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Sick

vor 2 Jahren

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Kyoto wird seit Wochen von schlimmen Naturkatastrophen heimgesucht. Auf eine lang anhaltende Dürre folgt eine Flutwelle und kurz darauf brennen sogar Bäume, ohne zu Asche zusammen zu fallen. Mei Kuno, eine eifrige und zugleich gläubige Literatur-Studentin, hält all dieses Unheil für Zeichen der Shinto-Götter. Sie ist sich sicher, irgendetwas hat den Zorn der Götter ausgelöst. Ihre Vermutung wird bestätigt, als eines Abends ein junger Mann vor ihrer Tür steht. Tián Shen behauptet doch tatsächlich, dass der Donnergott Raijin in ihn gefahren ist, um mit seiner und Meis Hilfe wieder alles in Ordnung zu bringen. Es gibt nur eines, was die Katastrophen aufhalten kann und das ist die Umwidmung eines Schreins rückgängig zu machen. Mei hält den jungen Mann vor ihrer Tür trotz ihres Glaubens für verrückt, fühlt sich aber gleichzeitig von ihm angezogen. Entgegen ihrer sonstigen Art macht sie Mei zusammen mit Tián auf den Weg nach Tokyo, um weiteres Leid zu verhindern...

 

"Liebe und Zorn - Im Bann der Shinto-Götter" ist der Auftakt für die Reihe um Mei und Tián. Zugleich verrät der Titel schon einmal die Hauptzutaten, die für die Handlung verwendet werden. Da wäre zum einen eine zarte Liebe, die zwischen zwei jungen Menschen erblüht, aber auch die Liebe zur Familie, zur Kunst und zu seinem Glauben. Auch der Zorn nimmt einen bedeutenden Platz ein, in erster Linie der Zorn dreier Götter, der durch das unüberlegte Handeln der Menschen ausgelöst wurde. Raijin, der Donnergott, möchte zusammen mit Fujin, dem Gott des Windes, Vergeltung für die Herabwürdigung von Tenjin, dem Gott der Gelehrsamkeit und des Wissens. Er war einst ein Mensch, dem schon zu Lebzeiten schlimmes Unrecht angetan wurde. Nun ist Raijin bei dieser erneuten Kränkung der Kragen geplatzt und er möchte den Bewohnern Japans einen Denkzettel verpassen, der die Naturgötter wieder in das Bewusstsein der Menschen zurück bringt. Aber die Katastrophen alleine scheinen nichts zu nützen, deswegen nimmt Raijin die Sache selbst in die Hand und will dafür sorgen, dass Tenjin seinen Schrein wieder zurückbekommt. Dafür fährt er in Tiáns Körper und sucht Mei auf, damit die beiden die Menschen wieder zur Vernunft bringen.

Natürlich ist Mei zunächst verwirrt, warum ausgerechnet sie ausgesucht wurde. Sie erklärt es sich mit ihrem Glauben. Dazu ist Tenjin ihr liebster Gott, und das nicht nur seit sie studiert. Sie ist im Grunde ein typisch japanisches Mädchen, das für gute Noten betet, aber Mei geht doch noch ein Stück weiter und sucht auch dann den Tempel auf, wenn sie einmal nicht mehr weiter weiß oder Trost braucht. Im Grunde ist sie eine Einzelgängerin, die ihre Freizeit am liebsten mit Lernen verbringt, ihre paar Freunde sieht sie fast nur an der Uni. Tián ist da ein ganz anderer Typ, er kommt schnell ins Gespräch mit anderen Leuten und mit seinem Charisma sichert er sich die Sympathien von so ziemlich jedem. Auch ich mochte ihn auf Anhieb und fand es etwas schade, dass irgendwann Raijin das Zepter übernommen hat. Der Donnergott ist im Gegensatz zu Tiáns ruhiger und besonnener Art nämlich ziemlich jähzornig und absolut unberechenbar. Zwar scheint er auch so etwas wie eine menschliche Seite zu haben, aber ich habe mich immer gefragt, ob das möglicherweise nur Kalkül ist.

Die Götter und ihre Geschichte, die in die Handlung mit eingeflochten sind, entsprechen dem örtlichen Glauben und geben somit einen interessanten Einblick in die japanische Kultur. Auch alltägliche Dinge wie das Familienleben, Bildung oder das Liebesleben junger Leute werden mit eingebunden. Vieles ist anders als in Europa und gerade das hat es für mich so authentisch gemacht. Auch die Beschreibungen der Gebäude, der Menschen und ihres Verhaltens tragen dazu bei. Zusätzlich fallen ab und zu noch japanische Sätze, die sich meistens aus dem Kontext ergeben, aber nirgendwo übersetzt werden. Ein Glossar oder ähnliches gibt es nicht. Das ist etwas schade, denn besonders am Anfang dürfte es Japan-Unkundigen etwas schwer fallen, alles zu verstehen. Mit der Sprache an sich hatte ich aber eigentlich keine Probleme, die Beschreibungen sind so bildhaft, dass man sich alles sehr gut vorstellen kann. Lediglich die häufig wiederkehrenden Wechsel von Zeit und Perspektive haben mich manchmal überrumpelt. Zugleich waren sie ein tolles Stilmittel, denn sie haben häufig eine überraschende Wendung oder einen Aha-Effekt beinhaltet. Das Ende empfinde ich als eine gute Ausgangslage für den zweiten Band, da er einerseits rund ist, aber andererseits doch noch einige Fragen aufwirft, deren Antworten man unbedingt erfahren will.

 

Wer sich für das moderne Japan und / oder die japanische Götterwelt interessiert, der kann mit dieser Reihe nicht viel falsch machen.

 

 

Die Reihe um Mei und Tián:
Liebe und Zorn - im Bann der Shinto-Götter
Liebe und Neid - Im Visier der Shinto-Götter (Rezension: http://www.lovelybooks.de/autor/An-Lin/Liebe-und-Neid-Im-Visier-der-Shinto-G%C3%B6tter-Mei-und-Ti%C3%A1n-2-1200860068-w/rezension/1205094969/)

Autor: An Lin
Buch: Liebe und Zorn - Im Bann der Shinto-Götter
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