Der amerikanische Architekt

von Amy Waldman 
4,5 Sterne bei46 Bewertungen
Der amerikanische Architekt
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Eindrucksvolles Porträt eines zerrissenen Amerikas, aber auch ein Plädoyer gegen Intoleranz und Vorurteile.

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Spannend und aktuell. Fundierte Gesellschafts- und Medienkritik, die leider ein wenig unter dem zu nüchternen Stil leidet.

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Inhaltsangabe zu "Der amerikanische Architekt"

Manhattan. Eine Jury soll den besten Entwurf einer Gedenkstätte für die Opfer des Terroranschlags vom 11. September auswählen. Nach langwierigen Beratungen und einem zähen Ringen um das richtige Konzept öffnen die Juroren den Briefumschlag, der den Namen des bislang anonymen Gewinners enthält – und sind schockiert. Eine heftige Auseinandersetzung um die Person des Architekten beginnt: Wer darf sich zum Fürsprecher der Trauernden erheben?

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783453417625
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:512 Seiten
Verlag:Heyne
Erscheinungsdatum:08.09.2014
Das aktuelle Hörbuch ist am 11.02.2013 bei Der Hörverlag erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    letusreadsomebookss avatar
    letusreadsomebooksvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Spannend und aktuell. Fundierte Gesellschafts- und Medienkritik, die leider ein wenig unter dem zu nüchternen Stil leidet.
    Spannend und aktuell

    In Manhattan entscheidet eine Jury über den Entwurf einer Gedenkstätte für die Opfer des Terroranschlags vom 11. September. Nach langen Beratungen und Diskussionen öffnen sie den Briefumschlag mit dem Namen des anonymen Gewinners und sind entsetzt. Wer darf sich als Fürsprecher für die Trauernden präsentieren?Claire Burwell, die ihren Mann bei den Anschlägen verloren hat, setzt sich am stärksten für den Gewinner ein. Doch als die Entscheidung der Jury an die Öffentlichkeit gerät, wird Claire zum Ziel von Journalisten, aufgebrachten Angehörigen, Aktivisten und Politikern. Aber auch der ebenso begabte wie eigensinnige Architekt lässt ihr keine Ruhe.

    Nachdem die Jury sich für den Entwurf von Mohammed Khan, einem muslimischen Architekten, entschieden hat, steht die Frage im Raum, ob ein solcher Architekt überhaupt ein Denkmal für die Opfer eines islamistischen Anschlags setzten darf, aber ebenso bedeutsam ist, ob sich eine solche Frage überhaupt stellen darf. Der ausgezeichnete Architekt ist, abgesehen von seinem Namen, ohne Bezug zum Islam. Von seinen Bekannten wird er Mo genannt, ist in den Staaten aufgewachsen, etwas egoistisch und karriereorientiert. Aber für die Gegner reicht der Name aus. Sein Entwurf eines Gartens wird als Paradies für Märtyrer angesehen. Dem Leser werden viele verschiedene Personen sowie deren Perspektiven auf die Auseinandersetzung vorgestellt. Das hatte allerdings auch zur Folge, dass ich mit keiner der Figuren wirklich mitgefiebert habe, oder dass ihr Schicksal mir nahe gegangen wäre. Dafür wirken sie teilweise auch zu bekannt: Journalisten die ohne Skrupel nur auf eine große Story aus sind, Banker die um ihren guten Ruf fürchten, Politiker die schon Wahlkampf machen und Funktionäre, welche die Umstände für ihre eigne Sache nutzen wollen. Allerdings sorgt die Autorin durch die vielen Perspektiven dafür, dass wirklich keine Meinung ausgelassen wird und sowohl amerikanische als auch muslimische Ansichten vorgetragen werden. Bei einigen Meinungen und Auffassungen der Charaktere konnte ich nur fassungslos mit dem Kopf schütteln aufgrund ihrer Engstirnigkeit und dem beiläufigen Rassismus. Am interessantesten ist neben der Figur des Architekten die junge Frau Asam Anwar, die ihren Mann verloren hat. Sie stammt eigentlich aus Bangladesch und kann sich nur illegal in den USA aufhalten. Mit ihren Erinnerungen an die alte Heimat und der dortigen Kultur bringt sie eine ganz eigene Perspektive in die Handlung. Daneben ist vor allem Mohammed Khan ein spannender Charakter. Dabei erschien er mir nicht gerade als Sympathieträger. Er ist egoistisch, eitel und karriereorientiert. Doch seine Beobachtungsgabe und die Art, wie er sein eigenes Verhalten sowie die Geschehnisse, die nur aufgrund seines Namens beginnen, einordnet und reflektiert, ist von der Autorin wunderbar dargestellt. Khan erscheint überfordert mit dem Sturm, der über ihm zusammenbricht. Doch wie soll er auch reagieren, wenn er nur aufgrund seines Namens für die Taten von Menschen verantwortlich gemacht wird, die dieselbe Herkunft haben? Khan ist den Amerikanern zu muslimisch und den Muslimen zu amerikanisch.

    Obwohl die Handlung vor knapp 10 Jahren spielt, ist das Thema Islamfeindlichkeit immer noch hochaktuell, ebenso wie eine der zentralen Fragen des Romans: Wem vertraue ich und warum? Während zu Beginn des Romans vor allem mit Worten gekämpft wird, steigert sich die Gewalt immer mehr und es kommt zu immer heftigeren Auseinandersetzungen, die sich von der ursprünglichen Frage nach dem Denkmal entfernen. Letztlich geht der Kampf um die Deutungshoheit des Geländes mit Namen Ground Zero, das für die USA ein Symbol der Trauer, aber ebenso der Demütigung und Niederlage darstellt.

    Da es im Roman zu vielen Diskussionen und verbalen Auseinandersetzungen kommt, überrascht es nicht, dass er aus vielen Dialogen besteht. Der Stil der Autorin erscheint mir recht funktional, wobei ich finde, dass sie vor allem bei den Beschreibungen von zwischenmenschlichen Gefühlen an ihre Grenzen stößt. Das Funktionale zeigt sich vor allem in den Beschreibungen außerhalb der Dialoge:

    Das Konzept des Gartens war denkbar einfach: ein von Mauern eingefasster quadratischer, streng geometrisch untergliederter Raum. In der Mitte lud ein etwas erhöhter Pavillon zur Besinnung ein. Zwei breite, rechtwinklig aufeinandertreffende Kanäle viertelten das sechs Hektar große Gelände. Gehwege innerhalb der vier Quadranten bildeten zusammen mit den Bäumen, den echten und denen aus Stahl, die wie in einer Baumschule in Reih und Glied ausgerichtet waren, ein Raster. Die Namen der Opfer sollten auf den Innenflächen der weißen, neun Meter hohen Umfassungsmauer aufgelistet werden, so angeordnet, dass das Textfeld den Umriss der zerstörten Gebäude ergab. Die stählernen Bäume riefen die Türme noch buchstäblicher in Erinnerung: Sie würden aus den gefundenen Metallüberresten hergestellt werden.

    Das Buch zeigt zudem eine deutliche Medien- und Gesellschaftskritik. Politiker instrumentalisieren den Fall für sich und islamische Verbände wollen Khan als Gesicht für ihre Kampagnen nutzen. Den Medien erscheint jedes Mittel recht, um Auflage zu machen, auch wenn das bedeutet, Meldungen zu erfinden, Persönlichkeitsrechte zu verletzten oder den Konflikt weiter zu befeuern.

    Der amerikanische Architekt von Amy Waldman hat mich überrascht. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass das Buch so gut ist. Das Gedankenspiel fand ich von vornherein interessant, doch was die Autorin daraus macht, hat mich wirklich beeindruckt. Sie lässt alle Meinungsrichtungen zu Wort kommen und bietet viele Perspektiven, die sie zu einer fundierten Gesellschafts- und Medienkritik verknüpft. Einziger Wermutstropfen ist, dass ihr Stil nicht immer überzeugt, sondern vor allem seinen Zweck erfüllt.

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    Amerdales avatar
    Amerdalevor 3 Jahren
    Der amerikanische Architekt

    Meine Rezension: https://amerdale.wordpress.com/2014/11/13/gelesen-amy-waldman-der-amerikanische-architekt/

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    Barbara62s avatar
    Barbara62vor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Ein vielschichtiger, fesselnder politischer Roman über die Befindlichkeit der US-Gesellschaft mit bisweilen satirischen Zügen.
    9/11 und die Folgen

    Ein Paukenschlag zu Beginn: Der in einem anonymen Wettbewerb zur Bebauung von Ground Zero von einer Jury aus Angehörigen, Künstlern und Politikern ausgewählte Entwurf stammt von Mohammad Khan, Sohn muslimischer Einwanderer.

    Auf über 500 Seiten schildert die Journalistin Amy Waldman die Folgen dieser Entscheidung für Hinterbliebene und verschiedenste Interessensgruppen, aber auch für den bis dahin säkularen Amerikaner Khan.

    Ein vielschichtiger, fesselnder politischer Roman über die Befindlichkeit der US-Gesellschaft mit bisweilen satirischen Zügen.

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    Insider2199s avatar
    Insider2199vor 3 Jahren
    Ein aktuelles Thema spannend und gesellschaftskritisch verpackt

    Ein aktuelles Thema spannend und gesellschaftskritisch verpackt

    Amy Waldman war stellvertretende Leiterin des Südost Asien Büros der New York Times, berichtete über die Auswirkungen der Terror-Anschläge vom 11. September 2001, arbeitete als Korrespondentin der Zeitschrift „The Atlantic“ und lebt mit ihrer Familie in Brooklyn. Ihr Debüt "Der amerikanische Architekt" erschien 2011 in den USA und wurde mehrfach ausgezeichnet.

    Zum Inhalt: Zwei Jahre nach den Anschlägen auf das Word Trade Center (die übrigens nicht Thema dieses Romans sind, nicht einmal namentlich erwähnt werden!) soll am „Ground Zero“ eine Gedenkstätte für die Angehörigen der Opfer gebaut werden. Die Ausschreibung zum Wettbewerb für den besten Entwurf ist für jeden offen und anonym. Der Schock und die Entrüstung der Jury-Mitglieder ist groß als der Gewinner für den ausgewählten Entwurf „Der Garten“ – eine Allegorie für das sich stetig wandelnde Leben und die einmal vergehende Trauer, für seine Gegner allerdings ein "Paradies für Märtyrer" – bekannt gegeben wird: es ist "Der amerikanische Architekt" Mohammad Khan, ein Muslim. Die Nation beginnt sich zu spalten und die Lage eskaliert...

    Meine Meinung: Als Leser schlüpfen wir in sehr viele Perspektiven: da wäre zum einen der junge Architekt Mohammad Khan (kurz Mo genannt), der sich mit seinem kreativen Entwurf einen Namen machen will; das Jury-Mitglied Claire, die ihren Mann bei den Anschlägen verlor, und sich als Einzige in der Jury entgegen aller Erwartung ebenso für den Garten einsetzt; Paul Rubin, der Leiter der Jury, der Khan überreden möchte, seinen Entwurf zurück zu ziehen; Sean, ein Gegner Khans, dessen Bruder als Feuerwehrmann bei der Rettungsaktion starb; Alyssa Spier, eine Journalistin für die „NY Post“, die auf der Jagd nach Schlagzeilen für Unheil sorgt; Asma Anwar, eine Illegale aus Bangladesch, dessen Mann als Putzkraft bei den Anschlägen starb und die im Zuge ihrer Befürwortung für den Garten zur Heldin avanciert – all diese Charaktere bieten dem Leser die Möglichkeit, seine Position zu beziehen. Der Leser soll sich nicht nur für eine einzelne Figur erwärmen, sondern soll dieses komplexe Zusammenwirken des Ensembles, dieses Panorama an unterschiedlichen Meinungen auf sich wirken lassen und so das Dilemma aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Der Leser wird dadurch aufgefordert, seine Überzeugungen in Frage zu stellen und zu erwägen, seine Meinung vielleicht zu revidieren – Letzteres liegt durchaus im Bereich des Möglichen, obwohl es mir selbst eigentlich nicht passiert ist.

    Obwohl das Thema ein fiktives ist, kommt der Roman so authentisch und real rüber, das man bisweilen das Gefühl hat, einen Tatsachenbericht zu lesen. Und obwohl die Handlung des Romans vor über 10 Jahren spielt, ist das Thema „Islam-Feindlichkeit“ überaus modern und hat einen starken Bezug zu unserer Gegenwart. Es ist ein gesellschaftskritischer Roman mit starkem Fokus auf Politik und Medien. Und genau hier entsteht für mich persönlich das Problem: im Mittelteil empfand ich das Buch teilweise sehr langatmig und zäh – obwohl es natürlich durchaus real ist, dass gewisse Prozesse eben Zeit erfordern – aber dennoch fehlte mir manchmal ein wenig die Spannung und der Drive des was-passiert-als-Nächstes, was in meinem speziellen Fall wahrscheinlich darauf zurückzuführen ist, dass ich mich nun mal weniger für Politik interessiere und besagte Prozesse manchmal zäh und langweilig finde – ist also nicht unbedingt dem Roman anzulasten, sondern themenbedingt.

    Fazit: Ein überaus interessanter und lesenswerter Roman mit einem spannenden Dilemma, in dem das Für und Wider detailreich ausgelotet wird und der Leser aufgefordert wird, Stellung zu beziehen. Nur mir persönlich war das Buch im Mittelteil zu zäh und langatmig, was wohl teilweise mit dem Thema Politik zusammenhängt, also nicht unbedingt dem Roman angelastet werden kann – trotz allem ziehe ich dafür leider einen Stern ab, sorry.

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    anushkas avatar
    anushkavor 4 Jahren
    Absolut überzeugendes Dilemma

    New York, 2003: Zwei Jahre nach den Anschlägen auf das World Trade Center soll ein Mahnmal gebaut werden. Nachdem sich die Jury nach zähem Ringen schließlich für einen Entwurf entschieden hat dann der Schock: Der Name des Architekten, der bis dahin anonym war, lautet Mohammad Khan! Darf aber ein vermeintlicher Muslim eine Gedenkstätte für Opfer von islamischen Terroristen errichten? Nachdem die Geschichte an die Presse durchsickert eskaliert die Spirale aus Vorurteilen und Hass.

    Amy Waldman hat mit "Der amerikanische Architekt" einen sehr glaubhaften Roman in angenehmer Sprache vorgelegt. Der Schreibstil ist nicht übermäßig gehoben oder anspruchsvoll, aber auch nicht unbedingt einfach. Das Buch lebt nicht von Handlung, sondern von Meinungen, Argumenten und Gedanken. Geschildert wird die Geschichte aus Sicht  von Hinterbliebenen, dem Architekten selbst und einer eher neutralen Person, die zwischen den politischen Stühlen sitzt.

    Kann man zunächst die Argumente noch nachvollziehen, wird einem mit der fortschreitenden Eskalation die Widerwärtigkeit des Verhaltens Einzelner bewusst. Dabei schwingt die Autorin nicht die moralische Keule, sondern die Überzeugung kommt aus dem Lesen und dem Nachdenken heraus. Und dennoch gibt es keine einfache oder zufrieden stellende Lösung, denn die Geschichte ist ein klassisches moralisches Dilemma und die Faszination damit hat mich auch über einige eventuell vorhandene Längen hinweggetragen, sodass ich für mich von diesem Buch sehr begeistert bin, obwohl ich es keinesfalls als schönes Buch bezeichnen würde. Aber es befasst sich auf stärker mit der Masse kompatible Weise mit der Politik und den Zuständen in unserer Zeit und zeigt auf, dass Handeln und Versöhnung dringend nötig, wenn auch keinesfalls einfach und möglicherweise sogar schmerzhaft, sind.

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    wandablues avatar
    wandabluevor 5 Jahren
    Bemerkenswert !

    Unaufdringlich stellt die Autorin ihr Thema in den Raum. Wie ist es mit deinen Vorurteilen bestellt? Und ich zögere. Nach 9/11 hat sich viel verändert. Zwei Jahre später gewinnt der Entwurf eines Gartens den Ersten  Preis eines anonym ausgelobten Wettbewerbs für den Bau einer Gedenkstätte für die Opfer. Dem Garten liegt die Philosophie zugrunde, durch strenge Geometrie dem entstandenen Chaos entgegenzutreten und den Angehörigen durch die Allegorie des Werdens und Vergehens, also dem wiederkehrenden Leben, Trost und Hoffnung zu spenden.

    Dumm nur als sich herausstellt, dass ausgerechnet dieser Entwurf von einem nominellen Muslim stammt. Bedeutende Teile der amerikanischen Bevölkerung sind empört und auflagengeile Medien und andere wie Pilze aus dem Boden schießende Vereinigungen zum Beispiel „Für ein islamfreies Amerika“ gießen Öl ins Feuer. Auch auf der anderen Seite wird aufgerüstet. Nur Paul Rubin, der Vorsitzende der Jury bewahrt äusserlich die Ruhe und sinnt insgeheim über einen eleganten Hebel nach, den er einsetzen kann, damit Mohammad Kahn, der Architekt, seinen Entwurf zurückzieht.

    Wie die Autorin diesen Stoff entwickelt, wie sie sich zurückhält und ihre Protagonisten nur so weit emotional bedient, wie es für die Story notwendig ist, wie sie auf unnützen sprachlichen Ballast verzichtet, das ist Literatur auf hohem Niveau.

    Da die Autorin die handelnden Personen mit ihren diversen Charakteren zwar antippt, aber nicht vereinnahmt, erkennt der Leser die Problematik der eigenen Positionierung: und wo stehst du? Dieser Finger in der Wunde ist das überaus Wertvolle dieses Romans und trotzdem hat die Autorin keine moralische Keule im Gepäck.

    So realistisch geht die Autorin vor, dass ich mitunter vergesse, dass es Fiktion ist.

    Bemerkenswert, wie manche der Personen ihre eindeutige Haltung ändern und zur gegenteiligen Position kommen. Das habe ich auch gemacht: ich habe meine Haltung, die ich ungefähr in der Mitte des Buches gefunden zu haben glaubte, am Ende revidiert.

    Fazit: Kaum zu glauben, dass dieses Buch ein Erstling ist. Die Autorin vereint literarisches Können, Stilsicherheit und sprachliche Eloquenz mit einer ethischen Herausforderung, die der Leser entweder annehmen oder liegen lassen kann.

    Kommentare: 2
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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 5 Jahren
    Ein äußerst spannendes Thema

    "Der amerikanische Architekt" von Amy Waldman ist das erste Buch, worauf ich hier auf LovelyBooks aufmerksam gemacht wurde. Vielen Dank für ein paar Stunden reinstes Lesevergnügen!
    Das Thema an sich finde ich schlichtweg genial: bei einer anonymen Ausschreibung zum Bau einer Gedenkstätte für die Opfer des Anschlages auf das World Trade Center in New York gewinnt ausgerechnet ein muslimischer Architekt! Ganz Amerika steht daraufhin Kopf!
    Die äußerst kritische Situation wird aus Sicht vieler verschiedener Beteiligter erzählt, was die Story sehr abwechslungsreich, interessant und vielseitig macht.
    Nur mit Claire Burwell - Mitglied der Jury und Betroffene, die ihren Mann bei dem Attentat verlor, kann ich mich so gar nicht "anfreunden". Sie ist eine der Hauptakteure, doch dafür viel zu flach gezeichnet und ihre Darstellung lässt viele Fragen offen.
    Ansonsten finde ich den Roman sehr gelungen!

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    Jetztkochtsies avatar
    Jetztkochtsievor 5 Jahren
    Ein sehr kluges Buch

    Dieses Buch habe ich auf den Hinweis meiner Buchhändlerin auf deren Facebookseite hin gelesen. Ihre kurzen Worte zum Thema haben mich sofort interessiert und angesprochen, allerdings hat das Buch dann doch noch einige Tage hier im Regal gestanden, bevor ich mit dem Lesen begonnen habe.
    Das lag vorallem daran, daß ich einen sehr intellektuellen und anspruchsvollen Schreibstil erwartet habe, für den ich bei der derzeitigen Hitzewelle einfach nicht die Konzentration aufbringen konnte. Als ich dann allerdings doch sehr neugierig zu dem Buch griff, stellte ich fest, daß der Schreibstil durchaus eingängig und keineswegs so verkopft ist, wie ich es erwartet hätte. Glatte, teilweise wunderschöne, teilweise sehr durchdachte Sätze prasseln auf den Leser ein. Man Begegnet Figuren, die sich sehr detailliert vorallem mit ihrer eigenen Wahrnehmung und Meinung beschäftigen, die sich mit ihrem eigenen Weltbild auseinandersetzen, zu Veränderungen bereit sind oder sich auch ungewollt plötzlich in eine gänzlich neue Richtung wenden. Dieses Buch regt zum Nachdenken über die eigene Meinung und den eigenen Standpunkt zur Thematik auf, es wirft verschiedenste Blickwinkel und Ideen in den Raum, die nahezu alle überdenkenswert sind, dabei zeichnet es ein sehr schockierendes und realistisches Bild der Menschen in dieser festgefahrenen Situation, ihrer Gefühle, ihrer Ausbrüche, ihrer Wut und ihrer Ängste. Das Buch ging zumindest mir sehr nahe, vorallem das dann doch überraschende Ende hat mich berührt und bewegt.

    Dieses Buch hat meiner Ansicht nach zwei Facetten, zum einen ist es wirklich spannend und fesselnd, es unterhält auf sehr niveauvolle und gute Art, zum anderen ist es ein Stolperstein, ein Denkansatz, ein Gedankenspiel, das ich jedem nahe legen möchte.
    Ich bin nach der Lektüre mit einem etwas anderen Blick auf die Dinge zurück geblieben, mit einem etwas kritischeren Blick auf mich selbst und mein Verhalten.
    Natürlich werden in dem Buch Extreme geschildert, aber ohne diese Extreme, diese Stereotypen, diese radikalen Charaktere, wäre das Buch nicht so echt, so beängstigend nah an der Realtität, wie sie sein könnte.

    Fazit: Ein sehr lohnenswertes, sehr emotionales Buch, das zu keiner Zeit ins Pathetische oder Kitschige abdriftet und das aus meiner Sicht den Leser sehr klug unterhält.

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    asitavor 5 Jahren
    der amerikanische architekt

    es gibt bücher, die gefunden werden wollen. amy waldman, der amerikanische architekt, ist so ein buch.

    und nun zum inhalt. zwei jahre nach dem 9/11 findet ein wettbewerb statt. architekten sollen eine gedenkstätte bauen. nun sitzt die jury beisamen und nach vielem hin und her gewinnt ‘der garten’. aber noch weiss kein mitglied wer der architekt ist. nach dem öffnen des briefumschlages sind die jurymitglieder sprachlos. der gewinner heißt mohammed khan, ein amerikanischer moslem. eine große diskussion begint: ‘man kann doch nicht einen moslem ein gedänkstätte für die ‘twintowers’ bauen lassen’.

    amy waldman spricht nicht nicht über 9/11, sonder ihr geht es darum zu zeigen wie sich die amerikanische gesellschaft mit dem thema befasst und wie zerrissen die gemüter sind.

    es sind verschieden charaktäre, die sie sprechen lässt: claire, ein jurymitglied, die ihren mann bei den anschlägen  verloren hat. sean, dessen bruder ein feuerwehrmann, der bei ausübung seiner arbeit starb. eine journalistin, die eine verfolgungsjagd auf den architekten eröffnet, nur um an eine story zu kommen. ein islamischer verband, der khan für seine machenschaften benutzt. mohammed khan, der sich bis zu diesem zeitpunkt als amerikaner gesehen hat und noch einige mehr.

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    Fuhlsbuechers avatar
    Fuhlsbuechervor 5 Jahren
    Darf jemand, der Mohammed Khan heißt, den Wettbewerb um die Bebauung von Ground Zero gewinnen?

    Empfohlen von Doris Böddeker

    New York, eine anonyme Ausschreibung für den Entwurf einer Gedenkstätte für die Opfer der Anschläge des 11. September 2001 steht kurz vor dem Finale.

    Die Jury hat sich durch Unmengen von Einsendungen gearbeitet, viel diskutiert, abgewogen und endlich entschieden. Doch als der Briefumschlag mit dem Namen des anonymen Gewinners geöffnet wird, halten alle die Luft an. Der Gewinner der Ausschreibung ist ein Muslim. Damit hatte niemand gerechnet und schlagartig fangen jetzt erst die richtigen Probleme an.

    Wunderbar beschreibt Amy Waldmann den Umgang mit dem Gewinner der Ausschreibung. Eine ganze Lawine an Reaktionen wird ausgelöst. Da gibt es die Unterstützer und die Gegner des Finalisten. Viele Fragen werden in diesem fiktiven Roman aufgeworfen. Einfach klasse geschrieben und der Realität bestimmt nicht so fern.

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