Amos Oz Unter Freunden

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Inhaltsangabe zu „Unter Freunden“ von Amos Oz

Zvi Provisor, der mürrische Gärtner des Kibbuz Jikhat, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Gemeinschaft mit Katastrophenmeldungen zu versorgen: die Erkrankung des norwegischen Königs, der Brand in einem spanischen Waisenhaus, ein Vulkanausbruch in Chile. Abgelenkt von seiner täglichen Dosis Pessimismus, entgeht ihm, dass die Witwe Luna Blank nur ihm zuliebe ihr gutes Sommerkleid trägt. Er, der keine Berührungen zulassen kann, muss erkennen, dass die ungewohnte weibliche Präsenz seine ihm heilige Alltagsroutine ins Wanken bringt. Amos Oz, der Meister der Zwischentöne, knüpft in Unter Freunden an seinen Bestsellererfolg Eine Geschichte von Liebe und Finsternis an und kehrt zu der Zeit zurück, die ihn am meisten inspiriert hat: seine Kibbuz-Jahre. »Diese Geschichten erzählen von den elementaren Kräften menschlicher Existenz. Von Einsamkeit. Von Liebe. Von Verlust. Von Tod. Von Sehnsucht. Von Verzicht und Verlangen. Also von den grundlegenden Dingen, die jeden betreffen.« Amos Oz

Unter Freunden oder doch eher unter Feinden? Dieses Buch regt sehr zum Nachdenken an.

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    Unter Freunden
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    24. April 2013 um 12:16

      Ein gutes stückweit auch aus dem eigenen Leben, den eigenen Erfahrungen lässt der mit Preisen überhäufte israelische Schriftsteller Amos Oz in sein neues Werk einfließen. Eine Sammlung von Geschichten, die Oz zeitlich in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts ansiedelt und örtlich in einem (fiktiven) Kibbuz spielen lässt. Wobei Zeit und Ort zwar den Rahmen der Geschichten ergeben, es im Kern Oz aber erkennbar um die Darstellung der elementaren Wucht von starken Kräften im Menschen geht.   Liebe, Einsamkeit, Tod, Verzweiflung, Hoffnung Schmerz, Sehnsucht, die Kraft zum Verzicht, die Zähigkeit des Durchhaltens. Kernerfahrungen und Grenzerfahrungen zugleich sind es, die Oz je in den Mittelpunkt der acht Erzählungen im Buch stellt und an konkrete Personen bindet.   Personen, die zudem noch in der Aufgabe des Kibbuz stehen, der Gemeinschaft in strikten Regeln, den Ansprüchen dieser ganz besonderen, harten, gefährdeten, offensiven Form des Lebens „in feindlichem Gebiet“, der Eroberung eines Stückes Land.   „Schon von weitem roch er den Stall, den Gestank von Hühnerkot, Körnerstaub, Federn und stickiger Enge“. Eine stickige Enge, die Mosche, den „leisen und immer ruhigen Mann“ nicht nur bei seiner konkreten Aufgabe im Kibbuz umgibt, sondern eine Enge, die Oz mit seiner fast schmucklos gesetzten, klaren und direkten Sprache auch in seine Personen hineinzuverlegen vermag. Eine Enge, die Mosche spürt, unter der er sich manches Mal windet und die er zu deuten lernen wird. Weil trotz der gemeinsamen Aufgabe und trotz des Lebens in Gemeinschaft grundlegendes fehlt an freiem Atem und echter Mitmenschlichkeit.   Eine Enge, die Oz auch im Leben von Osnat, der verlassenen Frau, schmerzlich verdeutlicht. Die Kontakt aufnimmt zur neuen Lebensgefährtin ihres ehemaligen Mannes. Ein Kontakt, der nur informativ gemeint war und plötzlich zu einer Öffnung der neuen Lebensgefährtin ihr gegenüber führt. Eine Nähe, die Osnat nicht tragen kann, die sie in Schweigen versinken lässt, in ihre eigene, innere Enge treibt. Und als sie sprechen wollen würde, fehlen ihr die Worte.   Überforderte Menschen sind es letztendlich, die Oz vor die Augen des Lesers führt, überfordert vom Mangel an echter Zuwendung und Gemeinschaft, eingebunden in ein gemeinsames Regelwerk und dringende, äußere Aufgaben, miteinander auf engem Raum, ohne eine echte Verbindung zueinander zu finden.   „Mosche träumte manchmal von dem in sich gekehrten Lächeln eines Mädchens in seiner Klasse ........, aber nie würde er es wagen, sich ihr zu nähern. Nicht mit Worten und fast nicht mit Blicken“.   Auch diese Sprachlosigkeit, was die innerlich bewegenden, wichtigen Dinge angeht, ein vielleicht gar nicht sich selbst wirklich fassen können stellt Oz in den Raum dieses begrenzten Ortes. Eine Sprachlosigkeit, die einen melancholischen, teils verzweifelten Unterton in die äußeren Begebenheiten mit einfließen lässt. Zwischenmenschliche Grenzen sind es, die nicht überbrückt werden können, Chancen, die nicht genutzt werden können und sich in innerer Aufwühlung allein ihre Bahn suchen, weil sie in diesem Leben da an jenem Ort keinen Platz finden.   „Sag mir Joav, was würdest du tun, wenn du dein ganzes Leben lang jeden Tag mit jemanden zusammensein und neben jemandem schlafen müsstest, der dir zuwider ist. Der dir schon seit Jahren zuwider ist?“.   Sprachlich wunderbar schlicht und emotional mit Wucht legt Oz seinen Blick auf die „Berührungslosigkeit“ zwischen Menschen vor und eröffnet damit eine existentielle Reflektion auf das mögliche und scheiternde Miteinander an sich, das mit elementarer Wucht während der Lektüre  stets spürbar ist.   Nein, man ist nicht „unter Freunden“, sondern in sich selbst auf „feindlichem Gebiet“. Eine sehr zu empfehlende Lektüre.

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