollen, und segelt zu diesem Zweck von Bombay nach China. An Bord ist unter anderem Kesri Singh, ein Kommandant der britisch-ostindischen Armee, der eine Kompanie Soldaten befehligt; außerdem Zachary Reid, ein verarmter junger Seemann, der auf der Suche nach seiner verlorenen Liebe ist, und Shirin Moddie, die in China die Hinterlassenschaft ihres verstorbenen Mannes, eines Opiumhändlers, an sich nehmen will. Sie alle geraten schon bald in die Wirren der Opiumkriege, die in Chinas verheerender Niederlage und in der Annektierung Hongkongs durch Großbritannien enden werden.“(Quelle: Verlagsgruppe Randomhouse) Meine Meinung: Dieses Buch hat mich aus mehreren Gründen sehr beeindruckt: Ghosh erzählt eine Geschichte, die bis zum Schluss spannend bleibt (und das auf immerhin 859 Seiten)., Es werden durchweg die indischen Namen für Personen, Dienstränge, Alltagsgegenstände, … verwendet. Das ist natürlich zunächst anstrengend zu lesen. Das umfangreiche Glossar muss man aber kaum benutzen, da man sehr schnell in den Lesefluss kommt., Die Verknüpfung von historischen Fakten und Ereignissen mit fiktiven Lebenswegen ist Ghosh ein wichtiges Anliegen und macht das Buch besonders lesenswert., Die Charaktere sind vielschichtig angelegt, sie haben gute und weniger gute Seiten, was sie besonders glaubwürdig macht., Es gelingt Ghosh wunderbar, die Atmosphäre der Zeit um 1839 zu beschreiben., Außerdem gibt es auch eine Geschichte fürs Herz. Alles zusammen macht dieses Buch so toll! Ich habe mich bislang nicht mit den Opiumkriegen zwischen der East India Company und dem Kaiserreich China beschäftigt und bin dennoch von der Thematik des Buches fasziniert. Man versteht viele Hintergründe, begreift die Lebensumstände der Menschen und erkennt, was die Gier nach dem schnellen Geld verursacht: Krieg. Man erfährt auch viel über die Denkweisen der Briten und Inder: „In jenem Jahr frönten die Offiziere und ihre Damen – offenbar in Nachahmung einer Mode aus ihrer Heimat – einer merkwürdigen Belustigung. Sie ritten mit Körben voller Speisen und Getränke in den Dschungel, breiteten Tücher und Decken auf dem Boden aus und setzten sich zum Essen an Ort und Stelle, unter freiem Himmel, nieder. Für die Ordonnanzen war das ein großes Ärgernis, denn sie mussten mit, um Schlangen zu verjagen und nach Tigern und Elefanten Ausschau zu halten. Es erschien ihnen widersinnig, an einem Ort zu essen, an dem man seinerseits von wilden Tieren gefressen werden konnte.“(S. 274 f.) Ghosh versteht es wirklich überzeugend, alle Erzählstränge so zusammenzuhalten und zusammenzuführen, dass der Leser niemals den Überblick verliert und immer mitfiebert, weil er unbedingt wissen will, wie sich die Schicksale der Protagonisten entwickeln. Mein Fazit: Wer dieses Buch lesen möchte, muss gutes Durchhaltevermögen haben und dicke Bücher lieben. Wer das schafft, den erwartet (wieder) ein beeindruckendes Leseerlebnis. Ghosh hat auch hier erneut Charaktere entwickelt, mit denen man leidet und lebt, die einen nicht loslassen. Einziger Wermutstropfen sind die auf den letzten 100 Seiten sehr ausführlich und manchmal auch langatmig geschilderten Kriegsszenen.

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