Amy Bloom Wo der Gott der Liebe haust

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Inhaltsangabe zu „Wo der Gott der Liebe haust“ von Amy Bloom

Ein Geschwisterpaar wünscht sich, dass der sadistische Vater vor der Mutter stirbt, aber am Ende ist nur die Demenz stärker als seine Boshaftigkeit. Ray, Anwalt und rüstiger Mittsiebziger, verliebt sich in die viel jüngere Randeane und entdeckt im Gespräch mit der Schwiegertochter seine Liebe zu Ehefrau Ellie wieder. Die alleinerziehende Jane muss sich daran gewöhnen, dass Jessie ein Junge im Körper eines Mädchens ist. Es sind mitreißende, ergreifende und lebensvolle Geschichten, die von Schicksalsschlägen, verloren gegangenen Hoffnungen und Neuanfängen erzählen

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  • Rezension zu "Wo der Gott der Liebe haust" von Amy Bloom

    Wo der Gott der Liebe haust
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    10. December 2010 um 12:53

    Intensives Leben Starke, intensive, tiefgehende, leidenschaftliche Gefühle sind es, die Amy Bloom in den Mittelpunkt dieses Erzählbandes setzt. Erzählungen aus mehreren Jahren, unterschiedlichen Schaffensperioden und damit auch unterschiedlichen persönlichen Entwicklungsmomenten der Autorin, die dennoch wie aus einem Guss wirken. Geschichten, die normale Menschen in außergewöhnlichen Konstellationen zeigen. Eine Konstellation wie in der letzten der Geschichten, in der eine 28jährige Frau seit fast 10 Jahren mit einem nun 60jhrigen Mann ihr Leben gestaltet, dies zudem noch in den engen Grenzen einer Kleinstadt. Eine Beziehung, die ihrem Ende entgegen geht, nicht aufgrund von Beziehungsproblemen, sondern aufgrund der tödlichen Krankheit des Mannes. 10 Jahre, die ihre Spuren hinterlassen haben, 10 Jahre mit einem Mann, der selbst jetzt noch, im Angesicht des nahen Todes, höchsten Wert auf ihren nackten Körper und aufreizende Kleidung legt. Ein Genuss, den sie schon länger nicht mehr teilt. Zumindest nicht mehr mit ihm, mit dem ein oder anderen, der ihr begegnet, würde sie schon, zumindest ihre Fantasien galoppieren davon. Und doch endet die Geschichte in einer Art und Weise, die ihrem Titel „Auf immer treu“ ganz anders gerecht wird, als man denkt. Genauso, wie diese letzte der Geschichten bietet auch die erste der Geschichten das, was Amy Bloom in ihrer sprachlichen Kraft ausmacht. Eine direkte, manchmal fast hart wirkende Sprache, Protagonisten, die trotz der klaren und zielgerichteten Sprache in sich bei weitem nicht gefestigt sind und die daher offen für jene überraschenden Wendungen sind, die Amy Bloom in jede der Geschichten einfließen lässt. Jene junge Frau, die ihrem Vater vordergründig nicht mit Liebe, sondern in tiefem Hass verbunden ist, seit sie eine Kind war, spielt sie in ihrer Fantasie mit dem Gedanken, ihn zu töten. Schon lange wartet sie auf die Nachricht von seinem Tod, denn natürlich hat sie ihre Fantasien nie in die Tat umgesetzt. Aber für ihre Mutter hofft sie, dass der Vater baldigst stirbt, damit die Mutter noch einige schöne Jahre für sich gestalten kann. Und doch endet auch diese Geschichte ganz anders. Nicht nur im Äußeren, dass es nicht der Vater sein wird, der zuerst stirbt, sondern auch im Inneren, dass der fast lebenslange Hass sich transformieren wird. Amy Bloom legt das Innere ihrer Protagonisten offen, allerdings nicht in klinischer Sprache oder als psychologische Reflektion, sondern in ihren Beschreibungen, den kleinen Erlebnissen, die widerfahren, in teils hingeworfenen Sätzen, zwischen den Zeilen. Zudem gibt sie keine fertigen, gefestigten Antworten, das Erlebte, ausgedrückte verbleibt wie Momentaufnahmen auch am Ende der jeweiligen Erzählung immer ein stückweit offen im Raume stehen. Der Leser selbst wird durch diesen Stil beteiligt, muss Stellung beziehen und sich den offenen Entwicklungen und unerwarteten Wendungen in und um die Personen herum aussetzen. Immer aber trifft Bloom den Kern dessen, was den Personen ihrer Geschichten geschieht und dabei nimmt sie sprachlich kein Blatt vor den Mund. Intensive, dichte Erzählungen bietet das Buch, in denen die innere Suche, Trauer, Liebe oder Hass den Weg der Figuren bestimmen und nachvollziehbar machen, ohne eine abschließende Wertung vorzunehmen. Empfehlenswert.

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  • Rezension zu "Wo der Gott der Liebe haust" von Amy Bloom

    Wo der Gott der Liebe haust
    Ailis

    Ailis

    09. November 2010 um 16:13

    "Wo der Gott der Liebe haust" ist ein Erzählband, der eine Auswahl von Amy Blooms besten Erzählungen enthält. Dabei erzählt Bloom von später Liebe, Ehebruch, Transsexualität, Vaterhass und vielen anderen Geschichten, wie das Leben sie schreibt. Ihre Geschichten sind immer offen und ehrlich, ebenso ihre Protagonisten, denen sie tief in die Seele blickt und Worte gibt, um ihre geheimsten Gedanken und Gefühle auszudrücken. Das ganz besondere an ihren Erzählungen sind für mich die unerwarteten Wendungen und ein Ende, das letztlich kein Ende ist, sondern ganz viel Raum für eigene Gedanken und Interpretationen lässt. Die Lösung wird einem hier nicht auf dem Silberteller präsentiert, man muss schon selber denken und das Leben erkennen, das sich zwischen den Zeilen abspielt. Blooms Geschichten haben keine allgemeingültige Moral, sie kommen nicht mit einem maßgeschneiderten Wertekatalog daher. Blooms Wortwahl richtet sich dabei nach dem Charakter ihrer Erzählungen: sie ist ebenso offen und ehrlich, manchmal auch derb und beschreibend, wenn die Geschichte dies fordert. Das bedeutet im Klartext unter anderem: Sex wird nicht verklärt, Krankheit ist keine Prüfung, die man mit Geduld und Aufopferung ertragen muss, sondern geht mit unangenehmen Situationen und gegenseitigen Vorwürfen einher, und Kinder können ihre Eltern aus tiefster Seele hassen, wobei dieser Hass aber auch wieder verpuffen kann. Nichts ist genormt, alles kann anders kommen, als erwartet. Diese Erzählungen fordern den Leser und rütteln mitunter an dem, was er immer für richtig oder falsch gehalten hat. Kurzum: Wer nachdenkenswerte Literatur mag, hat mit Amy Bloom eine lohnende Herausforderung gefunden.

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