Amy Forster

 3.7 Sterne bei 10 Bewertungen

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Der Himmel über Berkeley Park

Der Himmel über Berkeley Park

 (10)
Erschienen am 02.02.2015

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Rezension zu "Der Himmel über Berkeley Park" von Amy Forster

Der Himmel über Berkeley Park
Klusivor 3 Jahren

Die Handlung des Buches spielt größtenteils auf dem englischen Landsitz Berkeley Park. Rhys, einer der beiden Söhne des Hauses, verliebt sich während einer Reise in die Berlinerin Auguste von Schongau. Die lebenslustige junge Adlige fühlt sich in ihrem strengen Elternhaus eingeengt und versucht mit allen Mitteln, den starren Konventionen zu entkommen. Sie möchte etwas erleben, und damit trifft sie mit Rhys einen Gleichgesinnten, denn auch er ist auf der Suche nach Freiheit und Abenteuer. Als er Auguste als seine Verlobte mit nach Hause bringt, stößt seine Entscheidung bei der gestrengen Mama nicht auf Gegenliebe. Sie hasst alles Deutsche und steht der zukünftigen Schwiegertochter von Anfang an feindselig gegenüber.
Dann ist da noch das Dienstmädchen Ella. Sie hat durch einen Unfall ihr Gedächtnis verloren, und so hat sie keinerlei Erinnerungen an die Zeit vor ihrer Verletzung, als sie sich in Rhys verliebt hatte. Ihre fehlende Vergangenheit hat aus dem fröhlichen und wissbegierigen Mädchen eine verschlossene und vernünftige junge Frau gemacht.
Sie wird Augustes Kammerzofe und mit der Zeit sogar ihre Vertraute.

Es ist eine aufregende Zeit. Die Technik schreitet immer mehr voran, die Pferdekutschen werden von Automobilen abgelöst, und die Menschen begeistern sich fürs Fliegen. Taucht ein Flugzeug am Himmel auf, sorgt dies für großes Aufsehen. Der erste Weltkrieg wirft bereits seine Schatten voraus und beunruhigt die Menschen. Für Auguste ist daher dieser Zeitpunkt, als Deutsche in eine Familie englischen Landadels einzuheiraten, recht unglücklich gewählt.
Der Roman lässt erahnen, wie das Leben in den besseren Kreisen damals spielte. Die Söhne und Töchter aus gutem Hause begeisterten sich für den Fortschritt, denn sie konnten sich all die technischen Neuerungen leisten, und sie riskierten Kopf und Kragen für den Nervenkitzel, der ein wenig Abwechslung in das komfortable aber gleichförmige Leben brachte.
Während Rhys sein Leben bei Autorennen riskiert, fühlt sich Auguste zur Künstlerin berufen. Eigentlich müsste man meinen, sie hat durch die Heirat mit Rhys alles, was sie sich erträumt hat. Sie hat eine gute Partie gemacht, ohne sich dafür den Wünschen ihres Vaters unterzuordnen, und Rhys liebt sie gerade für ihre Verwegenheit. Und doch scheint ihr etwas im Leben zu fehlen, denn sie stürzt sich in immer gewagtere und zerstörerische Eskapaden.
Ella ist das genaue Gegenteil. Die sympathische Kammerzofe sieht alles von der vernünftigen, praktischen Seite, und sie ist die Einzige, auf die Auguste zeitweise hört. Ohne es zu wissen, sind die beiden Frauen Rivalinnen um die Liebe von Rhys.

Die Geschichte ist sehr gefällig geschrieben und kann mit einer Vielzahl an interessanten Charakteren aufwarten. Sowohl die Zeit als auch das Umfeld erinnern ein wenig an „Downton Abbey“, und ich könnte mir vorstellen, dass Fans dieser beliebten Serie auch Gefallen am vorliegenden Roman finden.

Ich habe anfangs ein wenig gebraucht, mich einzulesen, was nicht unbedingt am Roman liegt, sondern vermutlich darauf zurückzuführen ist, dass der Zeitpunkt des Lesens von mir nicht so günstig gewählt war und ich mich aus Zeitgründen nicht sofort völlig auf die Geschichte einlassen konnte, die gerade zu Beginn alles sehr ausführlich darstellt. Das ist zwar notwendig, um die verschiedenen Personen richtig kennenzulernen, um sie einschätzen zu können, aber bei Auguste hat mir doch manchmal das Verständnis gefehlt. Nicht, dass sie sich gegen die starren Zwänge und Vorgaben aufgelehnt hat, sondern wie sie es tat, war mein Problem. Einerseits hatte ich den Eindruck, dass sie ständig auf der Suche nach Liebe und Anerkennung war, aber genau diese Gefühle hat sie bei den Menschen, die ihr wichtig waren, durch ihre meist spontanen Handlungen zerstört. Ich schwankte bei ihr ständig zwischen Mitleid und Unverständnis, denn zeitweise wirkte sie auf mich wie ein trotziges Kind.

Spätestens ab der Hälfte hatte mich der Roman dann absolut gepackt, und ich war von der Handlung fasziniert. Die Entwicklungen, die mit viel Zeitkolorit und sehr lebendig dargestellt sind, halten den Leser in Atem, und man steuert zuletzt mit rasender Geschwindigkeit auf den Showdown zu. Zwischen diesem und dem Epilog gibt es einen Zeitsprung, wie das bei vielen Romanen der Fall ist. Grundsätzlich hat mir das Ende auch gefallen, nur hätte ich gerne noch so einiges gewusst, was leider nur noch kurz oder nur andeutungsweise erwähnt wurde.
Insgesamt gesehen ist dieser Roman jedoch absolut lesenswert, denn neben der turbulenten Familiengeschichte zeichnet er ein detailreiches Bild des damaligen Lebens, des technischen Fortschritts und der politischen Entwicklungen bis zum 1. Weltkrieg. 

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buecherwurm1310s avatar

Rezension zu "Der Himmel über Berkeley Park" von Amy Forster

Schicksalsschläge
buecherwurm1310vor 4 Jahren

Kurz vor dem ersten Weltkrieg lebt auf dem britischen Landsitz Berkeley Park die Familie Whitmore. Ella Kilderry ist dort Hausmädchen und in den Sohn der Familie, Rhys, verliebt. Nach einem Aufenthalt in Berlin präsentiert Rhys die deutsche Adlige Auguste von Schongau der Familie als zukünftige Frau. Vom ersten Tag an bringt Auguste ihre Schwiegermutter gegen sich auf, da sie einerseits eine verhasste Deutsche ist, andererseits mit ihrem Verhalten die Familie und die englische Gesellschaft vor den Kopf stößt.

Der Schreibstil der Autorin lässt sich angenehm leicht und flüssig lesen. Anhand der Beschreibung der Handlungsorte hatte ich ein gutes Bild vor Augen. Auch die Personen sind sehr gut und authentisch dargestellt.

Ella ist neugierig auf die Welt und auf das Leben und aufgeschlossen. Sie trifft sich heimlich mit Rhys, obwohl beide wissen, dass ihre Beziehung keine Zukunft hat. Ella verändert sich nach einem Unfall, bei dem sie das Gedächtnis verliert. Sie ist verunsichert, zurückhaltend und mit ihrem Ordnungssinn versucht sie Struktur in ihr Leben zu bekommen. Sie ist sich ihrer Gefühle nicht mehr sicher und niemand erzählt ihr, was geschehen ist.

Rhys versteckt seine Gefühle und lebt sein Leben weiter. Er kann seine Abenteuerlust ausleben, ohne in der Gesellschaft anzuecken. Als er Auguste in einer Bar in Berlin kennenlernt, wird er von ihrer Lebenslust mitgerissen. Nach einer leidenschaftlichen Nacht beschließen sie überstürzt, dass sie heiraten werden.

Auguste fegt wie ein Orkan durch das ehrenwerte Haus Berkeley Park. Es ist als ob das Missfallen, das sie erregt, sie noch befeuert. Ihre Eskapaden werden schlimmer und sie bekommt von der Viscountess Olivia Ella als Zofe zugeteilt, damit diese ein Auge auf die kapriziöse Auguste hat. Doch die sieht sich als Künstlerin, die an ihre Grenzen gehen muss, um berühmt zu werden. Obwohl Ella einen gewissen Einfluss auf Auguste hat, kann auch sie Auguste nicht vom Kokain weghalten, eine Sucht, die alles natürlich nur noch schlimmer macht.

Während Auguste immer mehr den Bezug zur Realität verliert, wird Ella stärker, selbstbewusster und lernt, dass man seine Ziele nicht aus dem Auge verlieren darf. Rhys entzieht sich den Problemen, indem er sich mehr und mehr zurückzieht und so tut, als sei alles in Ordnung. Er ordnet sich auch immer wieder der Mutter unter, die massiv das Geschehen beeinflusst.

Das Schicksal hat in einer Zeit des Umbruchs Menschen zusammengebracht, die unterschiedlicher nicht sein könnten und hat ihnen Bewährungsproben abverlangt, die nicht jeder meistern kann. Auch wenn mir die Überdrehtheit von Auguste manches Mal zu viel wurde und das Ende so fast vorauszusehen war, habe ich mich doch gut unterhalten gefühlt.

Wer gerne historische Romane aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts liest, dem kann ich das Buch nur empfehlen.

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nicigirl85s avatar

Rezension zu "Der Himmel über Berkeley Park" von Amy Forster

Schicksalsschläge auf Berkeley Park...
nicigirl85vor 4 Jahren

Amy Forster schreibt auch unter dem Namen Isabel Beto, daher ist dieser Roman nicht der Erste von ihr, den ich gelesen habe. Hier führt sie uns mal nicht in ein exotisches Land, sondern auf einen englischen Landsitz, der stark an die TV- Serie Downton Abbey erinnert und genau deswegen musste ich das Buch unbedingt lesen.

In der Geschichte geht es um zwei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Da haben wir auf der einen Seite das Dienstmädchen Ella, die bei einem Unfall ihr Gedächtnis verlor. Was verband sie einst mit dem Hausherren Rhys? Auf der anderen Seite haben wir die Adelige Auguste, deren Leben von Spaß und Abwechslung geprägt ist. Sie verliebt sich in Rhys und geht mit ihm nach Berkeley Park. Doch was bedeutet das für ihr Leben? Und vor allem wie geht es Ella damit?

Mir hat hier gut gefallen, dass es mal ein Roman mit historischem Hintergrund ist, der nur auf einer Zeitebene spielt und nicht Gegenwart und Vergangenheit verbindet, denn das habe ich fast schon zu oft gelesen.

Der Schreibstil der Autorin lässt sich wie gewohnt angenehm leicht und flüssig lesen. Ich konnte mir die Handlungsorte und die dargestellten Personen sehr gut vorstellen.

Die Charaktere sind hier doch sehr besonders. Ella mochte ich total gern, denn sie ist ein liebenswerter Mensch mit dem Herz am rechten Fleck. Ihr Schicksal berührt und man möchte einfach, dass sie endlich mal Glück erfährt. Auguste hingegen war für mich nicht gerade eine Sympathieträgerin, denn sie erwartet zu viel vom Leben. Zudem kann man nicht immer nur Spaß haben und ihre selbstzerstörerischen Exzesse haben mich doch abgeschreckt. Da fragte ich mich lange was Rhys an ihr gefunden hat?

Der Autorin gelang es für meinen Geschmack sehr gut die damalige Zeit bildhaft und nachvollziehbar wiederzugeben.

Das Einzige, was mir persönlich nicht ganz so gut gefiel: Es passieren jede Menge Unglücksfälle. Das war mir einfach etwas zu viel, da hätte ich mir andere Wendungen in der Geschichte gewünscht.

Fazit: Ein guter Unterhaltungsroman mit geschichtlichem Hintergrund, den ich gern weiterempfehle. Lesenswert!

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