Amor Towles

 4.5 Sterne bei 210 Bewertungen
Autor von Ein Gentleman in Moskau, Eine Frage der Höflichkeit und weiteren Büchern.
Autorenbild von Amor Towles (© Margaret Towles. )

Lebenslauf von Amor Towles

Amor Towles hat an der Yale University und an der Stanford University studiert und war anschließend in der Finanzbranche tätig. Daneben gehört er dem Vorstand der »Library of America« und der »Yale Art Gallery« an. Sein Debütroman »Eine Frage der Höflichkeit« erschien 2011. Er lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Manhattan, New York.

Alle Bücher von Amor Towles

Cover des Buches Ein Gentleman in Moskau9783548290720

Ein Gentleman in Moskau

 (100)
Erschienen am 09.11.2018
Cover des Buches Eine Frage der Höflichkeit9783548288222

Eine Frage der Höflichkeit

 (90)
Erschienen am 14.03.2016
Cover des Buches Ein Gentleman in Moskau9783957130891

Ein Gentleman in Moskau

 (11)
Erschienen am 08.09.2017
Cover des Buches Ein Gentleman in MoskauB074XCNCLW

Ein Gentleman in Moskau

 (0)
Erschienen am 08.09.2017
Cover des Buches A Gentleman in MoscowB01N0US7AE

A Gentleman in Moscow

 (6)
Erschienen am 06.09.2016
Cover des Buches Rules of Civility9780143121169

Rules of Civility

 (2)
Erschienen am 26.06.2012

Neue Rezensionen zu Amor Towles

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Rezension zu "Ein Gentleman in Moskau" von Amor Towles

Wer nicht über die Umstände herrscht, wird von den Umständen beherrscht
TheSaintvor 3 Monaten

Juni 1922. Es fragt der

Staatsanwalt: "Ihre derzeitige Adresse?"

Rostov: "Suite 317, Hotel Metropol, Moskau."

Staatsanwalt: "Seit wann wohnen Sie dort?"

Rostov: "Ich residiere dort seit knapp vier Jahren."

Staatsanwalt: "Und Ihr Beruf?"

Rostov: "Für einen Gentleman geziemt es sich nicht, einen Beruf zu haben."

Mit diesen Eingangszeilen hatte mich der Roman bis zur letzten Seite fest im Griff: Russische Geschichte, Hotels (ich LIEBE Hotels) und ein adeliger Protagonist (Ahhh! Ich habe eine Schwäche dafür!)... 

Der amerikanische Autor Towles (* 1964) legt mit seinem zweiten Roman ein Werk vor, dass neben überwältigendem Optimismus und leisem Humor auch Kunde von Klasse, Stil und Eleganz liefert:

Die Geschichte erzählt von Graf Alexander Iljitsch Rostov, der von den Bolschewiken wohl aufgrund seines blauen Blutes an die Wand gestellt worden wäre, hätte er nicht in seiner Jugend ein feuriges Gedicht gegen den Adel und die Leibeigenschaft verfasst (nun... eigentlich... aber das wäre ein SPOILER!). Stattdessen wird er zu lebenslangem Hausarrest im Hotel "Metropol" verurteilt... Das "Metropol" ist ein zeitloser Platz in Moskau mit Blick auf das Bolschoi-Theater. All die Menschen und Ideen, die über die Jahrzehnte in das Hotel strömen, können dem Haus nichts anhaben (selbst der II. Weltkrieg vermag nur für kurze Zeit zu stören), doch sind sie für eine Konstante wichtig: Man erkennt diese in der Gestalt eines hochgewachsenen Mannes, der tagtäglich seinen Gewohnheiten und Ritualen folgt, ehe er nachts hinauf unter das Dach des Hotels in ein kleines Zimmer verschwindet, welches kaum Platz für seinen Louis XVI-Tisch und seine Elfenbeinlampe bietet.

Der Graf macht während seines jahrzehntelangen Hausarrests das Beste aus seiner Situation und formt die Welt in dem Hotel nach seinen ästhetischen und intellektuellen Bedürfnissen. Er schließt mit einem entzückenden Mädchen namens Nina Freundschaft, die ihm viele Jahre später ihre Tochter Sofia anvertrauen wird. Er ist zuerst ein "Onkel" für das stille Mädchen, wird dann aber ihr "Vater" und sorgt dank seines familiären Hintergrundes und seiner Lebensphilosophie dafür, dass Sofia ihre künstlerischen Talente voll entfalten kann und ihr dadurch auch die Flucht aus Russland möglich wird...

Amor Towles schwelgt in tollen Beschreibungen über das Hotel und den sich darin befindlichen Restaurants. Bei der Beschreibung der Speisen und Getränke beginnt man beim Lesen zu speicheln. Die Konversationen, die der Graf mit Parteibonzen, Journalisten, Arbeitern und Freunden aber auch mit Sofia führt, sind grandios ausgeführt und eine Wonne. Das Hotel, der Graf und all die agierenden Figuren werden mit russischer Geschichte umwoben und es lässt sich während des Lesens das Gefühl nicht vermeiden, ähnlich wie bei Wes Anderson's "Grand Budapest Hotel" hoffnungslos verzaubert zu werden.

Ein absolut beglückendes Leseerlebnis. In Zeiten wie diesen lehrt uns der Graf, trotz allen Widrigkeiten optimistisch voranzuschreiten.

Ein Roman über Menschlichkeit, Gelassenheit, Güte und Herzenswärme sowie Esprit und Klugheit gepaart mit kleinen Schwächen. EINE PFLICHT!

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Rezension zu "Ein Gentleman in Moskau" von Amor Towles

Leben im Hotel
Klene123vor 9 Monaten

Graf Alexander Rostov wird zu Hausarrest verurteilt, da er zur begüteten Klasse gehört und somit dem neuen Regierungssystem ein Dorn im Auge ist. Das Hotel Metropol wird von uns an seine Heimat und für fast 12 Stunden auch die des Zuhörers.

Man begleitet Alexander oft in seinen Gedankengängen, isst mit ihm täglich mehrere Mahlzeiten und begleitet seine Unterhaltungen. Er wird sehr gschätzt im Hotel und sein Wissen über Vieles ist unglaublich interessant. Er verliert sich hier oft im Detail, macht dadurch jedoch auch die Geschichte sehr lebhaft, sodass man sich als Zuhörer alles bis ins kleinste Detail vorstellen kann. Hin und wieder auch den Geschmack der Gewürze auf der Zunge. Jedoch zieht sich dadurch die Geschichte natürlich.

Da Alexander durchaus nicht alleine ist, kommt immer wieder Leben in den Roman zum Beispiel durch die kleine Nina, dann auch die große Nina, Schauspieler, wechselnde Funktionäre und vor allem ab der zweiten Hälfte: Sophia. Er gewinnt enge Freunde im Hotel und andere Blickwinkel in die Welt, sodass man nie das Gefühl hat er ist richtig eingesperrt, die Enge des Hotels wird nur an manchen wichtigen Wendepunkten deutlich.

Stück für Stück erlebt man russische Geschichte und wie sie teilweise Leute beeinflusst. An welchen kleinen Veränderungen man manche Dinge festmachen konnte, denn der Graf hatte ja nur einen limitierten Blickwinkel, so vergeht draußen Bürgerkrieg, Weltkrieg und der kalte Krieg. Im Hotel scheint dennoch meist alles gleich, denn der Graf folgt einer ganz genauen Routine.

Der Erzählstil bzw. Schreibstil ist durch das Buch hinweg ruhig und akribisch, dennoch lebendig und konnte fesseln. Graf Alexander Rostov durch sein Leben zu begleiten, war ein tolles Erlebnis.

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Rezension zu "Ein Gentleman in Moskau" von Amor Towles

Russischer Mikrokosmos im besten Haus am Platz
Marapayavor einem Jahr

Amor Towles muss wie ich ein großer Fan der russischen Literatur des 19. Jahrhunderts sein. Anders kann ich es mir kaum erklären, warum ein amerikanischer Autor ausgerechnet einen Lebensroman über einen russischen Grafen schreiben sollte, der Hausarrest im besten Hotel Moskaus bekommt und dort die Ära des Kommunismus miterleben muss.

Anfänglich ist der Einstieg bei Towles ähnlich zähflüssig wie bei Tolstois großen Meisterwerken. Kein Grund für mich das Buch beiseite zu legen, man muss sich einfach auf den Erzählfluss einlassen und sich Seite für Seite vorarbeiten. Das Lesevergnügen stellt sich dann ganz unverhofft von selbst ein.

Eigentlich hätte Graf Rostov wie alle übrigen Adligen ab 1917 um die russische Revolution herum an die Wand gestellt werden sollen. Doch in seiner Jugend schrieb er ein glühendes Gedicht gegen den Adel und die Leibeigenschaft, ging nach Paris ins Exil und kam nach dem Umsturz durch Lenin zurück in die Heimat, das hat ihn gewissermaßen das Leben gerettet. Statt Hinrichtung gewährt ihm die neue Obrigkeit eine bescheidene Unterkunft im Moskauer Hotel Metropol und stellt ihn unter lebenslangen Hausarrest. Er wird zum feinsinnigen Beobachter einer vergangenen Epoche. Das Hotel bildet wie in einem Mikrokosmos die ganze Welt ab und Russland hat hier in ihr die Oberhand. Doch können sich auch die neuen Herrscher an der Macht nicht allzu lange vor der Welt verschließen und schon bald öffnen sich auch im Metropol wieder die Hoteltore für die Mächtigen und die Berühmten, die Presse und die Diplomaten. Der Graf ist mittendrin, bleibt seiner Rolle als perfekter Gentleman treu und findet seine Bestimmung in einer sinnvollen Tätigkeit. Er lernt Freunde fürs Leben kennen, erfährt die Liebe und eine unverhoffte Vaterschaft. Es ist eine Freude, sich mit ihm durch die Jahrzehnte zu drehen und die Veränderungen dieses riesigen Reiches im kleinen Hotel-Mikrokosmos nachzuspüren. Towles spart nicht mit Verweisen und Anknüpfungen an die großen russischen Literaten. Er stellt einen klugen Spagat her zwischen den zwei so gegensätzlichen Epochen: das Zarenreich mit seiner gebildeten, kultivierten Adelsklasse und die neue Zeit des Kommunismus, in dem sich die Unterdrückten gegen ihrer Herren richten und bald selbst zu schlimmsten Unterdrückern werden. Graf Rostov ist das Bindeglied zwischen diesen beiden Phasen, der Leitstern in dieser wirren Welt, ein Gentleman durch und durch. Ein Ideal an Menschlichkeit, Gelassenheit, Güte und Herzenswärme sowie Esprit und Klugheit gepaart mit kleinen Schwächen, die ihn umso menschlicher erscheinen lassen. An ihm als Fixstern spielt Towles die Entwicklung der neuen russischen Republik wie auf einer Leinwand ab. Er deutet an, spielt mit Klischees, spart mit Fakten, wo sie ihm nicht nötig erscheinen und setzt ausführliche Fußnoten, um über den Text noch eine Wissensebene einzuziehen. Es ist vielleicht kein Roman, den Tolstoi oder Dostojewski so über ihr Land geschrieben hätten. Aber es ist eine interessante Sicht eines Schriftstellers von außen, der sein Ideal von einem russischen Gentleman einer vergangenen Zeit, so wie er ihn vielleicht bei Tolstoi beschrieben fand, einer neuen Ära gegenüberstellt. Eine Ära, die er auch nur von außen betrachten kann, der er wie seine Figur nicht angehört, die ihm Rätsel aufgibt und gleichermaßen fasziniert wie abstößt.

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Gespräche aus der Community

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So, da ja einige "Eine Frage der Höflichkeit" lesen möchten, mache ich hier mal ein eigenes Thema auf. Ich warte noch, ob sich weitere Interessenten finden und dann schicke ich das Buch los.
Hier nochmal alles zum Thema Wanderbuch:
Also es funktioniert eigentlich wie bei den anderen Wanderbüchern auch (ich hab mir da mal aus den anderen Themen alles zusammengesucht): Erfragt bei eurem Nachfolger die Adresse, wenn das Buch bei euch angekommen ist und schreibt kurz eine Mitteilung in den Thread, wenn das Buch bei euch eingetroffen und weitergeschickt worden ist. Das das Buch gut behandelt wird, davon bin überzeugt ;)
Ihr sagt einfach hier bescheid, wenn ihr gern mitlesen möchtet und ich trage euch in die Liste. Ich schicke es an den ersten los und jeder hat dann zwei Wochen Zeit um es zu lesen und weiterzuschicken. Geht es verloren, dann teilen sich der Absender und der Empfänger die Kosten für ein neues Exemplar. Na dann mal los und viel Spaß :)

eeyorele schickt an:
1) steffchen3010
2) Nicki81
3) Arista
4) The iron butterfly
5) MelE
6) Bücherwurm
7) SharonBaker
8) Sissy84
9) Lesejulia
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88 Beiträge
Zum Thema

Zusätzliche Informationen

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