Anais Nin Die Tagebücher der Anais Nin 1

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Inhaltsangabe zu „Die Tagebücher der Anais Nin 1“ von Anais Nin

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  • Rezension zu "Die Tagebücher der Anais Nin 1" von Anais Nin

    Die Tagebücher der Anais Nin 1
    Sokrates

    Sokrates

    18. February 2011 um 12:34

    Der erste Band der Tagebücher (oder auch die „Lügenbücher“ wie die Biographin Deirdre Bair in ihrer Anais Nin-Biographie zu berichten weiß, Seite 9) der Anais Nin (1903-1977) setzen im Jahr 1931 ein. Nin ist bereits mit Henry Miller (amerikanischer Schriftsteller) bekannt, es kommt zu seitenlangen Schilderungen fast manischer Begeisterung zu Millers neuer Freundin June. Anais Nin wird diese Begegnung, die für sie nicht nur rein freundschaftlicher Art ist, in dem gleichnamigen Buch „Henry, June und ich“ verarbeiten. Das Tagebuch ist voll mit begeisterten Passagen, fast obsessiven Schilderungen dieser June. Daneben stellt Anais Nin auch dar, wie Henry Miller weiterhin andere Frauen hatte. Sein Verhältnis zu Frauen hatte sowieso einen sehr offenen, nicht festgelegten Charakter mit ständig wechselnden Sexualpartnerinnen. Anais Nin schreibt locker, frei, offen über ihre Erlebnisse. Deutlich wird jedoch ihre fast obsessive, ja manische Begeisterung für June. Beim Lesen der ersten 50 Seiten war diese Frau das beherrschende Motiv. Hinzu kommt ihr Mann Henry; auch er nimmt eine zentrale Stellung in ihrem Tagebuch ein. Durchsetzt sind die Erzählungen von wortwörtlich widergegebenen Sitzung bei ihrem Psychiater Dr. Allendy, dem sie sämtliche Gedanken und Begebenheiten mit ihren Liebhabern verschiedenster Sorte wiedergibt. Ich muss ehrlich zugeben, dass dieses obsessive Kreisen um die eigene Mitte an vielen Stellen etwas einschläferndes, ja nerviges hat. Leider, denn die Autorin lässt einen wenig an intellektuellen Erfahrungen teilhaben, nur an ihren emotionalen Hoch- und Tiefflügen, die sich weitgehend auf Sexuelles beschränken. Dies lässt viele Rückschlüsse auf ihre Persönlichkeit zu. Gut für das Verständnis der Tagebücher ist m. E. eine Biographie zu Anais Nin; zu empfehlen ist hierbei Deirdre Bair (btb Siedler Taschenbuch, siehe meine Rezensionen). Es erklärt nicht nur ihre Beziehungen, sondern auch ihre Persönlichkeit. So merkt Deirdre Bair an, dass Anais Nins Lebensgefährte Rupert, der mit ihr bis zu ihrem Tod im Jahre 1977 zusammenlebte, die jetzige Fassung der Tagebücher im Wesentlichen bearbeitet hat und hierbei eine sehr individuelle Schwerpunktsetzung vorgenommen hat, die v.a. den von mir oben genannten Eindruck über Anais Nins Persönlichkeit vermittelt. Wer mehr zu ihr erfahren möchte, der sollte zur Komplettierung der Tagebücher diese Biographie lesen. Zur Entstehungsgeschichte der Tagebücher sei angemerkt, dass Anais Nin ein Leben lang schwerpunktmäßig Tagebuch geschrieben hat. Schon sehr früh begann sie – angeregt durch ihren Ehemann Hugo oder ihre Liebhaber – über eine Veröffentlichung nachzudenken. Zu einer ersten Publikation kam es indes erst in den 1950er Jahre; jahrzehntelang waren ihre Manuskripte bei den verschiedensten Verlagen immer wieder abgelehnt worden, insbesondere mit dem Argument, dass sie keinen Leserkreis finden würden. Nun: auch heute noch ist es eine nicht sehr leichte Kost. Die Tagebücher reflektieren wenig Zeitgeschehen, nehmen es fast gar nicht wahr. Ihr Schwerpunkt liegt nur auf der Wiedergabe persönlicher Eindrücke und Gefühle. Zeitdokumente sind sie insoweit nicht bzw. nur bedingt. So gesehen werden sie meiner Meinung nach auch heute noch einen sehr kleinen Kreis an Interessierten ansprechen.

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