Ana Bilic

 3.1 Sterne bei 16 Bewertungen

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Anatomie einer Absicht

Anatomie einer Absicht

 (16)
Erschienen am 16.03.2016

Neue Rezensionen zu Ana Bilic

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louzillas avatar

Rezension zu "Anatomie einer Absicht" von Ana Bilic

Unerfüllte Erwartungen
louzillavor 2 Jahren

Insgesamt fand ich die Lektüre des Romans interessant. Die Idee, darzustellen, wie es zu einem Mordplan gegen den eigenen Ehemann kommt, an sich ist gut. Sprachlich erinnert das Werk eher an ein Drama, da der Großteil dialogisch bzw. als innerer Monolog abgefasst ist (was keine Kritik sein soll).
Was mich stört, ist der unpassende Titel und Klappentext. Da werden falsch Erwartungen geweckt, die zwangsläufig enttäuscht werden.
Außerdem fehlen ein Zusammenhang und ein Kern. Soll heißen: Die Kapitel stehen sehr isoliert und haben kaum Bezug zu einander. Um das Ganze rund zu machen wie beispielsweise bei Daniel Kehlmanns "Ruhm" (9 Kurzgeschichten, die alle mehr oder weniger deutliche Verknüpfungspunkte aufweisen), müssten die Kapitel so wie eine Kurzgeschichte für sich stehen können. Das tun sie aber nicht. Die andere Möglichkeit ist, dass die Kapitel sich alle auf einen gemeinsamen Kern beziehen, (der Mordplan zum Beispiel). Das tun sie aber auch nicht.
Auch findet die Handlung keinen Abschluss: Lidia, um die es eigentlich die ganze Zeit geht, verschwindet einfach von der Bildfläche.
Und noch etwas hat mich gestört: Es fehlt ein Unterton, der den beschriebenen Frauentypus, den Lidia (und ihre Putzfrau) verkörpert, kritisiert. Bei ihr sind es immer die anderen, die Schuld an ihrer Misere haben. Dass sie ihren Teil dazu beiträgt, sieht sie im Grunde genommen nicht. Zwar merkt sie, dass sie schwach ist, aber dagegen anzukämpfen, sich Hilfe zu suchen, tut sie nicht. Falls die Autorin Kritik an den Menschen und der Gesellschaft üben wollte, so gelingt ihr das nicht, weil diese (mögliche) Botschaft nicht deutlich wird.
Alles in allem ist es eine kurzweilige Lektüre, die jedoch zu viele Stereotypen und Klischees bedient.

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Rezension zu "Anatomie einer Absicht" von Ana Bilic

Gute Grundidee, aber etwas zu unrund
Ein LovelyBooks-Nutzervor 2 Jahren


Lidia hat die Nase gestrichen voll. Sie hat beschlossen, einen Schlussstrich unter ihre Ehe zu ziehen - indem sie ihren Ehemann umbringt. Die Möglichkeit hat längst Gestalt angenommen, aber die Beweggründe werden anschaulich dargestellt: Lidia lässt im ersten Abschnitt keinen Zweifel daran, dass sie ihren Mann Helmut als Monster sieht und ihre Ehe als Schreckensszenario.
Nun also möchte sie Helmut mit seinem Lieblingsgericht überraschen - es ist aber auch zu gut, dass er Pilze liebt und sich in dieses Gericht auch schnell mal der ein oder andere giftige verirren kann.

Nun könnte man der Ansicht sein, dass Lidia ein Opfer ist, ja, dass es ihr richtig schlecht geht. Doch weit gefehlt - Lidia führt ein privilegiertes Leben und wird nicht mit Gewalt, Hass oder anderen Bedrohlichkeit konfrontiert. Nachvollziehbar ist, dass Lidia unglücklich ist und so nicht weitermachen möchte - aber zum Scheitern ihrer Ehe tragen sowohl Ehefra als auch Ehemann bei. Hier würde eine Scheidung alle Zwecke erfüllen, doch Lidia will mehr. Sie will ihren Ehemann auslöschen, da sie beschlossen hat, dass er seine Chance auf eine Existenz vertan hat.

[i]"Er existiert nicht mehr, weder für mich noch für sich selbst. Er besteht nur. So wie ein Stuhl oder Stein besteht. Er braucht jetzt eine andere Lebensform, die derzeitige hat er schon verbraucht." (S.11)[/i]

Im zweiten Abschnitt lernen wir Helmut kennen und das ein oder andere besser verstehen. Für mich war Lidia zu Beginn nicht sympathisch und auch der zweite Blickwinkel machte es nicht besser. Wobei das nicht automatisch heißt, dass es sich auf die Seite des unwissenden Ehemanns zu schlagen bedeutet. Vielleicht lohnt sich die Erkenntnis, dass die beiden sich gefunden und auch irgendwie verdient haben? Der schmale Roman lässt aber noch weitere Perspektiven zu...

Viele der Ideen und Beschreibungen, die beinahe wie Sezierungen wirken, sind durchaus beachtenswert - aber irgendwie wollte kein Lesefluss aufkommen. Einige Sätze waren messerscharf und böse, intelligent und irgendwie erfrischend, andererseits ist das "Kaputte" dieser Beziehung auch ganz schön ernüchternd. Nichtsdestotrotz gefällt mit die Grundidee Ana Bilics sehr gut und den nötigen Umgang mit Sprache hat sie in meinen Augen. Aber insgesamt waren mir die 160 Seiten etwas zu holprig, zu unrund - kurz, mir fehlte irgendwie die Klammer, die alles zusammenhält.

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Bücherkrähes avatar

Rezension zu "Anatomie einer Absicht" von Ana Bilic

Zähe Geschichte
Bücherkrähevor 3 Jahren

Lidia hat genug. Genug von ihrem Mann, genug von ihrer Ehe. Sie will den Tod ihres Mannes. Sie schildert wie sie vorgehen möchte, vor allem aber erzählt Lidia, warum ihr nur der Tod ihres Ehemannes Helmut Genugtuung verschaffen kann. Minutiös berichtet sie von ihrer Ehe, ihren Gefühlen und ihrem Mann. Und dann kommt doch alles anders.

Der Roman ist recht kurz, einfach geschrieben und in fünf Abschnitte aufgeteilt, von denen drei Introspektiven sind. Neben Lidia erhält man auch von Helmut Einblicke in seine Sicht auf die Ehe.
Das längste Kapitel gehört Lidia und ihren ausschweifenden Erzählungen, wie schrecklich ihre Ehe sei, wie sehr sie zu leiden habe und warum all dies den Mord an ihren Mann rechtfertigen würde. Sie berichtet davon, wie ihr Mann sie in ihrer Arbeit belächelte, versuchte sie kleinzuhalten, sie als eigenständige Frau nicht ernst nahm. Er wünschte sich eine Accessoire-Frau, die nicht arbeitete sondern zu Hause blieb und, wenn Geschäftspartner oder Freunde zu Besuch kamen, repräsentativ am Tisch saß.
Betrachtet man Lidias Erzählungen nüchtern, lebte sie in einer unglücklichen Ehe. Ebenso nüchtern betrachtet war Lidia aber bei weitem nicht unschuldig daran. Ihr Verhalten erinnert oft an eine bockige Teenagerin, Kommunikation schien ein Fremdwort für sie zu sein, und die Folgen ihres Handelns waren nie ihre, sondern grundsätzlich Herberts Schuld.
Es gibt Situationen, da versteht man, warum ein Mensch den anderen umbringt oder es zumindest möchte. Lidias Ehe gehört nicht dazu, schon gar nicht mit ihrer Argumentation. Eine Scheidung aber reicht ihr nicht, sie will die Existenz ihres Mannes komplett auslöschen, und das aus dem einfachen Grund, weil er nicht so ist und funktioniert wie sie es erwartet.
Lidia bleibt als Charakter fremd. Ihre Gefühlsregungen und Verhalten gegenüber ihrem Mann sind oft einfach nicht nachvollziehbar.

Die fünf Kapitel bilden eine chronologische Linie, aber das ist auch das einzige, das sie verbindet. Kein Kapitel bezieht sich auf das vorherige. Zwei Kapitel stehen sogar derart außerhalb des Geschehens, dass man sich fragt, ob sie wirklich notwendig waren, denn zur Geschichte oder Verständnis von Lidias Beweggründen tragen sie nichts bei.

Hätte ich dieses Buch nicht im Rahmen einer Leserunde bekommen, ich hätte es vermutlich nicht beendet. Dennoch vielen Dank an den Hollitzer Verlag für die Bereitstellung des Leseexemplars.

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Gespräche aus der Community

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literaturschocks avatar

Wie verträgt sich Liebe auf Dauer? Eine Ehe ist ein Vertrag, und eines Tages kommt die Abrechnung.

Und heute Morgen sagte ich ihm:
„Helmut, am Abend kriegst du deine feinen Pilze …“
– Er lächelte glücklich wie ein Kind.

Eine Frau will nach über vierzehn Jahren des Zusammenlebens ihren Ehemann töten, so die klare und widerspruchsfreie Absicht. Es gibt dafür keinen konkreten Anlass oder triftigen Grund, vielmehr ist dieses Vorhaben ihre Konsequenz seiner verachtenswerten Logik von Beziehung. Mit wissenschaftlich kühlem Blick schildert die Ich-Erzählerin Gestalt, Lage und Struktur ihrer Absicht, seziert nüchtern den Verlauf ihrer Ehe, erfahrene Verletzungen, Manipulationen, Ignoranz. Es ist die über die Jahre unerträglich gewordene Sinnlosigkeit seines Lebens, die sie nun, da es aus ihrer Sicht jeglichen Wert eingebüßt hat, zur Vollendung bringen, zu einer Tatsache machen will, indem sie ihm giftige Pilze vorsetzt. Im Bewusstsein der Absurdität eines solchen Verhaltens bleibt ihr scheinbar keine andere Wahl.

Würde nicht der Zufall letztlich des Lebens Orchester dirigieren …


Zur Autorin:
Ana Bilić, geboren 1962 in Zagreb, arbeitet seit 20 Jahren als freiberufliche Prosa- und Theaterautorin in Wien. In ihrem künstlerischen Lebenslauf setzt sie sich nach einem abgeschlossenen Jura-Studium in Zagreb und Wien mit Themen in den Bereichen Belletristik, Poesie und in jüngster Zeit auch Film auseinander. Als zweisprachige Autorin verfasst sie Literaturwerke auch auf Kroatisch.
Unter anderem erschien bei Hoffmann und Campe ihr Roman „Das kleine Stück vom großen Himmel“, 2008 gewann sie den exil-literaturpreis, der Text „Integrationswettbewerb“ wurde im Volkstheater am Hundsturm Wien uraufgeführt.

Zu ihrem Buch „Anatomie einer Absicht“ übernahm sie die Regie für den Videotrailer zum Buch – zu sehen auf dem Youtube-Kanal des Hollitzer Verlags und auf der Amazon-Autorenseite von Ana Bilić.
Mehr über die Autorin auf ihrer Webseite www.ana-bilic.at

Zusammen mit dem Hollitzer-Verlag verlosen wir 10 Exemplare von "Anatomie einer Absicht" unter allen, die sich auf ein ganz besonderes Abenteuer einlassen wollen. Wenn ihr an der Leserunde teilnehmen möchtet, müsst ihr euch dafür über den "Jetzt bewerben"-Button bewerben*, indem ihr bis zum 14.04. auf diese Frage antwortet:

Wie würdet ihr den perfekten Mord planen?

Ich bin gespannt auf eure Antworten und wünsche euch viel Glück!

* Im Gewinnfall verpflichtet ihr euch zur zeitnahen und aktiven Teilnahme am Austausch in allen Leseabschnitten der Leserunde - am besten innerhalb von vier Wochen nach Erhalt des Buches - sowie zum Schreiben einer Rezension, nachdem ihr das Buch gelesen habt. Bestenfalls solltet ihr vor eurer Bewerbung für eine Leserunde schon mindestens eine Rezension auf LovelyBooks veröffentlicht haben. Bitte beachtet, dass wir nur Gewinne nur innerhalb Europas und nur einmal pro Haushalt verschicken.

Weitere Leserunde ab 20.05. auf Literaturschock geplant. Dort werden ebenfalls bis zu 10 Exemplare des Buches verlost.

Viel Spaß und viel Glück!
Susanne
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