Mit A Melody of Salt and Tears setzt die Autorin die Reihe um das Inselkönigreich Askja fort und verlagert den Fokus von Eisdämonen und Menschenkonflikten hin zu einer sirenenhaften Perspektive auf Macht, Moral und Zugehörigkeit. Im Zentrum steht die Sirene Adelaide, die nach dem Tod ihrer Königin zwischen Loyalität gegenüber ihrem Volk und dem Wunsch nach Frieden mit dem Kaiserreich Myredal steht. Die Handlung entfaltet sich vor dem Hintergrund eines fragilen politischen Gleichgewichts, das durch innere Spannungen im Sirenenrat ebenso bedroht ist wie durch äußere militärische Ambitionen.
Besonders überzeugend ist die Ausgestaltung der Unterwasserwelt Veramann, deren hierarchische und kulturelle Strukturen differenziert dargestellt werden. Die matriarchale Gesellschaft der Sirenen hebt sich wohltuend von gängigen Fantasykonventionen ab und eröffnet interessante Perspektiven auf Machtverteilung, Gemeinschaft und Schutzmechanismen. Freundschaft und kollektiver Zusammenhalt spielen eine zentrale Rolle und bilden einen emotionalen Gegenpol zur drohenden Eskalation des Konflikts.
Die Beziehung zwischen Adelaide und dem gefangenen Admiral Marcus greift bekannte Tropen wie „forbidden love“ und „morally grey characters“ auf, bleibt dabei jedoch ambivalent. Während das langsame Knistern zwischen den Figuren nachvollziehbar aufgebaut ist, wirken einige emotionale Wendepunkte zu abrupt, um ihre volle Wirkung zu entfalten. Auch der moralische Konflikt der Sirenen als Jägerinnen menschlicher Beute wird zwar thematisiert, hätte jedoch tiefer ausgelotet werden können.
Insgesamt bietet der Roman eine atmosphärisch dichte, emotional zugängliche Fortsetzung mit starkem Worldbuilding und klaren thematischen Schwerpunkten. Trotz kleiner Inkonsistenzen überzeugt der Band als ruhiger, gefühlvoller Beitrag zur Reihe, der besonders Leser*innen anspricht, die Wert auf Beziehungsdynamiken, gesellschaftliche Strukturen und maritime Fantasy legen.


























