Amy Waldman

 4.4 Sterne bei 58 Bewertungen
Autorin von Der amerikanische Architekt, Der amerikanische Architekt und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Amy Waldman

Amy Waldman, Jahrgang 1969, leitete das Südasien-Büro der NEW YORK TIMES und war dort Korrespondentin für THE ATLANTIC. Ihre Erzählungen erschienen in THE ATLANTIC, im BOSTON REVIEW und wurden in THE BEST AMERICAN NONREQUIRED READING 2010 aufgenommen. Sie lebt in Brooklyn.

Alle Bücher von Amy Waldman

Cover des Buches Der amerikanische Architekt9783453417625

Der amerikanische Architekt

 (48)
Erschienen am 08.09.2014
Cover des Buches Der amerikanische Architekt9783844510508

Der amerikanische Architekt

 (5)
Erschienen am 11.02.2013
Cover des Buches The Submission9780099528241

The Submission

 (5)
Erschienen am 20.03.2012

Neue Rezensionen zu Amy Waldman

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Rezension zu "Der amerikanische Architekt" von Amy Waldman

Der schmale Grat zwischen Patriotismus und Korruption
Babschavor einem Jahr

Im Jahr 2003 wird in New York eine Jury einberufen, die aus vielen verschlossen eingereichten Architektenentwürfen den Sieger für ein geplantes Memorial an Ground Zero küren soll. Als der Kandidat endlich feststeht, stellt sich heraus, dass der Gewinner ausgerechnet einen muslimischen Namen trägt. Damit setzt sich eine Zerreißprobe aus Wut, Angst, Aggression , gegenseitigem Unverständnis, Taktieren und Korrumpieren in Gang, in die die Politik, die Hinterbliebenen, diverse Interessengruppen, letztlich die ganze Bevölkerung eingesogen werden.

 Die Autorin fängt in ihrem Buch die labile Pulverfass-Stimmung in Amerika kurz nach den Attentaten wie auch die menschliche Beschränktheit und Manipulierbarkeit sehr gut ein. Gelungen und beklemmend ist ebenfalls, wie sowohl die Jurymitglieder als auch der Gewinner selbst, ein muslimischer US-Amerikaner ohne jede radikale Ambitionen, ins Fadenkreuz aller Beteiligten geraten, auseinander genommen werden und letztlich dann jeder nur noch versucht, die eigene Haut zu retten. Das große hehre Ziel verkommt am Ende zu einer abstoßenden Schlammschlacht. Und natürlich kommen Presse und Politik (wie im wahren Leben) dabei am schlechtesten weg. 

 Leider stellte sich bei mir während der Lektüre nach gewisser Zeit irgendwie ein Gefühl von Langatmigkeit und Zähflüssigkeit ein, was die Seiten beim Umblättern bleischwer machte und daran gelegen haben mag, dass hier alles, insbesondere die agierenden Hauptpersonen, einfach zu elaboriert und breit ausgewalzt  ist. Jede kleinste Regung und Schwäche der Beteiligten wird interpretiert, analysiert und gedeutet. Das klappt dann in der Wechselwirkung zueinander mal besser, mal schlechter, zieht aber die Dynamik und den eigentlichen Handlungsfluss des Buches auseinander. Die Erzählung fasert streckenweise einfach in Banalitäten aus, die der Kernstory nicht mehr dienlich sind. Die Spannung und Erwartungshaltung des Lesers, zumindest meine, kam damit  irgendwann fast zum Stillstand. 

Die Ambitionen der Autorin, die sie hier verfolgt, sind zugegebenermaßen aber erkennbar richtig und gut gemacht, wahrscheinlich war das auch ihr größtes Anliegen.

 Insgesamt  ein durchaus lesenswerter Roman, unterlegt mit hohem Sachverstand der Schreiberin und gut konstruiert, der aber auch einiges an Durchhaltevermögen beim Leser einfordert. 

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Rezension zu "Der amerikanische Architekt" von Amy Waldman

Amy Waldman - Der amerikanische Architekt
miss_mesmerizedvor einem Jahr

Den Opfern des Angriffs auf die Türme des World Trade Centers soll eine Gedenkstätte gebaut werden. Eine Jury aus Experten und Vertretern der Hinterbliebenen hat monatelang getagt und ist nun dabei, die finale Entscheidung zu treffen. 5000 Entwürfe haben sie gesichtet, alle anonym eingereicht, um jede Form der Beeinflussung auszuschließen. Ein Garten wird der Sieger sein, doch als der Umschlag mit dem Namen des Architekten geöffnet wird, gefriert der Jury das Blut in den Adern: Mohammad Khan. Offensichtlich Muslim. Einer von denen. Man beschließt, das Ergebnis noch nicht zu veröffentlichen und sich selbst Bedenkzeit zu geben – doch jemand hält nicht dicht und schon kurz danach ist die Öffentlichkeit informiert und erwartungsgemäß empört. An dem unlösbaren Dilemma müssen nun die Grundfesten der amerikanischen Gesellschaft erprobt werden.

Amy Waldman hat in ihrem Debütroman eine Situation geschaffen, die nicht nur die involvierten Individuen herausfordert, sondern eine gesamte Bevölkerung betrifft und die keinen offenkundigen Ausweg erlaubt, der sowohl individuellen wie auch emotionalen Bedürfnissen gerecht wird.

Die Jury ist gefangen zwischen den Optionen, den selbstgewählten Weg weiterzuverfolgen und die Person des Architekten hinter den Entwurf zustellen. Für diesen haben sie sich mehrheitlich entschieden und nicht ohne Grund war das Verfahren anonym. Auch die Zusammensetzung der Experten war mit Bedacht gewählt, nicht die Emotionen der Hinterbliebenen sollten dominieren, sondern fachkundige architektonisch-künstlerische Argumente. Ihre Entscheidung, die Wahl letztlich in die öffentliche Meinung zu legen und eine landesweite und sogar globale Diskussion zu erlauben, ist eine Kapitulation vor der eigenen Aufgabe und den selbstgesetzten Idealen.

Mohammad Khan ist als Sohn indischer Einwanderer typisch amerikanisch aufgewachsen, hätte sich selbst nie über seine Religion definiert und gilt als begabter junger Architekt mit großer Zukunft. Er wird verhaftet für eine Tat, die er nicht begangen hat, mit der er sich nicht identifiziert und die noch nicht einmal im Zusammenhang mit seinem persönlichen Familienhintergrund steht. Je mehr er in die Enge gedrängt wird, desto mehr übernimmt er auch eine Rolle, die er gar nicht haben will. Resigniert stellt er irgendwann fest: er wollte mit seinem Entwurf Amerika einen. Das ist ihm gelungen, sie sind irgendwann alle gegen ihn, Muslime und Nicht-Muslime vereint gegen diesen Architekten.

Auch die Nebenfiguren haben vielschichtige Meinungen und bieten eine Reihe von differenzierten Perspektiven in dieser Thematik. So wird das zugrundeliegende Dilemma auch in der Breite offenkundig: ein Einwanderungsland, das sich immer über Vielfalt definiert hat und offen war für neue Einflüsse, das sich der vorbildlichen Integration aller rühmt, muss erkennen, dass es keineswegs das Land ist, das es glaubte zu sein. Hinzu kommen individuelle Verfehlungen und Schwächen, die jedoch den öffentlichen Raum einnehmen und die Diskussion befeuern: wer laut ist, wird gehört. Welche Motive die Person antreiben wird dabei von der Lautstärke übertönt und übersehen.

Unweigerlich erinnert einem die Geschichte an Shakespeares berühmten Ausspruch in „Romeo and Juliet“:

„What’s in a name? that which we call a rose

By any other name would smell as sweet“.

Der Name des Architekten macht ihn zu dem, was die Leute in ihm sehen wollen. Doch egal wie er heißt, er ist ein amerikanischer Architekt, der die Ideale seiner Generation lebt und sowohl Herkunft seiner Eltern wie auch vorgebliche Religion wenig Bedeutung zumisst. Doch das Volk will das sehen, was es in den Namen hineinprojiziert: der Vorname Mohammad macht ihn zum Vorzeige Muslim und damit zum Feind des Landes und Mörder. Dadurch ist er nicht mehr der Mohammad Khan, der er immer war, der eigentlich kaum amerikanischer hätte sein können: als Kind von Einwanderern hart gearbeitet, auf dem Weg zum beruflichen Erfolg und nun der Gewinn dieser Ausschreibung. Der amerikanische Traum, der an seinem Namen scheitert.

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Rezension zu "Der amerikanische Architekt" von Amy Waldman

Spannend und aktuell
letusreadsomebooksvor 4 Jahren

In Manhattan entscheidet eine Jury über den Entwurf einer Gedenkstätte für die Opfer des Terroranschlags vom 11. September. Nach langen Beratungen und Diskussionen öffnen sie den Briefumschlag mit dem Namen des anonymen Gewinners und sind entsetzt. Wer darf sich als Fürsprecher für die Trauernden präsentieren?Claire Burwell, die ihren Mann bei den Anschlägen verloren hat, setzt sich am stärksten für den Gewinner ein. Doch als die Entscheidung der Jury an die Öffentlichkeit gerät, wird Claire zum Ziel von Journalisten, aufgebrachten Angehörigen, Aktivisten und Politikern. Aber auch der ebenso begabte wie eigensinnige Architekt lässt ihr keine Ruhe.

Nachdem die Jury sich für den Entwurf von Mohammed Khan, einem muslimischen Architekten, entschieden hat, steht die Frage im Raum, ob ein solcher Architekt überhaupt ein Denkmal für die Opfer eines islamistischen Anschlags setzten darf, aber ebenso bedeutsam ist, ob sich eine solche Frage überhaupt stellen darf. Der ausgezeichnete Architekt ist, abgesehen von seinem Namen, ohne Bezug zum Islam. Von seinen Bekannten wird er Mo genannt, ist in den Staaten aufgewachsen, etwas egoistisch und karriereorientiert. Aber für die Gegner reicht der Name aus. Sein Entwurf eines Gartens wird als Paradies für Märtyrer angesehen. Dem Leser werden viele verschiedene Personen sowie deren Perspektiven auf die Auseinandersetzung vorgestellt. Das hatte allerdings auch zur Folge, dass ich mit keiner der Figuren wirklich mitgefiebert habe, oder dass ihr Schicksal mir nahe gegangen wäre. Dafür wirken sie teilweise auch zu bekannt: Journalisten die ohne Skrupel nur auf eine große Story aus sind, Banker die um ihren guten Ruf fürchten, Politiker die schon Wahlkampf machen und Funktionäre, welche die Umstände für ihre eigne Sache nutzen wollen. Allerdings sorgt die Autorin durch die vielen Perspektiven dafür, dass wirklich keine Meinung ausgelassen wird und sowohl amerikanische als auch muslimische Ansichten vorgetragen werden. Bei einigen Meinungen und Auffassungen der Charaktere konnte ich nur fassungslos mit dem Kopf schütteln aufgrund ihrer Engstirnigkeit und dem beiläufigen Rassismus. Am interessantesten ist neben der Figur des Architekten die junge Frau Asam Anwar, die ihren Mann verloren hat. Sie stammt eigentlich aus Bangladesch und kann sich nur illegal in den USA aufhalten. Mit ihren Erinnerungen an die alte Heimat und der dortigen Kultur bringt sie eine ganz eigene Perspektive in die Handlung. Daneben ist vor allem Mohammed Khan ein spannender Charakter. Dabei erschien er mir nicht gerade als Sympathieträger. Er ist egoistisch, eitel und karriereorientiert. Doch seine Beobachtungsgabe und die Art, wie er sein eigenes Verhalten sowie die Geschehnisse, die nur aufgrund seines Namens beginnen, einordnet und reflektiert, ist von der Autorin wunderbar dargestellt. Khan erscheint überfordert mit dem Sturm, der über ihm zusammenbricht. Doch wie soll er auch reagieren, wenn er nur aufgrund seines Namens für die Taten von Menschen verantwortlich gemacht wird, die dieselbe Herkunft haben? Khan ist den Amerikanern zu muslimisch und den Muslimen zu amerikanisch.

Obwohl die Handlung vor knapp 10 Jahren spielt, ist das Thema Islamfeindlichkeit immer noch hochaktuell, ebenso wie eine der zentralen Fragen des Romans: Wem vertraue ich und warum? Während zu Beginn des Romans vor allem mit Worten gekämpft wird, steigert sich die Gewalt immer mehr und es kommt zu immer heftigeren Auseinandersetzungen, die sich von der ursprünglichen Frage nach dem Denkmal entfernen. Letztlich geht der Kampf um die Deutungshoheit des Geländes mit Namen Ground Zero, das für die USA ein Symbol der Trauer, aber ebenso der Demütigung und Niederlage darstellt.

Da es im Roman zu vielen Diskussionen und verbalen Auseinandersetzungen kommt, überrascht es nicht, dass er aus vielen Dialogen besteht. Der Stil der Autorin erscheint mir recht funktional, wobei ich finde, dass sie vor allem bei den Beschreibungen von zwischenmenschlichen Gefühlen an ihre Grenzen stößt. Das Funktionale zeigt sich vor allem in den Beschreibungen außerhalb der Dialoge:

Das Konzept des Gartens war denkbar einfach: ein von Mauern eingefasster quadratischer, streng geometrisch untergliederter Raum. In der Mitte lud ein etwas erhöhter Pavillon zur Besinnung ein. Zwei breite, rechtwinklig aufeinandertreffende Kanäle viertelten das sechs Hektar große Gelände. Gehwege innerhalb der vier Quadranten bildeten zusammen mit den Bäumen, den echten und denen aus Stahl, die wie in einer Baumschule in Reih und Glied ausgerichtet waren, ein Raster. Die Namen der Opfer sollten auf den Innenflächen der weißen, neun Meter hohen Umfassungsmauer aufgelistet werden, so angeordnet, dass das Textfeld den Umriss der zerstörten Gebäude ergab. Die stählernen Bäume riefen die Türme noch buchstäblicher in Erinnerung: Sie würden aus den gefundenen Metallüberresten hergestellt werden.

Das Buch zeigt zudem eine deutliche Medien- und Gesellschaftskritik. Politiker instrumentalisieren den Fall für sich und islamische Verbände wollen Khan als Gesicht für ihre Kampagnen nutzen. Den Medien erscheint jedes Mittel recht, um Auflage zu machen, auch wenn das bedeutet, Meldungen zu erfinden, Persönlichkeitsrechte zu verletzten oder den Konflikt weiter zu befeuern.

Der amerikanische Architekt von Amy Waldman hat mich überrascht. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass das Buch so gut ist. Das Gedankenspiel fand ich von vornherein interessant, doch was die Autorin daraus macht, hat mich wirklich beeindruckt. Sie lässt alle Meinungsrichtungen zu Wort kommen und bietet viele Perspektiven, die sie zu einer fundierten Gesellschafts- und Medienkritik verknüpft. Einziger Wermutstropfen ist, dass ihr Stil nicht immer überzeugt, sondern vor allem seinen Zweck erfüllt.

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