Amos Oz Judas, 1 MP3-CD

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Inhaltsangabe zu „Judas, 1 MP3-CD“ von Amos Oz

Im Winter 1959/1960 beschließt Schmuel Asch, sein Studium in Jerusalem (Thema der geplanten Abschlussarbeit: Judas in der Perspektive der Juden) abzubrechen. Zum selben Zeitpunkt verlässt ihn seine Freundin, um einen früheren Freund zu heiraten. Dazu kommt, dass seine Eltern sich finanziell ruiniert haben und ihn nicht mehr unterstützen können. Daraufhin will Schmuel Israel verlassen. Er entscheidet sich anders, als er eine Anzeige liest, die ihm ein Auskommen in Jerusalem erlaubt, auch wenn er sich verpflichten muss, von seinem Aufenthalt niemandem zu berichten. Die Anzeige führt ihn ins Haus eines eigentümlichen alten Mannes namens Gerschom Wald. Nachts liest er ihm vor und unterhält sich mit ihm – über die Ideale des Zionismus, über die jüdisch-arabischen Konflikte, kurz: über Gott und die Welt. Und dort trifft er auf die geheimnisvolle Atalja Abrabanel, deren verstorbener Vater einer der Anführer der zionistischen Bewegung war. Sogleich ist Schmuel gefesselt von der Schönheit und Unnahbarkeit dieser Frau. Nach und nach gelingt es ihm, ihr Geheimnis zu enthüllen – und damit die menschliche Tragödie vor und nach der Gründung Israels im Jahr 1948. Amos Oz hat einen Liebesroman geschrieben und zugleich ein Buch über das Land und das geteilte Jerusalem – eine Geschichte seinen Landes mit seinen Hoffnungen und seiner Verzweiflung.

Was ist Verrat?

— Saralonde
Saralonde

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    Judas, 1 MP3-CD
    Saralonde

    Saralonde

    30. July 2015 um 11:40

    Jerusalem im Winter 1959. Der junge Student Schmuel Asch gibt sein Studium auf, nachdem sein Vater einen Prozess verloren hat und ihn nicht mehr finanziell unterstützen kann. Auf einen Aushang an der Universität hin nimmt er eine Stelle als Betreuer eines alten Mannes an, Kost und Logis inbegriffen. Seine Auftraggeberin ist Atalja, die verwitwete Schwiegertochter des alten Mannes, in die der junge Mann sich bald verguckt, auch wenn sie fast doppelt so alt ist wie er. Ein Thema, über das Schmuel sich mit dem alten Mann, Gerschom Wald, unterhält, ist seine Arbeit über Judas Ischariot und dessen Verhältnis zu Jesus. Doch auch Ataljas Schicksal beschäftigt ihn. Verrat ist das zentrale Thema dieses neuesten Romans von Amos Oz. Und zwar in dreierlei Gestalt: einmal in der des ultimativen Verräters, Judas Ischariot. Oz stellt hier die ungemein interessante These auf, dass dieser Verrat in Wirklichkeit einen ganz anderen Hintergrund hatte. Denn warum sollte ein wohlhabender Mann wie Judas Ischariot Jesus für den lächerlichen Betrag von 30 Silberlingen verraten? Und sich dann das Leben nehmen? Vielmehr, so argumentiert Oz’ Hauptperson Schmuel, sei er in Wirklichkeit der treueste, der gläubigste unter Jesus’ Anhängern gewesen, der davon überzeugt war, nur durch die Kreuzigung und das Herabsteigen von Kreuz könne Jesus seine göttliche Herkunft unter Beweis stellen. Als dies zu seinem Entsetzen nicht gelang und Jesus am Kreuz starb, nahm er sich vor Verzweiflung über die Schuld am Tod des geliebten Lehrers das Leben. Außerdem geht es um Ataljas Vater, Schealtiel Abrabanel, der als Verräter angesehen wird, da er mit Arabern befreundet war und gegen Ben Gurions Politik opponierte. Er war gegen die Gründung eines israelischen Staates, da er vorhersah, dass dies zu einem unendlichen, grausamen Konflikt mit den Palästinensern führen würde. Schließlich sieht sich auch der von Schmuel betreute Gerschom Wald als Verräter, denn er befürwortete die Gründung des israelischen Staates und sein geliebter einziger Sohn kam im daraus resultierenden Krieg ums Leben. Amos Oz stellt so gekonnt einen aktuellen Bezug der Verratsgeschichte um Judas her und macht deutlich: Verrat ist meistens nicht als solcher geplant. Was dem einen als Verrat erscheint, hat in Wahrheit oft ehrwürdige Absichten des Verräters zum Hintergrund. Zur Erzählung insgesamt muss ich sagen, dass ich ein wenig mehr Konzentration auf den historischen Judas erwartet hatte. Die Rahmengeschichte ist im Grunde eine Liebesgeschichte, die mir ein wenig zu sehr im Vordergrund stand. Wie ihr wisst, sind vordergründige Liebesgeschichten nicht ganz mein Ding. Für mich hatte das Buch daher ein paar Längen, sehr interessant fand ich es aber allemal. Vor allem Amos Oz’ Theorie um Judas Ischariot fand ich sehr spannend und einleuchtend. Eine weitere Diskussion dieses Themas würde mich sehr interessieren. Zum Sprecher brauch ich nicht viel zu sagen, Christian Brückner ist ein Meister seines Metiers.

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