Amrei Wittwer

 4.7 Sterne bei 3 Bewertungen
Autor von Warum ADHS keine Krankheit ist, Schmerz und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Amrei Wittwer

Dr. Amrei Wittwer ist Apothekerin und forscht seit vielen Jahren zu den Themen ADHS und Schmerz. Sie war zehn Jahre Oberassistentin am Collegium Helveticum der ETH Zürich und Co-Leiterin dessen multizentrischen Projektes „Kinder fördern. Eine interdisziplinäre Studie zum Umgang mit ADHS“.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Amrei Wittwer

Cover des Buches Warum ADHS keine Krankheit ist (ISBN:9783777627618)

Warum ADHS keine Krankheit ist

 (2)
Erschienen am 21.01.2019
Cover des Buches Schmerz (ISBN:9783777626468)

Schmerz

 (1)
Erschienen am 10.11.2016
Cover des Buches Warum ADHS keine Krankheit ist (ISBN:9783777627953)

Warum ADHS keine Krankheit ist

 (0)
Erschienen am 13.06.2019
Cover des Buches Schmerz (ISBN:9783777626475)

Schmerz

 (0)
Erschienen am 03.11.2016
Cover des Buches Warum ADHS keine Krankheit ist (ISBN:9783777627946)

Warum ADHS keine Krankheit ist

 (0)
Erschienen am 26.06.2019
Cover des Buches Warum ADHS keine Krankheit ist (ISBN:9783777627816)

Warum ADHS keine Krankheit ist

 (0)
Erschienen am 21.01.2019

Neue Rezensionen zu Amrei Wittwer

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Rezension zu "Warum ADHS keine Krankheit ist" von Amrei Wittwer

Sehr anregend vor allem mit Vorkenntnissen
danielamariaursulavor 6 Monaten

Dies ist kein Sachbuch, daß einem die heilsbringende Erleuchtung verspricht, sondern ganz klar eine Streitschrift, was für mich bedeutet, daß es eben darum geht andere Wege zu gehen und bewußt eine nicht immer bei allen beliebte Position zu beziehen.

Hier wird die These vertreten, daß ADHS keine Krankheit ist, sondern ein Label für eine Vielzahl von Symptomen, mit teilweise unterschiedlichen Ursachen, die aber eher psychischer Natur sind, oder verhaltensbedingt, aber eben nicht pathologisch. Sie erklärt sehr gut, warum ähnliche Symptome nicht gleich ein Krankheitsbild ausmachen. Gegen diese Symptome zückt der Arzt oder Therapeut gerne den Rezeptblock und verschreibt dem betroffenen Kind ein Medikament. Doch was sind das für Medikamente die dort verschrieben werden und die auch tatsächlich verschreibungspflichtig sind? Helfen sie wirklich, oder gibt es noch andere Möglichkeiten? Kritisch hinterfragt sie auch die Diagnosemethodik, die auch meinem hauseigenen Fachleiter der Sonderpädagogik Bauchschmerzen bereitet.

Die Autorin Dr. Amrei Wittwer ist Pharmakologin, d.h. sie kommt gerade aus dem Bereich, der viel Geld mit der vermeintlich schnellen und einfachen Hilfe verdient. Mir gefällt sehr gut, daß sie mit fundiertem Hintergrundwissen hinterfragt und erläutert, was immer mehr Kinder verschrieben bekommen. Es handelt sich nämlich um stark abhängig machende verschreibungspflichtige Betäubungsmittel (wobei ich nicht weiß, ob man nicht sogar eines Btm-Rezeptblockes bedarf um diese Substanzen zu verordnen). Das hat zur Folge, daß man mit Kindern auf dieser Medikation, nicht einfach mal so in den Urlaub fahren darf, weil man die Medikamente nicht einfach mit über die Grenze nehmen darf. In den Urlaubsländern werden diese Wirkstoffe bisweilen sehr viel kritischer betrachtet (nicht in den USA). Also muß man die Medikation vor dem Urlaub langsam ausschleichen, da es andernfalls zu starken Entzugssymptomen kommt. Aber will man wirklich, daß das eigene Kind so etwas bekommt? Es sind ja eigentlich auch Betäubungsmittel für Erwachsene, nur eben in geringerer Dosierung und wenn ich da an meine Arnikasalbe denke, auf der steht: „nicht für Kinder unter 12 Jahren“ (da keine ausreichenden Tests durchgeführt wurden), oder auch beim Spitzwegerichhustensaft.... beide finde ich persönlich vertrauenserweckender.

Was mich bei dem Thema kritisch stimmt ist folgendes: Ich lese immer wieder in Gutachten zu Kindern, daß sie im Alter von XY Jahren unter ADHS litten, und plötzlich anscheinend nicht mehr. Komisch, ich bekomme immer von Ärzten zu hören, daß ich alles mit ins Grab nehmen würde, auch wenn es mich nicht umbringt ;) Ich muß aber auch zugeben, daß diese Diagnose nicht immer stimmte und bei Verhaltensänderung einige Symptome wieder verschwinden. Dennoch, wenn ich mir die Familien von betroffenen Kindern anschaue, drängt sich mir, ebenso wie der Autorin oft auch der Gedanke auf, daß es sicherlich auch andere Möglichkeiten gibt, den Kindern zu helfen, z.B. auch mit einer Verhaltenstherapie für die gesamte Familie.

Oft erlebe ich in meinem Besprechungszimmer (ich bin Juristin), daß mich Eltern informieren, ihr Kind sei hyperaktiv und es sitzt wie angetackert auf dem Stuhl und spielt mit dem Handy oder starrt Löcher in die Luft. So still sitze ich bei keinem Arzt im Wartezimmer! Das stimmt mich sehr nachdenklich. Bei einigen Kindern frage ich mich manchmal auch, ob nicht auch pränatale Schädigungen vorliegen. Ich teile also einige der Bedenken der Autorin und finde es sehr hilfreich sich mit diesen auseinander zu setzen. Mein Mann war Zivi in einer Sonderschule und dort bekamen viele Kinder Ritalin, da wollte er es auch mal testen und nahm die halbe Dosis (natürlich ohne Verschreibung). Er meinte die Wirkung sei der Hammer, er wäre nicht mehr fahrradfahrtauglich gewesen! Wie kann solch starke Medikamente in diesen Mengen an Kinder verabreichen? Ich stimme der Autorin zu, daß ich auch denke, daß man da nach alternativen Wegen suchen sollte. Die Autorin räumt auch ein, daß es einige extreme Fälle gibt. So wurde mir berichtet, daß es auf der Klassenfahrt der Jüngsten nachts zu Problemen kam, weil ein Junge aus der Parallelklasse, der entsprechende Medikamente bekommt, nachts ohne Medikation auskommt. Im Schlaf hat er so gezappelt und geredet und Geräusche von sich gegeben, daß die anderen Jungen des Zimmers nicht schlafen konnten und durch die nächtlichen Flure geisterten. So einem Kind ist sicherlich nicht einfach nur mit konsequenter Erziehung geholfen. Interessant finde ich, daß in diesem Fall auch der Vater und die Geschwister diese Symptomatik aufzeigen.

Mir gefällt sehr gut, daß Amrei Wittwer für das Problem sensibilisiert und ihre Lösungsvorschläge auch keine Patentlösung sind, sondern sehr arbeitsintensiv für alle Betroffenen und das nicht nur für das Kind, das diese Symptome zeigt. Sie schreibt sehr klar und sehr gut verständlich, ohne in plakative Belletristik zu verfallen. Es geht hier nicht um Effekthascherei, sondern die Sorge um das Kindeswohl.

Auch weckt sie Verständnis für die oft überforderten Lehrer. Inklusion wird auch oft so verstanden, daß auch solche Kinder in Regelschulklassen integriert werden, ohne zusätzliche Ausbildung der Lehrer, ohne die Klassengröße zu reduzieren oder weitere Hilfskräfte für die Klasse. So kann Inklusion nicht funktionieren, so werden sich die Gräben nur vergrößern und Ausgrenzung verstärken.

Ich hoffe, daß viele Menschen in Entscheidungspositionen in den Bezirksregierungen, ADD, Bildungsministerien und Familienministerien, ebenso wie Lehrer, Erzieher und Eltern dieses Buch lesen und über alternative Umgangsmöglichkeiten zu verschreibungspflichtigen Betäubungsmitteln als „Therapie“ nachdenken. Die hier genannten Lösungsvorschläge sind arbeits- und zeitintensiv und werden daher wohl in der breiten Masse gemieden.

Für komplexe Probleme gibt es keine einfachen Lösungen, deswegen beginnt man am besten alsbald über mögliche Lösungsansätze nachzudenken und zu diskutieren. Ich empfinde diese Streitschrift als sehr anregend.

Kommentare: 2
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Rezension zu "Warum ADHS keine Krankheit ist" von Amrei Wittwer

Eine Streitschrift
Zwillingsmama2015vor 8 Monaten

ADHS ist denke ich ein Thema, dass viele von uns Eltern interessiert und beschäftigt, da viele betroffen sind oder vielleicht den Gedanken hegen, dass mit ihrem Kind etwas nicht stimmen könnte. 
ADHS ist schnell diagnostiziert und schon fast eine Standard-Krankheit, dass Ritalin eine Droge ist, ist den meisten bewusst. Ich kann mich noch daran erinnern, das sich Klassenkameraden hatte, die Ritalin bewusst als Droge genutzt haben.
Der Schreibstil ist zum Teil sehr medizinisch und verschachtelt, so dass man einige Passagen zum besseren Verständnis vielleicht zweimal lesen sollte.
Für mich ist das Thema interessant, weil ich weiß, dass mein großer Sohn auch besonders ist - meiner Meinung nach ist er aber einfach hochsensibel. Das heißt, dass er schneller reizüberflutet ist, als andere oder Töne lauter wahr nimmt, bei ihm schlägt sich das auch aufs essen. Er probiert ungern neues, alles muss sauber sein (ohne Soße) und was merkwürdig aussieht wird schon mal gar nicht gegessen. Ich spreche das an, weil die Grenzen zwischen ADHS, Hochsensibilität und Autismus sehr nah beieinander liegen.
Ich finde es gut, dass Frau Dr. Amrei Wittwer mit ihrem Buch auf eine Krankheit, mit der um sich geworfen wird, hinweist und aufklärt, dass man ADHS eigentlich nicht als Krankheit sehen kann und das die Behandlung mit Ritalin einfach auf Dauer nicht wirksam und auch nicht ungefährlich ist. 
Es gibt neue Ansätze, die Frau Dr. Wittwer in diesem Buch vorstellt und, die ich auch versuchen werde, bei uns umzusetzen, wobei das mit dem Essen schon schwierig ist. Mehr Bewegung, cleane Lebensmittel. Ich probiere bei meinem Sohn schon den Anteil an Kohlehydraten (in seinem Fall meist Nudeln zu reduzieren) und biete ihm, wenn er das normale Essen (Gemüse, Salat, Fisch, Fleisch, Eier) nicht annehmen will mit Naturjoghurt mit Obst und etwas Agavendicksaft eine Alternative an, die er sehr gerne isst. 
Wer sich auch mit dem Thema ADHS auseinander setzen will oder muss, und alternative Tipps und neue Studien bzw. Lösungswege bei dieser Verhaltensauffälligkeit sucht, sollte sich Dr. Amrei Wittwers Buch "Warum ADHS keine Krankheit ist - Eine Streitschrift" einmal näher ansehen.

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M

Rezension zu "Schmerz" von Amrei Wittwer

Sehr umfassende, hochinteressante Informationen
michael_lehmann-papevor 3 Jahren

Sehr umfassende, hochinteressante Informationen

„Schmerzleitende Nerven“ fühlten sich an, wie „Seilzüge, an deren Enden eine Glocke hängt, die sich im Gehirn befindet“.

Schon im 17.Jahrhundert somit hat Descartes eines jener dauerhaften Bilder geschaffen, (biologisch korrekt zudem, was die Nervenbahnen als Transportwege des Schmerzes angeht), das dem Gefühl des Schmerzes einen griffigen Ausdruck verleiht.

Was aber genau ist Schmerz, wie entsteht er, und, vor allem, wie fühl er sich „von innen her“ gesehen an, das ist das Thema dieses Buches und, wie schon der literarische Einstieg der „Nasenhaare“ zeigt, gelingt es den beiden Autoren sehr griffig, sehr klar und sehr „fühlbar“ für den Leser, genau diese Innensicht zu vermitteln. Und um diese herum alle wesentlichen Fakten und wissenschaftlichen Erkenntnisse des Themas strukturiert darzustellen.

Vom Blick auf die „Schmerzleitung“ über Schmerzmittel und die Geschichte der Schmerzbewältigung (hochinteressant zu lesen, wie hier ganzheitlich vielfache Strategien außerhalb pharmakologischer Behandlungen im Raume stehen können). So endet dieser breite Teil im Buch nicht ohne Grund in einer Zusammenfassung (samt wiederum literarischer „Verbildlichung“) des Weges von der magischen Behandlung des Schmerzes bis zum molekularen Verständnis heutiger Tage, in denen das Magische dennoch weiterhin (eher am Rande natürlich) einen gewissen Platz behauptet.

Dass es tatsächlich dann unterschiedliche Schmerzempfindungen bei Mann und Frau gibt, wie überhaupt Schmerz sich „anfühlt“, all das erfährt der Leser in sehr verständlicher Weise der Darstellung und immer wieder durch Forschungsergebnisse unterfüttert. Dass es der weibliche Körper ist, der schmerzempfindlicher reagiert und was die Östrogene dazu beitragen führt umgehend zu einer Neubedenkung einer „Chancengleichheit für die Schmerzpatientin“, die eben nicht mit den gleichen Mitteln und der gleichen Dosis wie ein Mann „schmerzfrei“ gestellt werden kann.

Und das dieses Werk deutlich über eine rein wissenschaftliche Darlegung von Fakten hinausgeht, dass die beiden Autoren den Schmerz umfassend im Blick haben in seiner ganzheitlichen Bedeutung für das ganz praktische Leben, das zeigt dann der letzte Teil des Werkes noch einmal ganz deutlich auf.

Wie Schmerz und Lust zueinander finden können, wie hier ähnliche Emotionszentren miteinander „verweben“, wie „Lust zu Schmerz“ führen kann und „Schmerz zu Lust“ (indem körpereigene Opoioide ausgeschüttet werden), das liest sich kundig, sachlich und auf den Punkt je getroffen und hat nichts gemein mit einer Abstempelung in eine gewisse erotisch sprachlich abgewertete, vermeintliche „perverse“ Ecke. Wobei nicht ohne Grund gerade in diesen abschließenden Betrachtungen vielfache literarische Auflockerungen das Gemeinte und Gesagte sinnbildlich verdeutlichen.

Alles in allem eine einerseits sehr klare und faktische Annäherung an den Schmerz, in der andererseits auch die vielfachen Bedeutungen für die gesamte Person in allen Facetten geschildert wird.

Eine sehr interessante und empfehlenswerte Lektüre.

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