Ana M Matute

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Unbewohntes Paradies

Unbewohntes Paradies

 (7)
Erschienen am 13.09.2010

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Rezension zu "Unbewohntes Paradies" von Ana M Matute

Die Entführung in einen ganz eigene traurig-schöne Lesewelt
Jsbivor 3 Jahren

Ana María Matute gelang in diesem Roman das Wunderbare, was beim Lesen passieren kann. Sie entführt den Leser in eine Welt der Träume und der Fantasie. Ihre Sprache ist einzigartig und sie beschreibt die Gefühle und Sehnsüchte auf eine Art und Weise, dass man meint, die Charaktere vor sich zu haben. Durch das Lesen wird ein Mitgefühl entfacht und man ertappt sich immer wieder dabei, sein eigenes Leben nach auftretenden Bezugspersonen zu durchstöbern. Auch wenn die Handlung eher schlicht ist, wird das Buch nie langweilig, anstelle von Langeweile tritt beim Umschlagen der letzten Seite eher eine Traurigkeit auf, da der Lesezauber vorbei ist...

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Rezension zu "Unbewohntes Paradies" von Ana M Matute

Rezension zu "Unbewohntes Paradies" von Ana M Matute
Ein LovelyBooks-Nutzervor 8 Jahren

Das Buch "Unbewohntes Paradies" von Ana María Matute, das ich vom Verlag Hoffmann und Campe freundlicherweise zum Rezensieren übersandt bekam und bei dem ich mich hiermit auf das Herzlichste dafür bedanke, zählt für mich eindeutig zu den wichtigsten, berührendsten und warmherzigsten Romanen, die ich je gelesen habe.

Das Buchcover zeigt den Hinterkopf eines kleinen, zierlichen Mädchens mit Zöpfen und viel zu großen roten Schleifen im Haar. Dieses Bild ist gut gewählt, denn in Adrianas Welt im Madrid der dreißiger Jahre ist irgendwie alles zu groß für sie, selbst ihr Name.
Daher wird dieses kleine, elfengleiche Geschöpf auch von allen Adri genannt. Ihre Mutter, die nicht dazu steht, dass ihre Liebe zu ihrem Mann längst erkaltet ist und sich als Ersatz den Gepflogenheiten der besseren, katholischen Gesellschaft Spaniens unterwirft, weiß nichts mit der Kleinen anzufangen und so wächst Adri in der Küche und den Wirtschaftsräumen des Hauses bei der Wirtschafterin Tata María und dem Hausmädchen Isabel auf, wo sie sich allerdings den größten Teil ihrer frühen Kindheit meist unter dem Tisch am liebsten unsichtbar für alle macht. Des Nachts, wenn alles schläft, wandert sie durch den dunklen Korridor, der in ihrer Vorstellung zu einem gefahrvollem Strom wird, worauf sie Abenteuer erlebt, in den großen Salon, wo sie beobachtet, wie ein Einhorn aus einem Gemälde flieht und wieder zurückkehrt, beobachtet den Lampenanzünder, die Lieferanten und Chauffeur und schafft sich immer mehr ihre eigene Traumwelt. Wie ihre Tante Eduarda feststellt, lebt sie in ihrer eigenen kleinen Welt als Gnom und spricht ihre eigene Sprache.

In der Mädchenschule, in die man sie ab einem bestimmten Alter steckt, muss sie recht schnell die Erfahrung machen, dass Intelligenz und Fantasie, Hinterfragen von Dogmen und Anzweifeln der starren Lehrmethodik nicht erwünscht ist. Sie gilt bald als widerborstiges, böses Kind und zieht sich immer mehr in sich selbst zurück. Vorsichtige, sehr zurückhaltend gezeigte Wärme und Zuneigung erhält sie nur vom Personal und als ihr Vater mit ihr einen ganzen Tag verbringt, wird klar, dass auch er unfähig ist, ihr echte Zuwendung zu geben. Außer durch fast verstohlenem Händedrücken kommuniziert er so gut wie gar nicht mit ihr, nimmt sie aber mit ins Kino zu einem Abenteuerfilm. Adriana ist völlig überwältigt, geht komplett mit den Geschehnissen im Film mit und wird prompt krank. Der einzige Mensch, der erkennt, dass das Mädchen ausgehungert nach echter Wärme und liebevoller Zuwendung ist, ist der Arzt der Familie.

Doch Adrianas Leben ändert sich erst, als im Nachbarhaus eine Russin mit ihrem Sohn Gavrila und dessen fürsorglicher Hausverwalter Theo einzieht. Gavrila ist genau so einsam wie sie, denn seine Mutter ist eine berühmte Ballerina und hat ebenfalls keine Zeit für ihr Kind.
Zunächst heimlich und mit der Zeit immer mehr mit dem Wissen und der Befürwortung des Personals, die beide Kinder bedauern, freunden sich Adriana und Gavrila nicht nur auf bezaubernde Weise an, sondern es wächst echte Liebe zwischen ihnen, die beide stärkt und erfüllt.

Doch ihre kleine, heile Welt ist allerorts gefährdet. Das Erwachsenwerden, der stärker werdende Versuch des Proletariats, die Macht zu ergreifen und den Kapitalismus zu stürzen, Brutalität, Ignoranz und Neid anderer Menschen und Krankheiten bedrohen das Glück der Kinder.
So wundervoll poetisch zeichnet die Autorin ihre Protagonisten, dass man als Leser versucht ist, die eigene Hand schützend um die Kinder zu legen, um sie vor dem Unvermeitlichen zu schützen und abzuschirmen, wohl wissend, dass das leider nicht auf Dauer geht.

Aber die unvergleichliche Schreibweise von Ana María Matute, die den Leser durch das Miterleben der ungewöhnlichen, herzerwärmenden Freundschaft der beiden Kinder in die traumhafte Kinderzeit zurückversetzt, in der alles möglich schien, tröstet den Leser doch über den tragischen Schluß hinweg und man kann gut nachvollziehen, dass diese Autorin zu den ganz großen und bedeutenden Schriftstellern Spaniens zählt.

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Rezension zu "Unbewohntes Paradies" von Ana M Matute

Rezension zu "Unbewohntes Paradies" von Ana M Matute
Ailisvor 8 Jahren

Mein letzter realer Spanienurlaub liegt nun schon weit über 15 Jahre zurück und ich habe nicht mehr viele Erinnerungen. Aber wer Spanien hört, denkt meist an Sonne, Strand und Meer, an Siesta und Fiesta, manche auch nur an Villariba und Villabajo.
Mit all dem hat "Unbewohntes Paradies" von Ana María Matute nur wenig gemein. Wer mich nach dieser literarischen Reise fragt, wie Spanien denn nun ist, dem möchte ich antworten: Spanien ist zauberhaft und es ist voller Poesie!
Ana María Matute lässt uns dieses Spanien durch die Augen der kleinen Adri erblicken. Als Adri auf die Welt kommt, ist die Ehe ihrer Eltern im Grunde schon am Ende, nur wollen sie es sich noch nicht eingestehen. Leider führt das auch dazu, dass Adri das Gefühl hat, nicht willkommen zu sein. Ihre Geschwister sind einige Jahre älter als sie und wissen mit dem kleinen Nachzügler nichts anzufangen und auch die Eltern sind zu sehr mit sich selbst beschäftigt und vermitteln Adri das Gefühl, nicht mehr als ein geduldeter Gast zu sein. Und so werden das Kindermädchen Tata María und die Köchin Isabel ihre Familie, die auch zu ihr hält, als sie sich mit Beginn der Schulzeit zu einem schwierigen Kind entwickelt. Adri hat keine Freundinnen, denn Adri ist anders als andere Kinder: sie sieht Dinge, die sonst niemand wahrnimmt. Sie sieht, wie das Einhorn aus seinem Bild flüchtet und zurückkehrt, sie sieht seine Spuren im Schnee und sie hört seinen Hufschlag. Ihre Isolation endet erst, als sie während einer langen Krankheit Gavi kennenlernt. Gavi wohnt nebenan und ist der Sohn einer russischen Ballerina, die allerdings mit ihrem Verehrer in Paris lebt, während ein Diener sich liebevoll um den Jungen kümmert. Beide Kinder sind Außenseiter und einsam und so klammern sie sich aneinander. Doch Adri wird älter und rückt so ins Blickfeld ihrer Mutter, die es für ein junges Mädchen nicht schicklich hält, mit einem Jungen befreundet zu sein. Doch Adri und Gavi halten aneinander fest, bis das Schicksal erbarmungslos zuschlägt...

Ana María Matute ist es gelungen, die Traurigkeit einer einsamen Kindheit einzufangen, ebenso aber auch die Stärke einer kleinen Kämpferin, die das Leben nicht so nehmen will, wie es sich ihr darbietet. Adri erschafft sich ihren eigenen Kosmos, zu dem einzig Gavi Zutritt findet - Gavi, der ebenso einsam ist wie Adri, aber auch ebenso zauberhaft! Wie zwei Ertrinkende klammern sie sich aneinander und schenken sich ein Leben voller Zauber und Liebe.
Die Sprache dieses besonderen Romans ist unglaublich einfühlsam und Ana María Matute ist eine Frau der leisen, aber dennoch kraftvollen Töne. Ihrer kleinen Heldin gibt sie nach und nach eine Stimme, die sich Gehör verschafft und deutlichere Worte findet, um ihre Gefühle zu beschreiben und letztlich zu vermitteln. Und so wie Adri wächst und selbstsicherer wird, so werden auch ihre Worte kraftvoller und lauter.
Ich hoffe, dass ich bald wieder in dieses Spanien reisen kann: ein Land, in dem es Einhörner gibt und Feen, Gnome und Riesen und in dem Musik in die Luft gemalt wird.

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